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    MOSKAU, 29. Juli (RIA Nowosti)

    “Nesawissimaja Gaseta“

    Brzezinski prognostiziert Probleme für Russland

    In den USA verbreitet sich die Enttäuschung über die Tendenz, die Russland von der Demokratie wegführt. Das stellte Zbigniew Brzezinski, namhafter Politologe, Diplomat und früherer Sicherheitsberater des USA-Präsidenten, in einem am Freitag in der „Nesawissimaja Gaseta“ veröffentlichten Interview fest. Der entstehende Personenkult bremst die Umwandlung Russlands in ein modernes führendes demokratisches europäisches Land. Die Chancen dafür, dass das einsame Russland einmal seinen Osten verliert, nehmen zu.

    Nach dem heutigen Stand habe Amerika als die einzige Supermacht dominierende Positionen in der Welt, es sei aber nicht allmächtig, so Brzezinski. Europa erhebe sich langsam und wird voraussichtlich hinsichtlich des globalen Einflusses das zweitstärkste sein, gefolgt von China und Japan und danach eventuell von Russland bzw. Indien.

    Ob Russlands Einfluss in den nächsten 15 Jahren steigen oder nachlassen wird, hänge davon ab, wie stark es mit Europa verbunden sein wird. Dies hängt wiederum davon ab, ob Russland eine Demokratie und in der Lage sein werde, seine Probleme im Kaukasus mit zivilisierten Mitteln zu regeln und ob es nicht länger bei seinen Nachbarn Feindseligkeit und Angst hervorrufen werde, so Brzezinski.

    Auf das Problem des Terrorismus eingehend, verwies der Politologe darauf, dass in der heutigen Welt das Risiko eines Zivilisationskonflikts mit dem Islam bestehe. Insofern sei es so wichtig, mit gemäßigten moslemischen Führungspolitikern zusammenzuarbeiten, statt diese abzustoßen und sich diesen entgegenzusetzen. Gerade der Mord am gemäßigten Spitzenpolitiker wie Itschkerias Präsident Aslan Maschadow hat nach seiner Auffassung dazu geführt, dass die Terroristen im tschetschenischen nationalen Befreiungskampf jetzt stärker dominieren, während sich der Terrorismus nun über den gesamten Kaukasus verbreitet.

    Während aber das Tschetschenien-Problem spezifisch russisch sei, habe der Krieg in Irak nicht nur dieses Land, sondern auch die angrenzenden moslemischen Länder in einen Brutkasten antiamerikanischer, antibritischer, antiisraelischer usw. Terroristen verwandelt, betonte er.

    „Wojenno-promyschlenny Kurjer“

    Experte: Schwarzmeerflotte muss nach Russland verlegt werden

    Moskau bereitet zwar neue Stützpunkte an der Schwarzmeerküste vor, eine prinzipielle Entscheidung über die Verlegung aller Schiffe der Schwarzmeerflotte, die im ukrainischen Sewastopol stationiert wird, ist aber noch nicht getroffen. Nach Ansicht von Militärexperten könnte diese Haltung der Seesicherheit Russlands schaden, schreibt die Wochenzeitung „Wojenno-promyschlenny Kurjer“ (Kurier der Militärindustrie).

    Admiral Eduard Baltin, früherer Chef der Schwarzmeerflotte, ist der Auffassung, dass bereits jetzt eine neue gründliche und umfassende Infrastruktur für die russischen Schiffe in der Region Krasnodar aufgebaut werden müsste. Man sollte nicht darauf hoffen, dass es gelingen würde, die Flotte im Jahre 2017, wenn die Pachtfrist des Stützpunkts in Sewastopol abläuft, auf der Krim zu belassen bzw. nach Noworossisk abzuziehen, wo derzeit an einem neuen Marinestützpunkt gebaut wird.

    „In Noworossisk darf man aus Witterungsbedingungen nichts bauen, höchstens einen Stationierungspunkt“, so der Admiral. „Der Raum von Tuapse ist überhaupt ein Kurort, dort gibt es kein Territorium für die Infrastruktur der Flotte“. Der Bau eines neuen Stützpunkts wäre im Raum von Soljonyje Osjora („Salzseen“) in der Nähe von Anapa zweckmäßig. Dies sei ein überaus kostspieliges Projekt, einen anderen Ausweg gebe es aber nach seiner Ansicht nicht.

    Bereits jetzt hänge die Schwarzmeerflotte völlig von der Ukraine ab. „In Sewastopol haben wir keine Kontrolle über den Luftraum sowie über die Überwasser- und Unterwasser-Situation“, so Baltin. „Die Flotte ist bei ihrer Tätigkeit an Händen und Füßen gebunden. Dies ist mehr eine politische als eine militärische Präsenz.“

    Das weitere Schicksal der Schwarzmeerflotte bleibt insofern vorerst ungewiss. Die Ukraine, die in die NATO will, hat nicht vor, den Pachtvertrag für Sewastopol nach 2017 zu verlängern, während Russland irgendwie willenlos nach neuen Ersatzstationierungspunkten sucht. Problematisch bleiben Fragen der Seegrenzen zwischen der Ukraine und Russland (die Straße von Kertsch). All das zeugt von einer angespannten Situation und möglichen geopolitischen Verlusten für Russland, stellt das Blatt abschließend fest.

    “Kommersant“

    Russische Fluggesellschaft erschließt Lufttransportmarkt Europas

    Eine namhafte ausländische Fluggesellschaft wird erstmals einen russischen Eigentümer haben. Der Vorstand der Staatlichen Privatisierungsbehörde Ungarns teilte am Donnerstag mit, die Gesellschaft Airbridge Rt, eine mit den Privataktionären der russischen Fluggesellschaft Krasair befreundete Firma, habe den höchsten Preis für das staatliche Aktienpaket von 99,95 Prozent der ungarischen Fluggesellschaft Malev angeboten.

    Wie Krasair-Generaldirektor Boris Abramowitsch mitteilte, würden die endgültigen Malev-Verkaufsbedingungen bereits nächste Woche abgestimmt, das Geschäft solle bis zum 15. August geschlossen werden.

    Malev verfügt über 28 Maschinen (15 davon neue Boeing 737 Next Generation). Im vergangenen Jahr beförderte die Fluggesellschaft zwei Millionen Passagiere. Die Schulden des Unternehmens betragen 178,8 Millionen Dollar. Der Hauptvorteil der Fluggesellschaft sei nach Ansicht von Experten das Netz ihrer Routen, das ganz Europa umfasst.

    Krasair ist in Bezug auf den Transportumfang die viertgrößte Gesellschaft Russlands: 2004 beförderte sie 1,9 Millionen Fluggäste. Die Kontrollmehrheit gehört dem Staat, die restlichen Aktien natürlichen und juristischen Personen, u. a. den Brüdern Boris und Alexander Abramowitsch, die die Gesellschaft leiten. Mit Unterstützung von Beamten bildeten sie im vergangenen Jahr eine Allianz unter dem Namen AiRUnion, zu der neben Krasair weitere vier Unternehmen gehören.

    Andrej Martirossow, Generaldirektor der Fluggesellschaft Utair, bewertete den Erwerb von Krasair als „interessant und kühn“. Auf diese Weise würde Krasair zusätzlich zu seinem Knoten in Krasnojarsk den East-Hub (osteuropäischer Transport- und Logistikknoten) mit einem gut ausgebildeten Personal und einer technischen Basis für die Betreuung westlicher Maschinen bekommen.

    „Es wäre logischer gewesen, alle Finanz- und Managementressourcen in Russland zu konzentrieren, insbesondere angesichts der Tatsache, dass der einheimische Lufttransportmarkt offensichtlich in eine Periode der Stagnation, wenn nicht eines Verfalls, hineingeht“, meinten Vertreter einer anderen großen Fluggesellschaft zur Initiative der Krasair-Aktienbesitzer

    „Wedomosti“

    Russlands Ölgesellschaften ziehen Binnenmarkt vor

    Der Anstieg der Exportzölle für Erdöl hat die Ölunternehmen gezwungen, den Binnenmarkt vorzuziehen. Sie reduzierten den Rohstoffexport und steigerten ihre Lieferungen an den Binnenmarkt, berichtet die Geschäftszeitung „Wedomosti“ am Freitag.

    Seit Anfang 2004 sind die Ölexportzölle auf 136,2 Dollar pro Tonne und damit rund auf das 4,5-fache gestiegen, führt das Blatt weiter aus. Die Weltmarktpreise haben sich im gleichen Zeitraum lediglich verdoppelt. „Der Markt ist mit einer paradoxen Situation konfrontiert: Der Absatz auf dem Binnenmarkt ist rentabler als der Export geworden“, so Lew Snykow, Chefanalytiker der Investmentgesellschaft FIM Securities.

    Nach Ansicht von Lukoil-Chef Wagit Alekperow bringt jede exportierte Tonne Erdöl seinem Ölunternehmen 100 Dollar Reingewinn, während der Absatz auf dem Binnenmarkt einträglicher ist. Nach Ansicht Snykows macht der Unterschied Bruchteile eines Prozents aus.

    „Der Binnenmarkt ist begrenzt, die Ölunternehmen werden auf seinen Kosten nicht lange durchhalten können, bereits 2006 kommt aber eine Wende“, prognostiziert er. „Als erste wird die Regierung nachgeben, die gezwungen sein wird, die Steuerlast zu verringern. Die Benzinpreise werden die Ölunternehmen kaum herabsetzen, obgleich sich die Beamten bereits ‚besorgt’ geäußert haben“.

    Vor einem Monat führte das Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Handel den Rückgang des Ölexports auf „eine Tendenz zur Verlangsamung des Wirtschaftswachstums“ zurück: Das BIP-Wachstum im Zeitraum vom Januar bis Mai machte 5,4 Prozent gegenüber 7,5 Prozent im Vorjahr aus. Nach Ansicht von Experten des Ministeriums wäre es „unter den entstandenen Bedingungen kompliziert“, den Jahresplan für die Gesamtförderung in Höhe von 475 Millionen Tonnen zu erfüllen. Nicht alle Vertreter der Branche teilen aber diese Ansicht. „Die überschüssigen Ölprodukte lassen sich immer exportieren“, entgegnet ein Manager des Joint Ventures TNK-BP. Die jetzige Situation werde bis 2007/2008 andauern. „Neben der hohen Steuerbelastung gibt es hier auch zu viele andere Faktoren“, meinte er. „Dazu gehören der Rückgang des Fördertempos und der Mangel an preisgünstigem Pipelinetransport.“

    Die Umstellung der Ölunternehmen auf den Innenmarkt traf die Binnenschiffreedereien und die Eisenbahn. Im 1. Halbjahr mussten sie den Ölexport jeweils entsprechend auf ein Siebtel und um 40 Prozent verringern.

    Nach Ansicht des TNK-BP-Managers ist dies aber kein besonderes Problem. Die Transportunternehmen würden „ihre Verluste mit Ölprodukten kompensieren“.

    „Nesawissimoje wojennoje obosrenije“

    Jeder dritte Rüstungsbetrieb in Russland ist bankrott

    Jeder dritte Rüstungsbetrieb in Russland ist faktisch bankrott. Zu diesem Schluss gelangten Experten aus dem Departement für Rüstungsindustrie des russischen Industrie- und Energieministeriums nach einer Analyse der Umsetzung des staatlichen Rüstungsprogramms für 2002 bis 2006, schreibt die Wochenschrift „Nesawissimoje wojennoje obosrenije“ („Unabhängige Militär-Revue“) am Freitag.

    Analytiker rechnen in den nächsten Jahren „mit einem Rückgang der Einnahmen aus dem Export von Rüstungen und Kriegstechnik und mit einem Verlust der Absatzmärkte, weil der wissenschaftlich-technische Vorlauf beinahe erschöpft ist“, heißt es in einem Bericht des Departements. Demnach sind mehr als 50 Prozent der einmaligen Technologien, auf deren Grundlage die wichtigsten Waffentypen hergestellt werden, entweder eingebüsst worden oder sie seien überholt.

    Der Zustand vieler Rüstungsunternehmen sei in vieler Hinsicht unbefriedigend. Mehr als die Hälfte der Werkzeugmaschinen der meisten von ihnen ist zu 100 Prozent verschlissen. Das Realeinkommen vieler Unternehmen liege bei nur 0,03 Prozent. Das genügt nicht, um die Produktion zu entwickeln.

    Noch schlimmer sei es um das Personal bestellt. Das durchschnittliche Alter der Mitarbeiter der Rüstungsbranche betrage heutzutage 54 Jahre. Bei den Forschungsinstituten, die ebenfalls mit der Rüstungsindustrie verbunden sind, sogar 57 Jahre. 90 Prozent ihrer Mitarbeiter sind über 50 Jahre alt.

    Die Verschlechterung der Situation in der Rüstungsindustrie führen die Experten auf die Unterfinanzierung der Rüstungsaufträge zurück. So hatten Verteidigungsbetriebe in den Jahren 2003 und 2004 Zahlungsausfälle in Höhe von 14,4 bzw. 30,2 Prozent, 2005 bleiben voraussichtlich 31,6 Prozent der Finanzierung aus.

    Im Bericht wird darauf verwiesen, dass die russische Rüstungsindustrie in solchen Bereichen wie Flugzeugbau, Schiffbau, Produktion von Nachrichtenmitteln, medizinischer Technik und High-Tech-Anlagen für den Brennstoff- und Energiesektor hinter ihren Konkurrenzen auf dem Weltmarkt zurückbleibt.

    Heutzutage beläuft sich die Finanzierung der Rüstungsindustrie auf 2,83 Milliarden Rubel (ein US-Dollar entspricht 28,68 Rubel) im Jahr. Für das nächste Jahr ist eine winzige Aufstockung um nur noch 50 Millionen Rubel geplant. Diese Summe reiche laut Experten nicht einmal aus, um den Inflationsverlust auszugleichen.

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