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    Wieviele Anschläge braucht New York, damit US-Journalisten zwischen einem Terroristen und einem normalen Menschen unterscheiden?

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    MOSKAU, 29. Juli (Pjotr Romanow, RIA Nowosti).

    Ich habe schon mehrmals darüber geschrieben, doch wundere ich mich immer wieder, wie lange meine Kollegen manchmal brauchen, um zu erkennen, dass wir bereits in einer anderen Welt leben, in der Welt des internationalen Terrorismus, in dem es weder gute noch böse Terroristen gibt.

    Sie alle sind böse, alle sind fremd. An den Händen aller von ihnen klebt das Blut unschuldiger Opfer.

    Der amerikanische Fernsehsender ABC hat kürzlich - wahrscheinlich um Redefreiheit in Anspruch zu nehmen - dem berüchtigten tschetschenischen Terroristen Schamil Bassajew, der sogar auf der UNO-Liste steht, Sendeplatz gegeben. Einem Mann, der sich zu den blutigsten Anschlägen in Russland, unter anderem auch zu Kindermord, bekannt hatte.

    Das Außenministerium in Moskau unterlässt es natürlich nicht, an seine US-Kollegen eine entsprechende Anfrage zu richten. Aber ich möchte die amerikanischen Journalisten kollegial fragen: Habt ihr etwa nicht die Blutstropfen auf ihren Gesichtern oder den Leichengeruch im Studio bemerkt, als ihr Bassajews Worte ausstrahltet? Der Urvater der amerikanischen Demokratie, Thomas Jefferson, hatte offensichtlich Recht, als er im hohen Alter feststellte, dass die Pressefreiheit alles einschließen kann, auch Dreck.

    ABC-Journalisten mögen die Russen und die russische Regierung nicht? Mag sein. Mögen sie denn wenigstens ihre eigenen Mitbürger? Jene, die am 11. September 2001 umkamen? Und die Briten, die in der Londoner U-Bahn starben? Die Spanier oder die Ägypter? Sind meine Kollegen so naiv, zu glauben, dass in Tschetschenien ausschließlich Tschetschenen gegen die Regierungstruppen kämpfen? Ich möchte ihnen ganz formell zur Kenntnis bringen, dass die militanten Extremistengruppen im Kaukasus schon seit langem zum größten Teil aus ausländischen Söldnern bestehen. Unter den Geiselnehmern von Beslan, wo Kinder getötet wurden, befanden sich zwei Briten. Die wurden von russischen Geheimdiensten erschossen. Hätten sie fliehen können, wären in London vielleicht mehr Bomben explodiert. Oder die USA wären von einem neuen Anschlag erschüttert.

    Die amerikanischen Kollegen, als sie dem berüchtigten Terroristen Sendezeit gewährten, kümmerten sich offenbar allein um das Rating ihres TV-Senders.

    Wolltet ihr Image-Gewinn? Das habt ihr. Jeder nächste Anschlag, den Bassajew verübt, macht euch zu den Mittätern.

    Und das Letzte. Die Anti-Terror-Koalition erwies sich erneut als unwirksam und abhängig von Doppelstandards. So kann dieser Krieg nicht gewonnen werden. Mit Sicherheit nicht.

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