Radio
    Meinungen

    USA verlieren Verbündete

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 401

    MOSKAU, 01. August (Arseni Oganesjan, politischer Kommentator der RIA Nowosti). In militärischer Hinsicht ist die Schließung des Militärstützpunktes in Usbekistan in der von Taschkent gesetzten Frist von sechs Wochen kein ernsthaftes Problem.

    Doch politisch ist der Verlust eines Bündnispartners für die USA zweifellos eine bedeutsame Einbuße. Nun muss sich das Regime Islam Karimows auf einen viel größeren Druck des Westens einstellen. Doch werden China und Russland ihren Partner in der Schanghai-Organisation für Zusammenarbeit ganz offensichtlich nicht fallen lassen.

    Dieser Tage sagte der stellvertretende Außenminister für politische Fragen der USA, Nicolas Berns, wortreich seinen Besuch in Taschkent ab. „Nachdem die Nachricht über den Abzug unseres Militärstützpunktes aus Usbekistan eintraf, hielten wir es nicht für zweckmäßig, den Besuch zum geplanten Termin durchzuführen“, erklärte Berns in einem Interview für die New York Times. Berns zufolge „erwies sich Usbekistan wegen der Reformunfähigkeit seiner Regierung in der Isolierung“.

    Doch tatsächlich liegen die Dinge anders. Die Unzufriedenheit des Westens mit dem undemokratischen Regime Karimows und seine Schritte in diesem Zusammenhang, wie zum Beispiel die umfassende Unterstützung für die Evakuierung der in Kirgisien befindlichen usbekischen Flüchtlinge machen aus Taschkent noch keinen international geächteten Schurken. Im Gegenteil, den unnachgiebigen Kampf gegen den radikalen Islamismus in Usbekistan heißen sowohl China als auch Russland in dieser oder jener Weise gut.

    Außerdem findet das Streben des Westens, die Länder Zentralasiens zu einer beschleunigten Demokratisierung zu veranlassen, in Moskau kein Verständnis, denn, wie Jewgeni Koschokin, Direktor des Instituts für strategische Studien, meint, „könnten im Ergebnis undurchdachter Demokratisierungsschemata soziale und politische Erschütterungen erwachsen, infolge derer weltliche Regimes durch islamische ersetzt werden, womöglich sogar durch fundamentalistische. Diese Gefahr besteht in Zentralasien. Vor allem in Usbekistan und Tadschikistan.“ Wie der Experte feststellt, „ist es leicht, das Regime Islam Karimows zu kritisieren, doch bis zum heutigen Tag wurden leider keine realistischen Alternativen, die zur Stabilisierung in dem Lande beitragen würden, vorgeschlagen.“

    Der Abzug des Militärstützpunktes aus Usbekistan wird für die USA in militärischer Hinsicht kein Fiasko. Eine Quelle in Moskau meint, vermutlich werden die Amerikaner auch keine neuen Basen errichten, zum Beispiel in Tadschikistan. Sie werden vielmehr ihre militärische Präsenz in Kirgisien ausbauen.

    Doch die politischen Risiken, denen die USA ausgesetzt sind, nehmen jetzt beträchtlich zu. Denn nachdem die Bush-Administration am Beispiel Usbekistans demonstrierte, dass ihr das Aufstülpen von Demokratie wichtiger als Bündnisbeziehungen ist, wurde klar, dass die möglichst rasche Demokratisierung der zentralasiatischen Länder mit deren anschließender Einbindung in die amerikanische Einflusssphäre der wichtigste Schwerpunkt im Rahmen der militärischen Präsenz der USA in der Region ist. Das ist weniger ein Kampf gegen den internationalen Terrorismus.

    Diese Offenheit könnte den USA noch den Verlust anderer Verbündeter einbringen. Denn die Wahl, vor die Washington souveräne Staaten stellt, erinnert schon stark an Erpressung: Entweder ihr geht den Weg der Demokratisierung nach westlichem Muster und wir sind Freunde oder ihr lebt nach eurem Gutdünken und werdet Schurkenstaaten. Das führt zur Untergrabung des internationalen Ansehens der USA und zum Verlust von soft power. Es kann zur Einbuße der Überzeugungskraft führen, die einem bedeutenden Teil der amerikanischen Elite so sehr am Herzen liegt.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren