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    MOSKAU, 2. August (RIA Nowosti)

    "Iswestija"/"Nowyje Iswestija"

    Früherer Yukos-Besitzer Chodorkowski prophezeit linke Machtübernahme in Russland

    Der frühere Besitzer des Ölunternehmens Yukos, Michail Chodorkowski, der derzeit seine neunjährige Haftstrafe abbüßt, hat am gestrigen Montag seinen bereits dritten programmatischen Artikel nach der Verhaftung im Oktober 2003 veröffentlichen lassen. Darin prophezeit er eine Machtübernahme durch die linken Kräfte in Russland.

    "Die Linken werden trotz aller Tricks siegen, und zwar auf demokratische Weise - in voller Übereinstimmung mit der Willensbekundung der meisten Wähler", behauptet er. In den Zeitungen "Iswestija" und die "Nowyje Iswestija" wird der Artikel am Dienstag kommentiert.

    Stanislaw Belkowski, Generaldirektor des Rates für nationale Strategie, teilt diese Einschätzung Chodorkowskis. Nach seiner Auffassung beträgt die heute potentielle Wählerschaft der Linken mindestens 70 Prozent. Diesem Bild schadet allerdings eine "überaus tiefe Krise der Führerschaft in der linken Bewegung", in erster Linie in intellektueller Hinsicht. Gerade auf diese Nische erhebt der frühere Yukos-Chef Anspruch. "Heute ist Chodorkowski vom Kreml völlig unabhängig. Alles, was alle anderen Politiker noch befürchten, ist mit ihm bereits geschehen", so der Politologe.

    Nach Ansicht von Gleb Pawlowski, Präsident des Fonds für effektive Politik, will Chodorkowski die Beziehung zwischen den Zentristen ("Einheitliches Russland") und den Rechten zerstören, um diese im Kampf gegen die Linken machtlos zu machen. Die gespaltenen Zentristen und die Rechten würden einem Bündnis der Linken und der Nationalisten verlieren. Es wird wohl nicht einfach sein, eine solche Spaltung durchzusetzen, die Zeitungen aber, die mit Yukos eng verbunden sind, führen täglich ihre propagandistische Arbeit.

    Wladimir Ryschkow, Mitglied des politischen Rates der Republikaner Russlands, ist der Auffassung, dass eine Amtsübernahme durch die Linken von den Demokraten abhängig sein wird: "Sollten wir keine neue starke Partei gründen können, würden die Chancen der Linken größer sein." Nach seiner Ansicht handelt es sich beim Artikel Chodorkowskis um einen Aufruf an die gesamte Opposition, sich zusammenzuschließen, um eine Front zu bilden, die der jetzigen Macht entgegengesetzt werden könnte. "Aber auch hier gibt es Schwierigkeiten: Die Liberalen und die linkspatriotische Partei "Rodina" (Heimat) lassen sich schwer zusammenschließen - sie vertreten unterschiedliche wirtschaftliche und politische Ansichten."

    "Wedomosti"

    Zuverlässige Ausländer werden Investmentprojekte in Russland schätzen

    Russlands Minister für Wirtschaftsentwicklung und Handel, German Gref, hat die Gründung eines Investmentfonds für die staatliche Unterstützung großer Infrastruktur- bzw. Innovationsprojekte durchgesetzt und will nun westliche Investmentbanken mit gutem Ruf und hohen Kreditratings in diese Arbeit einbeziehen. Weder die Deutsche Bank noch McKinsey sind den harten Kriterien des Ministeriums gewachsen, schreibt die Tageszeitung "Wedomosti" am Dienstag.

    Das Ministerium konzipierte den Entwurf einer Regelung für die Wahl von Beratern, in dem vorgesehen ist, dass die Auswahl unter den Firmen erfolgen wird, die in den letzten fünf Jahren mindestens fünf Projekte in einem Gesamtwert von mehr als fünf Milliarden Dollar geführt haben und deren Ratings nicht mehr als zwei Stufen unter der höchsten Stufe bei Standard & Poor's (AA), Moody's Investor Service (Aa2) oder Fitch Ratings (AA) liegen sollen. Russische Unternehmen mit derart hohen Ratings gibt es einfach nicht.

    "Die Berater müssen einen tadellosen Ruf in der ganzen Welt und umfangreiche Erfahrungen haben", stellt Anna Popowa, Direktorin eines Ressorts im Ministerium, fest. Alexej Sawatjugin, Leiter eines Ressorts im Finanzministerium Russlands, ist nicht sicher, dass die Ratings der Zahlungsfähigkeit als ein Kriterium des Professionalismus dienen könnten. Damit würden viele hochprofessionelle Berater ausgeschlossen. Solche Ratings haben weder die internationalen Buchprüfungsgesellschaften der "Großen Vier" noch beispielsweise die Consultinggesellschaft McKinsey.

    Selbst die Vertreterin einer führenden europäischen Bank, die diesen Kriterien gewachsen ist, war über deren Härte etwas verwundert. "Die Deutsche Bank wird unzufrieden sein", äußerte sie nachdenklich gegenüber der Zeitung.

    Der geschäftsführende Direktor der Investmentgruppe Renaissance Capital, Oleg Schelesko, ist mit diesem Verfahren für die Wahl der Berater nicht einverstanden: "Das Kreditrating charakterisiert die Qualität des Kreditportefeuilles einer Bank und kann nicht als ein Kriterium des Professionalismus einer Investmentbank dienen", meinte er.

    Der geschäftsführende Direktor der MDM-Bank, Alexander Andrejew, bedauert, dass den einheimischen Investmentbanken diese aussichtsreiche Arbeit genommen wurde, zu der nach seiner Ansicht nicht unbedingt Weltgrößen mobilisiert werden sollten. "Ihre Dienste sind notwendig, wenn man für die Unterbringung von Wertpapieren einen Pool von internationalen Investoren versammelt und nicht um ein lokales Projekt abzustempeln", sagte er.

    "Wremja Nowostej"

    Volkswagen forciert sein Russland-Projekt

    Mitte 2007 soll Volkswagen seine Produktion im Moskauer Umland aufnehmen. Der Konzern will alle Investitionsabkommen zum Projekt bis Mitte Dezember abschließen, wenn Konsultationen der WTO-Mitgliedsländer über Russlands Beitritt zur Welthandelsorganisation stattfinden werden, schreibt die Tageszeitung "Wremja Nowostej" am Dienstag.

    Letzte Woche behandelte der VW-Vorstand Szenarien seines "Top-Projekts Russland", das die Herstellung von Produktionskapazitäten in einem Land mit niedrigen Löhnen vorsieht. Als eine vorrangige Variante für die Baustelle betrachtete die VW-Leitung das Moskauer Umland, wo bald mit dem Bau eines Fließbands für den Montage der Autos aus Zulieferteilen begonnen werden soll.

    Der russische VW-Förderer soll in zwei Jahren ins Rollen kommen und in Zukunft eine Jahresleistung bis zu 200 000 Autos haben.

    Der Konzern musste sein russisches Projekt infolge einer Aussetzung des Baus eines Betriebs in Indien intensivieren. Inspirierend waren auch die Erfolge der asiatischen Konkurrenten Hyundai (Südkorea) und Toyota (Japan).

    In der russischen VW-Vertretung konnte diese Information am Vortag weder bestätigt noch widerlegt werden. Dort hieß es, dass diese Gerüchte seit 1995 im Umlauf seien.

    Nach Ansicht von Alexander Agibalow, geschäftsführender Direktor der Finanzgesellschaft AG Capital Management, wäre es für VW zweckmäßig, mit einem preisgünstigen Modell auf den russischen Markt zu kommen, das sich einer Massennachfrage erfreuen würde. Allerdings hat VW keine Autos dieser Art in seiner Produktionspalette bis auf VW Pointer (Durchschnittspreis 11 000 Dollar), deren Absatz in Russland im vergangenen Jahr aufgenommen wurde. Die Dynamik des Pointer-Absatzes ist recht gut, wobei der Preis für dieses Modell nach Ansicht des Experten nicht den Eigenschaften des Wagens und speziell nicht dem bescheidenen Motorvolumen entspricht. Bei einer Montage in Russland könnte aber der VW-Stückpreis um 15 Prozent sinken.

    "Trud"

    Experte: Russlands WTO-Beitritt vorausbestimmt

    Ein Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation WTO ist vorausbestimmt. Diese Meinung äußerte Alexander Chandrujew, Vizepräsident der Vereinigung der regionalen Banken Russlands, am Dienstag in der Tageszeitung "Trud".

    "Dank dem löchrigen Zoll" habe der Grauimport den russischen Markt überschwemmt, Russland lebe de facto seit langem unter den Bedingungen offener Grenzen, meinte der angesehene Bankier. Gerade damit begründet er die Unvermeidlichkeit eines WTO-Beitritts Russlands. Bei den Verhandlungen "sollten nur noch einige Streitfragen beseitigt werden".

    "Wir haben die Situation analysiert und festgestellt, dass Russland genug Wege hat, um seine Produzenten zu unterstützen", führte er weiter aus. "Es fehlt nur das Wichtigste: Geld und politischer Wille." Wir fordern, zehn bis 12 Milliarden Dollar für Agrarsubventionen für uns zu reservieren, dabei können wir nicht mehr als eine bzw. 1,5 Milliarden Dollar geben", so der Experte. "In Wirklichkeit enthalten die WTO-Regeln Punkte, die die Möglichkeit bieten, eine Branche mit Hilfe diverser Zielprogramme zu unterstützen."

    Im Finanzsektor weigert sich der Staat hartnäckig, Filialen ausländischer Banken eröffnen zu lassen. Dabei gibt es in Russland 36 Banken mit einem 100prozentigen ausländischen Kapital, stellte Chandrujew fest.

    "Während die Behörden zum Thema ‚WTO-Beitritt - ja oder nein' diskutieren, folgen die russischen Produzenten seit langem der WTO-Disziplin und arbeiten mit Partnern zusammen, deren Anforderungen sie sich fügen", betonte er. "Dabei bekommen wir aber keine legitimen Rechte und dementsprechend auch keine Präferenzen."

    "Kommersant"

    Vogelgrippe droht russischen Geflügelfarmen mit Milliardenverlusten

    Die Vogelgrippe in Russland greift immer mehr um sich: Das Virus wurde in zwei weiteren Regionen - Altai und Gebiet Omsk im Süden Westsibiriens - registriert. Die Geflügelproduzenten befürchten Verluste in Höhe von einer Milliarde Dollar, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Dienstag.

    "Es wird eine Katastrophe, wenn das Virus die Gebiete Tjumen (Norden Westsibiriens), Omsk und weiter das europäische Russland erfasst", wo sich die größten Geflügelfarmen des Landes befinden, betonte Dmitri Rylko, Direktor des Instituts für Agrarmarktkonjunktur.

    Die Vogelgrippe könnte mit Hühnereiern in den europäischen Teil Russlands eindringen, weil bis zu 50 Prozent davon aus Tjumen und Krasnojarsk (Ostsibirien) gebracht werden. Sollte die Seuche die Gebiete Leningrad und Moskau erfassen, würde man praktisch alle Geflügelfabriken schließen müssen, meinen Experten.

    Die Marktteilnehmer sind der Ansicht, dass die Verluste infolge der Vogelgrippe, sollte die Seuche in die Geflügelfarmen eindringen, höher sein werden als die Investitionen in den letzten fünf Jahren, die sich auf 800 bis 900 Millionen Dollar belaufen haben.

    Infolge der Sicherheitsvorkehrungen der Geflügelfarmen - zusätzliche Desinfektion und Anwendung von Ein-Weg-Verpackungen für den Eiertransport - werden die Selbstkosten der Erzeugnisse um mehr als zehn Prozent steigen.

    "Nun werden alle Produzenten unweigerlich ihre gesamten Bestände versichern, was zu einer Vergrößerung der Produktionskosten beim Geflügelfleisch um drei bis fünf Prozent führen würde", stellt Dmitri Awelzow, Finanzdirektor der Gesellschaft "Stawropolski Broiler", fest.

    "Während wir uns davon erholen werden, werden Hühnerkeulen aus Brasilien und Amerika erneut unsere Marktnische füllen", meinte der Vertreter einer der Geflügelfarmen, der nicht genannt werden wollte. "Es wird dann komplizierter und kostspieliger sein, sie zum zweiten Mal vom Markt zu verdrängen."

    Ein sofortiger Preisanstieg für Hühnerfleisch und -eier im Einzelhandel erwarten die Marktteilnehmer nicht. Nach Ansicht von Ilja Kunkow, Vorsitzender des Direktorenrates der Geflügelfarm Sinjawinskaja, werden die Preise "im Herbst und im Winter bestimmt anwachsen."

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