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    Die Terroristen lassen die Waffenproduzenten hinter sich

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    MOSKAU, 02. August (Viktor Litowkin, Militärkommentator der RIA Nowosti). Eine erneute Ausstellung von Spezialmitteln und -waffen für den Kampf gegen den Terrorismus führte Ende Juli der wichtigste Rüstungsexporteur Russlands, die Firma Rosoboronexport, durch.

    Die Aussstellung hieß auch so: „Antiterror-Waffen“. Zu sehen waren einzigartige einheimische Entwicklungen, die in der Welt nicht ihresgleichen kennen. Sie genießen bei ausländischen Einkäufern aus mehr als 50 Ländern eine gewaltige Nachfrage. Doch inwieweit entsprechen sie den aktuellen Anforderungen des Kampfes gegen den Terrorismus?

    Unter den Exponaten befanden sich die Unterwasser-Maschinenpistole APS, die mit 15mm Pfeilen schießt, das geräuschlos schießende 9-mm-Scharfschützengewehr WWS, das Scharfschützengewehr WSK-94, das eine Stahlplatte von 8mm Stärke aus 100 Meter Entfernung durchschlagen kann, die leichteste und kleinste Maschinenpistole der Welt „Wichr“ mit ihren mächtigen 9-mm-Patronen sowie die geräuschlose Maschinenpistole AS, für die auch kugelsichere Westen kein Hindernis sind. Aber auch lautlose Pistolen mit besonders großer Durchschlagkraft, leichte Maschinengewehre, Granatwerfer und viele andere Sonderanfertigungen, mit denen die Antiterrorkräfte ausgestattet werden, wurden präsentiert. Zu den Exponaten zählten auch Roboter zum Aufspüren und Entschärfen von Sprengsätzen in Räumen, unter freiem Himmel und unter Fahrzeugen. Sie werden ferngesteuert und in kleinen Koffern transportiert, was sie für die Arbeit unter städtischen Bedingungen besonders geeignet macht.

    Rosoboronexport stellte aber auch nicht tödliche Waffen aus. Zum Beispiel Pistolen und Granatwerfer, deren Schüsse die Atmungsorgane des Gegners zeitweilig beeinträchtigen. Durch sie können bei Terroristen zeitweilig Seh- und Hörprobleme hervorrufen werden. Dadurch werden sie in ihren Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt, so dass ihren Abwehrhandlungen Grenzen gesetzt sind. Durch spezielle Nylonnetze und zähflüssige Substanzen können sie buchstäblich an Händen und Beinen gefesselt werden. Zu sehen waren aber auch Mittel der Selbstverteidigung: Schutzwesten, Helme, Anoraks, von üblichen nicht zu unterscheiden, aber mit einer Teflonschicht versehen, und vieles andere.

    Ins Auge fiel indessen eine Besonderheit. Die gesamte Spezialtechnik, so sehr sie bei den in- und ausländischen Geheimdiensten auch Aufmerksamkeit erregt und begehrt ist, wurde fast vor 15 - 20 Jahren geschaffen. Damals herrschte bei den Terroristen die Mode, Flugzeuge, Hubschrauber und Autobusse mit Geiseln zu besetzen und zu entführen. Das war zu der Zeit, als die Banditen hauptsächlich große Geldsummen und die Freilassung ihrer Gesinnungsgefährten aus Gefängnissen forderten. Lautlose Scharfschützengewehre, Pistolen und Maschinenpistolen, die Schutzwesten durchschlagen, Gummikugeln und andere Waffen, die die Bewegungsfreiheit einschränkten: Das alles waren Mittel, die dabei halfen, derartige Verbrechen wirkungsvoll und zuverlässig zu bekämpfen. Sie sind auch heute noch ein Mittel, um Banditen auf freiem Feld, in der Stadt oder im Gebirge zu neutralisieren. Doch wie soll man mit denen verfahren, die sich in Zügen, in Fahrzeugen, in der U-Bahn und in Autobussen in die Luft sprengen? Wie soll gehandelt werden, wenn nicht des Geldes oder politischer Forderungen wegen Flugzeuge gekapert werden, um sie gegen Gebäude mit einer großen Anzahl von Menschen prallen zu lassen und um Chaos , Panik und Angst unter Hunderttausenden von Menschen zu verbreiten. Nur aus dem einzigen Grund, um bei ihnen Schrecken hervorzurufen. Nur deshalb, um sie zu zwingen, sich den Forderungen bekannter und unbekannter Terroristennetze und –gruppen zu beugen. Auf diese Fragen wissen die von Rosoboronexport ausgestellten Spezialmittel keine Antwort.

    Den Waffenbauern machen wir keine Vorwürfe. Leider entwickeln sich die Tendenzen in der Welt derart, dass die Terroristen unsere Vorstellungswelt von deren Handlungen sprengen. Kein gesunder Verstand eines Experten, Forschers, Konstrukteurs von Waffen und Spezialmitteln und Antiterror-Spezialisten vermag es, sich in die verkrüppelte und menschenverachtende Gedankenwelt eines Terroristen zu versetzen. Wie soll man damit fertig werden?

    Eigentlich ist auch das bekannt. Es müssen so hochpräzise Aufklärungs- und Lenkungssysteme, Nachtsichtgeräte, Mittel der mit unbemannten Flugapparaten, Hubschraubern und Informationstechniken integrierten und verdeckten Datenübermittlung geschaffen werden, die in Verbindung mit den auf der Ausstellung gezeigten Waffenmustern in der Lage sind, den Gegner unverzüglich außer Gefecht zu setzen, nachdem er aufgespürt wurde. Doch das betrifft die reale Konfrontation mit Terroristen und Terroristengruppen. Wie aber können sie aus der friedlichen, völlig normalen Bevölkerung „herausgefiltert“ werden? Wie stößt man auf ihre konspirativen Verbindungsmethoden, Deckadressen, Parolen und Treffs? Dabei kommt man ohne eine gut getarnte Agenturarbeit und ohne spezifische Kampfmethoden nicht aus. Gebraucht werden Abhörtechnik und Überwachungs- und Verfolgungsgeräte, wie sehr das auch nach der Verletzung von Menschenrechten klingen mag. Mitunter kommt man nicht an der Verletzung der Rechte des Individuums vorbei, um die Gesellschaft insgesamt zu schützen. Natürlich braucht man dafür auch eine solide Rechtsgrundlage. Und sie muss der Bevölkerung vertraut sein, von ihr akzeptiert werden.

    Es gibt eine weitere unumstößliche und unvermeidbare Voraussetzung für den erfolgreichen Kampf gegen den Terrorismus. Das sind ein weltumspannender Charakter und die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Staaten. Nicht nur auf der Ebene der Staatschefs und der Geheimdienste, sondern zwischen den einfachen Menschen, der Intelligenz und den Eliten. Das betrifft aber auch unbedingt die Massenmedien. Es ist unmöglich, das „Übel des 21. Jahrhunderts“ zu zerschlagen, wenn Terroristen für die Einen Banditen und Unmenschen sind für die Anderen aber - Rebellen und Freiheitskämpfer.

    Die Herausforderung, vor die der internationale Terrorismus die Weltgemeinschaft gestellt hat, verlangt eine adäquate, allseitige und solidarische Antwort. Die Sicherheit eines jeden Landes und die Gesundheit der Bürger bedürfen eines sofortigen Handelns. Und keine Waffe, nicht einmal eine unikale, hilft uns da weiter.

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