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    Der Sprung nach Schandong

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    MOSKAU, 02. August (Viktor Litowkin, Militärkommentator der RIA Nowosti).

    Der Stellvertreter des Oberbefehlshabers der Landstreitkräfte Russlands, Generaloberst Wladimir Moltenskoi, führte am 2. August ein Briefing für Journalisten durch, bei dem er über die taktische Übung von Truppen Russlands und Chinas berichtete, die vom 18. - 25. August dieses Jahres auf dem Territorium beider Länder stattfinden wird. Sie läuft unter der Bezeichnung „Friedensmission 2005“. Von beiden Seiten werden dabei bis zu 10 000 Militärangehörige zum Einsatz kommen.

    „Das Ziel des Manövers“, erklärte Generaloberst Moltenskoi, „ist die Vertiefung des beiderseitigen Vertrauens und die Festigung der freundschaftlichen Kontakte sowie der Zusammenarbeit beider Länder auf dem Gebiet von Verteidigung und Sicherheit. Durchgespielt wird die Durchführung gemeinsamer Operationen von Truppenteilen und Formationen Russlands und Chinas im Kampf gegen den internationalen Terrorismus und Extremismus sowie das Zusammenwirken bei der Regelung regionaler Krisen. Die Übung soll die Fähigkeiten zur gemeinsamen Reaktion auf die neuen Herausforderungen und Bedrohungen vertiefen“.

    Gemäß der Planung soll die Übung in drei Etappen ablaufen. Die erste am 18./19. August verläuft in Form militärisch-politischer Konsultationen im Gebiet des Fernöstlichen Militärbezirks Russlands, wo erst kürzlich unter Leitung des russischen Generalstabschefs, Armeegeneral Juri Balujewski, erfolgreich sehr ähnliche Manöver abliefen. Er wird auch gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Generalstabschef der Volksbefreiungsarmee Chinas Generaloberst Liang Guanglie, die Übung im Beisein der Verteidigungsminister beider Länder und möglicherweise auch der beiden Staatschefs eröffnen. Doch offiziell ist das noch nicht bestätigt.

    Die beiden anderen Etappen des Manövers finden im Gebiet der Halbinsel Schandong in China statt. Von russischer Seite werden dazu hauptsächlich Truppen des Fernöstlichen Militärbezirks und der russischen Pazifikflotte herangezogen. Zum Einsatz kommen aber auch Formationen der in Pskow stationierten Luftlandetruppen sowie Langstreckenflugzeuge und Militärtransportflugzeuge. Dazu gehören zwei strategische Raketenträger vom Typ Tu-95MS, vier Langstreckenbomber vom Typ Tu-22M3, eine Kette modernisierter Jäger vom Typ Su-27SM und einige Militärtransporter vom Typ Il-76, die auf der chinesischen Halbinsel Schandong eine Kompanie des 104. Luftlanderegiments der 76. Division der Fallschirmjägertruppen absetzen sollen. An der Küste des chinesischen Übungsgeländes wird auch eine Kompanie Marineinfanteristen, unterstützt von einer Schiffsgruppe der Pazifikflotte, landen. Zu der Schiffsgruppe werden große U-Boot-Abwehrschiffe und dieselgetriebene U-Boote der Klasse Warschawjanka gehören. Sie ähneln denen sehr, die bei der chinesischen Kriegsmarine Dienst tun. Die chinesische Armee setzt die gleichen Landstreitkräfte ein, zahlenmäßig jedoch doppelt so viel. Auf eine russische Kompanie kommt ein chinesisches Bataillon.

    Die Übungen gehen mit einer großen militärischen Feier zu Ende, bei der die chinesische Bevölkerung die russische Militärtechnik besichtigen kann, die bei dem Manöver zum Einsatz kam.

    Ferner wurde erklärt, dass die Übungen im Rahmen der Schanghai-Organisation für Zusammenarbeit veranstaltet werden und sich nicht gegen Drittstaaten richten. Sie enthalten auch keinerlei Anspielungen auf eine „Vorbereitung zur militärischen Lösung des Taiwan-Problems“, wie noch vor kurzem einige ausländische Massenmedien berichteten.

    Der russische Verteidigungsminister, Sergej Iwanow, hatte zwar bei seiner jüngsten Rundreise durch die Militärgarnisonen des Fernen Ostens und den Besuchen bei der Pazifikflotte in der ihm eigenen scharfen Form erklärt, ihm sei egal, was über diese Manöver geschrieben wird. „Wir (Russland und China) sind strategische Partner. Das wird durch die militärische und militärtechnische Zusammenarbeit unterlegt“, sagte er. „Warum sollten wir nicht mit China Manöver durchführen? Ich sehe keine Gründe oder Hindernisse“.

    Mit dem russischen Verteidigungsminister ist auch der Präsident des einflussreichen amerikanischen Forschungszentrums East - West, Charles Morrisson, solidarisch. In einem Interview für den Korrespondenten von RIA Nowosti erklärte er in Hongkong: „Die USA betrachten die erstmals in der Geschichte stattfindenden gemeinsamen russisch-chinesischen Manöver nicht als Bedrohung der Stabilität im asiatisch-pazifischen Raum.“ „Gleichzeitig hoffen wir, dass die gemeinsamen Manöver nicht zum Beginn der Schaffung eines Blocks von China und Russland werden“, sagte Morrisson.

    Der amerikanische Analytiker irrte nur in einem Detail. Es gibt bei den russisch - chinesischen Manövern nichts Ungewöhnliches. Vom 4. - 12 August 2003 fanden im Grenzgebiet zwischen Kasachstan, Kirgisien und China Militärmanöver der Mitgliedsländer der Schanghai-Organisation für Zusammenarbeit unter der Bezeichnung „Zusammenwirken-2003“ unter Beteiligung von Tausenden Soldaten aus Kasachstan, Kirgisien, China, Russland und Tadschikistan statt. Chinesische Militärs waren bei gemeinsamen Übungen mit den Armeen Kirgisiens, Pakistans, Indiens und Frankreichs dabei. Niemand sah sie als eine Bedrohung der Sicherheit im asiatisch-pazifischen Raum an. Eine solche Gefahr gibt es auch jetzt nicht. Es ist aber wenig korrekt, wenn Länder „neue Militärblöcke“ befürchten, die selbst der Nordatlantischen Militärallianz angehören. Es ist nicht sehr schön, sich in Pose zu werfen: Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen noch lange nicht erlaubt. Weder China noch Russland akzeptieren ein solches Herangehen.

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