09:12 19 Oktober 2017
SNA Radio
    Meinungen

    Was steckt hinter der Forderung Usbekistans nach der Auflösung des US-Stützpunktes?

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 101

    MOSKAU, 02. August (Alexej Makarkin, stellvertretender Generaldirektor des Zentrums für politische Technologien, für RIA Nowosti.) Das große Spiel um die Kontrolle über Zentralasien ist bereits seit Jahrhunderten im Gange.

     Manche Spieler werden durch andere abgelöst: Großbritannien, das seine imperialen Prätentionen verlor, wurde durch die USA ersetzt, die auch gleich die Prätentionen mitnahmen; Staaten, die erst im 20. Jahrhundert auf der Landkarte auftauchten, spielen nun ihr eigenes Spiel. Die jüngste Entwicklung in dieser Region - der signifikante Gipfel der Schangaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) in Astana, die Reise des US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld durch die Länder Zentralasiens, die Forderung Usbekistans nach der Auflösung des amerikanischen Stützpunktes binnen eines halben Jahres - bilden nur eine weitere Etappe des Großen Spiels, in dem es jedem Teilnehmer nur um die eigenen Interessen geht.

    Die USA wollen auch nach der „Befriedung“ Afghanistans ihre militärisch-politische Präsenz in der Region behalten. Der erste Grund dafür ist, dass das Regime des derzeitigen Präsidenten dieses Landes, Hamid Karzai, auch nach den Parlamentswahlen, die auf diesen Herbst fallen, wohl kaum als fest bezeichnet werden kann. Und die USA werden auch künftig daran interessiert sein, eine Transportinfrastruktur für die Verlegung ihrer Truppen nach Afghanistan zu haben. Der zweite Grund ist, sich in der Region festzusetzen und sowohl Russland, zu dessen traditioneller Einflusssphäre sie gehört, als auch China, das in Zentralasien ebenfalls seine Interessen hat, abzudrängen.

    Daher auch die Reise von Rumsfeld, deren Ziel darin bestand, die US-Positionen in Kirgisien und, wenn es gelingt, auch in Usbekistan beizubehalten. Sie gerieten nach der Empfehlung der SOZ für die Amerikaner, die Aufenthaltsdauer ihrer Stützpunkte in der Region festzulegen, ins Schwanken. Der US-Verteidigungsminister erfüllte das Mindestprogramm seiner Reise: Der amerikanische Stützpunkt in Kirgisien bleibt. Was das Maximalprogramm betrifft, so wurde die Lösung dieser Aufgabe durch das Streben Washingtons sehr erschwert, sowohl den Stützpunkt in Usbekistan zu behalten als auch den Kurs weiter zu steuern, der Islam Karimows Regime zur Demokratisierung zwingen soll. Dieser letztere Umstand bewirkte denn auch, dass Karimow die Frage nach dem Abzug des Stützpunktes binnen einer unerwartet kurzen Frist erhob. Nun wird erwartet, dass die USA hauptsächlich auf ihren Stützpunkt in Kirgisien setzen werden, aber das wird ihnen bestimmte Schwierigkeiten bereiten: Unterwegs nach Afghanistan werden ihre Flugzeuge in der Luft nachgetankt werden müssen. Deshalb ist nicht ausgeschlossen, dass die Amerikaner nach einer Möglichkeit suchen werden, im postsowjetischen Raum einen weiteren Stützpunkt anzulegen - zum Beispiel in Aserbaidschan (wo die US-Präsenz außerdem durch die Notwendigkeit motiviert werden könnte, die Sicherheit der Ölpipeline Baku-Ceyhan zu gewährleisten).

    Auch Russland hat seinen Part im Großen Spiel. Es will keinen offenen Streit mit den USA durch das „Herausdrücken“ der amerikanischen Basen aus der Region: In diesem Fall könnte Russland des Torpedierens der antiterroristischen Koalition beschuldigt werden. Russland will den Aufenthalt der amerikanischen Militärstützpunkte in der Region beschränken, und zwar für die Zeit des afghanischen „Mandats“, und eine Verewigung der militärischen US-Präsenz in Zentralasien verhindern. Man bemerkt unschwer, dass diese Position dem Standpunkt entspricht, der auf dem SOZ-Gipfeltreffen in Astana zum Ausdruck gebracht wurde. Im Rahmen dieser Strategie widerspricht das weitere Bestehen des amerikanischen Stützpunktes in Kirgisien (nach wie vor unter der Bedingung, mit den afghanischen Ereignissen zusammenzuhängen) im Prinzip nicht den langfristigen russischen Interessen. Zudem ist eine Komponente des russischen Teils des Großen Spiels die Beibehaltung der eigenen militärischen Präsenz in der Region: in Kirgisien und Tadschikistan.

    Der sensationelle Beschluss Usbekistans über den Abzug des amerikanischen Stützpunktes zeugt davon, dass Taschkent im eigenen Interesse handelt, wobei es freilich zunehmend seine Orientierung auf Russland betont. Für Moskau ist dieses Verhalten von Taschkent sehr vorteilhaft: Russland trägt keine Verantwortung für das Vorgehen Islam Karimows und hat ihn, soweit man urteilen kann, nicht zu einem so harten Beschluss gerade zu dieser Zeit gedrängt. Doch ist es für Karimow wichtig, Russland (und China) zu demonstrieren, dass er die Brücken in den Beziehungen zu den USA hinter sich abgebrochen hat; das ist eine Art „geopolitisches Geschenk“ für die Unterstützung seines Regimes durch die SOZ-Länder nach der Krise in Andischan. Die Tatsache, dass die Amerikaner kurz vor Rumsfelds Besuch ihre Kritik an Karimow etwas dämpften, machte auf Taschkent keinen Eindruck. Der usbekische Politiker Nr. 1 begreift sehr wohl, dass die USA trotzdem auf einer zwangsweisen Demokratisierung seines Regimes bestehen werden. Unter diesen Umständen war die Tatsache, dass usbekische Flüchtlinge unter der Schirmherrschaft der Amerikaner und mit ihrem Beistand aus Kirgisien nach Rumänien ausgeflogen wurden, nur noch ein zusätzlicher Reizfaktor für Taschkent zu einem Zeitpunkt, da die prinzipielle Entscheidung schon getroffen war.

    Was die Interessen anderer Staaten anbelangt, so wollen wir auf das Streben der neuen kirgisischen Führung hinweisen, ein System von ausbilanzierten Beziehungen sowohl zu Moskau als auch zu Washington aufzubauen; Washington hat zudem vor, Kirgisien einen zinslosen Kredit von 200 Millionen Dollar (60 Prozent des Haushaltes des Landes) im Austausch gegen die Erhaltung seines Stützpunktes bereitzustellen. Tadschikistan ist alles in allem auf Russland orientiert. China möchte seinen Einfluss in Kirgisien verstärken, aber vorläufig gelingt das nicht besonders. „Die Frage der Unterbringung eines chinesischen Militärstützpunktes auf dem Territorium Kirgisiens wurde auf sehr hoher Ebene erörtert, aber Kirgisien bezieht hierbei eine eindeutige Position: Wir beabsichtigen nicht, Kirgisien in ein militärpolitisches Schießgelände zu verwandeln“, erklärte der amtierende Vize-Ministerpräsident des Landes, Adachan Madumarow. Außerdem sind im Moment keine wesentlichen Meinungsunterschiede im Herangehen von Moskau und Peking an die regionalen Probleme festzustellen.

    Somit wird das Große Spiel in Zentralasien mit wechselndem Erfolg geführt, und dies vornehmlich „hinter den Kulissen“. Nur ab und zu kommen die Ergebnisse des verborgenen Feilschens an die Oberfläche. Es sieht so aus, als würde die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Spielern in der Region mit der Zeit nur zunehmen. China wird wohl kaum auf seine Absicht verzichten, die eigene militärpolitische Präsenz dort zu fixieren. Und es ist auch kaum zu erwarten, dass die USA ohne Weiteres Kirgisien verlassen - selbst nach der vollen „Befriedung“ Afghanistans.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren