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    Was kommt nach der Pekinger Runde der Korea-Verhandlungen?

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    MOSKAU, 03. August (Dmitri Kossyrew, politischer Kommentator der RIA Nowosti). Vor einigen Tagen ist es in der internationalen Diplomatie zu einer ungewöhnlichen Situation gekommen.

    Sechs stellvertretende Außenminister (oder Personen mit gleichzusetzendem Status) führten einen zermürbenden Kampf um einen Erfolg der 4. Runde der Verhandlungen zum "koreanischen Atomproblem" in Peking. Es handelte sich um Nord- und Südkorea wie auch um die USA, Russland, Japan und China. Einige Flugstunden von Peking entfernt, in der laotischen Hauptstadt Vientiane, befassten sich die Chefs dieser stellvertretenden Außenminister - die Außenminister der genannten Länder oder ihre Repräsentanten - mit der Lösung von Sicherheitsproblemen in der Pazifik-Region, konnten aber ihren Unterstellten in Peking mit nichts helfen. "Es blieb nur übrig, für einen Erfolg zu beten und Erklärungen mit Erfolgswünschen an die Adresse der Pekinger Runde abzugeben", verlautete aus einer der südkoreanischen Delegation in Vientiane nahestehenden Quelle.

    In der laotischen Hauptstadt fand ein Regionalforum für Sicherheitsprobleme der südostasiatischen Staaten (ASEAN) statt. Dem Forum gehören zehn ASEAN-Länder und ihre Dialogpartner an, darunter auch die in China vertretenen USA, Süd- und Nordkorea, Russland, China und Japan. Deshalb erhebt sich automatisch die Frage, welches Schicksal die beiden Verhandlungsmechanismen ereilt, wenn das "koreanische Atomprogramm" gelöst worden ist.

    In Laos gehen die Gedanken diesbezüglich in zwei entgegengesetzte Richtungen: Es gibt Optimisten und Pessimisten. Die Pessimisten lassen durchaus die Variante zu, dass das "koreanische Atomproblem" in den "fernöstlichen Nahen Osten" ausartet und unzählige nutzlose Verhandlungen erforderlich macht. Der nordkoreanische Minister, der nicht zum ersten Mal Sitzungen des Sicherheitsforums beiwohne, nehme daran im Grunde genommen nicht teil, behaupten die Pessimisten. Aus Quellen in der russischen Delegation in Laos verlautet, dass der Gast aus Pjöngjang - Paek Nam Sun - propagandistische Reden hält, größtenteils Kritik an den USA übt und sich von den übrigen Fragen, die auf der Tagesordnung des Forums stehen, distanziert. Die Nordkoreaner bleiben auch dem Novum beim Forum fern, wenn alle Diplomaten ein Laienkonzert geben, singen und scherzen.

    Dabei ging man bei der Aufnahme Nordkoreas in diesen Club davon aus, das Regime in Pjöngjang in die Angelegenheiten der Region einzubeziehen.

    Die Optimisten verweisen auf einen in Peking erzielten Fortschritt. Allein schon die anders gewordene Atmosphäre der Verhandlungen inspiriere, wo zwei bislang unversöhnliche Gegner - die USA und Nordkorea - tatsächlich auf die Annäherung ihrer Positionen hin gearbeitet hätten.

    Dies ist in vieler Hinsicht dem "neuen Stil" der Diplomatie von US-Außenministerin Condoleezza Rice zu verdanken. Auf ihr Drängen hatten die USA öffentlich erklärt, dass sie die KDVR für einen souveränen Staat halten. Rices neuer Vertreter traf bei den Sechser-Gesprächen mehrmals mit dem nordkoreanischen Amtskollegen zusammen. Letztendlich wurde ein neuer Vertreter berufen: Für James Kelly sprang Christopher Hill ein. Kelly war es im Grunde genommen, der die Krise auslöste, als er Pjöngjang im Herbst 2003 vorgeworfen hatte, das Vorhandensein von Atomprogrammen zugegeben zu haben. Indes behaupteten nordkoreanische Diplomaten, dass Pjöngjang das nie zugegeben hätte und es keine Atomprogramme gibt.

    Man kann mit Sicherheit sagen, dass in einigen Monaten oder in einem Jahr ein Abkommen ausgehandelt wird, nach dem Pjöngjang die Idee aufgibt, eigene Atomwaffen zu bauen. Dafür soll die nordkoreanische Wirtschaft, die sogar jetzt reformiert wird, zusätzlich gefördert werden.

    Dann können die Sechsergespräche entweder eingestellt oder in die Organisation zur Förderung der koreanischen Halbinsel umgewandelt werden. Alle Sechs Teilnehmer der Verhandlungen brauchen diesen Mechanismus, wenigstens dafür, um sich bei der Verteilung von Investitionen in diverse Projekte in den beiden koreanischen Staaten nicht zu streiten. Es geht hierbei um den Bau neuer Eisenbahnen, Kraftwerke, Betriebe, um die Konzipierung neuer Regeln für Handel und Verrechnungen u.a.

    Übrigens geht dieser Prozess vonstatten, ohne einen erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen abzuwarten. Solange verhandelt wurde, vereinbarten Nord- und Südkorea in Peking die Eröffnung des Kfz-Verkehrs über die Grenze in diesem Oktober, wofür Seoul seinen nördlichen Brüdern Baumaterial und Technik zur Verfügung stellt und technische Hilfe erweist.

    Die Frage besteht nur darin, für welches Herangehen sich die "neue Diplomatie" von Condoleezza Rice entscheiden wird. Wird sie nicht gewillt sein, Pjöngjang zum Verzicht auf den Sechser-Mechanismus zu bewegen, um die führende Rolle Chinas in den asiatischen Angelegenheiten zu schwächen, das Gastgeberland und Cheforganisator der Verhandlungen ist? Andererseits wird diese führende Rolle nicht nur bei den "koreanischen" Verhandlungen, sondern auch in den Sicherheitsforen der ASEAN mit jedem Jahr deutlicher.

    Kein einziger ranghoher Diplomat, der mit den Korea-Problemen etwas zu tun hat, wird heute Erklärungen zu diesen Problemen abgeben, und zwar aus Erwägungen der Vorsicht heraus. Dennoch sind die Gedanken aller, die Pläne für Asien für die nächsten 10 bis 15 Jahre erstellen, gerade in diese Richtung gerichtet.

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