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    Russland startet Pilotprojekt im Rahmen des Kyoto-Klimaschutzprotokolls

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    MOSKAU, 3. August (Tatjana Sinizyna, Kommentatorin der RIA Nowosti). Für das Kyoto-Klimaschutzprotokoll werden in Russland die ersten Schritte getan.

    Mit der Verwirklichung von Bestimmungen dieses internationalen Dokuments wurde in der Energiebranche begonnen, deren Aktiva moralisch und physisch zu 80 Prozent überholt sind. Auf die russischen Kraftwerke entfallen knapp 35 Prozent aller C02-Emissionen im Land und fast drei Prozent der weltweiten Emissionen. Ein Abkommen über die Verwirklichung von zwei konkreten CO2-Projekten, das vor kurzem vom russischen Stromversorger EES Rossii und der Dänischen Umwelt-Agentur DEPA unterzeichnet wurde, hat die Einführung neuartiger Technologien in östlichen Teilen Russlands zum Ziel. DEPA investiert in die Modernisierung von Tochterbetrieben der russischen Energieholding - in das Heizkraftwerk Amur-1 (Chabarowskenergo/Ferner Osten) und ins Heizkraftwerk Mednogorsk (Orenburgenergo/Uralgebiet) - 20,071 Millionen Euro.

    Die technologische Umrüstung soll es den beiden Kraftwerken gestatten, die Kohlendioxid-Emissionen um 1,8 Millionen Tonnen (im Jahr) zu reduzieren. Dabei wird das Kraftwerk Amur von Kohle auf Gas umgestellt. In Mednogorsk sollen Kesselausrüstungen modernisiert werden. Bei den Arbeiten kommen russische Technologien zum Einsatz. Für Investitionen in die beiden Projekte stellt Russland der dänischen Seite Quoten für Emissionen von Kohlendioxid zur Verfügung, die bei der Realisierung des Projekts freigegeben werden - die berechneten 1,8 Millionen Tonnen.

    Welche Vorteile wird denn das erste "Kyoto-Geschäft" Russland geben? "Wichtig ist jetzt nicht die materielle Frage, sondern die Tatsache, dass das Pilotprojekt startet, es bewegt sich etwas ", sagte der Generaldirektor der Nationalen Organisation zur Förderung von Projekten zur Kohlenstoff-Absorption, Juri Fjodorow. Wichtig sei, zwischen zwei unterschiedlichen Preisen zu entscheiden. Der Preis für eine reale Ware ist eine Sache. Aber Russland verkaufe heute im Grunde genommen Versprechen, deshalb sei der Preis geringer, fügt der Experte hinzu. Der Handel sieht tatsächlich wie ein virtuelles Geschäft aus: Nach der Realisierung des Projekts werden Emissionen reduziert. Die Differenz zwischen dem früheren und dem künftigen Niveau der Emissionen wird verkauft.

    Sollten die ersten Projekte von Erfolg gekrönt sein und alle würden sehen, dass Russland ein zuverlässiger Partner ist, würden die Preise für russische Projekte unweigerlich steigen, fuhr Fjodorow fort. Die Nationale Organisation zur Förderung der Kohlendioxid-Absorption nahm an der Ausarbeitung der ersten Vorhaben teil und legte den nicht einfachen Weg zu ihrer Umwandlung zu einer Realität des Lebens zurück. "Vielleicht werden diese beiden unterzeichneten Verträge die Regierung dazu anspornen, den Prozess der Ausarbeitung von Prozeduren der Registrierung gemeinsamer Projekte zu beschleunigen wie auch ein Gesetz zu konzipieren, das die Anwendung der Bestimmungen des Kyoto-Protokolls in Russland regulieren würde", sagte Fjodorow.

    Vor der Unterzeichnung der ersten Verträge hatten die zuständigen Juristen lange Zeit darüber nachgedacht, ob die Regierung überhaupt genug Vollmachten für den Beginn der Realisierung von Bestimmungen des Klimaschutzabkommens von Kyoto hat. Nach einer langen Diskussion kristallisierte sich die Meinung heraus, dass ein Gesetz doch noch erforderlich ist, das die Regierung mit Sondervollmachten zur Umsetzung von Bestimmungen des Kyoto-Protokolls ausstatten würde. Experten des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung und Handel Russlands haben bereits mit der Ausarbeitung eines solchen Gesetzes begonnen.

    "Unser Unternehmen bereitet jetzt neue Projekte vor, darunter auch im Rahmen einer dänischen Ausschreibung", teilte Fjodorow mit. Das sei zum Beispiel ein Projekt im Gebiet Irkutsk (Sibirien), das die Umstellung von Kesselhäusern von Kohle auf biologischen Brennstoff oder auf gepresste Holzabfälle vorsieht. "Ein ähnliches Projekt ist auch für das Gebiet Omsk in Entwicklung", betonte der Experte.

    "Gemeinsame Vorhaben sind die für Russland wohl optimale Form zur Umsetzung von Bestimmungen des Kyoto-Protokolls", sagte der Wirtschaftsexperte Viktor Danilow-Daniljan, korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften und Direktor des Instituts für Probleme der Wasserwirtschaft der Akademie der Wissenschaften. "Sie bringen Investitionen ins Land, die Russland so sehr braucht. Neben einer Einsparung durch geringere Emissionen haben die Investitionen mehrere Nebeneffekte, die unter anderem die Qualität der Erzeugnisse, den Verbrauch von Ressourcen, Anforderungen an die Arbeitsbedingungen betreffen." Der Wissenschaftler sieht nichts Erstaunliches daran, dass Russland die ersten Verträge im Rahmen von "Kohlenstoff-Projekten" gerade mit Dänemark unterzeichnet hat. "Dänemark liegt dem Niveau des ökologischen Bewusstseins der Bevölkerung nach an erster Stelle in der Welt. In dieser Hinsicht sind die Dänen wohl die besten Partner für Russland."

    An Orten in Russland, wo neue Kohlenstoff-Projekte umgesetzt werden könnten, mangelt es nicht. Nach Angaben des Leiters einer Abteilung im Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Handel Russlands, Oleg Pluschnikow, prüft Russland derzeit die Möglichkeit, Abkommen im Rahmen des Kyoto-Protokolls mit sechs Ländern zu schließen - Dänemark, Frankreich, Deutschland, Österreich, Kanada und Schweden.

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