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    MOSKAU, 3. August (RIA Nowosti)

    "Iswestija"/ "Nesawissimaja Gaseta"

    Russlands Presse zum neuen Niveau der russisch-chinesischen Beziehungen

    Die künftigen wirtschaftlichen und politischen Spitzenreiter - Russland und China - peilen ein neues Niveau ihrer Beziehungen an mit der eindeutigen Ambition, die künftige geopolitische Weltordnung zu beeinflussen. Dies sollen nun auch die für Ende August geplanten gemeinsamen russisch-chinesischen Militärübungen "Friedensmission 2005" demonstrieren.

    Laut einer Konzeption der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs werden die sich "stürmisch entwickelnden Länder" - Brasilien, Russland, Indien und China - gegen 2050 die grundlegenden Welttrends prägen. Brasilien ist von Russland in jeder Hinsicht ziemlich weit entfernt, dafür werden die Beziehungen mit Indien und mit China in letzter Zeit als vorrangig gestaltet, stellt die "Iswestija" fest. Vorerst allerdings nicht als ein Gegengewicht zum Westen.

    In den Beziehungen zwischen Russland und China gibt es zwar Probleme, die offensichtlichen positiven Aspekte sind aber gewichtiger. Der territoriale Streit wurde ohne besondere Widersprüche geregelt, die chinesischen Investitionen werden begrüßt. Befürchtungen hinsichtlich einer Expansion der Arbeitskräfte aus China nach Russland könnten im Rahmen der Regelung des Migrationsproblems beseitigt werden.

    Chinesische Arbeitnehmer und Investitionen sind in erster Linie gerade der russischen Wirtschaft, den russischen Abnehmern und dem russischen BIP notwendig. In diesem Kontext sind die gemeinsamen Übungen sowohl Politik als auch Geopolitik und Wirtschaft in einem. Ganz davon zu schweigen, dass sie für die Länder, die sich als zukünftige Supermächte sehen, auch von direkter militärischer Bedeutung sind.

    In den USA und anderen Ländern des Pazifikraums ruft die Tatsache besondere Besorgnis hervor, dass die Übungen im Rahmen der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (Kasachstan, China, Kirgisien, Russland, Tadschikistan und Usbekistan) stattfinden, betont die "Nesawissimaja Gaseta".

    Wurde diese Organisation bisher als eine antiterroristische betrachtet, so nimmt sie jetzt Züge eines Militärblocks an. Sollte sich auch Indien der Organisation anschließen, so könnte ein beinahe ganz Eurasien umfassender Militärblock entstehen, was die nach Abschluss des Kalten Krieges entstandene monopolare Welt zweifellos stören würde.

    "Polititscheski Schurnal"

    Experte: Putin will Bedingungen für fließende Machtübergabe schaffen

    Der Erlass des Präsidenten Russlands, mit dem die Gouverneure mit zusätzlichen Vollmachten ausgestattet werden, bietet den regionalen Chefs die Rechte auf eine Koordinierung der Tätigkeit der föderalen Strukturen auf ihrem Territorium. Diese qualitative Änderung im System der föderativen Beziehungen zeugt davon, dass Putin Bedingungen für eine fließende Machtübergabe im Rahmen des jetzigen politischen Systems schaffen will. Diese Meinung äußert Wjatscheslaw Nikonow, Präsident des Fonds "Politika", in einem Interview für das Wochenmagazin "Polititscheski Schurnal".

    Wie er weiter ausführt, kann man in der jetzigen Situation Elemente sehen, die in den Parlamentsrepubliken in vielen Ländern bestehen und wo der Staatschef ein Vertreter der Mehrheit in der gesetzgebenden Versammlung ist.

    Im Laufe der gesamten ersten Präsidentenamtszeit befasste sich Putin mit der Hauptaufgabe der Konsolidierung der Macht, stellt Nikonow fest. Nun ist diese Aufgabe mehr oder weniger gelöst. Das neue System der Machtbildung stellt eine einheitliche Vertikale her. "Den Gouverneuren, die er selbst vorgeschlagen hat, kann der Präsident viel mehr vertrauen als den gewählten", so der Politologe. Deshalb besteht die nächste Etappe darin, diese Menschen mit den Vollmachten auszustatten, die die föderalen Machtorgane besaßen, welche zur föderalen Präsidentenvertikale gehörten.

    "Auf diese Weise will Putin zweifellos Bedingungen für eine fließende Machtübergabe im Rahmen des bestehenden politischen Systems und der bestehenden politischen Kräftekonstellation schaffen", so Nikonow. Mit seinen jüngsten Schritten verhindert der Präsident in bedeutendem Maße Möglichkeiten für die Entstehung einer regionalen Fronde. Der Präsident teilt die Verantwortung für die Entwicklung im Lande mit den Gouverneuren, die Putin in der Perspektive im Bestand der sogenannten "erweiterten Regierung" sieht.

    Heute ist die Situation grundlegend anders als zu Beginn der 90er Jahre. Damals litt Russland an einer übermäßigen Dezentralisierung. Nun ist ein Punkt erreicht, wo die Entwicklung bereits durch eine übermäßige Teilnahme des Föderationszentrums an den Angelegenheiten der Region behindert wird, stellt der Politologe fest.

    "Wremja Nowostej"

    Zweiter Lukoil-Misserfolg am Kaspisee

    Der Konzern Lukoil hat kein Erdöl im Vorkommen Tjub-Karagan am Kaspisee entdeckt. Dies ist bereits der zweite Misserfolg des größten russischen Ölunternehmens am Kaspisee, berichtet die Tageszeitung "Wremja Nowostej" am Mittwoch.

    Tjub-Karagan wird auf der Grundlage eines 40-jährigen Product-Sharing-Vertrags erschlossen, der im Januar 2004 zwischen Lukoil und der kasachischen staatlichen Öl- und Gasgesellschaft Kasmunaigasom geschlossen wurde. Vorgesehen ist eine 50:50-Beteiligung.

    Laut Prognosen wurden die geologischen Ressourcen von Tjub-Karagan auf 324 Millionen Tonnen Öl geschätzt. Die maximale Jahresförderung sollte bei rund sieben Millionen Tonnen liegen. Alle Ausgaben der Erkundungsperiode bis zur Entdeckung kommerziell bedeutender Ölvorräte hatte die russische Seite zu tragen. Lukoil erlitt aber einen Misserfolg.

    Nach Angaben von Rauf Gussejnow, Analytiker der internationalen Informations- und Presseagentur Argus, hat Lukoil gemäß dem Abkommen mit der kasachischen Seite zwei Erkundungsbohrungen auf Tjub Karagan niederzubringen. Er schloss aber nicht aus, dass das Unternehmen eine Konventionalstrafe zahlen und versuchen wird, aus dem Vertrag auszusteigen. Nach seinen Worten entspricht die von den Behörden geforderte Größe der Konventionalstrafe im Regelfall dem Etat einer Bohrung, nämlich einige dutzend Millionen Dollar. Dennoch ziehen es die Holdings vor, diesen Betrag zu zahlen und nicht weiter zu riskieren, weil man im Endeffekt leicht mehr verlieren könnte.

    Der Zeitung zufolge hat Lukoil diesbezüglich noch keine endgültige Entscheidung getroffen.

    Die Gesellschaft versucht allerdings bereits, aus einem anderen Projekt am Kaspisee auszusteigen. Sie erschließt das Vorkommen D-222 (Jalama) auf dem aserbaidschanischen Schelf. Im vergangenen Jahr bagann Lukoil mit der ersten Bohrung, musste sie aber wegen technischen Schwierigkeiten einkonservieren. Im Frühling dieses Jahres machte das Unternehmen eine andere Bohrung anstelle der einkonservierten, stieß dabei aber nicht auf Öl.

    Der Lukoil-Partner in diesem Projekt - die Staatliche Ölgesellschaft Aserbaidschans - fordert indessen, die Arbeit fortzusetzen.

    "Gaseta"

    Russland wurde weltgrößter Importeur von Känguruh-Fleisch

    Russland ist der größte Absatzmarkt fürs Känguruh-Fleisch. Ein Drittel des von den Australiern exportierten Produkts geht nach Russland, berichtet die Tageszeitung "Gaseta".

    Nach Angaben des australischen Handelsministeriums gab Russland 2004 elf Millionen Dollar fürs Känguruh-Fleisch aus. Die Nachfrage nach dem Fleisch des australischen "Wappentiers" nimmt dabei ständig zu.

    Nach Angaben der Marktteilnehmer wollen die russischen Wurstproduzenten das Problem der Rohstoffkrise bewältigen, da es für das Känguruh-Fleisch keine Quoten gibt. Ein großer Teil dieses Fleisches wird dabei illegal, als Fleischsubprodukte getarnt, in Russland eingeführt.

    Die Rind- und Schweinbestände in Russland nehmen mit jedem Jahr unentwegt ab. Nach Angaben der staatlichen russischen Statistikbehörde ging die Fleischproduktion im Lande im 1. Halbjahr 2005 um zwei Prozent zurück, insgesamt hat sich der Rindbestand in den Jahren der Reformen halbiert.

    Wie Sergej Juschin, Leiter des Exekutivkomitees der Nationalen Fleischvereinigung, feststellte, ist die Rinderproduktion in Russland heute unrentabel: Die Ausgaben sind zu hoch, während die Amortisation mit bis zu acht Jahren viel zu lang ist. Außerdem gebe es keine Sicherheit hinsichtlich der Marktstabilität. "Deshalb sind die Wirtschaften an diesem Geschäft nicht interessiert", so Juschin. Zugleich erwägen diese Wirtschaften bereits die Känguruh-Zucht.

    Praktisch das gesamte an Russland gelieferte Känguruh-Fleisch landet im Fernen Osten, in Sibirien und in der Uralregion, stellen Experten fest. "Da es in diesen Regionen an Rohstoffen mangelt, führen die Wurstunternehmen Känguruh-Fleisch ein, vorwiegend nach halblegalen Schemen", stellte der Leiter einer Fleischverarbeitungsfabrik im Moskauer Umland gegenüber der Zeitung fest. "Der ganze Ferne Osten und der Norden Russlands sind vom Känguruh-Fleisch zugeschüttet."

    Die meisten Russen ahnen dabei gar nicht, dass sie etwas Exotisches verzehren, stellt das Blatt fest.

    "Wedomosti"

    Sonderwirtschaftszone für Volkswagen im Moskauer Umland geplant

    Das Gebiet Moskau will bis zum Schluss um das Recht kämpfen, sein Territorium für den Bau eines Volkswagen-Werks zur Verfügung zu stellen. Die Behörden der Region schlagen vor, eine Sonderwirtschaftszone für den Konzern zu schaffen. Beamte auf der Föderationsebene sind allerdings vorerst nicht bereit, die Initiative des Moskauer Gebiets zu unterstützen schreibt die Tageszeitung "Wedomosti" am Mittwoch.

    Der VW-Konzern schaut bereits seit mehreren Jahren aufmerksam nach Russland. In der russischen Regierung und im Konzern selbst wurden mehrmals Modelle, die VW in Russland herstellen könnte, wie auch Zahlen für die mögliche Jahresproduktion genannt - von 50 000 bis 200 000 Stück. Das einzige, was bei den Gesprächen unverändert bleibt: Der Konzern werde seinen Betrieb in Stupino bei Moskau bauen.

    Wie Juri Schdanow, Chef der erst vor kurzem gebildeten Föderalen Agentur für die Verwaltung der Sonderwirtschaftszonen, am Dienstag mitteilte, habe die Region einen vorläufigen Antrag auf die Schaffung einer Industrieproduktionszone für die Montage von Autos ausländischer Produktion eingereicht. "Das wichtigste besteht für uns darin, VW dazu zu bringen, den Betrieb gerade bei Moskau zu bauen", gibt Norair Bludjan, Vizeverkehrsminister des Moskauer Gebiets, zu. "Deshalb wollen wir ihm mehrere Möglichkeiten zur Wahl anbieten."

    Schdanow entgegnete allerdings: "In dem Fall würde der Autokonzern Präferenzen bekommen, die den Firmen Ford, Renault und Toyota nicht geboten wurden, als diese nach Russland kamen." Diesen Standpunkt teilte auch ein Vertreter des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung und Handel gegenüber der Zeitung.

    Nach Ansicht von Experten hat das Moskauer Umland keinen schlechten Köder für Volkswagen gefunden. "In einer Sonderwirtschaftszone könnte VW die Möglichkeit bekommen, alle Zulieferteile und Ausrüstungen zollfrei einzuführen", stellt Konstantin Pawlowitsch, Manager der Buchprüfungsgesellschaft Energy Consulting, fest. Außerdem könnte der Konzern mit einer vierprozentigen Reduzierung der Gewinnsteuer und Vergünstigungen bei der Besitzsteuer rechnen. Wjatscheslaw Smoljaninow, Analytiker der Finanzgruppe UralSib, stellt fest, die Amortisationszeit des VW-Projekts könnte um die Hälfte gekürzt werden, geht man von einer Jahresleistung von 50 000 Autos aus.

    VW gehört zu den größten Autoherstellern Europas. 2004 wurden 5,1 Millionen VW-Autos verkauft. Der Erlös machte 121,3 Milliarden und der Reingewinn 923 Millionen Dollar aus. Im 1. Quartal dieses Jahres verkaufte der Konzern 2597 Autos in Russland.

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