08:08 25 September 2017
SNA Radio
    Meinungen

    Russlands Markt zieht ausländische Kfz-Produzenten an

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 0 0 0

    MOSKAU, 04. August (Alexander Jurow, politischer Kommentator der RIA Nowosti).

    In den letzten Tagen schreibt die Presse mit neuem Elan über die Pläne großer ausländischer Kfz-Produzenten, auf dem Territorium von Russland eine eigene Produktion in Gang zu bringen.

    Gleich mehrere Zeitungen erinnerten an die seit langem gehegten Pläne des deutschen Volkswagen-Konzerns, in Russland mit der Montage eines preiswerten Wagens seiner Marke zu beginnen. Auch heißt es, dass der Kfz-Konzern Nissan nach einer Fläche für die Montage seiner Modelle in Russland sucht.

    Die Geschichte um die Einführung von Autos gerade dieser Marken in Russland ist nicht neu. VW zum Beispiel dachte bereits 1995 an eigene Produktion in Russland. Doch wurden bisher keine realen Schritte getan. Viele russische Experten haben sogar den Eindruck bekommen, dass die Gespräche von einer Montageproduktion sich zumindest bis zum WTO-Beitritt Russlands hinziehen werden, denn erst dann würden sich die günstigsten Bedingungen ergeben.

    Das scheint wohl auch so zu sein. Laut Informationen der Moskauer Zeitung „Wremja Nowostej“ habe der Vorstand des VW-Konzerns vor kurzem Szenarien des russischen Projektes erörtert. In Deutschland hat es den Kodenamen „Top-Projekt Russland“ bekommen. In seinem Rahmen wird die Möglichkeit erwogen, in Russland um 2007 Produktionskapazitäten mit Niedriglohn zu schaffen. Das heißt, zu der Zeit, da Russland laut den Prognosen in die WTO aufgenommen wird. Vorrangig prüft die VW-Leitung den Bau eines Betriebes in der Umgebung von Moskau.

    Mit einem Ort in Russland für Nissan ist die Sache etwas komplizierter. Anfang des Jahres verhandelten Vertreter des japanischen Unternehmens mit russischen Kfz-Produzenten über die Unterbringung einer Montageproduktion in den GAS-Autowerken. Doch haben Vertreter dieses russischen Unternehmens nie bestätigt, dass Besuche von Nissan-Vertretern in den GAS-Autowerken gerade mit der Aufnahme einer Montageproduktion in Russland zusammenhänge. Dann versuchte die Presse, die Nissan-Produktion in Moskau bei Awtoframos, einem russisch-französischen Joint Venture, unterzubringen. In diesem Fall hofften die Analytiker am ehesten darauf, dass das Unternehmen Renault SA, das hier den Logan herstellt, das verwandte japanische Unternehmen nach Russland bringen werde.

    Im Übrigen: Kein Rauch ohne Feuer. Wenn erneut von der Einführung der größten Weltmarken mit eigenen Produktionen in Russland die Rede ist, wird das wohl auch eintreten. Wann das passieren wird, ist allerdings unbekannt.

    Falls das deutsche Projekt realisiert wird, verwandelt sich VW, was die Zahl der hergestellten Wagen betrifft, in eine der führenden Firmen der russischen Kfz-Industrie. Geplant ist eine jährliche Montage in Russland von bis zu 200 000 Wagen. Bisher haben ausländische Unternehmen, die in Russland Kraftwerkzeuge herstellen, die Grenze von 100 000 Autos im Jahr nicht überschritten. Die koreanischen Autohersteller zum Beispiel, die bereits seit einigen Jahren in Russland Pkw montieren, haben es alle zusammen nur auf insgesamt rd. 90 000 gebracht. Den Rekord hält das russisch-amerikanische Projekt Chevy-Niva. Im vorigen Jahr wurden an die 60 000 Wagen, die in Russland unter der Marke GM laufen, verkauft. Die übrigen Unternehmen bauen und verkaufen merklich weniger Fahrzeuge. Vor kurzem hat sich der Konzern Renault SA in das Rennen nach den Rekorden eingeschaltet: Seit Juli 2005 verkauft er seinen in Russland montierten Renault Logan. Das Unternehmen will innerhalb von zwei Jahren den Umfang von 200 000 Wagen im Jahr erreichen. Vorläufig ist bei der Zahl der montierten Fahrzeuge der russische Autogigant AwtoWAS nach wie vor führend. Von seinen Fließbändern kommen alljährlich über 700 000 Wagen.

    Merkwürdig, aber die Ziffer 200 000 wird in Russland zu einer magischen Größe. Praktisch alle ausländischen Unternehmen, die den Beginn der Montage von Kraftfahrzeugen in Russland planen, nennen diese Größenordnung. Von einem solchen Produktionsumfang spricht auch der Konzern Toyota, der den Bau seines russischen Betriebes bei Sankt Petersburg 2007 abschließen will.

    Freilich klingen nicht alle Versprechungen ausländischer Kfz-Produzenten gleich glaubwürdig. Der Renault Logan kostet in Russland in seiner Grundvariante 8 999 Dollar, und die teuerste Ausführung ist für 12 099 Dollar zu haben. Die Nachfrage nach Autos dieser Preisklasse ist in Russland am höchsten. Jährlich werden davon über eine Million auf dem Markt verkauft. Unter günstigen Umständen, wenn dieses Projekt den russischen Fahrern gefällt, wäre es durchaus real, einen bedeutenden Produktionsumfang zu erreichen. Zudem baute der russische Betrieb, auf dessen Basis der Logan nun montiert wird, früher bis zu 600 000 Kleinwagen im Jahr. Leider hat der VW-Konzern Modelle in dieser Preislage praktisch nicht. Da wäre höchstens der VW-Pointer zu nennen. Doch der Preis dieses Autos (in Russland rd. 11 000 US-Dollar) entspricht nicht seinem kleinen Hubraum. In Russland kosten Wagen mit solchen Daten unter 10 000 Dollar. Allerdings könnte die russische Montage den Preis des Pointer um 15 Prozent senken. Das würde das Modell vom Preis her den russischen Kraftwagen annähern.

    Wohl aus diesem Grund habe, wie „Wremja Nowostej“ schreibt, der deutsche Konzern die Absicht, alle das Top-Projekt Russland begleitenden Investitionsabkommen bis Mitte Dezember abzuschließen, wenn in Hongkong die Minister der WTO-Mitgliedsländer Konsultationen über Russlands Anschluss an die Welthandelsorganisation durchführen werden. Das bedeutet, dass Volkswagen etwas in petto hat, was das Unternehmen auf dem russischen Markt anbieten kann.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren