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    Reality-Show mit Mördern bei ABC

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    MOSKAU, 5. August (von Pjotr Romanow, politischer Kommentator der RIA Nowosti). Die amerikanische Fernsehgesellschaft ABC hat in ihrem Programm Nightline ein Exklusivinterview mit einem gewissen Jose, Mitglied einer der grausamsten kriminellen Banden gesendet, die auf dem Territorium der USA und einiger Länder Lateinamerikas operieren.

    Das wurde demonstrativ wenige Tage nach dem Interview mit dem Terroristen Schamil Bassajew, nach Protesten des russischen Außenamtes und empörten Stimmen einer beträchtlichen Zahl von USA-Bürgern darüber getan. Und auch nach dem Beschluss des russischen Außenamtes, die Akkreditierung der ABC-Mitarbeiter in Moskau nicht zu verlängern.

    Die Verteidigungstaktik, die der Fernsehsender gewählt hat, erwies sich als überaus originell. Die Leitung des Kanals beschloss wohl zu beweisen, dass die "Redefreiheit" dem Sender die Möglichkeit bietet, alle Schurken und Mörder der Welt zu zeigen. Insofern sei das Auftauchen eines Bassajew in der Reihe anderer Psychopathen eine normale Routinesache für das amerikanische Fernsehen.

    Gewisse Ähnlichkeiten gibt es in der Tat. Die tschetschenischen Terroristen machten sich mit Videoaufnahmen berühmt, auf denen gezeigt wird, wie sie ihren Geiseln Köpfe abschneiden. Jose, der Bandit von MS-13, der wenige Tage nach Bassajew von ABC vorgestellt wurde, wie auch andere Mitglieder dieser kriminellen Gruppierung, mögen es auch, Köpfe abzuschneiden. "Ich bin es gewohnt, Leichen links und rechts zu sehen. Eine kopflose Leiche, verunstaltete Menschen etc. Sie werden gefoltert, bevor sie getötet werden", gibt Jose offen zu.

    Allerdings wirkt die Logik der ABC-Führung, wonach die Gründer der amerikanischen Demokratie um die Pressefreiheit gekämpft hätten, damit geköpfte Leichen unschuldiger Opfer gezeigt oder philosophische Überlegungen pathologischer Mörder zitiert werden, auf die normalen Menschen, darunter auch in den USA, sicherlich nicht überzeugend.

    Die "Unrat-Globalisierung", die ABC als Demokratie und Pressefreiheit ausgibt, überzeugt nur in einem. Die Mitarbeiter des Fernsehsenders werden nicht arbeitslos bleiben. Es gibt noch genug Unrat auf der Welt.