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    Kampf um Russlands wertvollstes Stück geht los

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    MOSKAU, 5. August (Wassili Kononenko, politischer Kommentator der RIA Nowosti). Die Entscheidung des Kreml, den Moskauer Vizeoberbürgermeister für das Amt des Gouverneurs des Gebietes Nischni Nowgorod vorzuschlagen, ist ein gesamtnationales Ereignis.

    Das bedeutet, dass "die Schlacht um Moskau", der Kampf um das Amt des Moskauer Oberbürgermeisters, losgegangen ist, der Russlands wertvollstes Stück, die Hauptstadt, kontrolliert.

    Das Gebiet Nischni Nowgorod ist zweifellos eine große und wichtige Region. Sie gilt als eine der Regionen, wo "Pilotprojekte" von Reformen in Russland umgesetzt werden. Aber nicht dieser Umstand löste ein derart starkes Echo im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Wechsel des Gebietsgouverneurs aus. Das Interesse der politischen Eliten des Landes ist auf das politische Szenario unter dem Titel "Luschkows Familie" gerichtet. Es besteht kein Zweifel daran, dass mit dem Umzug des Moskauer Vizeoberbürgermeisters ins Wolgaland sein überaus starkes Tandem mit Oberbürgermeister Luschkow zerstört wird, das faktisch die Unerschütterlichkeit der Grundlagen des Moskauer Clans der früheren sowjetischen Parteinomenklatura symbolisierte. Diese "Familie" kontrollierte im Laufe vieler Jahre gigantische Finanzströme und alle Poren der Metropole mit 15 Millionen Einwohnern. Sie erdreistete sich sogar zu einem Wettkampf mit der föderalen Macht, wie das bei den Parlamentswahlen 1999 geschah.

    Im Dezember dieses Jahres sollen die Wahlen zur Moskauer Stadtduma stattfinden, in der bereits zwei Legislaturperioden lang die gleichen Protegés von Luschkow das Regiment führen. Im Dezember 2007 geht die Amtszeit des Oberbürgermeisters selbst zu Ende. Mit diesen politischen Ereignissen ist auch die "Schlacht um Moskau" verbunden, wo nach Angaben des Wirtschaftsexperten Jegor Gaidar bis zu 75 Prozent aller Finanzressourcen des Landes konzentriert sein sollen und wo die Immobilienpreise schon fast auf dem europäischen Niveau liegen. Moskau - das ist nicht nur der Kreml als Russlands Machtsymbol, sondern auch die Gesamtheit von all dem, was als nationales Gemeingut gilt. Es genügt bereits zu sagen, dass Moskau in wirtschaftlicher Hinsicht bedeutender ist (der Haushalt der Stadt beträgt rund 800 Milliarden Rubel) als jedes Staatsmonopol. Vom "Schattenkapital" ganz zu schweigen, das sich in Moskau dreht. Deshalb bedeutet die "Schlacht um Moskau" einen Kampf um die größten Vermögen in Russland.

    Natürlich gibt es viele Anwärter auf dieses leckere Stück, das dazu noch einen politischen Aufmarschraum für den weiteren Machtkampf auf nationaler Ebene bietet. Zu diesen wird auch der "Oligarchenpool" gezählt, als dessen Protegé Alexander Lebedew, der faktische Leiter der Finanz-Industrie-Gruppe "Nazionalnaja reservnaja korporazija", gilt. Daneben stehen die "Moskauer" und die "Petersburger" Gruppierung. Mit der Letzteren sind die aus Sankt Petersburg stammenden Vertreter der jetzigen Moskauer Elite gemeint. Als einer ihrer möglichen Kandidaten gilt Georgi Poltawtschenko, bevollmächtigter Präsidentenbeauftragter im Zentralen Föderationsbezirk. Eine weitere Anwärtergruppe bilden Vertreter der bewaffneten Strukturen, die sich größere Unternehmen im Lande angeschafft haben, und diverse Beamte.

    Nach Ansicht einiger Politologen bedeutet die Ernennung Schanzews zum Gouverneur des Gebietes Nischni Nowgorod den Beginn einer Kampagne, deren Ziel darin besteht, besonders aussichtsreiche Kandidaten aus der "Familie Luschkows" aus dem Wettkampf auszuschließen. Für diese Version spricht auch die Tatsache, dass ein weiterer möglicher Nachfolger von Oberbürgermeister Luschkow, der Vizevorsitzende der Staatsduma Georgi Boos, zum Gouverneur des Gebietes Kaliningrad ernannt werden könnte. Wie Sergej Markow, Direktor des Instituts für politische Studien, behauptet, war zuvor im Team des Moskauer Oberbürgermeisters ein Szenario konzipiert worden, laut dem Schanzew zum Nachfolger Luschkows im Amt des Oberbürgermeisters werden sollte. Luschkow könnte wiederum zum Vorsitzenden der Moskauer Stadtduma werden, wo für ihn eine mächtige Abgeordnetenstütze vorbereitet wird. Auf diese Weise könnte die "Moskauer Familie" in vollem Umfang weiter bestehen. Offenbar kommt es nun doch nicht dazu.

    Einige Zeitungen zitieren einen anonymen Kreml-Sprecher, der gesagt haben soll: "Luschkow sollte langsam begreifen, dass er nicht der Chef eines souveränen Staates' Moskau und kein autonomer Politiker ist, sondern genauso ein Mitglied des staatlichen Verwaltungsteams und genauso ein von der Gesellschaft angeheuerter Manager wie alle anderen Beamten."

    Wahrscheinlich sind wir jetzt Zeugen des ersten Schachzuges in einer komplizierten Kombination, bei der es um den Wechsel der Moskauer Mannschaft geht. Zweifellos hat die Partie begonnen.

    Nicht zufällig ist wohl auch, dass Luschkows Frau, die Milliardärin Jelena Baturina, ihr Zement- und Baugeschäft aufgegeben und zur Aktionärin von Monopolen mit staatlicher Beteiligung - Sberbank und Gasprom - geworden ist. Die Wertpapiere solcher Unternehmen sind in letzter Zeit zu einer stillen Bucht für das Kapital russischer Magnaten geworden.

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