03:03 25 April 2017
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    Grundlagenwissenschaft als Weg in den fernen Weltraum

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    MOSKAU, 8. August (Andrej Kisljakow, politischer Kommentator der RIA Nowosti). Das föderale Raumforschungsprogramm Russlands für die nächsten zehn Jahre, das voraussichtlich am 15. August offiziell unterzeichnet wird, ist vor allem auf eine tiefgehende Modernisierung vorhandener und die Entwicklung neuer Muster der Raumtechnik orientiert.

    Begreiflicherweise ist eine solche Aufgabe ohne Einbürgerung von modernen wissenschaftlichen Entwicklungen, die im Zuge der Grundlagenforschungen entstanden sind, nicht zu lösen.

    Das Bündnis von Grundlagenwissenschaft und Industrie, das es Russland erlauben wird, auf dem Weltmarkt der Raumfahrt seine führende Position zu behalten, bekam am 3. August feste Konturen. An jenem Tag unterschrieben der Leiter von Roskosmos Anatoli Perminow und der Vorsitzende des Russischen Fonds für Grundlagenforschung Wladislaw Chomitsch ein Abkommen über das Zusammenwirken.

    In einem Exklusivinterview für RIA Nowosti betonte Anatoli Perminow: "Dieses Abkommen hat einen Rahmencharakter und soll durch weitere Abkommen auf konkreten Gebieten untermauert werden." Anders ausgedrückt: Beide Seiten werden die Hauptrichtungen ihrer Tätigkeit festlegen, die "für die Wissenschaft und den Staat" wichtig sind.

    Rein pragmatisch gesehen - und Pragmatismus bestimmt heute hochgradig den Wert eines jeden Schrittes bei der Raumforschung - könnte man zwei Schlüsselrichtungen in der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Raumtechnikproduktion nennen: die Entwicklung des wiederverwendbaren Transportsystems "Clipper" und die Entwicklung von neuen Raumflugapparaten, vor allem von Nachrichtensatelliten mit erhöhter aktiver Betriebsdauer.

    Der Betrieb eines Mehrwegträgers wird, meint Perminow, Russland in die Lage versetzen, nicht nur beispielsweise das ISS-Programm zu erfüllen, sondern auch interplanetare Forschungen zu realisieren, darunter durch bemannte Flüge. Aber "als Muster der innovativen Technik wird die Entwicklung eines solchen Schiffes neue technische Lösungen, Technologien und Stoffe erfordern", unterstrich der Roskosmos-Chef.

    Auf diese Weise entstand in der Raketen-Weltraum-Korporation "Energija", dem Leitbetrieb bei der Arbeit im Rahmen des "Clipper"-Programms, die Idee eines Mehrwegschiffes vom so genannten hybridischen Typ. Seinem Konzept liegt eine Kombination der Raumschiffe von kapselartigem Typ (siehe "Sojus") und von beflügeltem Typ (siehe "Buran") zugrunde. Wie Wladimir Syromjatnikow, einer der Leiter von "Energija", sagt, bestehe das Ziel eines solchen Schiffes "in zuverlässigeren und sicheren Raumflügen".

    Es erübrigt sich, wieder einmal die Wichtigkeit der Entwicklung von neuen Nachrichtensatelliten und von Satelliten für das Monitoring der Erdoberfläche zu betonen. Ihre kommerzielle Nutzung macht heute in der Welt bis zu 70 Prozent des Marktes aus. In diesem Zusammenhang "ist es für uns notwendig, den Betrieb der alten Apparate erfolgreich abzuschließen und mit der Produktion von Satelliten zu beginnen, deren aktive Betriebsdauer bis zu 12 Jahren erreicht. Auf diesem Gebiet haben wir bereits vorgearbeitet", sagte Perminow abschließend.

    Die Satelliten, die zum Beispiel die sibirische Forschungs- und Produktionsvereinigung "Reschetnew" baut, "stehen den weltweiten analogen Modellen in nichts nach und sind preismäßig konkurrenzfähig. Am schwierigsten ist es, auf einen Markt zu kommen, der bereits zwischen den wichtigsten Spielern aufgeteilt ist und auf dem niemand auf Russland wartet", erklärte der stellvertretende Roskosmos-Chef Nikolai Moissejew Ende Juli auf einem Briefing.

    Aber die Situation kann sich bald einschneidend verändern. In den letzten Tagen des vergangenen Monats billigte die Regierung das Projekt von Anatoli Perminow, die Korporation "Informationssatellitensysteme", was zur Folge haben wird, dass Russland im wichtigsten Segment des Weltmarktes von Leistungen im Bereich Raumfahrt führende Positionen beziehen könnte. Das Geschäftsplan der neuen Korporation liegt übrigens schon vor.

    Demnach müssen zwei von Roskosmos hintereinander initiierte Forschungs- und Organisationsschritte das Ergebnis zeitigen, auf welches es ankommt: erfolgreiche Erfüllung des nationalen Raumforschungsprogramms.