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    Die Rettung des Bathyskaphes – eine moralische Revolution in der Flotte

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    MOSKAU, 08. August (Viktor Litowkin, Militärkommentator der RIA Nowosti).

    In der Bucht Berjosowaja am südlichen Ende der Halbinsel Kamtschatka ging eine beispiellose internationale Operation zur Rettung der Besatzung des Bathyskaphes AS-28 zu Ende.

    Alle Mariner sind am Leben und gesund.

    Der Verteidigungsminister Russlands, Sergej Iwanow, der auf Anweisung des Präsidenten Wladimir Putin auf Kamtschatka der Schlussetappe der Rettungsoperation beiwohnte, erklärte, dass alle Besatzungsmitglieder der AS-28 sowie Angehörige der englischen Kriegsmarine zu staatlichen Auszeichnungen vorgeschlagen werden. Eben sie spielten die entscheidende Rolle bei der Rettung des russischen Bathyskaphes.

    Die rechtzeitige Zustellung des ferngesteuerten Tauchapparates Super Scorpio 45 vom Stützpunkt Renfrew (Schottland) zum Flughafen Jelisowo auf Kamtschatka rettete das Leben der russischen Mariner, denn mit dem Scorpio gelang es, die sechs synthetischen und Stahlseile zu durchtrennen, die die AS-28 in einer Tiefe von 200 Metern hielten. Und dafür ist Russland den Armeeangehörigen Ihrer königlichen Majestät grenzenlos dankbar.

    Aber man darf nicht den Mut, die Standhaftigkeit und die Selbstbeherrschung der Besatzung des Bathyskaphes AS-28 vergessen, die am Grund der Bucht Berjosowaja fast vier Tage, genauer gesagt, 76 Stunden verbrachte und dies in vollkommener Ungewissheit über ihr künftiges Schicksal. Dabei gelang es der Besatzung nicht nur, psychisch gesund zu bleiben und bei einer Temperatur von plus vier Grad nicht erfrieren, sondern auch sehr sparsam die geringen Vorräte an Regenerationsplatten zu nutzen, mit denen Kohlendioxid absorbiert und Sauerstoff erzeugt wird. Eben das half ihnen, sich bei vollem Bewusstsein praktisch doppelt so lange in arbeitsfähigem Zustand wie die technisch berechneten 48 Stunden zu befinden. Und solche Fälle gibt es in der Geschichte der Unterwasserfahrt nicht viel.

    Im Jahre 1957 ging das U-Boot M-351 des Projekts A615 (nach der NATO-Klassifikation Quebec) bei der Erfüllung des Manövers „dringliches Tauchen“ beim Auslaufen aus der Basis Balaklawa im Schwarzen Meer unter. Ursache der Havarie war die geöffnete Außenbordklappe der Luftzuführung zu den Dieselantrieben. Die Notbelüftung der Tauchzellen zeigte kein Ergebnis, und das U-Boot blieb im schlammigen Grund in einer Tiefe von 84 Metern stecken. Zudem verkomplizierte stürmisches Wetter die Situation. Der Unglücksstelle näherten sich Rettungsschiffe, und vier Tage danach gelang es, das U-Boot mit einem Seil anzuhacken und aus dem Wasser buchstäblich heraus zu reißen. Alle 33 Besatzungsmitglieder überlebten, wurden aber dann aus den Streitkräften wegen Invalidität entlassen, denn in ihrer Psyche, die einen schrecklichen Stress der „bei lebendigem Leibe Beigesetzten“ erlebten musste, hatten sich irreparable Änderungen vollzogen.

    Mit der Psyche der Besatzung der AS-28 war alles in Ordnung. Das konnten alle sehen, die die Ankunft der geretteten Mariner in Petropawlowsk-Kamtschatski an Bildschirmen beobachteten. Sogar die kurzen Worte, die sie mit Journalisten wechselten, zeugten davon, dass sie die Wirklichkeit absolut adäquat auffassen. Das ist das anschaulichste Zeugnis dafür, dass die Angehörigen der Pazifikflotte in einer lebensbedrohenden Situation die Fassung, den Willen nach dem Kampf und Sieg über die schwierigsten Umstände nicht verloren. Sie handelten weiter vernünftig und fachmännisch, indem sie die geringen Vorräte an Elektroenergie, Luft, Wasser und Lebensmitteln sparsam verbrauchten, die bei ihnen, nebenbei gesagt, einen Tag vor der Rettung endeten.

    Hier kann man nicht umhin, auch über den Mut der Führung der Seekriegsflotte Russlands, über den amtierenden Befehlshaber der Kriegsmarine, Admiral Wladimir Massorin zu sprechen. (Der Befehlshaber, Admiral Wladimir Kurojedow befindet sich in einem Krankenhaus). Eben Massorin traf, wie der Verteidigungsminister Sergej Iwanow behauptet, die Entscheidung, englische und amerikanische Spezialisten zu Rettungsarbeiten in der für die Ausländer geschlossenen Bucht Kamtschatkas zuzulassen, wo sich ein hydroakustisches Küstengeräuschpeil-System zur Fernortung von Unterwasserobjekten befindet, das gerade für das Abfangen fremder U-Boote und sogar von Aufklärungsschwimmern und Diversanten bestimmt ist. Ein anderer Admiral, Eduard Baltin, der ehemalige Befehlshaber der Schwarzmeerflotte und ehemaliger Befehlshaber der Flottille der Atom-U-Boote auf Kamtschatka, nannte diese Handlung unzulässig, weil es im Grunde ein Verrat von Staats- und militärischen Geheimnissen sei und der Sicherheit des Landes einen ernsthaften Schaden zufüge.

    Nebenbei gesagt, gab es aus diesen „geheimen“ Gründen während der Tragödien mit dem Atom-U-Boot K-278 Komsomolez im Jahr 1989 und dem Atom-U-Boot K-141 Kursk im Jahr 2000 keine Bitten an ausländische Staaten um Soforthilfe. Dass das menschliche Leben für die Führung der russischen Seekriegsflotte heute teurer als jegliche Geheimnisse geworden ist, kann man ohne Übertreibung eine moralische Revolution nennen. Wie mir scheint, wird die Einstellung zu Angehörigen der russischen Flotte und Armee auch in der Gesellschaft nach dem 7. August 2005 bereits eine andere sein.

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