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    Die Zukunft der Raumfahrt gehört internationalen Programmen

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    MOSKAU, 9. August. Es wird erwartet, dass das Föderale Raumfahrtprogramm Russlands für die Jahre 2006 - 2015 im August offiziell bestätigt wird.

    Über die Aufgaben und die Hauptrichtungen der Tätigkeit gab der Leiter der nationalen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Anatolij Perminow, in einem Exklusivinterview für RIA Nowosti Auskunft. Mit ihm sprach Andrej Kisljakow, politischer Kommentator der RIA Nowosti.

    - Welches sind die Hauptziele des von Roskosmos erarbeiteten Föderalen Raumfahrtprogramms?

    - Die Föderale Raumfahrtagentur ist ein Institut der russischen Exekutive, dem die Aufgabe übertragen wurde, die Präsenz Russlands im Weltraum zu realisieren. Und natürlich erwachsen aus dieser Verpflichtung Aufgaben, die wir zu lösen haben. Wenn wir sie in kurzfristige und langfristige unterteilen, dann sind sie inzwischen voll und ganz in dem von der Regierung verabschiedeten Föderalen Raumfahrtprogramm festgeschrieben. Im Langzeitprogramm für die nächsten zehn Jahre werden die Ziele klar und eindeutig aufgezeigt. Vom Standpunkt der Realisierung aus besteht die Hauptaufgabe darin, die Orbitalgruppierung kosmischer Geräte aller Systeme zu schaffen bzw. wieder herzustellen, vor allem die Systeme des Fernmeldewesens, der Fernbeobachtung der Erde und der Wetterbeobachtung.

    Zum heutigen Tag ist die Orbitalgruppierung der Russischen Föderation bei weitem nicht mangellos, sowohl vom Standpunkt ihrer Funktionstüchtigkeit wie auch von der ihres weiteren Ausbaus. Inzwischen nimmt die ganze Welt Kurs auf eine Erweiterung der Orbitalgruppierungen.

    Die langfristigen Ziele orientieren natürlich auf die Erschließung des Weltalls, auf die bemannte Raumfahrt und auf die wissenschaftliche Erforschung der kosmischen Weiten. Wir meinen indessen, dass die langfristigen Ziele qualitativ anspruchsvoll nur auf der Grundlage der internationalen Zusammenarbeit gelöst werden können.

    - Welche interplanetaren Forschungen sieht das neue Programm vor?

    - Gemäß unseren Planungen werden wir im kommenden Jahrzehnt einige Schritte in Richtung der Erforschung des Mondes und des Mars tun.

    Was den Roten Planeten angeht, so wird das Institut für Biomedizin vom kommenden Jahr an den erdgestützten Spezialtest "Mars-500" in die Tat umsetzen. Wir hoffen, dass eine internationale Besatzung aus ungefähr sechs Mann im Verlauf von 500 Tagen den Mars-Flug imitiert. Dem liegt ein kompliziertes Wissenschaftsprogramm zugrunde. Wir haben dazu die Länder der Welt eingeladen, die sich schon jetzt auf dieser Ebene daran beteiligen können. Den Flug auf der Erde durchzuspielen ist der erste Schritt. Der zweite: Wir planen bis zum Jahre 2015 den Flug der Marssonde zum Fobos. Das wird ein unbemannter Flug sein, in dessen Verlauf das gesamte Flugsystem durchleuchtet werden soll, darunter die Landung auf der Oberfläche des Fobos, die Entnahme einer Bodenprobe und die Rückkehr.

    Was den Mond betrifft, so planen wir gemeinsam mit den Amerikanern, die einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet haben, die Vorbereitung eines bemannten Fluges zum Erdsatelliten.

    - Wie wird das Programm des Raumschiffes Kliper, dessen Modell erstmals auf dem Luftfahrtsalon in Le Bourget präsentiert wurde, realisiert?

    In der Tat zog unser Model des Klipers in Le Bourget viel Aufmerksamkeit auf sich. Offen gesagt, wir hatten das nicht einmal erwartet. Ich möchte sogleich hinzufügen, dass das Modell des Schiffes im Maßstab 1:1 auf dem bevorstehenden Luft- und Raumfahrtsalon MAKS im Moskauer Vorort Schukowskij zu sehen sein wird.

    Kliper wird als mehrfach verwendbares, bemanntes Raumschiff konzipiert. Es unterscheidet sich von der Sojus, die nach unserer Meinung trotz der weitreichenden Modernisierungen veraltet ist. Wir müssen ein Raumschiff schaffen, welches über eine große Ladefähigkeit verfügt und nicht nur drei Mann Besatzung, sondern sechs Mann aufnehmen kann. Es wird den Kommandeur geben, einen Bordingenieur und vier Touristen oder Abgesandte anderer Länder, welche sich Forschungsprogrammen widmen. Wir planen, die Raumfähre im Rahmen des Programms für die Internationale Weltraumstation ISS einzusetzen. In einer modernisierten Ausführung soll sie auch bei interplanetaren Flügen Verwendung finden.

    Übrigens werden zwei Varianten der Landung erarbeitet. Bei der ersten Variante erfolgt die Landung wie bei einem Flugzeug auf einem erstklassigen Flughafen. Bei der zweiten Variante wird es sich um eine Mischversion zwischen der Landung eines Flugzeuges und der Landung durch ein Abgleiten mit Fallschirm handeln. Gegenwärtig wird zwischen den beiden Landungsvarianten die Wahl getroffen. In jedem Fall wird sich die Entscheidung von der bisher gewohnten Praxis unterscheiden. Schon deshalb, weil es sich um ein mehrfach verwendbares System handeln muss, welches auf 24 Flüge ausgelegt ist. Dabei werden wir der Mannschaft bei einem hohen Verlässlichkeitsgrad optimale Lebens- und Arbeitsbedingungen sichern. Sie werden nicht hinter dem der Shuttles zurückstehen, aber gleichzeitig ist das Ladevermögen für Frachten weitaus höher.

    - Wie wird sich das ISS-Programm gestalten, sollten die Amerikaner, sagen wir, der Probleme mit den Shuttles wegen, sich nicht mehr daran beteiligen?

    Ich unterstreiche noch einmal: Ich bin zutiefst überzeugt, die Zukunft der Raumfahrt gehört internationalen Programmen. In diesem Zusammenhang möchte ich feststellen, dass es keinen Verzicht der Amerikaner auf die Arbeiten mit der ISS gibt. Doch in der Tat, zwei Jahre lang bedienten wir die ISS wegen des Ausfalls der amerikanischen Shuttles ausschließlich mit der Sojus. Wenn es aus irgendwelchen Gründen auch weiterhin keine Flüge der amerikanischen Raumfähren geben sollte, dann werden wir, die fünf Länder, uns natürlich zusammensetzen und diskutieren, wie wir weiter arbeiten und das Programm gestalten wollen. Doch früher standen wir bei den Amerikanern in Bezug auf das Programm in der Pflicht. Ab dem Jahr 2006 gibt es keine Verpflichtungen mehr. Dann können wir die Astronauten nur noch gegen Bezahlung zur ISS mitnehmen.

    Ich bin im Übrigen überzeugt, die Shuttles fliegen weiter. Die Amerikaner werden in der Lage sein, ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Partnern in Bezug auf die Beförderung von großflächigen Frachten zur ISS nachzukommen.

    Ein Großteil der Frachten für die ISS befindet sich schon jetzt auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral. Sie müssen einfach nur noch transportiert werden. Ich bin überzeugt, unsere Partner überwinden ihre Schwierigkeiten und befördern die Frachten.

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