03:02 25 April 2017
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    Ausländer fanden freies Segment auf russischem Markt

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    MOSKAU, 10. August (Alexander Jurow, politischer Kommentator der RIA Nowosti). Ausländische Investoren haben ein freies Segment auf dem russischen Markt für Baumaterialien entdeckt - die Produktion von Laminat.

    Seit Jahren bereits liefern ausländische Hersteller dieses populäre Material, eine ziemlich genaue Holzparkett-Imitation, nach Russland. Manche gingen sogar das Risiko ein und begannen mit dem Bau eigener Betriebe für die Produktion von Laminat auf dem Territorium Russlands. Dabei übersteigen die Investitionen in diese Unternehmen nicht selten die Anlagen internationaler Autoriesen in ihre Montagefabriken in Russland.

    Der russische Baustoffmarkt expandiert stürmisch. Das Vorhandensein eigener Rohstoffe in Russland gibt für Investoren den Ausschlag. Aus diesem Grunde entwickelt sich der Markt für Baumaterial in Russland seit einigen Jahren als Markt für vor Ort hergestellte Fertigerzeugnisse. Die meisten Marktteilnehmer sind der Ansicht, dass Russland erst am Anfang des Weges steht. Aber das hindert den Markt ganz und gar nicht daran, um etwa 30 Prozent im Jahr zu expandieren. Dabei wird das Potenzial dieses Segments noch lange Zeit nicht ausgeschöpft. Fachleute sind davon überzeugt, dass Erzeugnisse hoher Qualität auf diesen Markt immer noch aus dem Ausland geliefert werden und russische Fabrikate noch zu wünschen übrig lassen. Dass heißt, dass beliebige Erzeugnisse hoher Qualität aus der örtlichen Produktion unbedingt gefragt sein werden, falls der Preis im Vergleich zu den importierten Analoga niedriger ist.

    Mehrere ausländische Unternehmen nennen gewaltige Summen, die jetzt in den Bau von Fabriken auf dem Territorium Russlands angelegt werden. Allein auf die ersten drei Marktführer in diesem Segment entfallen bereits etwa 500 Millionen Euro. Als Branchenprimus gilt dabei die schweizerische Firma Kronostar. In den Bau einer Fabrik bei Kostroma, wo es große Waldgebiete gibt, investierte die Firma 100 Millionen Euro. Etwa die gleiche Summe legte der österreichische Konzern Kronospan in eine eigene Produktion bei Moskau an. Die Investitionen dürften sich schnell bezahlt machen. Die beiden Betriebe (die zur Krono-Gruppe gehören) werden weltweit zu den größten Unternehmen dieser Art aufsteigen. Ihre Kapazitäten reichen aus, um den Bedarf des russischen Marktes an Laminat dreifach zu decken. Die deutsche Firma Egger, die zur internationalen Holding Tarkett gehört, investierte bislang in die Holzverarbeitung in Russland noch mehr - über 300 Millionen Euro. Kronostar kontrolliert derzeit zehn Prozent des russischen Marktes für Laminat, gefolgt von Tarkett mit sieben Prozent und Kronospan mit sechs Prozent. Andere Laminatmarken wie Quick step oder Perga, die es auf dem russischen Markt gibt, werden nicht in Russland hergestellt, sondern eingeführt. Aber die Situation auf dem Markt dürfte sich bald ändern. Vertreter der Firmen, die ihre Fabriken in Russland bauen, rechnen damit, ihre Anteile am russischen Markt wenigstens zu verdoppeln. Allerdings sind bislang US-amerikanische Unternehmen, die zu den weltweiten Branchenführern zählen, noch nicht auf dem russischen Markt präsent, wenngleich deren Laminat in Russland verkauft wird. Diese Unternehmen zögern bislang mit der Eröffnung ihrer Produktionen vor Ort. Aber wenn sie künftig den Markt mit Bodenbelag aus russischer Produktion überschütten, wird sich die gegenwärtige Kräftekonstellation ändern. Zu einer harten Konkurrenz muss allem Anschein nach noch ein weiter Weg zurückgelegt werden, weil der immense russische Markt im Moment allen Platz bietet.

    In Russland werden jedes Jahr im Durchschnitt 36 Millionen Quadratmeter Wohnraum gebaut. Fast 16 Millionen davon entfallen auf Ein- und Zweifamilienhäuser. Der landesweite Bedarf wird indes auf 150 Millionen Quadratmeter im Jahr geschätzt. Das Bautempo wird mit jedem Jahr größer. Nach Angaben des Staatlichen Statistikamtes von Russland wurden im ersten Quartal dieses Jahres landesweit 6,7 Millionen Quadratmeter Wohnraum gebaut, 12,7 Prozent mehr als in den ersten drei Monaten 2004. Betriebe aller Eigentumsformen bauten im ersten Quartal 68 300 neue Wohnungen. 44 Prozent aller Neubauten entfielen dabei auf Moskau. Der Baukomplex der russischen Hauptstadt plant, in diesem Jahr insgesamt 4,5 Millionen Quadratmeter Wohnraum ihrer Bestimmung zu übergeben. Natürlich wird auch der Markt für Baumaterial an diesem Bauboom massiv profitieren. Die riesige Nische wird allmählich mit Fertigerzeugnissen aus russischer Produktion gefüllt.

    Die gegenwärtige Konjunktur wird durch die mögliche Erhöhung der Einfuhrzölle für Bodenbelag geändert. Analysten gehen davon aus, dass der Markt für Laminat in diesem Fall auf das Dreifache expandiert, größtenteils durch die Verdrängung von Importerzeugnissen und Linoleum örtlicher Produktion. Vertreter der Firma Tarkett, die 80 Prozent der Produktion von Linoleum in Russland kontrolliert, bestätigen, dass sich in der Welt eine Tendenz zur Schrumpfung des Linoleum-Marktes abzeichnet, allerdings etwa um drei Prozent im Jahr. Dagegen wächst das Linoleum-Segment auf dem russischen Markt, der alles verdauen kann, kontinuierlich weiter.