13:40 17 August 2017
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    Altai-Region in Erwartung eines neuen Gouverneurs

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    MOSKAU, 10. August (RIA Nowosti).

    Der Gouverneur der Altai-Region, Michail Jewdokimow, hat in den letzten Monaten oft wiederholt, er würde gern mit Arnold Schwarzenegger zusammentreffen.

    Die Begegnung kam nicht zustande - der russische Politiker und talentierte Kabarettist, der Millionen von Fans in Russland und insbesondere in seiner Heimatregion Altai hatte, die ihn auch entgegen jeder Tradition zu ihrem Gouverneur wählten, kam am vergangenen Wochenende bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

    Man nannte ihn den "russischen Terminator", weil er wie der heutige Gouverneur von Kalifornien, ein Self-Made-Man aus der Provinz war. Zunächst wurde er als Künstler landesweit berühmt, dann erstürmte er auch politische Höhen.

    Die Wahl Jewdokimows versetzte der Altai-Bürokratie einen Schock. Zwei Wochen nach seinem Wahlsieg gab man dem neuen Gouverneur die Schuld an allem: Man warf ihm vor, er könne die sozialökonomischen Probleme der Region nicht bewältigen, er sei nicht fähig, die regionale Kommunalwirtschaft zum Winter vorzubereiten und er vermassele die Erntekampagne.

    Natürlich wurde Jewdokimow aus gutem Grund kritisiert. Dennoch kann man sich nicht vorstellen, dass alles, was er tat, falsch war.

    Einzelheiten interessierten aber niemanden. Die giftige und erboste Kritik an Jewdokimow wuchs wie ein Schneeball. Er weigerte sich aber, diese Vorwürfe zu behandeln, und vermied nutzlose Debatten. Damit brachte er seinen sibirischen Charakter zur Geltung. Landesweit wurden Fernsehbilder gesendet, wie Jewdokimow sich erhob und die Sitzung der gesetzgebenden Versammlung der Altai-Region verließ, als diese eine Diskussion über seine Amtsenthebung eröffnen wollte.

    Jewdokimow war in bürokratischen Intrigen und Schlauheiten der regionalen Verwaltung nicht versiert, er kannte sich in der regionalen russischen Wirtschaft und in den Finanzen schwach aus, obgleich er eine Wirtschaftsausbildung hinter sich hatte. Diese seine Schwächen verhehlte er nicht. Das Wichtigste an ihm bestand darin, dass er eine Persönlichkeit war. Die Wähler, die bei den Wahlen in der Altai-Region für ihn stimmten, wussten das.

    Präsident Wladimir Putin, der kurz nach dem Tod Jewdokimows in der Altai-Hauptstadt Barnaul eintraf, sagte über den Gouverneur das, was alle gut wissen und verstehen: In diesem Amt hatte er nur etwas mehr als ein Jahr gearbeitet, in dieser Zeit konnte er rein physisch all die Probleme nicht bewältigen, die vor der Region stehen. Er war aber absolut aufrichtig bemüht, das zu tun.

    Putin selbst unterstützte den Gouverneur der Altai-Region bis zum Schluss. Obgleich Jewdokimow kein häufiger Gast in der Präsidentenadministration war und keinesfalls als ein "Kreml-Protege" gelten konnte, weigerte sich Putin, ihn abzusetzen - trotz der beharrlichen Forderungen der gesetzgebenden Versammlung.

    Heute steht vor Putin keine einfache Aufgabe. Wen soll er nun für das Amt des Altai-Gouverneurs vorschlagen? Wer soll dieser Mensch sein: ein Politiker, ein Beamter, eine in der Region populäre Figur oder ein Manager aus einem anderen Teil Russlands? Wird dies ein Vertreter der politischen Klasse sein oder wird er aus einem anderen Milieu stammen, wie Jewdokimow?

    Sein Tod machte einmal mehr das wohl in jedem Land zu findende gespannte Verhältnis zwischen den Politmanagern, egal wie verständlich und zugänglich sie sein mögen, und den einfachen Menschen, die diese Spezies als eine in sich relativ geschlossene Gruppe aufnehmen. Diese einfachen Bürger träumen davon, zumindest einmal im Leben einen "Menschen vom Volk" an ihrer Spitze zu sehen. Jewdokimow, der auf der Bühne einen Einfaltspinsel vom Lande darzustellen pflegte, war in den Augen seiner Wähler auch im realen Leben nicht viel anders.

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