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    Radikaler Islamismus die Hauptgefahr in Zentralasien

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    MOSKAU, 11. August (Arsenij Oganesjan, politischer Kommentator der RIA Nowosti.) Die Vertreibung des US-Stützpunktes aus Usbekistan hat eine Welle von Angriffen der westlichen Massenmedien auf Moskau und zum Teil auf Peking provoziert.

    Nach Ansicht des Westens hätte sich der Präsident von Usbekistan Islam Karimow ohne die Unterstützung dieser beiden Hauptstädte nicht zu einem so wagehalsigen Schritt entschlossen.

    Dass die Amerikaner ein militärisches Aufmarschgebiet verloren haben, ist ein Fakt, der zweifellos die größte Aufmerksamkeit verdient. Doch wäre es falsch, das Ereignis ohne Zusammenhang mit dem großen geopolitischen Spiel um die Einflusssphären in Zentralasien zu betrachten.

    Die drei Hauptspieler sind China, Russland und die USA. Jeder von ihnen hat seine Interessen, doch zugleich sind sie alle zusammen daran interessiert, dass in diese außerordentlich arme Region Ruhe und Prosperität kämen. Dies aber kann nicht geschehen, solange nicht ein überzeugender Sieg über den radikalen Islamismus errungen sein wird, und das kann nur in gemeinsamen Anstrengungen geschehen. Diese Erkenntnis schafft einen weiten Raum für einen Kompromiss, den alle Seiten so sehr brauchen. Eben darin liegt das gemeinsame Interesse von Washington, Moskau und Peking.

    Die gegen den Kreml erhobenen Beschuldigungen, er handele in der zentralasiatischen Region extra zum Schaden des Westens, in erster Linie der USA, erscheinen konstruiert. Sie dienen nur jenem Teil der amerikanischen regierenden Elite, die für die unbedarfte Politik einer stürmischen, dazu noch undurchdachten Demokratisierung der Region verantwortlich ist. Eben wegen dieser Politik verlor das Weiße Haus mit Karimow einen zuverlässigen Verbündeten. So wurde beschlossen, das Fiasko zu verschleiern, und zwar durch die in die Massenmedien lancierten Beschuldigungen, Russland und China hätten sich gegen Washington verschworen. Über Nacht war das Regime Karimows diktatorisch, „antidemokratisch“ und verbrecherisch, obwohl es die USA jahrelang vorzogen, sich über diesen Umstand auszuschweigen: Ein Militärflugplatz war eben wichtiger.

    Ganz ohne Zweifel setzt Moskau in dieser Region seine geopolitischen Interessen durch, doch seine heutige Politik widerspricht in keinem Maße den Interessen des Westens und denen Chinas. Denn Russland ist in höchstem Grade an der Erhaltung der Stabilität in Zentralasien interessiert.

    Die von radikalen Islamisten in Usbekistan aufgezogenen Unruhen drohten, die ganze Region in einen Spannungsherd zu verwandeln. Eben deshalb unterstützte Moskau Karimow und tat Peking das Gleiche. Sonst hätte in der Region eine Revolution ausbrechen können, dabei keineswegs eine orange-demokratische, sondern eine radikal-islamistische. Eine solche Entwicklung wäre auch dem Westen unerwünscht gewesen.

    Nach den unzähligen grausamen Terrorakten, die fanatisierte Islamisten in der ganzen Welt verübt haben, darf niemand mehr Illusionen haben. Der islamische Fundamentalismus ist heute eine ernste Gefahr für die zivilisierte Menschheit. Somit entspricht die Politik von Moskau mehr den Interessen des Westens als die überstürzten und undurchdachten Schemata zur Demokratisierung der Region.