13:54 17 August 2017
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    Surab Zeretelis Plastiken wieder heftig umstritten

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    MOSKAU, 11. August (Anatoli Koroljow, politischer Kommentator der RIA Nowosti.) Mit dem Beschluss des namhaften Bildhauers Surab Zereteli, Präsident der Russischen Akademie der Künste, in Moskau ein Denkmal des Dichters Jossif Brodski zu errichten, war das Maß der Geduld der Moskauer erschöpft.

    Auf der Internet-Site www.helptobrodsky hat eine massierte Protestaktion begonnen: Es werden Unterschriften unter einem Aufruf an die Behörden und den Bildhauer selbst gesammelt, die Hauptstadt nicht weiter mit neuen Meisterwerken zu verunstalten. Bis heute wurden bereits 12 295 Unterschriften gesammelt.

    Nach dem Zerfall der UdSSR verwandelte sich der kaum bekannte Bildhauer und Maler Surab Zereteli unerwartet für die Moskauer in den auffallendsten Bildhauer der Epoche. Tatsächlich ist sein kolossaler Obelisk mit der Nike, der auf dem Poklonnaja-Hügel steht, nicht zu übersehen. Nicht weniger auffällig ist die gewaltige Gestalt Peters I., der auf einer künstlichen Insel inmitten der Moskwa auf dem Bug eines Schiffes ragt, und erst der ganze Zoo von Fabeltieren und -vögeln im Alexandrowski-Garten gegenüber der Kreml-Mauer...

    Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, der Meister knie vor der Größe seines Themas nieder. Nikes Formen sind aufreizend sinnlich und Peter I. ist dermaßen grandios, dass die ihm schräg gegenüber stehende Erlöserkathedrale daneben wie eine Tabaksdose des Zaren wirkt.

    Nicht nur Surab Zereteli allein ist imstande, solche Plastiken anzufertigen, aber um sie mitten in einer Stadt mit einer beinahe tausendjährigen Geschichte aufzustellen, ins historische Milieu zu versenken - ja, dazu gehört ein wahres Genie.

    Bei der Organisation seiner Siege ist Surab Zereteli zweifellos genial. Hier müssen alle vor ihm den Hut ziehen.

    Vor kurzem wurde eine weitere Riesenskulptur aus seiner Werkstatt feierlich enthüllt. Im Beisein von zwei Präsidenten - dem von Russland und dem von Frankreich - wurde gegenüber dem Hotel Kosmos ein Denkmal Charles de Gaulles eröffnet. Jacques Chirac verbarg seine Emotionen hinter einem breiten Lächeln, aber die Moskauer nannten das Monument sofort „Kommissar Juves“ aus der Fantomas-Serie mit Louis de Funčs. In Zeretelis Werk sind wahrhaftig gewisse komische Züge nicht zu übersehen.

    Das Denkmal des großen Franzosen ist eine plumpe Schmeichelei.

    Übrigens reicht Moskau allein Zereteli seit langem nicht mehr aus.

    Seine Energie hat sich schon längst nach außerhalb Russlands ausgedehnt. Im vorigen Jahr wünschte Zereteli, New York sein Monument zum Gedenken an die Tragödie vom 11. September zu schenken: eine Riesenstele, durchbrochen von einer Öffnung, die eine Träne symbolisieren soll. Leider gelang es dem Autor nicht, das Tragische der Katastrophe wiederzugeben. Und obwohl die Ausmaße des Monumentes wie immer die Vorstellungskraft übertreffen, wollten die Amerikaner das Geschenk nicht. Der Oberbürgermeister von New York erhielt Protestbriefe, in die Aktion schaltete sich die Presse ein, und die Entscheidung über die Errichtung des Denkmals wurde verschoben.

    Nun, auch die Moskauer haben sich am Verhalten der New-Yorker ein Beispiel genommen.

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