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    Starbucks bereitet sich auf Erschließung des russischen Marktes vor

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    MOSKAU, 15. August (Alexander Jurow, politischer Kommentator der RIA Nowosti). Vorläufig besteht in Russland nur ein Cafe dieses in der Welt weit verzweigten Netzes.

    Aber es ist schon bekannt, dass Starbucks mit potentiellen Partnern Verhandlungen über die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens in Russland aufgenommen hat.

    Heute verwaltet diese Gesellschaft ein Netz von 8500 Cafes und Läden in mehr als 30 Ländern. Ihre Verkäufe betrugen 2004 mehr als 5 Milliarden US-Dollar, und der Gewinn belief sich auf 391 Millionen US-Dollar. Diese Handelsmarke gehört mit zu den teuersten in der Welt. Man sagt sogar, dass Starbucks täglich in diesem oder jenem Land ein bis zwei Cafes eröffnet. Freilich ist diese Marke in Russland ungeachtet der enormen Popularität in der Welt praktisch unbekannt.

    Der Kaffeehausmarkt befindet sich in Russland in rudimentärem Zustand. Es gibt heute hier nur 1000 Cafes mit einem Gesamtumsatz von etwa 500 Millionen US-Dollar. Aber obwohl die meisten russischen Cafes in einigen ziemlich großen lokalen Netzen vereinigt sind, kommt weniger als ein Cafe auf 100 000 Einwohner. Zum Vergleich: in New York kommen 27, in Seathle 62 und in Mailand 135 Cafes auf dieselbe Einwohnerzahl.

    Offensichtlich ist, dass sich dieser Markt in der nächsten Zeit stürmisch entwickeln wird, weil die Nachfrage nach solchen Leistungen im Land zunimmt. Nach Angaben der Marktforschungsgesellschaft KOMKON besuchten 17,4 Prozent der städtischen Bevölkerung Russlands in der ersten Hälfte 2005 Cafes, was um 2,2 Prozent mehr ist, als in der gleichen Zeitspanne vorigen Jahres. Hauptsächlich sind das Menschen im Alter von 16 bis zu 29 Jahren. Besonders begeisterten sich dafür Moskauer und Petersburger: entsprechend 27 Prozent und 34 Prozent. Die Aufnahmefähigkeit allein des Moskauer Cafemarktes beträgt 2000 und in Sankt Petersburg 1000 Einrichtungen, so dass es vorläufig in Russland Platz für alle gibt.

    Auf diese so gut wie unbesetzte Nische wurden ausländische Unternehmer schon vor langem aufmerksam. Dieselbe Starbucks beobachtet seit 1997 den russischen Markt, konnte aber in all dieser Zeit nicht dahin gelangen. Die Existenz eines Doppelgängers in Russland, der faktisch durch nichts, ausgenommen den gleichen Namen, bekannt wurde, hinderte die Gesellschaft, sich in Russland unter dem eigenen Namen zu entwickeln. Lediglich vor einem Monat bekam die amerikanische Starbucks, nachdem sie vor Gericht ihr Recht durchsetzte, in Russland mit ihrem eigenen Namen genannt zu werden, die Möglichkeit, in den Markt einzudringen.

    Es muss gesagt werden, dass sich Starbucks von allen in Russland bestehenden Handelsmarken stark unterscheidet: In den Cafes dieser Kette wird nicht geraucht und nicht mit Alkohol gehandelt. Außerdem besteht die Besonderheit des amerikanischen Starbucks-Netzes darin, dass 75 Prozent der Verkäufe darin „außer Haus“ erfolgen und Kaffee in Plastbechern ausgeschenkt wird. Und in den USA hat Starbucks seinen Clou: In den Restaurants der Kette gibt es Media-Bars, wo man eine CD mit Musik aus der eigenen Digitalbibliothek mit 150 000 Liedern aufzeichnen kann. Offensichtlich ist, dass sich abendliche Zusammenkünfte von Teenagern im Falle der Entstehung eines solchen Netzes in Russland aus anderen Cafes eben in ein neues amerikanisches Netz verlagern können. Anton Derljatka, ein Analytiker der Forschungsgesellschaft A.T. Kearney, sieht im Starbucks-Modell einen enormen Marktvorteil gegenüber den Konkurrenten. Er meint, dass die Idee des Starbucks-Netzes leicht verbreitet werden kann. Cafes unter dieser Handelsmarke kann man an jedem Ort einrichten.

    Interessant ist, dass russische Unternehmer dabei im Auftauchen eines derart starken Spielers auf dem russischen Markt für sich keine Gefahr sehen. Im Gegenteil. Nach Meinung Alexander Maltschiks, Präsident der Cafekette Montana Kaffee, gibt eine solche Marke dem gesamten russischen Cafemarkt einen starken Auftrieb.

    Allerdings gibt es in Russland auch Skeptiker, die meinen, dass die amerikanische Cafekette vielleicht keinen festen Fuß fassen kann. Wlad Losizki, Generalmanager der russischen Cafekette „Schokoladniza“, sagte: „Es fällt schwer, sich einen Menschen auf der Straße mit einer Tasse Kaffee in der Hand bei 30 Grad Kälte vorzustellen. Kaffee außer Haus ist eine zweifelhafte Leistung. Umso mehr, als Starbucks ein sehr kleines Angebot beim Essen und ein mittelmäßiges bei Getränken hat.“

    Dabei meint Losizki, dass das Auftauchen von Starbucks andere Netze nicht behindern wird: „Die Situation ist heute bei uns wie in London. Die Cafes stören einander nicht. Und abends gibt es dort fast immer viele Besucher.“

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