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    MOSKAU, 16. August (RIA Nowosti)

    “Expert“

    Vor- und Nachteile der Ernennung der Gouverneure in Russland

    Nach der Erklärung Wladimir Putins über die Abschaffung der direkten Wahlen der Gouverneure und dem Übergang zu deren Ernennung durch den Präsidenten ist rund ein Jahr vergangen. Der wichtigste Vorteil, den die neue Prozedur neun Monate nach ihrer Einführung zeigt, besteht nach Ansicht von Analytikern des Wochenmagazins „Expert“ in den entstandenen Möglichkeiten für die Entwicklung des Parteiensystems auf regionaler Ebene. Der größte Nachteil ist die Abschwächung des Zustroms neuer Figuren zu den regionalen Eliten.

    Die regionalen Eliten müssen sich jetzt transparenter und konsolidierter verhalten, ohne ihre Kräfte für innere Fehden zu vergeuden. Die Rolle der gesetzgebenden Versammlungen, die die Gouverneure in ihren Ämtern zu bestätigen haben, ist radikal gewachsen.

    Nach Ansicht des Magazins ist der Kreml nicht bemüht, den Regionen eigenen Willen aufzuzwingen. Die meisten Gouverneure konnten ihre Ämter behalten. Dort, wo die Spitzenfiguren ausgetauscht wurden, sind die Kandidaten weniger in den Korridoren des Kreml, sondern vielmehr mit Vertretern der örtlichen Elite abgestimmt worden.

    Eine weitere Tendenz: Mit der Abschaffung der Gouverneurswahlen hat sich auch das Angebot neuer starker Figuren schlagartig verringert. Weniger wahrscheinlich ist auch ein selbständiges Auftauchen neuer starker Figuren geworden.

    Auffallend ist das Ausbleiben eines effektiven Mechanismus für die Kaderauswahl. In der Situation, wo der Kreml die gesamte Verantwortung für die Wahl von Kandidaten trägt, könnte eine Föderale Personalagentur, welche die zukunftsreichen Leiter in der Region ermitteln würde, den Zustrom neuer Figuren zur Macht gewährleisten. Wünschenswert wäre auch die Beibehaltung der Bürgermeisterwahl in den Großstädten.

    Die größten Befürchtungen der Gegner des neuen Modus der Ernennung der Gouverneure haben sich nicht bestätigt. Nichts besonders Undemokratisches geht vor, zu einer Dominierung von Kreml-Proteges in den Regionen ist es nicht gekommen. Im Großen und Ganzen hat sich die Situation in den Regionen nicht verändert. Das Ausbleiben großer Veränderungen in den Regionen zeugt allerdings auch davon, dass sich die größten Hoffnungen der Anhänger der Ernennung der Gouverneure nicht bestätigt haben.

    Nach Ansicht des Magazins sind damit Möglichkeiten für die Entwicklung eines Parteiensystems entstanden, dem eine geringe Zahl föderaler Parteien mit starken regionalen Vertretungen zugrunde liegen würde. Das Personalproblem hat sich aber verschärft: Der Zustrom neuer Kader, in erster Linie ambitionierter junger Spitzenfiguren, die in den letzten Jahren des Wahlsystems in den Gouverneursämtern auftauchten, ist schwächer geworden, schreibt „Expert“.

    “Gaseta“

    Wladimir Putin mit Preisen für russisches Erdöl unzufrieden

    Russlands Präsident Wladimir Putin ist der Ansicht, dass das Land noch mehr am Ölboom verdienen könnte als jetzt. Nach seiner Meinung ist die Kluft zwischen den Weltmarktpreisen für die russische Ölmarke Urals und der Nordsee-Marke Brent „unfair“. Experten sind aber der Meinung, dass der Urals-Preis den Brent-Preis niemals aufholen werde, schreibt die Tageszeitung „Gaseta“ am Dienstag.

    Die Marke Urals mit hohem Schwefelgehalt kostet heute weniger als die leichten Sorten Brent und die amerikanische Sorte WTI.

    Der Unterschied im Barrelpreis von fünf bis sechs Dollar ist überaus wesentlich, stellte German Gref, Minister für Wirtschaftsentwicklung und Handel, fest. Bei einem hohen Ölpreis sei diese Differenz „für Russlands Wirtschaft äußerst empfindlich“. Laut Expertenschätzungen bringt der Preisanstieg um einen Dollar der Staatskasse zusätzlich eine Milliarde Dollar. Gref versprach, sich im Herbst mit diesem Thema zu befassen.

    Die schlechte Qualität des russischen Erdöls ist damit zu erklären, dass den leichten Sorten aus Ost- und Westsibirien beim Transport schwefelreiche Sorten aus dem Wolgaland und Baschkirien beigemischt werden. Auf diese Weise wird die Ölqualität auf einen Durchschnittswert gebracht.

    Experten zweifeln allerdings daran, dass ein Abschalten der Unternehmen Tatneft und Baschneft, die weniger gute Rohstoffe fördern, vom Exportrohr zu einem Anstieg der Urals-Weltmarktpreise führen würde. Nach Ansicht von Sergej Grigorjew, Vizepräsident der Firma Transneft, besteht das Problem darin, dass die Qualität der in Russland geförderten Rohstoffe mit jedem Jahr sinkt. Dies ist damit zu erklären, dass die russischen Ölförderer keinen Zugang zu neuen Vorkommen haben, auf denen in der Anfangsetappe bessere Ölsorten gefördert werden können.

    Dmitri Zaregorodzew, Analytiker der Investmentgesellschaft Rye, Man & Gor Securities, sieht noch eine weitere Erklärung dafür, warum Urals Brent preismäßig nicht aufholen wird. Der größte Urals-Importeur ist Europa, wo die Ölnachfrage angesichts des Industrierückgangs nur um vier Prozent im Jahr wächst, während der russische Export um sechs Prozent im Jahr steigt. Brent ist auf asiatische und amerikanische Abnehmer orientiert - auf die Länder also, wo die Industrieproduktion steigt. Und dort ist ein Mangel am Öl der Marke Brent zu verzeichnen, so der Experte.

    In der vergangenen Woche lag der Barrelpreis für die Marke Brent durchschnittlich bei 65,38 Dollar, für WTI bei 66,05 Dollar und für Urals bei 60,57 Dollar.

    “Delowoj Wtornik“

    Jungfernflug der russischen Raumfähre für 2011 geplant

    Der erste unbemannte Start der russischen Raumfähre der neuen Generation „Clipper“ soll 2011 stattfinden, der erste bemannte Flug ist für 2012 geplant. Das teilte Nikolai Brjuchanow, Vizegeneralkonstrukteur der „Koroljow“-Weltraumraketengesellschaft „Energija“, in der Wochenzeitung „Delowoj Wtornik“ mit.

    „Clipper“ soll die Raumschiffe der vergangenen Generation „Sojuz“ und „Buran“ ablösen. Gerade dieses Modell wird das Basismodell für die nächsten Jahrzehnte sein, sagte der Experte.

    Das Raumschiff hat beachtliche Vorteile. Dank seinen aerodynamischen Eigenschaften bietet „Clipper“ die Möglichkeit, die vorgesehenen Überbelastungen der Raumflieger auf die Hälfte oder mehr und die unvorgesehenen ungefähr auf ein Fünftel zu verringern.

    Der „Clipper“-Konstruktion liegt ein Flügelschema zugrunde. Die neue aerodynamische Qualität eröffnet die Möglichkeit, auf dem Abschnitt des gesteuerten Niedergangs in der Erdatmosphäre nach der Rückkehr vom Orbit zu manövrieren und die Zielgenauigkeit bei der Landung zu erhöhen.

    Mit dem neuen Raumschiff werden sechsköpfige Besatzungen zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Das bedeutet, dass sich die Situation um die Station radikal ändern wird, so Brjuchanow. Denn als die Hauptregel der ISS-Flugsicherheit gilt die Möglichkeit einer unverzüglichen Evakuierung der zwei- bis dreiköpfigen Besatzung zur Erde mit einem „Sojus“-Raumschiff. Sobald sich aber „Clipper“ an die ISS andockt, könnte die Stammbesatzung der ISS ohne weiteres verdoppelt oder verdreifacht werden.

    „Wir werden zwar mehr Geld für die Herstellung des neuen Raumschiffs ausgeben, es wird aber rund 25 Flüge unternehmen können, und zwar mit Apparaturen und einer doppelt so großen Besatzung“, stellte Brjuchanow fest. „Dies ist wesentlich sparsamer als das heutige Programm.“

    Russland wäre in der Lage, „Clipper“ allein herzustellen. Es ist immer noch eine durchaus reale Aufgabe, das Raumschiff mit eigenen Technologien herzustellen. Unter Berücksichtigung aller Umstände vertrat die russische Weltraumbehörde den Standpunkt, dass die Politik der globalen Integration in der gegenwärtigen Etappe besonders effektiv und für das Land strategisch wichtig ist, schreibt das Blatt.

    “Wedomosti“

    Russlands Chancen auf dem Weltmarkt der Flugzeuge

    Während der internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung MAKS 2005 (16. bis 21. August) könnte ein Erlass über die Gründung einer Vereinigten Flugzeugbaugesellschaft (VFG) unterzeichnet werden. In der Tageszeitung „Wedomosti“ gehen Experten am Dienstag auf Russland Perspektiven auf dem Weltmarkt der Luftfahrttechnik ein.

    Juri Jelissejew, Generaldirektor des Föderalen Unternehmens „MMPP Saljut“ (Entwicklung und Produktion von Flugzeugmotoren): Russlands Potential ist vorerst groß genug. Ich bezweifle, dass die amerikanische Industrie ein derart langes Ausbleiben einer Finanzierung durchhalten würde. Eine VFG würde eine positive Rolle spielen. Sie ist aber kein Allheilmittel. Es ist notwendig, diverse Schulen zu bewahren, beispielsweise „MiG“ und „Suchoi“. Deren Vereinigung würde zum Verlust einer der Schulen und folglich zu Verlusten in unserem Potential führen.

    Boris Rybak, Generaldirektor der Consultingagentur Infomost: Es ist nie zu spät. Brasilien, früher überhaupt keine Flugzeugbaumacht, steht heute in einer Reihe mit anderen Herstellern. Alles hängt von der Qualität des Managements ab. Bei dessen jetzigem Niveau in Russland gibt es keine Perspektiven.

    Sergej Nedoroslew, Präsident der Gesellschaft „Kaskol“ (Flugzeug- und Schiffbau, Daten- und Steuertechnologien): Mit dieser Vereinigung kommen wir etwa um zehn Jahre zu spät. Die künstliche Konkurrenz zwischen verschiedenen Konstruktionsbüros war in der UdSSR unter den Bedingungen der Isolation notwendig. Nach der Abschaffung des „Eisernen Vorhangs“ ist eine Konkurrenz „Russland gegen Russland“ entstanden, was die Entwicklung real gehemmt hat. Dennoch konnte eine Generation von Direktoren die Basis der Kollektive bei Konstrukteuren und Herstellern aufrechterhalten. Wir sind weiterhin die Weltbesten bei den Großraumflugzeugen wie „Ruslan“, gefragt sind auch die neuen, modernisierten „Su“- und „MiG“-Flugzeuge. Wenn der russische Flugzeugbau eine Einheitsfront bildet, könnte er starke Marktpositionen beziehen.

    Alexej Poweschtschenko, Berater des Generaldirektors der Flugzeugbaugesellschaft „Suchoi“: Alle Perspektiven sind offen. Das russische RRJ-Projekt könnte 10 bis 15 Prozent des regionalen Flugzeugmarktes einnehmen. Es könnte um den Verkauf von 800 Maschinen im Zeitraum zwischen 2007 und 2020 gehen. Es gibt auch andere Angebote. Drei Amphibienflugzeuge des Typs Be-103 sind bereits an die USA geliefert worden. Über den Verkauf von mehreren Dutzend Maschinen wird mit China, Thailand, Brasilien und anderen Ländern verhandelt.

    “Iswestija“

    Russen gegen Eindringen chinesischer Waren und Chinesen

    Mehr als die Hälfte der russischen Bürger sehen in China zwar einen politischen Verbündeten und Wirtschaftspartner. Sobald es aber um konkrete Formen dieser Partnerschaft geht, ändert sich die Meinung der Russen radikal. Davon zeugt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts WZIOM, deren Ergebnisse am Dienstag in der „Iswestija“ veröffentlicht werden.

    Nur acht Prozent der Befragten sehen in den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen mehr Vorteile für Russland, mehr als die Hälfte meinen zugleich, dass eher der „Partner“ im Vorteil ist.

    Die Meinung, dass die VR China am stärksten bei der auf höchster Ebene deklarierten Freundschaft „absahnt“, ist im Föderationsbezirk Fernost mit 75 Prozent besonders stark vertreten.

    Eine Bedrohung für Russland sehen 66 Prozent in der Beteiligung chinesischer Firmen und sogar einfacher Arbeitnehmer an der Erschließung der Naturreichtümer Sibiriens und des Fernen Ostens. 71 Prozent der Befragten bewerten die Tatsache negativ, dass es rundherum immer mehr Chinesen gibt. Mit der Präsenz von „Made in China“-Waren in den Geschäften sind 62 Prozent unzufrieden. 61 Prozent der russischen Bevölkerung plädieren für eine Einschränkung des Imports chinesischer Konsumgüter. In den Regionen, wo solche Erzeugnisse angesichts der geographischen Nähe des Herstellers (Sibirien und Fernost) besonders stark präsent sind, gibt es auch mehr Befürworter einer Einschränkung als im Lande insgesamt (43 Prozent gegen 35 Prozent). Die Umfrage wurde in 46 Regionen des Landes vorgenommen.

    Trotz des derart hohen Stands der negativen Emotionen meinen die Soziologen, diese Daten sollten nicht als ausgesprochen negativ ausgelegt werden, schreibt die „Iswestija“.

    Michail Tarussin, Leiter der Abteilung für soziologische Studien des Instituts für Gesellschaftsprojekte: „Zweifellos ist dies ein Teil der heutigen öffentlichen Meinung in Russland, ich würde aber diese Daten zu den Alltagsängsten zählen, die den Menschen das ganze Leben begleiten wie etwa die Angst, die Angehörigen zu verlieren oder von einem Straßenräuber überfallen zu werden.“ Die Menschen haben Angst vor solchen Dingen, was aber keinesfalls bedeutet, dass dies mit ihnen unbedingt geschehen wird, so der Experte.

    „Chinesen gibt es in der Tat sehr viele, und in wirtschaftlicher Hinsicht sind sie viel erfolgreicher als die Russen, was allerdings noch keinesfalls bedeutet, dass sie uns erobern wollen“, behauptet Tarussin.

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