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    Oberbefehlshaber der Seekriegsflotte aus seinem Amt entlassen

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    MOSKAU, 5. September (Viktor Litowkin, Militärkommentator der RIA Nowosti). Wladimir Putin entließ den Flottenadmiral Wladimir Kurojedow aus dem Amt des Oberbefehlshabers der Seekriegsflotte im Zusammenhang damit, dass er "die maximale Dauer des Aufenthalts im Militärdienst" erreicht hat.

    Unter Kurojedow versanken das Atom-U-Boot "Kursk", wo 118 Besatzungsmitglieder ums Leben kamen, das Atom-U-Boot K-159, dessen 9 Besatzungsmitglieder sich nicht retten konnten, ging beinahe das Küstenschutzschiff "Neukrotimy" in Sankt Petersburg am Vorabend der Feierlichkeiten anlässlich des Tages der Seekriegsflotte unter und ereignete sich fast eine Tragödie mit dem Tauchboot AS-28. Dort warteten fünf Matrosen in einer Tiefe von 200 Metern drei Tage lang auf Rettung.

    Am 5. September 2005 wurde der Oberbefehlshaber der Seekriegsflotte 61 Jahre alt. Laut dem Gesetz "Über die Wehrpflicht und den Wehrdienst" dürfen Generale und Admirale bis zum Alter von 60 Jahren dienen. Eine Verlängerung der Dienstdauer um weitere fünf Jahre ist lediglich durch einen Erlass des Präsidenten möglich. Außerdem muss diese Verlängerung jedes Jahr bestätigt werden. Den Prognosen von Spezialisten zum Trotz wurde Kurojedows Vertrag 2004 verlängert. In diesem Jahr schon nicht mehr. Die Geduld des Obersten Befehlshabers ist anscheinend gerissen. Er konnte bereits nicht mehr umhin, auf die in Massenmedien mehrmals geäußerte Meinung, um so mehr nach dem Zwischenfall mit dem Tauchboot AS-28, zu reagieren. Obwohl Präsident Putin es im Unterschied zu seinem Vorgänger nicht liebt, überstürzte Entscheidungen zu treffen, die schuldigen Leiter nicht öffentlich rügt und sich bemüht, Kaderfragen still und ruhig zu lösen, indem er den Entlassenen keinen Anlass für heimlichen Groll gibt, wich er diesmal der schon längst herangereiften Entscheidung nicht aus. Aber auch in diesem Fall wurde Kurojedow auf Grund des Alters entlassen, vom Präsidenten empfangen und erhielt eine Dankbezeugung für die geleistete Arbeit.

    Zu einem indirekten Zeugnis der Unzufriedenheit Wladimir Putins mit der Situation in der Seekriegsflotte wurde allerdings die Entlassung von Konteradmiral Alexander Saika aus dem Amt des stellvertretenden Befehlshabers der Truppen und Kräfte im Nordosten (Raum der Tschuktschen-Halbinsel und Kamtschatka). Gerade er leitete die Operation zur Reparatur des Systems für Unterwasserbeobachtung, die mit dem nicht dafür bestimmten Tauchgerät AS-28 durchgeführt wurden. Das Tauchgerät verfing sich in einem illegal ausgelegten Fischernetz sowie in Kabeln und Trossen des Kontrollsystems über fremde U-Boote. Saika hatte die Versorgung der in einer Tiefe von 200 Meter arbeitenden Seeleute mit funktionsfähigen Sicherungs- und Rettungsgeräten nicht organisiert.

    Übrigens wurden alle Besatzungsmitglieder des Tauchgerätes AS-28 am vergangenen Sonntag mit dem Orden des Mutes ausgezeichnet. Britische, amerikanische und japanische Militärs sowie zivile Spezialisten, die bei der Rettung der russischen Marineangehörigen der Pazifikflotte Hilfe erwiesen hatten, wurden mit dem russischen Orden der Freundschaft, dem Ehrenorden und dem Orden "Für maritime Verdienste" ausgezeichnet.

    Gleichzeitig mit der Entlassung des Flottenadmirals Wladimir Kurojedow und des Vizeadmirals Alexander Saika erfolgten in der Führung der Seekriegsflotte auch andere Kaderumbesetzungen. Durch einen Erlass des Präsidenten wurde Admiral Wladimir Massorin zum neuen Oberbefehlshaber der Seekriegsflotte Russlands ernannt. Massorins Amt als Hauptstabschef der Kriegsmarine übernahm Admiral Michail Abramow, der bisherige Befehlshaber der Nordflotte. Die Militäranalytiker halten diese Ernennungen für sehr gelungen. Obwohl sich Wladimir Massorin auch dem kritischen Alter im Militärdienst annähert (er ist 58 Jahre alt), wird er im Kreis der Militärspezialisten als professioneller, verantwortungsbewusster und sehr selbstkritischer Leiter hoher Ebene bezeichnet, der im entscheidenden Moment komplizierte, aber richtige Entscheidungen treffen kann und die Entwicklung einer Situation bis zum kritischen Punkt nicht zulässt.

    Gerade von Massorin stammt die Idee, bei dem Unglück mit dem Tauchgerät AS-28 ausländische Mariner um Hilfe zu bitten. Seine Beharrlichkeit und Bereitschaft, die Verantwortung auf sich zu nehmen, sowie die Entscheidung, Briten und Amerikaner in den geschlossenen und vor fremden Schiffen geschützten Raum zu lassen, spielte letzten Endes die entscheidende Rolle bei der

    Rettung der fünf russischen Matrosen. Und das konnte man nicht umhin, zu würdigen. Außerdem organisierte eben der Hauptstabschef der Seekriegsflotte, der die Aufgaben des Oberbefehlshabers wahrnahm, als sich Admiral Kurojedow im Krankenhaus befand, eine Fahrt von Angehörigen der Pazifikflotte zur chinesischen Shandong-Halbinsel und die Durchführung der gemeinsamen russisch-chinesischen Manöver dort und zuvor die erfolgreiche Durchführung der Übungen in der Nordflotte mit dem Start einer strategischen Rakete von einem U-Boot, mit Raketen-, Artillerie- und Fla-Raketenschießen einer Gruppierung von Schiffen in der Barentssee, die der Oberste Befehlshaber beobachtete, sowie die Marschformation von Angehörigen der Nordflotte mit Sicherung in den Atlantik, wo sie gemeinsam mit Schiffen der Baltischen Flotte Manöver durchführen werden. All diese Erfolge Massorins blieben vom Präsidenten und der Öffentlichkeit nicht unbemerkt.

    Zum ersten Mal in der gegenwärtigen Geschichte des Landes wurde ein unter militärischen Gesichtspunkten sehr junge Admiral, der 49-jährige Michail Abramow, zum Hauptstabschef der Seekriegsflotte ernannt. Er konnte sich schon als recht vollkommener und verantwortungsbewusster hoher Militär bewähren. Er befehligte Schiffe, Schiffsgeschwader, eine Flottille von strategischen Atom-U-Booten und sogar die stärkste russische Flotte, die Nordflotte. Nunmehr ist ihm die gesamte Flotte Russlands unterstellt. Es ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe sowohl für den neuen Hauptstabschef als auch für den neuen Oberbefehlshaber, der russischen Flotte zu helfen, der gegenwärtigen als auch der zukünftigen Anforderungen würdig zu sein.

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