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    Sind ausländische Schiedsrichter die Rettung unseres Fußballs?

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    MOSKAU, 23. September (Michail Smirnow, Sportkommentator der RIA Nowosti). Bis zum Abschluss der russischen Landesmeisterschaft im Fußball sind insgesamt sieben Spieltage geblieben, die die Hauptfragen beantworten werden: Wer wird Medaillengewinner und wer verlässt die Premier-Liga?

    Offensichtlich ist, dass ein ernsthafter Kampf bevorsteht. Aber schon heute entflammen die Leidenschaften um die Landesmeisterschaft, die mitunter eine Färbung haben, die mit dem Fußball nichts zu tun hat. Dabei werden immer häufiger nicht die Sportler, sondern die Schiedsrichter die handelnden Hauptpersonen auf dem Spielfeld. Darunter leiden in erster Linie das Spiel selbst und dessen ergebene Fans.

    Es ist schon längst keine Offenbarung mehr, dass sich auch Fußballschiedsrichter irren. Aber noch nie zuvor wurde die russische Öffentlichkeit auf ihre Tätigkeit derart aufmerksam. Es ging so weit, dass das Kollegium der Fußballschiedsrichter (KFA) des Russischen Fußballverbandes (RFS) auf Empfehlung einer maßgebenden Sportausgabe den Portugiesen Costinha, der die Farben von Dynamo Moskau vertritt, nachträglich für grobes Spiel disqualifizierte, das der Schiedsrichter nicht bemerkt oder nicht entsprechend bewertet hatte.

    Im Nachhinein wandte sich der FC Terek aus der Tschetschenischen Republik direkt an den Präsidenten der Russischen Föderation mit der Bitte, das Problem der voreingenommenen Spielleitung bei Spielen unter Teilnahme dieser Mannschaft zu klären. Kopien dieses Anliegens wurden natürlich an den RFS und das KFA gerichtet. Und andere Mannschaften, zum Beispiel Spartak, fingen an, darum zu bitten, dass ausländische Schiedsrichter besonders wichtige Spiele pfeifen. Wie zum Beispiel das bevorstehende Spiel zwischen Spartak und ZSKA. Dabei begründeten sie ihre Bitte nicht damit, dass sie am Professionalismus und der Prinzipienfestigkeit der russischen Schiedsrichter zweifeln, sondern damit, dass die "russischen Schiedsrichter mitunter die Anspannung solcher Spiele nicht aushalten und als Folge ernsthafte Fehler zulassen". "Unsere Schiedsrichter sind durch nichts schlechter als ausländische. Aber die Spiele eines solchen Niveaus fordern von ihnen eine besondere Gelassenheit", schrieb die Führung von Spartak und erinnerte daran, dass die Spielleitung durch den Deutschen Florian Meyer während des Spiels zwischen diesen Mannschaften in der ersten Runde sowohl die Sieger als auch die Besiegten zufrieden stellte."

    Die Reaktion der Fußballbehörden ließ nicht lange auf sich warten. Der Präsident des Fußballverbandes, Vitali Mutko, berief dringend eine Beratung mit Vertretern der Fußballklubs und des Schiedsrichterkorps ein. In dieser Beratung wurden eine neue Liste der Kommissare der Spiele, die auf 18 Personen gekürzt wurde, sowie die Liste der Inspektoren der Spiele einstimmig bestätigt und erlaubt, die besten Schiedsrichter zu aufeinander folgenden Spielen ein und derselben Mannschaft heranzuziehen. Die Zahl der ausländischen Schiedsrichter, die die Spiele der russischen Landesmeisterschaft pfeifen werden, wurde auf 39 Namen aus der Top-Liste der UEFA eingeschränkt.

    Als Antwort auf die Disqualifizierung Costinhas wurde beschlossen, den Mechanismus für das Prüfen von Beschwerden über Handlungen von Schiedsrichtern, die in Massenmedien oder irgendwo anders nach einem Spiel ausgesprochen werden, in kürzester Frist zu formalisieren, damit alle Mannschaften die gleichen Bedingungen haben.

    "Das Hauptsächliche, was wir heute erwirken müssen, ist das Vertrauen zueinander", sagte der RFS-Präsident zu den Teilnehmern der Beratung. "Andernfalls werden die letzten Spiele der Landesmeisterschaft eine Reihe von Skandalen und Intrigen mit sich bringen. Den Fußball nur durch das Prisma der Schiedsrichterfehler zu betrachten, ist ein Sackgassenweg." Nach Meinung von Mutko lässt sich das Problem nur durch ein totales Heranziehen ausländischer Schiedsrichter zu den Spielen der russischen Meisterschaft nicht lösen. "Viel nützlicher wäre, die Einhaltung der Normen der korporativen Ethik zu erwirken. Und keinesfalls darf man Schiedsrichterfehlern eine politische Färbung verleihen", sagte der RFS-Präsident.

    Auch die russischen Schiedsrichter selbst gaben zu verstehen, dass sie die Absicht haben, auf die gegen sie vorgebrachten Anschuldigungen schnell zu reagieren. Sie bezeichneten die Erklärung des FC Terek als über den Rahmen der geltenden Fußballgesetze hinausgehend und meinten, dass sie das Schüren von Leidenschaften auf und um das Fußballfeld herbeiführen könne. Dabei ersuchten sie die RFS-Führung, den Antrag von Terek zu prüfen. Wenn keine öffentliche Antwort darauf gegeben wird, so sollen für die gebliebenen Spiele des FC Terek keine russischen Schiedsrichter mehr eingesetzt werden. Wenn das so weiter geht, können wir durchaus Zeugen eines totalen Exodus der russischen Schiedsrichter aus unserer Landesmeisterschaft werden. Dann können sie vielleicht im Ausland die nach Russland gereisten Schiedsrichter ersetzen.