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    Russland will die behinderten Mitbürger sozial integrieren

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    Der russische Staat ist ernsthaft bestrebt, den 11,5 Millionen behinderten Mitbürgern bei der Integration in die Gesellschaft zu helfen. Für das Programm zur sozialen Unterstützung der Behinderten 2006 - 2010 werden mehr als 750 Millionen Dollar bereitgestellt.

    MOSKAU, 02. Dezember (Olga Sobolewskaja, RIA Nowosti). Die Behinderten sind de facto in das allgemeine Leben einzubeziehen: Soweit die Hauptthese der neuen Konzeption des föderalen Zielprogramms "Soziale Unterstützung der Behinderten 2006 - 2010". Der Staat ist ernsthaft bestrebt, nicht einfach seine finanziellen Verpflichtungen gegenüber den 11,5 Millionen russischen Behinderten zu erfüllen, sondern ihnen auch bei der Integration in die Gesellschaft zu helfen. Dazu Alexander Lomakin-Rumjanzew, Vorsitzender der Gesamtrussischen Behindertengesellschaft und Mitglied der Gesellschaftskammer beim Präsidenten von Russland: "Nunmehr wird ein Mensch nicht lediglich als Arbeitskrafteinheit, sondern als ein vollberechtigtes Mitglied der Gesellschaft betrachtet, und das Ziel der Behindertenrehabilitation besteht jetzt darin, diesen Menschen ein maximal vollwertiges Leben zu ermöglichen."

    Wegen technischer Havarien, Naturkatastrophen, hoher Erkrankungszahlen und Unfälle sowie einer ungenügenden Qualität der medizinischen Hilfe und Betreuung nimmt die Zahl der Behinderten jährlich zu. Jedes Jahr werden 3,5 Millionen Menschen als behindert erklärt, davon eine Million zum ersten Mal; zudem steigt die Zahl der Behinderten im arbeitsfähigen Alter und der behinderten Kinder. Vor zehn Jahren betrug die Zahl solcher Kinder 453 700, gegenwärtig beläuft sie sich auf 613 000. Über 120 000 der Behinderten haben sich ihre Leiden bei Kampfhandlungen und infolge von Kriegstraumata zugezogen. Aber lediglich 15 Prozent der Behinderten im arbeitsfähigen Alter sind in den Arbeitsprozess eingegliedert.

    Für das Programm zur sozialen Unterstützung der Behinderten in den Jahren 2006 - 2010 werden rund 2 147 Millionen Rubel (über 753 Millionen Dollar) bereitgestellt. Der Staat gibt zu, dass die heute bestehenden 221 Rehabilitationszentren für Behinderte, die 350 Rehabilitationszentren für behinderte Kinder, die 296 Rehabilitationsabteilungen für behinderte Kinder bei den Zentren für die soziale Betreuung von Familie und Kind sowie in den Kinderheimen "die Bedürfnisse der Behinderten nicht befriedigen" (vorläufig können die Begrenzungen der Lebenstätigkeit nur bei drei bis fünf Prozent der Behinderten beseitigt werden). Deshalb soll unter anderem die Rehabilitationsindustrie entwickelt werden. Es soll ein neues System von gut ausgestatteten Rehabilitationsorganisationen hinzukommen und ein nationaler Markt für Rehabilitationsmittel geschaffen werden. Für die Behinderten sollen ein unbeschwerter Zutritt zu Gebäuden gewährleistet und die Arbeitsmöglichkeiten erweitert werden. Im Rahmen des Programms ist geplant alljährlich bis zu 160 000 Behinderten zu einem normalen Lebenzu verhelfen und 16 bis 19 föderale Einrichtungen der sozialmedizinischen Expertise sowie elf Rehabilitationseinrichtungen zu modernisieren..

    Das neue Zielprogramm beeinflusst die Baunormative. Die Städte passen sich nach und nach den Bedürfnissen der Behinderten an. Doch die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ist für einen Menschen im Rollstuhl nach wie vor ein überaus schweres Problem. Da könnte die Entwicklung eines Netzes von Sozialtaxis helfen, findet man im Ministerium für Gesundheitswesen und soziale Entwicklung Russlands. Ein Behinderter könnte per Telefon ein Auto bestellen, um etwa einen Arzt zu besuchen.

    Vor zehn Jahren hatte Russland im Vergleich mit den westlichen Ländern nur einen Bruchteil der sozialen Mittel für die Behindertenrehabilitation. Die Fortbewegung in den Städten war für Körperbehinderte außerordentlich erschwert. Nun sollen die Behinderten mobiler werden. "Vor fünf bis sechs Jahren beschwerten sich viele Menschen in den Regionen über das Fehlen von Rollstühlen. Heute bekommt ein Behinderter von den örtlichen Behörden einen Rollstuhl unentgeltlich", heißt es in der nichtstaatlichen humanitären Organisation "Perspektiwa". Gegenwärtig werden immer häufiger motorisierte Rollstühle gekauft, damit der Mensch bequemer seine Arbeits- oder Studienstelle erreichen kann.

    Seit 1995 wurden in Russland viele neue Rehabilitationsmittel entwickelt. Übrigens hat die regionale gesellschaftliche Organisation "Strategija", deren Ziel in der Entwicklung von Sport und Tourismus für Behinderte besteht, die Produktion von leichten und zuverlässigen Titan-Rollstühlen in Gang gebracht. Sie wiegen nur 8,5 Kilogramm - man vergleiche das mit dem üblichen Gewicht von 32 Kilogramm. Aber die Entwicklung des Behindertentourismus, darunter im Bergsteigen (russische Behinderte haben bereits den Elbrus bewältigt), und die Siege von Russen bei den paraolympischen Spielen sind ein Kapitel für sich. Das Programm sieht eine Serienproduktion von Mitteln der Kleinmechanisierung, Hebeeinrichtungen und Hilfsanlagen für Körperbehinderte vor. Bis 2010 sollen 75 Prozent von ihnen Rollstühle haben.

    Im Föderationsrat herrscht die Überzeugung, dass in den Betrieben, die Behinderte beschäftigen, wieder gewisse Steuervergünstigungen eingeführt werden müssen. Der Föderationsratsvorsitzende Sergej Mironow erklärte in einer Sitzung des Rates für Angelegenheiten der Behinderten (Koordinationsorgan mit beratendem Status), die vor kurzem erfolgte Aufhebung dieser Vergünstigungen habe "den Produktionsumfang vermindert und die Beschäftigungszahl gesenkt". Alexander Lomakin-Rumjanzew führt seinerseits Zahlen an: In den letzten zwei Jahren wurden 39 000 Arbeitsplätze in Betrieben, die Behinderte beschäftigt hatten, liquidiert.

    Für die Kriegsbehinderten werden in den Heil- und Prophylaxeeinrichtungen Spezialabteilungen organisiert. Damit soll 20 850 solchen Behinderten die Rückkehr zu einem normalen Leben ermöglicht werden. Sie werden in neuen Berufen ausgebildet, darunter nach modernen Technologien (Distanzstudium).

    Experten sind der festen Meinung, dass es TV-Sendungen für Kinder in Gebärdensprache und spezielle Kinderzeitschriften geben müsse. Oleg Smolin, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses der Staatsduma für Bildungswesen und Wissenschaft, vertritt die Auffassung, dass behinderte Kinder in allgemeinbildende Schulen zu integrieren seien. Er sieht das so: "Behinderte können alles. Man muss ihnen nur rechtzeitig helfen."

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