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    Das Klima lässt sich lenken

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    Aerosole können die Einwirkung der Sonne auf die Oberfläche des Planeten mindern und die Temperatur in der Troposphäre senken. Damit hat die Menschheit ein Instrument zur Beeinflussung des Klimas.

    MOSKAU, 12. Dezember (Juri Israel, für RIA Nowosti). Den negativen Klimaänderungen kann man nicht nur mit Hilfe des Kyoto-Protokolls vorbeugen. Es gibt eine Idee, die ermöglicht, das Problem der globalen Erwärmung im Laufe einiger Jahre, und dazu noch mit einer billigeren Methode zu lösen, als dies das Kyoto-Protokoll enthält. Ihr Wesen besteht in der Änderung der "meteorologischen Solarkonstante" durch die Einführung von feindispersen Aerosolen, zum Beispiel von Schwefelteilchen (Sulfaten) oder Ruß, in die untere Stratosphäre (in 12 bis 16 Kilometer Höhe). Diese Maßnahme kann die Einwirkung der Sonne auf die Oberfläche des Planeten mindern und die Temperatur in der Troposphäre (der an die Erde anliegenden Schicht) um die nötigen Grade senken. Somit bekommt die Menschheit ein Instrument zur Beeinflussung des Klimas. Die Idee wurde erstmals 1974 vom russischen Wissenschaftler Michail Budyko geäußert, der im Zusammenhang mit dem sich ändernden Klima Alarm zu schlagen begann.

    Das Hauptziel der Lösung des Klimaproblems ist die Stabilisierung des Klimas auf dem Niveau, das vor dem Beginn seiner anthropogenen Änderung bestanden hat. Es gibt nicht wenig sich ändernde Parameter, die die Strahlungsströme und folglich auch das Klima beeinflussen. Am stärksten wirken die Treibhausgase ein: Unter ihrer Einwirkung wurde eine Zunahme der Strahlungsströme um 2,4 Bm/m2 registriert, was nach Meinung vieler Wissenschaftler schon zur Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur in der Nähe der Erdoberfläche um 0,6 Grad Celsius geführt hat.

    Aber es gibt auch andere "Schuldige", die sowohl eine Erwärmung als auch eine Abkühlung der Atmosphäre verursachen können. Vor allem sind das Festteilchen (Aerosole). Ihre Lieferanten sind Industriebetriebe, Flugzeuge, Vulkane und Staubstürme. Lassen Sie uns einen anderen Weg gehen: Lassen wir das Kohlendioxid beiseite (ich persönlich sehe darin keine ernsthafte Gefahr für das Klima), aber verringern dabei die Sonnenstrahlung um 0,3 bis 0,5 Prozent. Am stärksten können Aerosole, die sich in der Stratosphäre befinden, die Sonnenstrahlung mindern. Entsprechend vorläufigen Berechnungen müssen zur Senkung der Temperatur in der Troposphäre um einen bis zwei Grad etwa 600 000 Tonnen Aerosole dorthin gebracht, etwa 200 000 Tonnen Schwefel verbrannt oder in die Stratosphäre eingeworfen werden.

    Das kann durch das Einwerfen von Schwefel oder durch die Verwendung von schwefelreichem Brennstoff in Höhenflugzeugen verwirklicht werden. Dabei ist eine geringere Anzahl von Flugzeugen erforderlich, wenn hochdisperser Ruß in der Stratosphäre zerstäubt wird. Solche Anlagen wurden entwickelt und schon erprobt. Die vorgeschlagenen Maßnahmen können die Senkung der Temperatur der Troposphäre sehr schnell, im Laufe von zwei bis drei Jahren, sichern.

    Die Wissenschaft weiß schon, wie sich die künstlichen Aerosolgebilde benehmen werden. Sie werden in der Stratosphäre driften und sich zu breiten Streifen von 30 bis 70 Grad Breite ansammeln. Mit ihnen können wir die Erde teilweise gegen die Sonnenstrahlung schützen. Wird sich aber die Reduzierung des Zuganges der nützlichen Sonnanstrahlung nicht negativ auf die Biosphäre und die Gesundheit des Menschen auswirken? Die Berechnungen haben gezeigt, dass die Verringerung der Sonnenstrahlung in der Nähe der Erdoberfläche bei einer solchen Methode weniger als ein Prozent beträgt. Derartiges geschieht regelmäßig nach dem Ausbruch von großen Vulkanen und stellt keine Gefahr für die lebendige Welt unseres Planeten dar. Die Menge des eingeworfenen und sich in letzter Konsequenz auf der Erdoberfläche abgelagerten Aerosols würde 0,2 mg Schwefel pro Quadratmeter im Jahr betragen. Das ist um ungefähr ein Tausendstel von der Menge, die gewöhnlich mit atmosphärischen Niederschlägen im Ergebnis von industriellen Auswürfen auf die Erde gelangt.

    Im Jahr 1992 wurde in Rio de Janeiro eine UNO-Rahmenkonvention zur Klimaänderung angenommen, deren Ziel die Stabilisierung der Treibhausgase in der Atmosphäre auf dem Stand von 1990 war, der keine Gefahr darstellt. 1997 erschien das Kyoto-Protokoll zur Konvention, das die freiwillige Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes durch die Industriestaaten in den Jahren 2008 bis 2012 im Durchschnitt um 5,3 Prozent bedingt. Der zentrale Parameter dieses Dokumentes sind die Treibhausgase, denn sie üben einen besonders starken Einfluss auf das Klima aus.

    Aber recht schnell wurde offensichtlich, dass die Stabilisierung in der Atmosphäre im Ergebnis der Reduzierung der anthropogenen Belastung durch Kohlendioxid und andere Treibhausgase nicht so schnell eintreten wird und für ihre Verwirklichung gigantische Ausgaben erforderlich sein werden: bis zu 18 Billionen US-Dollar im Laufe unseres Jahrhunderts.

    Die vorgeschlagene Methode der Aerosoleinwirkung auf die Stratosphäre ist um das 1000-fache billiger und wirkt 100-mal schneller. Sollte es notwendig sein, kann ihr Mechanismus zu jeder Zeit gestoppt werden. Besonders wichtig ist, dass diese Methode auf den Kampf nicht gegen das Kyoto-Protokoll, sondern gegen die Klimaerwärmung gerichtet ist.

    Es muss noch eine weitere wichtige Frage beantwortet werden: Entsprechen solche Handlungen den internationalen Vereinbarungen? Es besteht zum Beispiel die auf Initiative der UdSSR und der USA 1978 angenommene Konvention "Über das Verbot der militärischen oder sonstigen feindseligen Anwendung von Mitteln zur Umweltveränderung". Aber die vorgeschlagene Methodik ist keine militärische oder sonstige feindselige Anwendung von Mitteln zur Umweltveränderung. Sie ist nicht gegen irgendein Land gerichtet, sondern verhindert im Gegenteil eine der Gefahren für die gesamte Menschheit - die Klimaerwärmung.

    Natürlich muss die vorgeschlagene Methode zur Bekämpfung der Klimaerwärmung auf internationaler Ebene gebilligt und verankert werden. Zum Beispiel könnte das in Form eines Zusatzprotokolls zur UNO-Rahmenkonvention zur Klimaänderung passieren. All das ist in der Macht der Weltgemeinschaft. Vorläufig handeln russische Wissenschaftler im nationalen Maßstab. Das Seminar der Russischen Akademie der Wissenschaften "Die Möglichkeiten zur Verhinderung der Klimaänderung und deren Folgen. Das Problem des Kyoto-Protokolls" (beim Präsidenten der Russischen Akademie der Wissenschaften) hält diese Methode als Alternative zum "Kyoto-Weg" für beachtenswert. Eine Sondergruppe von Wissenschaftlern bereitet schon die detaillierten Berechnungen für die weitere Begutachtung vor.

    Zum Verfasser:

    Juri Israel ist Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften und Direktor des Instituts für Globalklima und Ökologie.