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    Die Karikatur des Propheten und der Redefreiheit

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    Thomas Jefferson, einer der großen Demokraten, sagte einmal, in „das Gefäß Redefreiheit“ könne alles Mögliche geschüttet werden, auch Abwasser.


    MOSKAU, 08. Februar (Pjotr Romanow, RIA Novosti.) Der Skandal um die Mohammed-Karikaturen, die zuerst in Dänemark und darauf in mehreren anderen europäischen Ländern veröffentlicht wurden, legt sich nicht. Beleidigte Moslems erstürmen die diplomatischen Vertretungen einiger westlicher Länder und der radikale Mullah Krekar, einer der geistigen Führer des Islams, bezeichnete die Publikation der Karikaturen als "Kriegserklärung". "Da wird der Krieg gegen unsere Religion, unseren Glauben und unsere Zivilisation erklärt. Wir Moslems sind dazu bereit. Der Krieg hat begonnen", erklärte Krekar in einem Interview für den norwegischen Fernsehsender TV2. Übrigens lebt der Mullah, der der Mittäterschaft an vielen Terrorakten verdächtigt wird, seit 1991 seelenruhig als Flüchtling in Norwegen. Unerschöpflich, die Widersinnigkeiten der westeuropäischen Demokratie!

    Meiner Meinung nach ist es im Zusammenhang mit diesem Skandal durchaus angebracht, nicht nur die Karikatur des Propheten zu erwähnen, sondern auch die westliche Demokratie, insbesondere deren blinde Treue zur Redefreiheit. Auch die Glaubensfreiheit, die die gegenseitige Achtung von Gläubigen und Ungläubigen oder zumindest ihre Toleranz einander gegenüber voraussetzt. Schließlich wirft der Skandal auch die Frage der korporativen Solidarität im Journalistenmilieu auf. Um die dänischen Kollegen wenigstens etwas dem Schlag zu entziehen, druckte man die Karikaturen sofort in Norwegen, Frankreich, Großbritannien und mehreren anderen Ländern nach, was jedoch den islamischen Extremismus nur noch höher lohen ließ.

    Es ist sehr traurig, dass sich der dänische Ministerpräsident weigerte, die beleidigten Millionen Moslems um Entschuldigung zu bitten, und erklärte, "die heiligen Prinzipien der Redefreiheit" würden ihm mehr bedeuten. Thomas Jefferson, einer der großen Demokraten, der in seiner Jugend um der "Redefreiheit" willen genauso zu allem bereit war, sagte später, nachdem er ein Stück Leben gelebt und mehr Erkenntnisse gesammelt hatte, in "das Gefäß Redefreiheit" könne alles Mögliche geschüttet werden, auch Abwasser. Im Übrigen gibt es auch ein weiteres bekanntes demokratisches Postulat: Meine Freiheit endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt. Oder weiß man in Dänemark nichts davon?

    Deprimierend ist auch die korporative Solidarität der Journalisten, die gerade in diesem Falle unweigerlich an die klassische korporative Solidarität von Armee, Polizei, Gericht usw. denken lässt, bei der eine Gemeinschaft, anstatt die Kollegen zur Ordnung zu rufen, sie möglichst deckt. Kennzeichnend in dieser Hinsicht ist die Erklärung des Generalsekretärs der Organisation "Reporter ohne Grenzen" Robert Menard, der das volle Recht der dänischen Zeitung auf die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen bekräftigte und besonders hervorhob: "Die Redefreiheit setzt die Publikation auch von Materialien voraus, die die Leser schocken könnten." Schade, dass ich ihn nicht unmittelbar fragen kann: Und zwar zu welchem Zweck? Wozu ist es gut, einen Menschen zu beleidigen und zu schocken? Und wie verträgt sich all das mit der europäischen Politkorrektheit? Offenbar gar nicht: Politkorrektheit ist schön, aber Schmutz und Schund, die Beleidigung von Millionen Menschen dürfen auch sein.

    Schließlich zur Konfessionsfreiheit. Jetzt ist natürlich der Islam in aller Munde, doch möchte ich an eine vor nicht all zu langer Zeit veranstaltete Ausstellung im Sacharow-Zentrum in Moskau erinnern. Rechtgläubige demolierten sie, weil dort Ikonen und Darstellungen Christi zu sehen waren, an denen sich die "Maler" unverhohlen vergriffen hatten. Der Fakt, dass all das im Sacharaow-Zentrum geschah, verstärkte nur noch die Schande der einen wie auch der anderen Seite. Genau das gleiche Bild - allerdings in unermesslich größerem Format - ist heute in den Straßen der europäischen Hauptstädte zu beobachten, die von Ankömmlingen aus moslemischen Ländern überflutet sind, und erst recht in den islamischen Staaten selbst, wo es zu Pogromen in den diplomatischen Vertretungen und christlichen Vierteln kommt, wobei unschuldige Menschen leiden. In der Türken ist ein katholischer Geistlicher getötet worden, obwohl alle christlichen Kirchen, darunter auch die katholische, das Erscheinen der Karikaturen strikt verurteilt haben.

    Ich weiß nicht, wie sich jetzt der Karikaturist oder der ROG-Generalsekretär fühlt, doch wäre es nicht verkehrt, es ihnen zur Kenntnis zu bringen: Schon haben sie das Leben eines Menschen auf dem Gewissen, und nach der Entwicklung der Ereignisse zu urteilen, wird dieses Opfer leider Gottes nicht das einzige bleiben.

    Oder lesen sie ausschließlich Comics und haben vom internationalen Krieg gegen den Terrorismus noch nie etwas gehört? Dabei wurden solche Streiche zu Kriegszeiten, soweit ich weiß, nicht als "Redefreiheit" qualifiziert, sondern als Provokation und Kollaboration.