22:26 18 Juli 2018
SNA Radio
    Meinungen

    Russisches Gerät für amerikanisches Marsfahrzeug

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 11

    Russische Wissenschaftler entwickeln ein Spezialgerät für das amerikanische Marsfahrzeug MSL-2009. Das Gerät soll zur Ermittlung von Wasserressourcen auf dem Mars eingesetzt werden.

    * * *

    MOSKAU, 08. Februar (Andrej Kisljakow, RIA Novosti). Während die russisch-amerikanische Kooperation auf dem Gebiet der bemannten Raumfahrt ständig auf die Probe gestellt wird, kennt die gemeinsame Erforschung des ferneren Weltraums durch interplanetare automatische Apparate noch keine ernsten Hindernisse. Im Januar haben Experten des russischen Institutes für Weltraumforschung (russ. Abk.: IKI) der Russischen Akademie der Wissenschaften bereits mit der Entwicklung eines Spezialgerätes für das amerikanische Supra-Marsfahrzeug "Mars Scientific Labor (MSL-2009)" begonnen und arbeiten nun an den Konstruktionsunterlagen und am technischen Projekt.

    Wenn alles erfolgreich verläuft, wird das Institut nach der Verteidigung des technischen Projektes zum Jahresende an die Fertigung des Pilotmodells gehen.

    Laut dem neuen Weltraumprojekt sollen die russischen Wissenschaftler für das langlebige amerikanische Marsfahrzeug ein Gerät mit der Bezeichnung DAN ("Dynamic Albedo of Neutrons") entwickeln. Der Start des mit russischer Technik ausgerüsteten Apparates ist für das Jahr 2009 vorgesehen.

    Die Arbeit am DAN-Projekt wurde in das Föderale Weltraumprogramm für den Zeitraum 2006 bis 2015 aufgenommen und wird von der russischen Weltraumbehörde Roskosmos finanziert. Das Projekt wird vom IKI-Laborchef Dr. sc. Igor Mitrofanow geleitet.

    Bei der chronisch mangelhaften Finanzierung der einheimischen wissenschaftlichen Weltraumforschungen ist die Beteiligung an Weltraumprojekten anderer Länder für die russischen Wissenschaftler zu einem verhältnismäßig billigen, aber effektiven Mittel zur Gewinnung neuer Forschungsergebnisse geworden. So waren zwei Geräte, an deren Entwicklung IKI-Wissenschaftler mitgewirkt hatten, in den amerikanischen Marsfahrzeugen "Spirit" und "Opportunity" im Einsatz. Russische Wissenschaftler haben auch an der europäischen Mission "Mars-Express" teilgenommen. Zwei russische Geräte befinden sich an Bord der Raumsonde "Venus-Express", die jetzt in Richtung Venus fliegt.

    Außerdem hat der im IKI entwickelte Detektor HEND eine der wichtigsten wissenschaftlichen Aufgaben des NASA-Projektes "Mars-Odyssee" - Erforschung der Neutronenstrahlung des Mars - erfolgreich erfüllt und führt weiterhin wissenschaftliche Messungen von einer marsnahen Umlaufbahn aus. Daten des HEND-Gerätes zufolge befinden sich unmittelbar unter der Mars-Oberfläche immense Wasservorräte und es wurde die Dynamik der saisonbedingten Ablagerungen von atmospherischer Kohlensäure auf der Oberfläche des Planeten gemessen.

    Die bei der Arbeit am HEND-Gerät im IKI gewonnenen wissenschaftlichen und technologischen Erfahrungen sind dem russischen Gerät LEND (Lunar Exploration Neutron Detector) für den amerikanischen Apparat Lunar reconnaissance orbiter (LRO) zugrunde gelegt worden, der im Jahr 2008 zum natürlichen Erdsatelliten Mond starten soll. Das LEND-Gerät soll auf dem Mond Gebiete mit Wassereisablagerungen ermitteln und die Strahlungssituation auf der Oberfläche des Planeten im Hinblick auf die Sicherheit künftiger bemannter Flüge und die Schaffung ständiger Ansiedlungen auf dem Mond bewerten.

    Analog zu HEND soll die LEND-Mission die Lösung von drei praktischen Aufgaben sichern, die für die Erschließung des Mondes durch den Menschen wichtig sind. Es geht erstens darum, die optimalen Landegebiete für perspektivische Raumapparate zu finden und zu untersuchen, zweitens eventuelle Wasserressourcen des Mondes zu erkunden und drittens die Strahlungssituation auf dem Mond in verschiedenen Zeitperioden der Sonnenaktivität zu erforschen.

    Die Suche nach Wasser wird größtenteils in im Schatten liegenden polnahen Regionen geführt. Die Temperatur in einem der polnahen Krater, deren Boden niemals von der Sonne beleuchtet wird, liegt seit vielen Jahrtausenden bei minus 240 Grad Celsius. Auf dem Mond hat es nie Leben nach unserem Verständnis gegeben, daher mussten seine polnahen Gebiete eine, möglicherweise auch lebende, Substanz akkumulieren, und zwar in einer Form, in der sie sich im Weltraum weiterverbreiten konnte.

    Der prinzipielle Unterschied zwischen dem DAN-Gerät und HEND besteht darin, dass "das Letztere in einer marsnahen Umlaufbahn eingesetzt war und Neutronen, die auf der Mars-Oberfläche unter Einwirkung kosmischer Strahlen auf natürliche Weise entstehen, nur `hören`, das heißt registrieren konnte", sagt Igor Mitrofanow.

    Im neuen Marsfahrzeug wird eine aktive Neutronenquelle installiert, die im Gesamtrussischen Institut für Automatik "Duchow" entwickelt wurde. Sie wird Neutronenimpulse ausstrahlen, die 1,5 bis zwei Meter tief in die Mars-Oberfläche eindringen, dort wandern und "allmählich" (nach Mikrosekunden) an die Oberfläche treten werden. "Unser Detektor wird den so genannten Neutronen-Albedo registrieren und dementsprechend das Vorhandensein von Wasser unter der Oberfläche ermitteln", präzisierte Mitrofanow.

    HEND hat auf dem Mond im globalen Maßstab, auf Territorien, die Tausende von Quadratkilometern umfassen, nach Wasser gesucht. "Demgemäß betrug das Auflösungsvermögen bei den Messungen Hunderte von Kilometern. DAN wird dagegen Messungen an einzelnen Punkten mit einem Auflösungsvermögen von einem Meter ausführen. Der Detektor kann einen Neutronenstrom von Substanzen registrieren, die sich in dem jeweiligen Augenblick unter den Rädern des Marsfahrzeuges befinden. Diese Arbeit soll faktisch im Echtzeitregime geleistet werden, denn die aktuellen Angaben sind für die Planung der Route des Marsfahrzeuges für den nächsten Tag prinzipiell wichtig. Das heißt: Wenn wir herausfinden, dass im Ergebnis unserer Messungen irgendein interessantes Gebiet mit erhöhter Wasserkonzentration entdeckt wurde, das aber erst sieben bis zehn Tage nach dem Zeitpunkt seiner Entdeckung feststellen, wird es faktisch nicht mehr möglich sein, in dieses Gebiet zurückzukehren", so Mitrofanow.

    Das DAN-Gerät ist ausschließlich russischer Herkunft und macht etwa zehn Prozent der Gesamtmasse (50 kg) der Nutzlast des Marsfahrzeuges aus, und Russland ist ein vollberechtigter Teilnehmer an dem Projekt MSL-2009. Das Experiment "Dynamic Albedo of Neutrons" selbst gilt als russisch-amerikanisch. Dementsprechend werden auch die Angaben, die von allen anderen Geräten des Marsfahrzeuges gewonnen werden, für die russischen Wissenschaftler zugänglich sein.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren