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    Für Japan ist russisches Öl wichtiger als Kurileninseln/ Kreml bemüht sich um Rückkehr von Landsleuten/ Russlands Abgeordnete wollen parallel auch Top-Manager sein/ "Rosneft"-Finanzmann überraschend zurückgetreten/ Der Westen kauft russische Neuentwicklungen auf

    MOSKAU, 08. Februar (RIA Novosti)

    "Gaseta": Japan erteilt Russland eine Lektion in Diplomatie

    Trotz der neuen Erklärungen, das Problem der umstrittenen Gebiete sei das grundlegende in den russisch-japanischen Beziehungen, bleibt das "Öl-Problem" für die Japaner dennoch das wichtigste, schreibt die Tageszeitung "Gaseta" am Mittwoch.

    Das Land der aufgehenden Sonne ist sogar mehr als Russland daran interessiert, dass das Problem der "Nordterritorien" im heutigen ungeregelten Zustand bleibt. "Tokio braucht die ,Nordterritorien' als einen bestimmten Hebel, um Moskau unter Druck setzen zu können. Russlands Nachbarn im Osten nutzen dabei den Umstand aus, dass die Inseln aus Prestigegründen nicht zurückgegeben werden können.

    Die Gefahr einer globalen Energiekrise hat bereits klare Konturen angenommen, und Japan braucht russische Energieträger wie die Luft zum Atmen. In diesem Punkt konkurriert sie hart mit China, das genauso eifrig darauf hinarbeitet, dass Russland eine direkte Ölpipeline nach China baut.

    Öl und nicht die fruchtlose Rhetorik um die "Nordterritorien" war die Hauptfrage beim Treffen zwischen Putin und Koizumi im November vergangenen Jahres. Russland kam den Japanern entgegen und gab seine Zustimmung dazu, dass die Pipeline 2008 bis an den Hafen von Nachodka verlegt wird, das von Japan gar nicht weit liegt. Zugleich sollten aber auch die Chinesen nicht zu kurz kommen. Im Idealfall soll das Rohr 1,6 Millionen Barrel am Tag nach Japan pumpen - dies wäre ausreichend, um den Energiebedarf dieses Landes für viele Jahre zu sättigen.

    Das offizielle Moskau hat viele Schritte zur Realisierung des Ost-Projekts unternommen. Im Amt des "Brennstoff"-Ministers Viktor Christenko wurde sogar eine Sonderkommission gebildet. Nach dem Jahreswechsel wurde aber bekannt, dass der Termin für den realen Baubeginn ein weiteres Mal aufgrund von Projektmängeln verschoben wird. Unter anderem ist die Route noch nicht endgültig festgelegt. Ganz zu schweigen davon, dass die Gesellschaft "Transneft" bis jetzt noch nicht über die gesamte für das Bauvorhaben notwendige Summe verfügt.

    Japaner können solche "Feinheiten" der traditionellen russischen Schlamperei nicht begreifen, und sie verdächtigen Russland, es wolle das Projekt stillschweigend sabotieren. Die Tatsache, dass der "Tag der Nordterritorien" am gestrigen Dienstag auf offizieller Ebene begangen wurde, bedeutet lediglich, dass Japan dringend Öl bekommen will. Russlands Außenminister Sergej Lawrow, der sich manchmal recht schroffe Erklärungen erlaubt, sollte wahrscheinlich an solchen Beispielen der orientalischen Feinheit lernen.

    "Iswestija": Russland ruft Landsleute zurück

    Bis zum 1. Juni soll in Russland ein Programm für die Förderung einer freiwilligen Rückkehr von Landsleuten entstehen. Ein entsprechender Erlass wurde bereits von Präsident Wladimir Putin unterzeichnet, teilt die "Iswestija" am Mittwoch mit.

    Allem Anschein nach wird Kamil Ischakow, der Präsidentenbeauftragte im Fernen Osten, der einzige Vertreter des Präsidenten in einer speziellen interbehördlichen Arbeitsgruppe sein, die sich mit dem Programm befassen wird. Es soll eng an das Entwicklungsprogramm des Fernen Ostens gebunden sein.

    Wie Putin bereits mehrmals erklärt hat, braucht Russland einen Zustrom von Einwanderern, sie sollen aber gerade in die Gebiete und in die Produktionsbereiche kommen, wo ihre Präsenz maximal effektiv sein würde. Die Repatriierung soll nicht bloß einen Zustrom von "Gastarbeitern", sondern von qualifizierten Fachleuten gewährleisten. Im Idealfall soll das eine Antwort auf den "Braindrain" sein, womit womöglich eine Rückkehr von Spezialisten erreicht werden könnte.

    "Dies ist bloß ein Versuch, die eigenen Fehler zu korrigieren, die mit dem Staatsbürgerschaftsgesetz begangen wurden und womit dem Land ein riesiger Schaden zugefügt wurde", meint Valeri Tischkow, Direktor des Instituts für Ethnologie und Anthropologie der Russischen Wissenschaftsakademie und Mitglied der Gesellschaftlichen Kammer. "Es wäre ein großer Fehler, den postsowjetischen Raum von Russen zu ,reinigen'", so der Wissenschaftler. "Die Präsenz der russischen Bevölkerung ist in vielen Staaten der Faktor, die die Möglichkeit bietet, den extremen ethnischen Nationalismus in Grenzen zu halten."

    Die Repatriierungsprogramme anderer Länder bieten ein ungefähres Handlungsschema. Die Repatriierung ist ein Prozess, der strikt geregelt wird: Die notwendige Anzahl der Personen wird exakt festgelegt, mit einem jeden wird ein Gespräch geführt. Abgesprochen werden die Region, in die die neuen Bürger kommen sollen, und manchmal sogar der Beruf, den sie unbedingt beherrschen müssen. Israel etwa, das sich praktisch von seiner Gründung an mit der Repatriierung befasst, ist inzwischen derart versiert, dass es beispielsweise spezielle Unterprogramme für die Einwanderung von Zahnärzten vorlegt.

    Dabei wird die Repatriierung vom Staat recht hohe Ausgaben erfordern: Den rückkehrenden Personen müssen nicht nur Pässe ausgestellt, sondern auch normale Lebens- und Arbeitsbedingungen angeboten werden.

    "Nesawissimaja Gaseta": Parlamentarier wollen ihre Beteiligung an Unternehmen legitimieren

    Staatsduma-Abgeordnete könnten bald nebenamtlich die größten einheimischen Unternehmen leiten. In der letzten Sitzung der Staatsduma-Fraktion "Einheitliches Russland" wurden einige Abgeordnete, zum Beispiel die erste Vizevorsitzende der Staatsduma, Ljubow Sliska, und der Vizevorsitzende Artur Tschilingarow beauftragt, einen entsprechenden Gesetzentwurf zu konzipieren, teilt die "Nesawissimaja Gaseta" am Mittwoch mit.

    Tschilingarow legte bereits einen fertigen Gesetzentwurf vor, der lediglich einige Zeilen lang war. Es sah eine Aufhebung des Punktes in dem Gesetz vor, das den Staatsduma-Abgeordneten und den Mitgliedern des Föderationsrates verbietet, "Mitglied des Verwaltungsorgans einer Wirtschaftsgesellschaft bzw. einer anderen Geschäftsinstitution" zu sein.

    Wie Tschilingarow speziell betonte, handle es sich dabei nicht um bezahlte Aktivitäten: "Interessen des Staates kann man auch ohne Bezahlung von diesen Aktiengesellschaften vertreten." "Dort sind bereits Vertreter der Regierung und der Präsidentenadministration vertreten, von der gesetzgebenden Macht ist aber niemand da."

    Sergej Reschulski, Koordinator der KPRF-Fraktion, verwies darauf, dass die Verfassung den Abgeordneten das verbietet. Mit dieser Initiative "soll das legalisiert werden, was in unserem Leben ohnehin präsent ist: Einige Abgeordnete verstoßen gegen dieses Verbot." Viktor Iljuchin, Vizechef des Sicherheitsausschusses, meinte: "Die Fraktion ,Einheitliches Russland' interessiert sich offenbar mehr nicht für Probleme der Menschen, sondern für gewisse eigennützige materielle Momente." Dmitri Rogosin, Chef der Fraktion "Rodina": "Die Abgeordneten verdienen ohnehin nicht schlecht und sollten nicht an neue Futterquellen denken."

    Die Leiter von Geschäftsvereinigungen nahmen die Nachricht aus der Staatsduma ohne Euphorie auf. Alexander Ioffe, Präsident der Russischen Vereinigung des Klein- und mittelständischen Unternehmertums, stellte fest: "Hätte man davon ausgehen können, dass unsere Abgeordneten lupenrein ehrliche Leute sind, so wäre es lächerlich, dagegen zu sein. Andererseits bin ich nicht sicher, dass die Abgeordneten nicht in lobbyistische Sachen verwickelt sind, u. a. auf der Ebene der Gesetzgebung."

    "Wedomosti": "Rosneft"-Cheffinanzmann kurz vor IPO zurückgetreten

    Die Ölgesellschaft "Rosneft" ist im Vorfeld der Erstplatzierung ihrer Aktien und einer Konsolidierung ohne ihren Cheffinanzmann geblieben. Sergej Alexejew, Erster Vizepräsident des Unternehmens, ließ sich auf eigenen Wunsch entlassen, berichtet die Tageszeitung "Wedomosti" am Mittwoch.

    Auch der erst Ende 2005 eingestellte Chef des Amtes für die Arbeit mit Investoren, Oleg Kusakow, trat zurück. Analytiker bewerten das u. a. als ein mögliches Signal zum Abblasen der IPO-Pläne.

    "Rosneft"-Insider äußerten sich über die jüngste Entwicklung äußerst überrascht. Nach ihren Worten war Alexejew auf Einladung des "Rosneft"-Präsidenten Sergej Bogdantschikow ins Unternehmen gekommen, der Präsident habe seinem Finanzmann überaus vertraut.

    Wie Wladimir Milow, Präsident des Instituts für Energiewirtschaftspolitik, mitteilte, haben Alexejew und Bogdantschikow seit der 2. Hälfte der 90er Jahre zusammen gearbeitet. Der Kommentar des Letzteren dazu klang am Vortag trocken: "Das ist seine persönliche Angelegenheit. Er hat mehr als zwei Jahre in der Gesellschaft gearbeitet, wahrscheinlich hat er eine bessere Variante gefunden."

    Wie aus einer dem Unternehmen nahe stehenden Quelle zu erfahren war, hatte Alexejew wenig Kontakt mit dem Vorsitzenden des Direktorenrates des Staatsunternehmens, Igor Setschin, gehabt. Unter Managern hätte er sich viele Feinde gemacht, hieß es. Alexejew sei ein komplizierter und konfliktsüchtiger Mensch, der vielen im Unternehmen geschadet habe, ergänzte einer der Bankleute, die "Rosneft" mit Krediten versorgten. "Er hat schnell an Gewicht gewonnen, zugleich war es kompliziert, ihn zu kontrollieren, denn die übrigen Manager waren nicht so stark im Finanzbereich", so der Manager einer der Firmen, die "Rosneft" beraten.

    Ein Bankier, der der staatlichen Ölgesellschaft nahe steht, äußerte die Meinung, dass Alexejew wegen des IPO gehen musste: Er hätte sich zu eifrig für diesen Plan eingesetzt, er hätte vorgeschlagen, ein möglichst großes Aktienpaket an der Börse anzubieten und die Gesellschaft selbst möglichst transparent zu machen.

    "Es ist schlecht für ein Unternehmen, kurz vor dem IPO einen Profi zu verlieren, der in einer Sprache mit Investoren sprechen und bei ihnen Sympathie erwerben kann", meinte Steven Dashevsky, Leiter der analytischen Abteilung der Investmentgesellschaft "Aton". "Es entsteht der Eindruck, dass die Leitung des Unternehmens die IPO-Absicht überhaupt aufgegeben hat", so Milow. Diese Meinung teilt auch Juri Barsow, Seniorpartner der Headhunting-Gesellschaft Ward Howell International. Nach seiner Ansicht wird der Börsengang nun zumindest verschoben.

    "Nowyje Iswestija": Russlands beste Neuentwicklungen landen im Ausland

    Russland sind in den zurückliegenden zehn Jahren mindestens 30 Milliarden Dollar Gewinn entgangen, weil es auf die Realisierung von Neuentwicklungen verzichtet hat, schreibt die Tageszeitung "Nowyje Iswestija" am Mittwoch.

    Dem Umsetzen dieser wissenschaftlichen Leistungen in der Heimat stehen die Gleichgültigkeit des Staates und bürokratische Barrieren im Wege. Als Folge wurden viele der Neuentwicklungen von westlichen Industrieunternehmen aufgekauft.

    "Die Verringerung der Anzahl der erteilten Patente um vier Prozent gegenüber 2005 und zwar auf rund 500 bedeutet nicht, dass es weniger Ingenieure und Konstrukteure gibt", meinte Sergej Luknizki, Vorsitzender des Informationsrates der Föderalen Behörde für geistiges Eigentum. "Sie haben heute einfach keine Möglichkeit, Patente für ihre Ideen zu bekommen."

    "Privatfirmen sind noch zu jung und nicht in der Lage, in die Entwicklung neuer technischer Vorrichtungen zu investieren", so Wassili Fjodorow, der viele technische Patente besitzt. "Die alten Unternehmen ziehen es vor, neue Technologien im Ausland zu kaufen. Es ist einfacher, eine ganze Industrieanlage für die Produktion von Autos, Fernsehgeräten, Rekordern im Ausland zu kaufen, als etwas selbständig zu entwickeln."

    Ein Paradebeispiel dafür ist die Geschichte mit dem russischen Mikroprozessor "Elbrus", der für moderne Supercomputer, Avionik und Militärsysteme entwickelt wurde. Nach Ansicht von Experten aus dem Unternehmen Intel, war "Elbrus" leistungsfähiger als die amerikanischen Analoga. Die Arbeit daran befand sich im Abschlussstadium. Aus Geldmangel kam es jedoch nicht zur industriemäßigen Produktion. Banken und staatliche Strukturen meinten, die Produktion würde sich nicht rentieren. Als Folge wechselten die zukunftsreiche Technologie und die Ingenieure selbst geschlossen zu Intel über.

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