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    Gegen Topol-M gibt es keine Raketenabwehr

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    Offenbar wird es in diesem Jahr nicht gelingen, zwischen Russland und den Vereinigten Staaten von Amerika ein Abkommen über Raketenabwehr zu erzielen.

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    MOSKAU, 16. Februar (Andrej Kisljakow, RIA Novosti). Der Chef des US-Raketenabwehr-Programms im Pentagon, Trey Obering, hat am 19. Januar den erfolgreichen Abschluss des ersten Testes mit einem ganz neuartigen Triebwerk für künftige Abfangraketen bekannt gegeben. Die Abfangrakete, die Anfang des nächsten Jahrzehnts in die Bewaffnung aufgenommen werden soll, wird zu einem Schlüsselelement des amerikanischen Raketenabwehrsystems werden.

    Heute verfügt dieses System schon über zehn Raketenabwehrraketen, die auf Alaska stationiert sind. Dabei verpflichtet sich die Korporation Boeing, das Leitunternehmen bei Abfangraketen, im laufenden Jahr noch einige solche Raketen zu bauen und eine Testreihe mit den Raketenabwehrsystemen vorzunehmen. Außerdem hat der Patriarch der amerikanischen Luft- und Raumfahrtindustrie die Absicht, das ganze Jahr über den Funkmesskomplex SBX und den luftgestützten Laser aktiv in das nationale Raketenabwehrsystem zu integrieren. Die Korporation hat eine Testreihe mit diesem Komplex Anfang Dezember auf der Air Force Base "Edwards" in Kalifornien erfolgreich abgeschlossen.

    Als Wladimir Putin nach neuen russischen Raketenkomplexen gefragt wurde, bewertete er indirekt auch das amerikanische Raketenabwehrsystem.

    "Das sind sehr ernsthafte Komplexe, die keine Antwort auf Raketenabwehrsysteme sind. Für diese Komplexe spielt keine Rolle, ob es ein Raketenabwehrsystem gibt oder nicht. Denn ihnen liegt, wie ich schon gesagt habe, der Hyperschall zugrunde. Sie ändern die Bahn nach Kurs und Höhe. Und ein Raketenabwehrsystem ist für ballistische Raketen berechnet, die beim Flug auf ballistischer Bahn einen Schlag versetzen können", teilte der Präsident auf einer Pressekonferenz im Kreml mit.

    Was meinte er damit? Die Experten haben eine Antwort auf diese Frage: den neuartigen interkontinentalen Raketenkomplex Topol-M, der am Moskauer Institut für Wärmetechnik entwickelt wurde.

    Seine Entwicklung begann Ende der 1980er Jahre nach einer Ausschreibung. Geplant war die Entwicklung einer interkontinentalen ballistischen Rakete doppelter Basierung - silogestützt und mobilgestützt. Mit der silogestützten Variante beschäftigte sich das Konstruktionsbüro "Juschnoje" in Dnepropetrowsk (Ukraine). Am Institut für Wärmetechnik, das traditionell auf bodengestützte Raketenkomplexe orientiert ist, begann man mit der Entwicklung einer mobilen Variante. Aber 1991 wurden alle Arbeiten in das russische Institut übergeführt. Nunmehr ging es faktisch nicht um die Entwicklung eines neuen Komplexes, sondern um eine durchgreifende Modernisierung des Komplexes Topol, der zur Bewaffnung der strategischen Raketentruppen gehört.

    Nach der NATO-Klassifikation bekam Topol-M die Bezeichnung SS-X-27 Topol-M2. Im Unterschied zu seinem mobilen Vorgänger war er ursprünglich immerhin als silogestützt geplant. Die zwei ersten Serienraketen wurden im Gebiet Saratow im Dezember 1997 in das Diensthabende System aufgenommen. Heute sind fünf Regimenter der strategischen Raketentruppen mit Topol-M ausgerüstet.

    In den Jahren 2004 bis 2005 gingen die Flugerprobungen mit einer mobilen Startrampe Topol-M zu Ende. Die Ausrüstung der strategischen Raketentruppen mit dem neuen mobilgestützten Raketenkomplex beginnt ab 2006. Nach einer Erklärung des russischen Verteidigungsministers, Sergej Iwanow, ist geplant, in diesem Jahr sieben Raketen mit mobilen Startrampen zu kaufen.

    Die mobile Variante sichert die Tarnung der Handlungen, die Manövrierfähigkeit, eine hohe Überlebensfähigkeit der Startrampen sowie ein autonomes Funktionieren im Laufe einer langen Zeit. Topol-M hat im Vergleich zu Topol eine viel höhere Treffgenauigkeit. Es erhöhte sich die Beständigkeit des Triebwerkes und anderer Elemente der Rakete im Flug gegen Einwirkung verschiedener Vernichtungsfaktoren, einschließlich der Kernwaffen.

    Die USA unternehmen gegenwärtig praktische Schritte zur Stationierung von Funkmess-Stationen und Abfangmitteln in der Nähe der russischen Grenzen, um den Start zu fixieren und Raketen an einem für sie besonders verwundbaren Abschnitt der Bahn, noch vor der Abtrennung des Gefechtskopfes, zu vernichten.

    Die drei Marschfeststofftriebwerke von Topol-M ermöglichen der Rakete, viel schneller als vorangegangene Modelle interkontinentaler ballistischer Raketen eine hohe Geschwindigkeit zu erreichen, was ihre Verwundbarkeit wesentlich herabsetzt. Außerdem ermöglichen dutzende Hilfstriebwerke und ein modernes Digitalleitsystem es der Topol-M, vertikal und horizontal zu manövrieren, was ihren Flug buchstäblich vom Start unvoraussagbar macht.

    In den USA hielt man seinerzeit die Entwicklung von Hyperschallraketen für zu teuer. In Russland wurden nach offiziellen Angaben die Arbeiten an der Entwicklung solcher Raketen 1992 eingestellt. Wie sich jedoch später herausstellte, nur für kurze Zeit.

    Noch im Juli 2001 wurde der Start einer Topol-Rakete in der Presse umfassend diskutiert. Denn im Flug benahm sich der Gefechtskopf der Rakete ungewöhnlich, was die Ballistik betrifft. Es wurden Vermutungen angestellt, dass er mit Triebwerken versehen ist, die es ihm ermöglichen, in der Atmosphäre in hohen Geschwindigkeiten zu manövrieren.

    Zu einer regelrechten Sensation wurden die Übungen "Besopasnost-2004" ("Sicherheit-2004"), bei denen eine interkontinentale ballistische Rakete RS-18 mit einem gewissen Experimentalapparat gestartet wurde. Dieser Apparat drang ins All ein und kehrte in die Atmosphäre der Erde zurück. Das war ein, man sollte meinen, ein undenkbares Manöver für moderne Technik. Beim Eintritt des Kernsprengkopfes in dichte Schichten der Atmosphäre beträgt seine Geschwindigkeit 5000 m/s. Aber er hat einen speziellen Schutz gegen Überlastungen und Überhitzung. Der Testapparat hatte eine nicht geringere Geschwindigkeit. Aber er änderte die Flugrichtung leicht und zerfiel dabei nicht.

    Die äußerst hohe Manövrierfähigkeit hindert den Gegner daran, die Flugbahn eines solchen Apparats mit einer Genauigkeit vorauszusehen, wie es für seine Vernichtung notwendig ist. Generaloberst Juri Balujewski, Generalstabschef der russischen Streitkräfte, sagte: "Der Apparat kann die Kontrollmittel umgehen und Aufgaben für die Überwindung von Raketenabwehrsystemen, darunter auch künftigen, lösen. Im Unterschied zu gewöhnlichen ballistischen Gefechtsköpfen kann diese Vorrichtung im letzten Augenblick die Flugbahn nach dem vorgegebenen Programm selbständig ändern und bereits über dem Territorium des Gegners umgelenkt werden." Einfacher gesagt, kann der auf der Grundlage dieses Experimentalmusters entwickelte Gefechtskopf jegliche Raketenabwehrsysteme, darunter auch das künftige amerikanische nationale Raketenabwehrsystem, überwinden.

    Es sei auch bemerkt, dass der Einzelgefechtskopf von Topol-M im Unterschied zu anderen strategischen interkontinentalen ballistischen Raketen in kurzer Zeit durch einen Mehrfachgefechtskopf mit etwa drei unabhängig lenkbaren Ladungen abgelöst werden kann, die Ziele in einer Entfernung von 100 Kilometern vom Trennpunkt treffen können. Dabei ändert sich bei der Abtrennung der Gefechtsköpfe die Bewegungsrichtung des Raketenkopfes alle 30 bis 40 Sekunden. In dieser Zeit können keine Warn- und Aufklärungssysteme den Moment der Trennung und die Gefechtsköpfe selbst feststellen.

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