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    Moskau hofft immer noch auf Teherans Vernunft / Liberale Opposition initiiert neue Bewegung / Lada-Hersteller sucht ausländische Vorlage für sein neues Modell / Diamantenmonopolist Alrosa wird bald vom Föderationszentrum kontrolliert / Russen wollen Geld statt Freiheit

    MOSKAU, 26. Februar

    "Iswestija": Moskau hofft immer noch auf Teherans Vernunft

    Iran wird seine Antwort auf das russische Angebot, ein Joint Venture für die Urananreicherung zu gründen, im letzten Moment vor der Tagung des IAEO-Direktorenrates geben. Diesen Eindruck gewannen Experten der russischen Atombehörde Rosatom nach Abschluss ihrer Verhandlungen in Iran, schreibt die "Iswestija" am Sonntag.

    Nach Ansicht von Experten wird die Gefahr einer bewaffneten Operation gegen das trotzige Teheran immer realer. Die Staaten der Region machen sich schon auf die schlimmste Variante der weiteren Entwicklung gefasst.

    "Wir halten die Tür offen, und so wird es bis zum Schluss bleiben", hieß es am Sonnabend bei der Rosatom-Delegation in Teheran. Es wird allerdings immer komplizierter, die Tür offen zu halten: Vorerst hat Teheran keine prinzipielle Zustimmung für das russische Angebot über eine gemeinsame Urananreicherung gegeben.

    Noch versucht Moskau, wenn schon nicht mehr optimistisch zu sein, dann zumindest so zu wirken. Jedenfalls hielt es Präsident Wladimir Putin beim jüngsten Besuch in Baku für notwendig, Iran als ein Beispiel für absolut friedliche und prognostizierbare Zusammenarbeit in der Energiewirtschaft anzuführen. Was aber die Perspektiven anbelangt, sind Experten in Putins Umgebung durchaus pessimistisch eingestellt. Sie versuchen bereits nicht mehr, davon zu überzeugen, dass die russisch-iranischen Verhandlungen ein positives Resultat bringen könnten.

    Wird in der Sitzung des IAEO-Direktorenrats am 6. März in Wien beschlossen, das "iranische Dossier" dem UN-Sicherheitsrat zu übergeben, so könnten theoretisch Wirtschaftssanktionen gegen das iranische Regime verhängt werden. Theoretisch - weil Irans "Anwälte" - Russland und China - bei der Abstimmung zu dieser Frage im Sicherheitsrat durchaus von ihrem Veto-Recht Gebrauch machen könnten. Es sei denn, Teherans Weigerung, Kompromisse einzugehen, würde Moskau und Peking endgültig aus der Fassung bringen.

    "Offensichtlich wird der IAEO-Direktorenrat am 6. März Grund haben, ein Urteil gegen Iran zu fällen und Irans Nukleardossier an den UN-Sicherheitsrat zu übergeben", sagte Radschab Safarow, Generaldirektor des Zentrums für das Studium des modernen Irans. "Die Iraner sind zu einem solchen Ausgang bereit, denn der Mechanismus der Bestrafung ist bereits gestartet worden. Die Folgen sind absolut unvorhersagbar. Dies könnte ein lokaler Konflikt, aber auch eine globale Konfrontation oder ein Krieg sein."

    "Kommersant": Opposition in Russland plant neue gesellschaftliche Bewegung

    Russlands Ex-Premier Michail Kasjanow und die Chefin der nicht registrierten Partei "Unsere Wahl", Irina Chakamada, haben beschlossen, eine neue gesellschaftliche Bewegung zu bilden, berichtet die Tageszeitung "Kommersant" am Sonntag.

    Gleichzeitig will Chakamada, dem Beispiel Kasjanows folgend, eine eigene Gesellschaftsorganisation, den Fonds der sozialen Solidarität "Unsere Wahl", gründen.

    Wie Mitstreiter des Ex-Premiers erklären, wird der von ihm im Januar gegründete Fonds ein Zwischenglied zwischen den gesellschaftlichen Organisationen und der heimischen Geschäftswelt sein. Der Fonds von Chakamada wird "sich mit all dem beschäftigen, womit sich ein legaler Fonds beschäftigen kann": "Initiativen der Regierung behandeln, u. a. auch die nationalen Programme, Alternativen vorschlagen, mit der Bevölkerung arbeiten und Mittel für diverse Programme sammeln." Mehr noch, auf der Grundlage des "Sozialliberalismus" wolle sich Chakamada mit einem Zusammenschluss "der Rechten und der Linken" befassen.

    Nach Ansicht von Stanislaw Belkowski, Präsident des Instituts für nationale Strategie, ist die Gründung einer gesellschaftlichen Organisation viel produktiver als die Gründung einer Partei, die vom Justizministerium und somit auch vom Kreml abhängen wird. "Eine andere Frage besteht aber darin, welchen Inhalt diese Bewegung haben wird", so der Politologe. "Wird ein gewisses marginales Menschenrechtsprojekt daraus, so kann Kasjanows politische Karriere als abgeschlossen gelten. Wird dies aber eine ideologische Bewegung, die fähig wäre, alle Kräfte von den Kommunisten bis hin zur Partei ‚Jabloko' gegen das kleptokratische Regime zusammenzuschließen, so wäre es im Hinblick auf die Präsidentenwahlen aussichtsreich."

    Indessen bleiben die Kommunisten gegenüber den Initiativen des Ex-Premiers weiterhin skeptisch. Kasjanow sei eine abgeschriebene Figur, die sich in den Augen der Bevölkerung kompromittiert hat", erklärte Oleg Kulikow, Sekretär des ZK der KPRF für die Informations- und analytische Arbeit. "Wir werden keinen Formen einer Zusammenarbeit mit ihm zustimmen. Vor einem Zusammenschluss müssen Programme diskutiert werden, diese sind aber bei uns nicht identisch."

    "Wedomosti": AvtoVAZ will Prototyp seines neuen Modells bei Ausländern abschauen

    Der größte russische Pkw-Hersteller AvtoVAZ will einen Wagen aus der Produktion von Renault, Fiat oder DaimlerChrysler zum Prototypen seiner neuen Modellreihe machen, schreibt die Tageszeitung "Wedomosti" am Sonntag.

    Das Management des Autoriesen, das noch Anfang Februar seine Absicht verkündet hat, neben dem bestehenden Autowerk faktisch ein neues mit einer Jahresleistung von 450 000 Autos zu bauen, führt derzeit Lizenzverhandlungen mit diesen Konzernen. Sollte nichts daraus werden, wird AvtoVAZ eine namhafte europäische Engineering-Firma mit der Entwicklung neuer Ladas beauftragen.

    "Für eine selbständige Entwicklung und den Produktionsstart einer neuen Modellreihe sind rund eine Milliarde Dollar erforderlich", stellt Jelena Sachnowa, Analytikerin der Investmentfirma OFG, fest. "Es wäre wesentlich billiger, eine Lizenz zu kaufen. In der Geschichte gab es Fälle, wo alte und nicht mehr notwendige Modellreihen für mehrere Dutzende Millionen Dollar verkauft wurden. Eine neue wird dem Konzern AvtoVAZ sowieso niemand anbieten."

    Die Entwicklung einer neuen Modellreihe in solchen Designerzentren wie Italdesign (beteiligte sich an der Konzipierung einiger Modelle von Lexus, Alfa Romeo u. a.) oder Porsche kostet rund 300 Millionen Dollar, meinte der Sprecher einer Autoherstellergesellschaft. "Die anderen Ausgaben werden mit dem Erwerb von Ausrüstungen verbunden sein, was noch einige hundert Millionen Dollar kosten würde."

    Valeri Tarakanow, Marketing-Generalmanager der Gesellschaftsgruppe "Rolf", ist der Auffassung, dass Renault Megane die für die neuen Ladas am besten geeignete Modellreihe wäre.

    Renault hat auf dem russischen Markt auf das speziell für die Entwicklungsländer konzipierte Modell Logan gesetzt. Dieses Modell ist ein direkter Konkurrent von Lada. "AvtoVAZ zuliebe wäre aber Renault durchaus in der Lage, seine Politik zu revidieren, denn eine Vergrößerung des Verkaufsumfangs ist doch das Wichtigste", äußert Wjatscheslaw Smoljaninow, Analytiker des Unternehmens Uralsib. "Außerdem ist nicht auszuschließen, dass dem Partner später auch ein AvtoVAZ-Aktienpaket angeboten werden könnte".

    "Bisnes": Staat beeilt sich mit Erwerb von Alrosa-Aktien

    Der Staat beeilt sich mit dem Aufkauf von Aktien des Rohdiamantenmonopolisten Alrosa und könnte nach Ansicht von Analytikern bereits im Herbst die Kontrolle über das Unternehmen bekommen, schreibt die Wirtschaftszeitung "Bisnes" am Sonntag.

    Geplant ist der Aufkauf der Aktien der Minderheitsaktionäre im Interesse der Hauptaktionäre, der Regierung Russlands und der Republik Jakutien, wonach das Föderationszentrum einen Anteil von 50 Prozent plus eine Aktie (heute 37 Prozent) bekommen und die Region 40 Prozent behalten wird. Für den Aufkauf der Aktien werden sowohl eigene als auch mobilisierte Bankmittel verwendet, der Stückpreis wird bei umgerechnet rund 12 000 Dollar liegen. Insgesamt sollen 240 Millionen Dollar ausgegeben werden. Das Zentrum für professionelle Schätzung hat indessen die Aktien der Gesellschaft 2,5 Mal höher bewertet.

    Dmitri Baranow, Chef der analytischen Abteilung der Gesellschaft "Prado Bankir i Konsultant", ist der Auffassung, dass der verkündete Zeitraum der Aufkaufofferte - bis zum 28. April - viel zu kurz ist. "Dieser kurze Zeitraum des Aktienaufkaufs ist offenbar mit dem Wunsch des Föderationszentrums verbunden, schon im Herbst die Kontrolle über die Gesellschaft zu übernehmen", so der Experte. Zugleich schließt er nicht aus, dass die Teilnehmer des Effektenmarktes versuchen könnten, Aktien der Minderheitsaktionäre noch früher und zu einem höheren Preis zu erwerben, um dann das gesammelte Aktienpaket des Diamantenkonzerns an die NAK-Bank (Tochterbank von Alrosa) weiter zu verkaufen. Das wird allerdings den eingeleiteten Prozess der Herstellung des Staatseigentums über Alrosa nicht mehr behindern können.

    Alrosa reagierte mit Besorgnis auf den Beschluss der Europäischen Kommission, dem globalen Diamantenkonzern De Beers beliebige Kaufoperationen mit den russischen Herstellern ab 2009 zu verbieten (zuvor war geplant gewesen, den Verkauf auf 275 Millionen Dollar im Jahr zu reduzieren). Das russische Unternehmen ist vorerst nicht bereit, künftige Änderungen seiner Exportpolitik zu behandeln.

    "Nowyje Iswestija": Soziologen sehen keine Symptome einer baldigen Revolution in Russland

    Unzufriedene gibt es zwar viele in Russland, eine revolutionäre Situation gibt es aber nicht und wird es auch nicht geben. Diese Prognose gab der namhafte Soziologe Juri Lewada auf der Grundlage zahlreicher Umfragen am Sonntag in der "Nowyje Iswestija".

    In vieler Hinsicht ist es damit verbunden, dass die Menschen in erster Linie nach Geld und nicht nach Bürgerrechten trachten und weiter hoffen, dass sie das Geld von der Macht als Belohnung für ihre Loyalität bekommen.

    "Es gibt zwar Menschen, die die Gebrechen des jetzigen Systems schärfer als die anderen empfinden", sagte Lewada. "Das sind aber nur die Spannungspunkte. Sie bilden aber keine einheitliche Protestwoge und werden nicht zu ernsthaften Aktionen führen. Man sollte aber nicht denken, dass die Menschen unbedingt auf die Straße gehen und etwas fordern sollen. Sie können einfach schlecht arbeiten und dorthin gehen, wo mehr gezahlt wird."

    Die Menschen "wollen hauptsächlich mehr Geld, sie werden aber nicht um das Geld kämpfen, sondern erwarten es von der Macht", so Lewada.

    Einerseits wird die russische Gesellschaft komplizierter: Es entstehen Schichten, die es früher nicht gegeben hat, die Beziehungen zwischen dem Zentrum und der Peripherie werden komplizierter, stellte der Soziologe fest. Andererseits blieb die Wirtschaft der Hoch-Technologien im Lande weiterhin unterentwickelt. "Im Gegenteil: Die Wirtschaft wird immer primitiver und wird auf die Sphäre der Rohstoffförderung reduziert, welche heute die Hälfte des Landes ernährt. Die Macht versucht ihrerseits, die Verwaltung der Gesellschaft zu vereinfachen, diese auf die primitive militärische Weise zu gestalten sowie die soziale Verwaltung, die Abstimmung der Interessen vieler Menschen, Gruppen und Schichten durchs Administrieren zu ersetzen."

    "Die Bürokratie verhält sich aggressiv und will alles unter ihre Kontrolle nehmen. Sie unterstützt auch die rohstofforientierte Wirtschaft sowie das Ausbleiben der Initiative bei den Menschen und ist an einer militärischen Ordnung äußerst interessiert", sagte der Leiter des Meinungsforschungsinstituts "Lewada-Zentrum". "Die Elite der Gesellschaft - die intellektuelle, die wissenschaftliche, die kulturelle und die wirtschaftliche - bemüht sich aber, Konflikte mit der Macht zu vermeiden, sondern sie will mit dieser verbunden sein und davon profitieren."

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