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    Die russische Weltraumfahrt - Ergebnisse und Perspektiven

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    Über Erfolge der russischen Weltraumfahrt und Nahperspektiven berichtet Anatoli Perminow, Chef der Föderalen Weltraumagentur

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    MOSKAU, 28. Februar (Andrej Kisljakow, RIA Novosti). Das laufende Jahr wird zweifellos für die russische Weltraumfahrt von ausschlaggebender Bedeutung sein. Das Föderale Weltraumprogramm für die Jahre 2001 bis 2005 wurde erfüllt. Es begann auch ein neues Jahrzehnt künftiger Weltraumforschungen. Dabei steht es gerade 2006 bevor, die Arbeiten in den Schlüsselrichtungen im Rahmen des neuen Programms einzuleiten. So wird im Frühjahr das Leitunternehmen für die Entwicklung eines russischen wieder verwendbaren kosmischen Transportsystems bestimmt. Anfang März sollen sich die Teilnehmer am Projekt Internationale Raumstation (ISS) darauf einigen, wie dieser Orbitalkomplex fertig zu bauen und zu nutzen ist.

    Über Erfolge der russischen Weltraumfahrt und Nahperspektiven berichtete Anatoli Perminow, Chef der Föderalen Weltraumagentur (Roskosmos), in einem RIA-Novosti-Interview.

    Frage: Lassen Sie uns über die Hauptergebnisse der Erfüllung des Föderalen Weltraumprogramms Russlands in den Jahren 2001 bis 2005 sprechen. Wurden seine Hauptziele und -aufgaben erreicht?

    Antwort: Im Rahmen des abgeschlossenen Föderalen Weltraumprogramms Russlands für die Jahre 2001 bis 2005 wurde ein wesentlicher Arbeitsumfang erfüllt, darunter:

    * wurde eine neue Generation von Nachrichten- und Sendesatelliten entwickelt, die dem Weltniveau entsprechen, und eine Orbitalgruppierung dieser Satelliten aufgestellt;

    * wurde ein wissenschaftlich-technischer und technologischer Vorlauf bei kosmischen Apparaten für Fernsondierung der Erde, Wetterbeobachtung und Grundlagenweltraumforschungen, die die staatlichen Bedürfnisse im notwendigen Umfang und in entsprechender Qualität decken können, geschaffen;

    * wurden die Flugerprobungen einer neuen Generation von mittleren Trägerraketen Sojus-2 aufgenommen, die weiter erfolgen. Abgeschlossen wurden die Flugerprobungen der schweren Trägerraketen Proton-M. In die Wege geleitet wurden die Arbeiten zur Entwicklung der umweltverträglichen schweren Trägerrakete Angara;

    * wurden die Objekte der kosmischen Bodeninfrastruktur bewahrt, die eine weitere Entwicklung erfuhren;

    * wurde das Funktionieren des russischen Segments des internationalen kosmischen Systems für Suche und Rettung KOSPAS-SARSAT gesichert;

    * wurden die internationalen Verpflichtungen der Russischen Föderation zur ISS unter den Bedingungen der Einstellung der Flüge der amerikanischen Shuttles erfüllt.

    Frage: Im vorigen Jahr wurde auch darüber gesprochen, dass vieles nicht zustande kam.

    Antwort: Durch die mangelnde (zu ungefähr 26 Prozent) Finanzierung der Arbeiten beim Föderalen Weltraumprogramm, insbesondere in den Jahren 2001 bis 2003, konnten sieben Projekte (Express-M, Lutsch-M, Gonez-M, Resurs-DK, Sojus-2 /Rus-M/ und Nadeschda) nicht realisiert werden.

    Aber die Hauptziele des Programms im Teil der weiteren Entwicklung des kosmischen Potentials des Landes, der Sicherung des garantierten Zugangs zum All sowie des größtmöglichen Beitrages zur internationalen Zusammenarbeit wurden immerhin erreicht. Russland genießt weiter den Status einer führenden Weltraummacht bei bemannten Flügen, der Entwicklung kosmischer Technologien und Trägermittel.

    Vollständig gelöst wurden die Aufgaben zur Absicherung der kosmischen Verbindung und Sendung. Die internationalen Verpflichtungen wurden erfüllt. Es wurden Bedingungen für eine qualitative Lösung von Aufgaben der Fernsondierung der Erde und für Grundlagenweltraumforschungen in der Nahperspektive geschaffen. So sieht die allgemeine Bilanz aus.

    Frage: Im vorigen Jahr fand die siebente internationale Luft- und Raumfahrtausstellung MAKS-2005 in Schukowski, einer Stadt bei Moskau, statt. Was bedeutete sie für die russische kosmische Raketenindustrie? Auf welchen internationalen Ausstellungen wird Roskosmos seine Expositionen in diesem Jahr zeigen? Was weisen sie Besonderes auf?

    Antwort: Die Föderale Weltraumagentur nahm 2005 an der von Ihnen erwähnten Ausstellung in Schukowski mit einer Gemeinschaftsexposition von Unternehmen und Organisationen der kosmischen Industrie teil.

    Ihre jüngsten wissenschaftlich-technischen Leistungen und perspektivische Entwicklungen zeigten die kosmische Raketenkorporation RKK Energija, das kosmische Chrunitschew-Zentrum, das kosmische Zentrum Progress, die Lawotschkin-Forschungs- und Produktionsvereinigung, um nur einige zu nennen.

    Die Roskosmos-Exposition auf der MAKS-2005 zeichnete sich durch Vielfalt aus. Dort waren das Raumschiff Sojus und der Landeapparat KK Sojus (RKK Energija) in Originalgröße sowie die verkleinerten Modelle der kosmischen Apparate Resurs-DK1, Foton-M, Monitor R3, Dialog, Express-AM, Glonass-K, Lutsch-5A, Koronas-Foton und Vulkan vertreten.

    Besonders großes Interesse zeigten die Besucher der Ausstellung für das Modell des Raumschiffes einer neuen Generation Clipper (RKK Energija) in Originalgröße und für das Modell des Startkomplexes für die Trägerrakete Sojus-STK, der im Weltraumbahnhof der Europäischen Weltraumbehörde Kourou in Französisch-Guayana gebaut wird.

    In diesem Jahr werden Roskosmos und Unternehmen der kosmischen Industrie an folgenden internationalen Ausstellungen teilnehmen:

    * ILA-2006 (Berlin, 16.-21. Mai);

    * AirShow-2006 (Farnborough, Großbritannien, 18.-23. Juli);

    * Nationale Ausstellung Russlands in China (Peking, 13.-14. November).

    Voraussichtlich werden auf der ILA-2006 folgende Modelle gezeigt:

    * Modell der bemannten Raumfähre Clipper in Originalgröße;

    * Modell des Navigationssatelliten Glonass-M in Originalgröße;

    * Vervollkommnetes Modell des Komplexes für den Start von Trägerraketen des Typs Sojus im Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana;

    * Modell der Internationalen Raumstation;

    * Modell des kosmischen Apparats Resurs-DK1 mit Imitation des Realbetriebs;

    * Raumanzug für die Arbeit im freien Raum Orlan-MK.

    Die Schwierigkeiten und Freuden der russischen Weltraumfahrt 2005

    Das Interview des Roskosmos-Chefs bedarf einiger Kommentare. So machte die von Anatoli Perminow erwähnte mangelnde Finanzierung aus dem Staatshaushalt etwa 24 Milliarden Rubel (ein Euro entspricht etwa 33,3 Rubel) in den Preisen von 2005 aus.

    Es muss jedoch bemerkt werden, dass zusätzliche Arbeiten beim Start des kosmischen Apparats Express-AM in einem Umfang von sechs Milliarden Rubel (in Preisen von 2001) ohne entsprechende Erhöhung der Haushaltsbewilligungen für das Programm im Ganzen in das Föderale Weltraumprogramm aufgenommen wurden. Diese Arbeiten wurden vorrangig, zu Lasten anderer Arbeiten, erfüllt.

    In den letzten fünf Jahren verbesserte sich der technische Stand der russischen Orbitalgruppierungen im Ergebnis ihrer Ergänzung durch neuentwickelte Satelliten. Zuvor arbeitete ein größerer Teil von kosmischen Apparaten im Orbit über die festgelegten Garantiefristen hinaus. 2001 machte ihre Anzahl 72 Prozent aus. Heute beträgt diese Kennziffer 51 Prozent.

    Auf dem Gebiet der Verbindung sowie der Fernseh- und Rundfunksendungen sichert heute die russische Satellitengruppierung die Übertragung von zentralen und kommerziellen Fernsehprogrammen auf dem gesamten Territorium Russlands und in den GUS-Ländern, die internationale und Zonenverbindung, die Verbindung mit beweglichen Objekten und die Regierungsverbindung.

    Die Starts neuer kosmischer Apparate in den letzten fünf Jahren ermöglichten es:

    - die Kapazität der russischen Orbitalgruppierung von Nachrichten- und Sendesatelliten auf einer geostationären Umlaufbahn um mehr als 150 Prozent (von 94 auf 260 Transponder) zu erhöhen;

    - das Problem der Einbuße der nationalen orbitalen Frequenzressource zu beseitigen.

    Im August 2005 wurde der kosmische Apparat Monitor-E auf eine Umlaufbahn gebracht, von dem die Bilder der Erde mit einem hohen und mittleren Auflösungsvermögen empfangen werden. Es ist geplant, Anfang 2006 den kosmischen Apparat Resurs-DK zu starten, dessen Einsatz die Versorgung der Verbraucher mit kosmischen Informationen über Naturressourcen und Ozeanographie auf föderaler und regionaler Ebene verbessern wird.

    Für den Erhalt von meteorologischen und ozeanographischen Informationen werden zwei Wettersatelliten weiterentwickelt. Es geht um den Satelliten Meteor-M auf einer mittleren Umlaufbahn und den geostationären kosmischen Apparat Elektro-L, die 2006 beziehungsweise 2007 gestartet werden sollen.

    Fortgesetzt wurden die Arbeiten mit dem europäischen Apparat Mars-Express. An Bord seines Orbitalmoduls wurden sechs Geräte installiert, die von Spezialisten des russischen Instituts für Weltraumforschungen entwickelt und hergestellt worden waren.

    Die Russische Föderation führt im Rahmen der Zusammenarbeit bei einem internationalen Forschungsprogramm die Arbeiten an der Erforschung kosmischer Quellen im Gamma- und Röntgenbereich im europäischen wissenschaftlichen kosmischen Observatorium Integral durch, wo unser Land 25 Prozent der Expositionszeit hat.

    Heute erfüllt Russland vollständig die internationalen Verpflichtungen beim System für Suche und Rettung von in Not geratenen Objekten (KOSPAS-SARSAT). Im kosmischen Segment funktionieren zwei russische Satelliten Nadeschda.

    Die Föderale Weltraumagentur entwickelt den kleinen spezialisierten kosmischen Apparat Sterch. Das wird es der Russischen Föderation möglich machen, die eingegangenen internationalen Verpflichtungen durch den Start des kleinen kosmischen Apparats Nr. 1 und Nr. 2 in den Jahren 2006 und 2007 zu erfüllen.

    Das russische bemannte Programm wird im notwendigen Umfang im russischen Segment der Internationalen Raumstation umgesetzt. Dort wurden Forschungen im Rahmen von 44 kosmischen Experimenten, die zu einem "Langfristigen Programm..." gehören, sowie von 13 kommerziellen Experimenten vorgenommen (etwa 20 Prozent der Gesamtzahl der durchgeführten Experimente). Außerdem wurden während der Besuchsexpeditionen zusätzliche 58 kommerzielle Experimente durchgeführt (in solchen Fällen werden die Ressourcen des russischen ISS-Segments praktisch nicht genutzt).

    Im Zusammenhang mit der Einstellung der Flüge der amerikanischen Shuttles wurden wir den Aufgaben bei der Sicherstellung der ISS mit technischen Transportmitteln gerecht.

    Russland verfügt über die notwendige Nomenklatur von Trägermitteln, die die Einsteuerung von Nutzlasten auf erdnahe Umlaufbahnen unterschiedlicher Neigung mit einer Masse von einigen Hundert Kilogramm bis zu 20 Tonnen sichern. Dank ihrer Zuverlässigkeit und relativen Billigkeit konkurrieren sie erfolgreich mit den ausländischen Trägersystemen auf dem Weltmarkt der Startleistungen. Zurzeit werden die bestehenden Trägersysteme modernisiert und neue entwickelt, um unter anderem den garantierten Zugang zum All zu sichern. Darunter die Trägerraketen Sojus-2, Proton-M und Angara.

    Eine aktive internationale kosmische Tätigkeit sichert den Zufluss von wesentlichen Investitionen in die kosmische Raketenindustrie, die ihre Entwicklung stimulieren. Zugleich hängen die Nahperspektiven der kosmischen Tätigkeit mit der Haushaltsfinanzierung zusammen.

    Im Ganzen überwindet die kosmische Tätigkeit dank der aktiven staatlichen Unterstützung im Interesse der Wirtschaft, des sozialökonomischen Bereiches und der Wissenschaft allmählich ihre Dauerkrise und hat stabile Perspektiven, die im Rahmen des bestätigten Föderalen Weltraumprogramms Russlands für die Jahre 2006 bis 2015 in die Tat umgesetzt werden.

    Die gesamten Wirtschaftsergebnisse der Raumfahrtbranche des Jahres 2005 waren positiv. Im Vergleich zu 2004 stieg der Produktionsumfang um 12,7 Prozent an. Somit übersteigt der Zuwachs des Produktionsumfanges in der kosmischen Raketenindustrie den Gesamtzuwachs der Industrieproduktion in Russland (4,4 Prozent) um mehr als 150 Prozent.

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