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    Ausländische Banken werden immer aktiver in Russland

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    Im russischen Banksektor ist ein intensives Wachstum zu beobachten. Gleichzeitig nimmt die Aktivität ausländischer Banken auf dem russischen Finanzmarkt zu. Aber die Form ihrer Beteiligung am russischen Finanzsystem ist weiterhin Gegenstand heftiger Diskussionen.

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    MOSKAU, 09. März (Nina Kulikowa, RIA Novosti)

    Die allmähliche Verbesserung der makroökonomischen Situation in Russland trägt dazu bei, dass der nationale Markt für ausländische Investoren immer attraktiver wird. Darunter auch im Banksektor. Nach jüngsten Angaben der Zentralbank Russlands hat sich der Anteil der Devisenausländer am Gesamtkapital der russischen Banken im Jahre 2005 nahezu verdoppelt. Hatte diese Kennziffer Anfang vergangenen Jahres bei 6,2 Prozent gelegen, so erreichte sie Anfang dieses Jahres 11,2 Prozent.

    Im russischen Banksektor ist seit den letzten Jahren ein intensives Wachstum zu beobachten. Das ist in einem bedeutenden Maße auf die erfolgreichen Reformen des Finanzmarktes im Land zurückzuführen. In Russland ist im vergangenen Jahr das System der Versicherung der Bankeinlagen natürlicher Personen in Gang gesetzt worden und das Gesetz über das Büro für Kreditgeschichten in Kraft getreten. Die russischen Banken gehen schrittweise zu internationalen Standards der Rechnungslegung über, was den Finanzsektor festigt und ihn in der langfristigen Perspektive stabiler und für Investitionen attraktiver macht. Die Tätigkeit der Zentralbank Russlands zur Reinigung des Banksystems von unseriösen Teilnehmern und lebensunfähigen Organisationen trägt zur höheren Transparenz im Banksystem und zur Erhöhung der Qualität der Leistungen sowie des Managements bei. Die Zahl der Akteure im Banksektor geht allmählich zurück, und der Prozess der Vergrößerung der Banken wird fortgesetzt.

    Dem Chef der "Deutschen Bank", Alex Rodsjanko, zufolge ist die Frage der Umstrukturierung des Banksystems in den letzten Jahren sehr weit vorangeschritten. "Die Veränderungen, die sich in den zurückliegenden drei Jahren im russischen Banksystem vollzogen haben, sind deutlich sichtbar. Nach dem Leitungswechsel in der Zentralbank und im Föderalen Dienst für Finanzmärkte sind diese Organisation an die Bankreform als solche, das heißt den Aufbau des Banksystems, herangegangen", sagt Rodsjanko.

    Die Aktivität der westlichen Banken auf den russischen Finanzmärkten nimmt ebenfalls ständig zu. Doch die Form der Beteiligung ausländischer Banken am russischen Finanzsystem ist weiterhin Gegenstand heftiger Diskussionen.

    Den ausländischen Banken ist es jetzt erlaubt, mit Zustimmung der Zentralbank in Russland Tochter-Strukturen zu eröffnen. Normalerweise soll sich das Grundkapital einer "Tochter" auf mindestens fünf Millionen Euro belaufen und das Personal sowie die Mitglieder des Aufsichtsrates sollen sich zu 75 Prozent beziehungsweise 50 Prozent aus russischen Bürgern zusammensetzen. Eine "Tochter" soll nach den russischen Gesetzen als selbständige juristische Person verfahren und ist verpflichtet, alle Direktiven der Zentralbank Russlands zu befolgen. Die Zentralbank kann die Tätigkeit einer solchen Organisation beaufsichtigen und bei Rechtsverletzungen unterschiedliche Sanktionen verhängen. Ausländische Banken können sich außerdem am Kapital russischer Banken als Minoritätspartner beteiligen.

    Im Prozess der Verhandlungen über den Beitritt zur Welthandelsorganisation ist Russland jedoch auf die Forderung gestoßen, auf seinem Territorium die Tätigkeit von Filialen ausländischer Banken zu genehmigen. Die Hauptdiskussionen zu dieser Frage werden jetzt mit den USA geführt.

    Der Unterschied zwischen einer Filiale und einer Tochtergesellschaft besteht darin, dass die Erstere zur Struktur der Mutterbank selbst gehört und organisatorisch ein Teil von ihr ist. Deshalb ist sie vor allem der Dachorganisation untergeordnet und unterwirft sich den Gesetzen des Landes, wo diese Organisation registriert ist. In einem solchen Fall handelt es sich bei allen Operationen, die zwischen einer Filiale und der Dachorganisation abgewickelt werden, um Operationen innerhalb einer Struktur, das heißt um Operationen, die von den russischen Finanzbehörden nicht vollständig kontrolliert werden.

    Doch die russischen Unterhändler nehmen eine harte Position ein: Solche Änderungen bergen ernsthafte Probleme für das noch nicht weit genug entwickelte russische Banksystem in sich. Daher wenden sie sich gegen Filialen ausländischer Banken und sagen dazu, Russland werde das Einrichten von Filialen auf seinem Territorium nicht genehmigen. Und die ausländischen Banken werden auch weiterhin als Tochterstrukturen wirken. Diese Position hat der russische Präsident Wladimir Putin vor kurzem öffentlich unterstützt. "Ich möchte bestätigen: Die Regierung Russlands stimmt unserer Bankengemeinschaft darin zu, dass die Tätigkeit von Filialen ausländischer Banken in Russland zurzeit eingeschränkt werden muss", sagte der Präsident.

    Dem Minister für Wirtschaftsentwicklung und Handel Russlands, German Gref, zufolge würde das Erscheinen von Filialen ausländischer Banken das Prinzip der gleichen Konkurrenzbedingungen für die russischen Banken verletzen, denn die westlichen Banken haben die Möglichkeit, billigere Ressourcen zu mobilisieren. "Ausländische Unternehmen müssen mit den russischen zu gleichen Bedingungen konkurrieren. Wenn eine ausländische Bank oder eine Versicherungsgesellschaft auf den russischen Markt kommen will, soll sie eine Tochterstruktur eröffnen. Das sind zwar höhere Arbeitsstandards, aber sie sehen gleiche Arbeitsbedingungen für alle Marktteilnehmer vor", sagte er.

    Zugleich lassen sich diese Einschränkungen nicht nur mit dem Konkurrenzkampf, sondern auch mit der Unmöglichkeit erklären, unter den heutigen Verhältnissen die Bewegung des Kapitals zu verfolgen. Sowie mit der Bekämpfung des Terrorismus und der Legalisierung von Einnahmen, die auf verbrecherischem Wege gewonnen wurden. "Es gibt Banken, deren physische Präsenz für Russland unerwünscht wäre. Es handelt sich um Banken aus Drittländern, die nicht immer lautere Geschäfte abgewickelt haben. Dazu gehören die Finanzierung des Terrorismus und die Geldwäsche", sagte der Minister.

    Dem Präsidenten der Vereinigung regionaler Banken Russlands, Alexander Murytschew, zufolge wäre die Eröffnung von Filialen ausländischer Banken in Russland für die Ausländer sehr vorteilhaft: wenig Aufwand und keine Pflicht, die russischen Gesetze zu befolgen und Steuern zu zahlen. Aber es gibt keinerlei Notwendigkeit, Filialen zu eröffnen, denn die "Töchter" haben alle notwendigen Möglichkeiten, darunter auch den Zugang zu den ,Mutterressourcen'", sagte er. "In dieser Hinsicht sind wir gemäßigt-liberal, das heißt wir bieten ihnen die Möglichkeit, zu arbeiten. Aber es dürfen nicht alle Türen geöffnet werden, das ist für uns eine prinzipielle Frage. Und ich bin zuversichtlich, dass das Russland nicht daran hindern wird, der WTO beizutreten."

    Der stellvertretende Direktor des Departements für Bankregelung der Zentralbank Russlands Wladimir Safronow stimmt der Meinung Murytschews zu, dass es gegenwärtig in Russland keinerlei Hindernisse für die Entwicklung ausländischen Kapitals auch im Banksektor gibt. "Es besteht die Möglichkeit, dass ausländisches Kapital in Form von Inlandsbanken mit vorwiegender Beteiligung von ausländischem Kapital wirkt. Aus meiner Sicht ist das Problem der ausländischen Filialen künstlich aufgebaut", sagte er.

    Tatsächlich, nach dem Stand vom 1. Februar 2006 sind von den 1199 in Russland tätigen Banken 136 mit Beteiligung von Devisenausländern registriert worden. 42 davon mit 100-prozentiger Fremdbeteiligung. Bei elf Banken macht der Ausländeranteil am Grundkapital 50 bis 100 Prozent aus. Bei weiteren 14 Kreditorganisationen liegt der Ausländeranteil am Grundkapital bei 20 bis 50 Prozent. Tochterstrukturen ausländischer Banken gibt es in 30 Föderationsmitgliedern Russlands, 64,7 Prozent davon entfallen auf Moskau. Nach allem zu urteilen, akzeptieren immer mehr ausländische Banken die Spielregeln in Russland.

    Der Chef der "Deutschen Bank", Alex Rodsjanko, sagte: "Die ,Deutsche Bank' bemüht sich darum, dass wir als russische Bank hier in Russland gelten. Einerseits sind wir eine internationale Finanzgesellschaft mit überaus großen Möglichkeiten, andererseits sind wir eine russische Bank mit ausländischer Beteiligung. Russland ist Teil der europäischen Gemeinschaft, daher würde ein Weggang aus Russland das Gleiche bedeuten, wie einen Weggang von den europäischen Märkten."

    Devisenausländer nehmen schon jetzt großen Einfluss auf viele Prozesse auf den russischen Finanzmärkten. Gestützt auf unvergleichlich reichere Erfahrungen und fortschrittliche Technologien, erhöhen die Tochterstrukturen ausländischer Banken langsam, aber sicher ihren Anteil am russischen Markt.

    Das gesamte Grundkapital aller russischen Kreditorganisationen hat sich im Jahre 2005 um 16,8 Prozent vergrößert und per 1. Januar 2006 rund 16 Milliarden Dollar betragen. Dabei stieg der gesamte Investitionsbeitrag von Ausländern im Grundkapital der russischen Banken auf das 2,1-fache und erreichte 1,8 Milliarden Dollar. Bezeichnenderweise lag das Wachstumstempo der ausländischen Investitionen in das Grundkapital über dem Wachstumstempo des Grundkapitals der russischen Banken insgesamt. Im Ergebnis hat sich der Auslandsanteil am gesamten Grundkapital aller Kreditorganisationen per 1. Januar 2006 auf 11,15 Prozent gegenüber 6,19 Prozent im Jahr davor vergrößert.

    Ebenso wie der Anteil der Banken mit ausländischer Beteiligung an dem Markt nimmt die Konkurrenz im russischen Banksektor zu. Auf den Markt kommen neue ausländische Spieler, und die bereits Bestehenden festigen ihre Position und gehen in die russischen Regionen. Im Einzelhandelsbereich ist die "Citybank" erfolgreich, die in diesem Jahr die Zahl ihrer Abteilungen in Russland (es sind jetzt 29) verdoppeln will. Die französische Gruppe Societe Generale hat im vergangenen Jahr die Samaraer Promek-Bank, die sich mit der Gewährung von Autokrediten befasst, und die auf Hypothekenprogramme spezialisierte Bank "Deltakredit" erworben. Die französische Bank BNP Paribas hat die Absicht bekundet, 150 eigene Büros in Russland zu eröffnen. Und die österreichische Gruppe Raiffeisen International kündigte den Erwerb der "Impexbank" an, die ein größeres regionales Einzelhandelsnetz hat.

    Die Zentralbank hat im Jahre 2005 zwei neue Banken mit 100-prozentiger ausländischer Beteiligung - die offene Gesellschaft mit beschränkter Haftung "Morgan Stanley Bank" und die geschlossene AG Commerzbank "Svenska Handelsbanken" - registriert. Einige Banken haben im vergangenen Jahr ihr Grundkapital durch Mittel von Ausländern vergrößert. Im Ergebnis hat ein Teil dieser Banken, darunter auch die obengenannten "Raiffeisenbank Austria" und "BNP Paribas", nun einen 100-prozentigen Ausländeranteil am Grundkapital.

    Außerdem haben Devisenausländer die Möglichkeit, durch IPO ins Kapital russischer Banken einzudringen. Nach Schätzungen können Ausländer bei den bevorstehenden IPO mehr als zehn Prozent der Aktien der "Rosbank" und der "Vneshtorgbank" erhalten. Auch die "Gasprombank" bereitet sich jetzt auf IPO vor. Nach allem zu urteilen, wird die Tendenz zum Erwerb von Anteilen an russischen Großbanken durch Ausländer weiter verstärkt.

    Jetzt wurden in Russland gleiche Bedingungen für die Arbeit von Tochterstrukturen ausländischer Banken wie für die einheimischen Banken geschaffen. Ausländer haben hierbei von Anfang an einen Konkurrenzvorteil - die auf den Weltmärkten gesammelten Erfahrungen. Es würde offenbar nicht im Interesse des russischen Finanzmarktes liegen, Ausländern vor dem Hintergrund ihrer aktiven Expansion nach Russland zusätzliche Vorteile in Form von Filialen zu gewähren. Zugleich setzen die russischen Behörden die Politik der Mobilisierung ausländischer Investitionen in die russische Wirtschaft fort und betonen nachdrücklich: Das Verbot von Filialen ausländischer Banken bedeutet kein Verbot für den Zustrom ausländischen Geldes nach Russland.

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