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    Neue russische Kleinsatelliten-Projekte

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    Die Entwicklung von Kleinsatelliten auf der Basis vereinheitlichter Plattformen gehört gegenwärtig zu den wichtigsten Aktivitäten in fast allen russischen Konstruktionsbüros, die sich mit Weltraumtechnik befassen. Es gibt ein beachtliches Potenzial, das es gestattet, viele interessante Projekte unter Einsatz von Kleinsatelliten zu realisieren.

    MOSKAU, 09. März (Juri Saizew, für RIA Novosti)

    Das föderale Raumfahrtprogramm für 2006/2015 sieht den Bau einer ganzen Serie von Kleinsatelliten mit einem Gewicht zwischen einigen dutzend und einigen hundert Kilogramm vor. Diese Raumapparate sind in der Lage, Aufgaben zu erfüllen, die vor 20 Jahren nur tonnenschweren Satelliten anvertraut werden konnten. Zum größten Vorteil der Kleinsatelliten zählt ein verhältnismäßig geringer Preis für die Herstellung und ihre Beförderung in den Orbit. Dank diesem Umstand könnten auf der Grundlage solcher Raumapparate Kommunikations-, Fernerkundungs- und Forschungssysteme geschaffen werden, die rund um die Uhr funktionieren.

    Fachleute der Forschungs- und Produktionsvereinigung für Maschinenbau (NPOmasch) haben im Rahmen des Programms "Pragmatischer Weltraum" eine einheitliche Weltraumplattform konstruiert. Diese Plattform kann diverse Nutzlasten tragen, zum Beispiel ein Ortungsgerät oder optisch-elektronische Ausrüstungen für die Fernerkundung der Erde. Beide Systeme haben ein äußerst hohes Auflösungsvermögen und liefern Bilder, die stark gefragt sind. Der erste Raumapparat - Kondor-E - mit einem Ortungsgerät an Bord soll Ende 2006 oder Anfang 2007 mit einer Strela-Trägerrakete ins All befördert werden. Es handelt sich um eine ebenfalls bei NPOmasch umgebaute Atomrakete RS-18-UR-100 (NATO-Code: SS-19 Mod. 1).

    Auf Grundlage dieser vereinheitlichten Plattform wird auch der kleine Kommunikationssatellit Ruslan-MM entwickelt.

    Im August 2005 wurde unter Einsatz einer Rockot-Trägerrakete (ebenfalls umgebaute Atomrakete) der Satellit Monitor-E für die Fernerkundung der Erde gestartet. Seinen Möglichkeiten nach steht dieser Raumapparat größeren tonnenschweren Satelliten in nichts nach, deren Entwicklungs-, Herstellungs- und Betriebskosten verhältnismäßig hoch sind. Entsprechend teuer sind auch die von diesen schweren Satelliten gelieferten Informationen. Dem Monitor-E liegt die im Chrunitschew-Zentrum entwickelte vereinheitlichte Weltraumplattform Jachta (Yacht) zugrunde. Das Chrunitschew-Zentrum arbeitet gegenwärtig an aussichtsreichen Apparaten der Monitor-Serie, die diverse optisch-elektronische Ausrüstungen (Infrarot- und Stereoskopgeräte mit hoher Auflösung) und Ortungsgeräten an Bord haben.

    Nach einem Abkommen mit dem föderalen Betrieb Kosmitscheskaja Swjas (Weltraumkommunikation) wird auf der Basis der Jachta-Plattform auch der Kleinsatellit Dialog-E entwickelt. Es handelt sich um einen Reservesatelliten für die Orbitalgruppierung russischer Kommunikationssatelliten. Der Raumapparat kann den Orbit leicht wechseln und im Notfall einen defekten schweren Kommunikationssatelliten der Express-Familie ersetzen. Künftig soll eine eigene Gruppierung von Dialog-Satelliten aufgestellt werden.

    Mit dem internationalen Kommunikationsprovider Intersputnik wurde ein Vertag über den Bau von Dialog-Satelliten geschlossen. Nach Angaben von Intersputnik belaufen sich die Kosten für Entwicklung und Start eines großen Satelliten wie Express-A mit 24 Zwischensendern (Transpondern) auf knapp 200 Millionen US-Dollar, während die Kosten für einen leichten Apparat der Dialog-Serie mit zehn Transpondern bei höchstens 40 Millionen Dollar liegen. Die Bau- und Starttermine betragen entsprechend zwei bis drei Jahre bzw. sechs bis neun Monate.

    Das in St. Petersburg ansässige Konstrukteursbüro Arsenal entwickelte die einheitliche Kleinplattform Newa als Modul für Hilfssysteme für Kleinsatelliten. Die Plattform eignet sich für den Einsatz als Teil des Luft- und Raumfahrtkomplexes Skif. Auf der Basis der Plattform sollen Raumapparate mit einem Gewicht von bis zu 300 Kilogramm konstruiert werden, die bei der Lösung eines weiten Kreises wissenschaftlicher wie auch sozialer und ökonomischer Aufgaben Anwendung finden werden. Welchem Zweck ein Satellit dient, wird jeweils vom einem Systemmodul bestimmt.

    Arsenal-Experten führten vor Augen, dass auf der Basis der Newa-Plattform ein Kleinsatellit gebaut werden könnte, der mit einem Ortungsgerät mit synthetisierter Apertur (Öffnung) ausgestattet sein sollte. Diese Technik ist für die Kontrolle der Eisverhältnisse in der Arktis und Antarktis, aber auch in Gewässern bestimmt, in denen sich Eis für eine gewisse Zeit im Jahr bildet. Neben seiner Hauptaufgabe kann der auf Sewer (Norden) getaufte Satellit auch wertvolle Informationen in anderen Bereichen der Fernerkundung der Erde liefern. Die von Ortungsgeräten gewonnenen Daten werden unmittelbar an Bord des Satelliten ausgewertet und an Bodenstationen übertragen, die bereits mit Satelliten Resurs-DK, Monitor und Kondor arbeiten. Ein Bild eines Territoriums von 550x550 Kilometer wird zwischen 300 und 600 Dollar kosten. Zum Vergleich: Ein ähnliches vom kanadischen RodarSat-Raumapparat geliefertes Bild mit geringem Auflösungsgrad kostet ab 3000 Dollar.

    Das Astronomische Hauptobservatorium Pulkowo bei St. Petersburg baut für die Newa-Plattform ein Solarteleskop, das globale Prozesse in der Sonne (im Rahmen des Projekts Heliometrie) erforschen soll. Zum ersten Mal werden Astronomen und Astrophysiker bis zum Kern der Sonne vordringen können.

    Auch das Projekt "Ununterbrochene kosmische Solar-Patrouille" richtet sich auf die Erkundung der Sonne. Mit diesem Projekt will sich Russland eine Vorrangstellung bei der Kontrolle der Sonnenaktivität sichern. Fachleute rechnen mit wertvollen Daten in solchen Richtungen der Grundlagenforschung wie solar-terrestrische Beziehungen oder Prognosen des "kosmischen Wetters", einschließlich der Lösung des Problems globaler Klimaänderungen.

    Noch ein Projekt auf der Basis der Newa-Plattform - UFIKT (Ultraviolett-Infrarot-Teleskop) - soll bei der Erkundung der Atmosphäre und Ionosphäre der Erde, ihrer Naturressourcen, bei der Kontrolle über Wirtschaftsaktivitäten und Notstandssituationen helfen und das Umweltschutz-Monitoring sichern.

    Bislang wurden etwas mehr als zehn Projekte ausgewählt und zum Teil geprüft, die auf der Basis der vereinheitlichten Newa-Plattform verwirklicht werden sollen. Satelliten können mit beliebigen vorhandenen russischen Trägerraketen ins All geschossen werden, je nach Leistung der Rakete beim Start eines oder gleichzeitig mehrerer Satelliten. Aber bevorzugt werden der oben erwähnte Luft- und Raumfahrtkomplex wie auch umgebaute Atomraketen. So soll der Raumapparat Sewer mit einer Start-Trägerrakete in den Orbit befördert werden.

    Die Einsatzdauer von Satelliten auf der Basis der Newa-Plattform beträgt derzeit fünf Jahre und soll in nächster Zeit auf sieben Jahre erhöht werden.

    Die Entwicklung von Kleinsatelliten auf der Basis vereinheitlichter Plattformen gehört gegenwärtig zu den wichtigsten Aktivitäten in fast allen russischen Konstruktionsbüros, die sich mit Weltraumtechnik befassen. Es gibt ein beachtliches Potenzial, das es gestattet, viele interessante Projekte unter Einsatz von Kleinsatelliten zu realisieren. Leider passt sich die russische Raumfahrtindustrie bislang nur mühsam der neuen Wirtschaft Russlands an. Zudem ist die Finanzierung aus dem Staatshaushalt so spärlich, dass die Gelder nicht einmal für einen Teil der Projekte ausreichen.

    Das trifft in erster Linie auf Projekte der Fernerkundung der Erde zu, die in aller Welt auf kommerzieller Grundlage verwirklicht werden. In Russland steckt der Markt der Fernerkundung der Erde noch in Kinderschuhen. Die Erschließung des Weltmarktes für Satelliteninformationen wird erst jetzt in Angriff genommen, obwohl Russland traditionsgemäß starke Positionen beim Erhalt von Satellitenaufnahmen hoher Auflösung bezieht.

    In letzten Jahren wurden auch andere kleine Raumapparate in die Umlaufbahn gebracht. Es geht um den Schulsatelliten Kolibri-2000, einige Lehr- und Forschungssatelliten der Moschajew-Serie, den Uni-Raumapparat Tatjana und den Studentensatelliten Baumanez. Das Institut für Weltraumforschung der Russischen Akademie der Wissenschaften steht kurz vor der Fertigstellung eines neuartigen Kleinsatelliten der Tschibis-Serie. Aber dabei handelt es sich ausschließlich um Initiativen der Öffentlichkeit. Diese Arbeit ist kein Ergebnis zielgerichteter Aktivitäten russischer Raumfahrtbetriebe. Aber der Optimismus bleibt - davon zeugen die neuen Entwicklungen der russischen Konstrukteure.

    Zum Verfasser: Juri Saizew ist Experte des Instituts für Weltraumforschung der Russischen Akademie der Wissenschaften

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