08:58 24 August 2017
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    Möglichkeiten des Energiedialogs

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    Die Energiedialoge Russlands mit der EU, den USA und Asien helfen bei der Überwindung zunehmender Risiken in der Energiewirtschaft.

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    MOSKAU, 24. April (Minister Viktor Christenko für RIA Novosti). Russlands Strategie in der Energiewirtschaft wird ein immer aktuelleres Thema für die internationale Völkergemeinschaft, insbesondere in diesem Jahr, in dem Russland den Vorsitz in der G8 führt. Eine der Hauptfragen, die für den G8-Gipfel anvisiert sind, ist die globale Energiesicherheit. Es wäre absurd, dieses Thema ohne Russland zu behandeln, wo dieses Land der größte Gas- und Ölexporteur unter den G8-Ländern ist und den Stand des Weltmarktes auf eine wesentliche Weise mitprägt.

    Dieses globale Thema lässt sich in konkrete Aufgaben aufgliedern. Heute sind vier überaus wichtige Momente für die Situation auf dem Weltmarkt charakteristisch. Erstens: Der Bedarf der Entwicklungsländer Asiens an Energieressourcen steigt rapide (bis zu 45 Prozent des künftigen Zuwachses der globalen Nachfrage nach Öl). Zweitens: Die wachsende Kluft zwischen Verbrauchs- und Produktionsmenge von Öl und Gas in den Industrieländern (gegen 2020 werden 60 bis 70 Prozent der Gasversorgung Europas vom Import gedeckt, für die meisten größten Länder Asiens ist diese Kennzahl bereits heute höher). Drittens: Der Prozess wird vom Mangel an Ölraffinerien und Transportmöglichkeiten sowie von begrenzten zusätzlichen Möglichkeiten für die Ölförderung begleitet. Und außerdem ist der Welthandel mit dem "schwarzen Gold" nicht transparent genug.

    All diese Momente rücken das Problem der Energiesicherheit in den Vordergrund. Deshalb versteht Russland Energiesicherheit nicht nur als ein eigenes Problem, sondern in erster Linie als ein gemeinsames Problem einer zuverlässigen Versorgung der Länder und der Weltbevölkerung mit Energieressourcen und als ein Problem für die gesamte internationale Völkergemeinschaft. Meines Erachtens sollten beim globalen Dialog zu dieser Frage gemeinsame Positionen zu einigen komplexen Aufgaben formuliert werden: Stabilisierung der Märkte der Energieträger, Erweiterung von Investitionen in die Energiewirtschaft sowie eine effektive Entwicklung der Energiewirtschaft und der Energie-Infrastruktur. Dabei muss die Balance zwischen der Realisierung einzelner Bereiche der Energiewirtschaft und dem Umweltschutz berücksichtigt werden.

    Diese Reihe von Maßnahmen stellt eine Weiterentwicklung der Energiethemen dar, an denen im Rahmen der G8 bereits gearbeitet wird. Diese Kontinuität muss unterstützt werden. In unseren Händen liegt eine Art Staffelstab. Das Thema der Umweltsicherheit, das im Rahmen des G8-Vorsitzes Großbritanniens 2005 zum Hauptthema wurde, ist mit dem Thema der Energiesicherheit eng verbunden. Hier sei darauf hingewiesen, dass die Thematik, die mit der Verringerung der Luftbelastung verbunden ist, zu zwei Dritteln mit der Arbeit der Energiebranchen verbunden ist. Dabei sollten Extreme vermieden werden. Man muss nach Kompromissen zwischen Problemen der Ökologie und realen Bedingungen der Wirtschaftsentwicklung suchen, und die Besonderheiten aller Marktteilnehmer - sowohl der Lieferer als auch der Konsumenten der fossilen Brennstoffe - berücksichtigen.

    Wirtschaftliche und politische Aspekte der Spitzenposition in der Energiewirtschaft

    Die wirtschaftliche und die politische Bedeutung von Energieressourcen lassen sich nicht voneinander trennen. Das Unangenehmste: Wir beobachten heute deutlich den Versuch vieler Teilnehmer des Energiemarktes, den Prozess der Lösung von Energieproblemen zu politisieren. Die Lösungen müssen absolut pragmatisch, im Rahmen der bestehenden Vereinbarungen und normaler Wirtschaftsbeziehungen geregelt werden. Politische Spekulationen zu diesem Thema sind zu unterbinden. Wir haben gute Beziehungen und Perspektiven mit den Abnehmerländern, und die Grundlage unserer Kooperation darf nicht mit solchen populistischen Handlungen untergraben werden.

    Was ist die Spitzenposition Russlands in der Energiewirtschaft und wie sollten wir dazu stehen? Natürlich bestimmen nicht die quantitativen Zahlen der Förderung, ja nicht einmal der Verkaufsumfang die Spitzenposition, entscheidend ist etwas anderes. Saudi-Arabien fördert nicht bloß sehr viel, dieses Land verkauft auch viel mehr, weil es weniger konsumiert, während Russland dazu noch einer der größten Konsumenten von Energieressourcen ist.

    Erstens: Die Problematik der Energiesicherheit und des globalen Weltthemas muss richtig verstanden werden. Zweitens: Man muss Ressourcen und Möglichkeiten haben, um die Risiken, die mit der Energiesicherheit verbunden sind, auf ein Minimum zu reduzieren. Die potentielle Spitzenposition Russlands in der Energiewirtschaft kann und muss als eine "Spitzenposition im Interesse der Sicherheit" interpretiert werden. In dieser Auslegung kann ein Land, das nur eine Art von Rohstoffen exportiert und damit unausweichlich an die globale Preiskonjunktur für die Energieträger gebunden ist, oder ein hoch entwickelter Industriestaat, der auf Technologien setzt und bestrebt ist, sich von den "Besitzern der Vorkommen" abzunabeln, nicht als ein Weltspitzenreiter gelten. Ein Spitzenreiter muss die Interessen sowohl der Lieferanten als auch der Abnehmer von Rohstoffen berücksichtigen.

    In diesem Fall und in der Situation einer globalen Energiesicherheit denke ich, dass Russland sowohl eine adäquate Vorstellung von der Situation als auch Mechanismen für die Reduzierung der Risiken hat, die alle Länder haben.

    Diese gibt es in der Tat sehr viele. Alle sehen beispielsweise, welche Marktpreise für die russische Ölmarke Urals oder für Brent entstehen. Der Markt ist äußerst volatil, was das Risiko der Unbestimmtheit entstehen lässt. Die Risiken sind in erster Linie mit einer exakten Schätzung der Vorräte der ölproduzierenden Länder verbunden. Wir schätzen unsere auf 13 Prozent der globalen Vorräte, während die Internationale Energieagentur sie auf acht Prozent schätzt. Es sind also zwei Zahlen, eine fast doppelt so groß wie die andere. Hier entsteht jedes Mal die Frage, ob du zu dem Moment, zu dem du dich mit dieser Mathematik beschäftigst, verkaufst oder kaufst. Dennoch müssen sich die Verkäufer und die Käufer auf eine Zahl einigen, andernfalls sind keine Prognosen möglich, und man kann also keine Politik der Energiesicherheit gestalten.

    Wir können die Risiken betrachten, die mit dem Transport oder mit der Infrastruktur verbunden sind, Risiken bei der Nachfrage und bei den Vorräten oder auch politische Risiken, auf die der Markt der Energieträger recht stürmisch reagiert.

    Gerade deshalb versteht Russland seine Rolle als eines der größten Verkäufer und als eines der größten Abnehmer, als eines der wesentlichsten Transitterritorien und als eines Mitglieds des G8-Klubs, in dem solche Probleme behandelt werden können.

    Heute sehen wir die Aufgaben ein, die den langfristigen und nicht etwa einen kurzfristigen und mit Spekulationen verbundenen Charakter der Entwicklung dieser Situation bestimmen werden.

    Ich möchte noch ein Moment hervorheben. Die G8 ist hervorragend dazu geeignet, den Spitzenländern unsere Position sowie unsere Vorstellungen zu präsentieren und Lösungen dieser oder jener Aufgaben zu konzipieren.

    Völlig offensichtlich ist aber auch, dass das G8-Format angesichts der wachsenden Wirtschaften der Länder außerhalb der G8 - China, Korea, Indien oder Brasilien - unzureichend ist. Diese Länder gehören zu den größten Abnehmern und Produzenten, ohne sie wäre es meines Erachtens einfach sinnlos, langfristige Perspektiven der Energiewirtschaft zu erörtern.

    Das Thema beschränkt sich eigentlich nicht auf den G8-Rahmen. Man kann auch annehmen, dass sich das G8-Format in einer dreißigjährigen Perspektive wesentlich verändern könnte.

    Die "Ost"-Ausrichtung der russischen Energiepolitik

    Bekanntlich entwickeln sich heute die Märkte der asiatischen und, breiter gesehen, der Asiatisch-Pazifischen Region (darunter auch der Energiemarkt) besonders dynamisch. Die Nachfrage nach Energieressourcen in den Ländern Asiens wächst laut Expertenschätzungen schneller als in allen anderen Ländern der Welt: Bei Öl um drei bis vier und bei Gas um vier bis sechs Prozent im Jahr. Russland beobachtet diese Tendenzen aufmerksam und plant seine Handlungen weit voraus. Heute gehen zwar die russischen Energieexporte zu mehr als 90 Prozent nach Europa, wir wollen aber den Ländern Asiens und des Pazifischen Raums immer mehr Aufmerksamkeit schenken.

    Insgesamt wird eine Vergrößerung des Anteils der Länder Asiens am russischen Ölexport von den heutigen drei auf 30 Prozent (bis zu 100 Millionen Tonnen) bis zum Jahr 2020 prognostiziert. Bei Erdgas soll der Anteil von fünf auf 25 Prozent (bis zu 65 Milliarden Kubikmeter) steigen. Dabei gehen wir von der Einsicht aus, dass der asiatische Markt ein Teil des globalen Marktes ist. Seine Probleme müssen unter dem Gesichtspunkt der Prozesse angesehen werden, die sich auf dem globalen Energiemarkt vollziehen. Deshalb halten wir es für zweckmäßig, die Bildung bestimmter ständiger Gruppen für die Hauptbereiche der Energiesicherheit bei der G8 zu gründen, zu der außer den G8-Ländern auch Vertreter jener Länder gehören würden, die Energieressourcen liefern bzw. konsumieren. In erster Linie geht es dabei um die größten asiatischen Länder. Ausgehend von der globalen Tagesordnung der G8, könnten dort Fragen der regionalen Energiesicherheit und -effektivität diskutiert werden.

    Russland setzt auf Energiekooperation mit der Europäischen Union

    Historisch entspringt die Europäische Union der Idee eines "gemeinsamen Marktes" und "gemeinsamer Infrastrukturen". Russland ist ein großer Akteur, der große Projekte verwirklicht, von denen viele selbst auf der Ebene mehrerer Länder nicht realisierbar sind. Wir bemühen uns, bei der Realisierung großer Geschäftsprojekte das Potential des Russland-EU-Dialogs gerade im System der Beschlussfassung aktiv zu nutzen. Noch beim Brüsseler Russland-EU-Gipfel 2001 wurde eine Gemeinsame Erklärung über den Energiedialog angenommen, in der eine Reihe von konkreten "Infrastruktur"-Bereichen der Kooperation festgelegt werden, darunter eine Zusammenkopplung der Stromenergiesysteme Russlands und der Europäischen Union, die Regelung der Situation um die langfristigen Verträge des Konzerns Gasprom und der Bau eines Energietransportsystems.

    Bei der ursprünglichen Liste der Projekte, die beim Russland-EU-Gipfel im Oktober 2001 festgelegt wurden, lassen sich bereits jetzt klare Fortschritte feststellen. Ein jeder Energiedialog kann nur in dem Fall als effektiv betrachtet werden, wenn er zu greifbaren Ergebnissen in Form konkreter Projekte führt, zu denen die Gaspipline Jamal-Europa, die 2006 fertiggestellt wird, die Ölpipeline Burgas-Alexandropoulis, das Baltische Pipelinesystem sowie die Ölfernleitungen "Druschba" und "Adria" gezählt werden können.

    Mit den ausländischen Partnern wenden wir solche zivilisierten und bewährten Formen wie den Energiedialog recht aktiv an. Ein solcher umfassender Energiedialog wird sowohl zwischen Russland und der Europäischen Union als auch zwischen Russland und den USA geführt. Die "Folgen" solcher Dialoge sind bereits erkennbar: Das sind konkrete Projekte wie beispielsweise die Ostsee-Gaspipeline. Erst vor kurzem haben unsere europäischen Kollegen ihr Interesse an der Entstehung solcher Projekte geäußert, heute ist bereits eine prinzipielle Entscheidung über seine Realisierung getroffen. Ein Dokument über den Bau der Pipeline wurde im September 2005 unterzeichnet. In dieser Hinsicht ist die Ostseepipeline eine der realen Ausrichtungen der Diversifizierung der russischen Gaslieferungen. Gerade solche Schemen zuverlässiger Transitterritorien bzw. exterritorialer Zonen sollten für die Zukunft überlegt werden.

    Russland unternimmt nun aktive Schritte, von denen viele in gemeinsame Investitionsprojekte mit ausländischen Partnern (sowohl mit Regierungen als auch mit Unternehmen) transformiert werden. Man muss die Lieferausrichtungen der fossilen Brennstoffe diversifizieren, man muss nicht exklusive Routen nutzen, über die 80 Prozent der Lieferungen verlaufen (wie das in der Situation mit der Ukraine der Fall ist, wo dieses Land eigentlich eine Monopolstellung beim Gastransit nach Europa hat), sondern eine Auswahl davon haben.

    Die Erfahrungen der Pipeline "Blauer Strom" zeigen dass eine recht effektiv arbeitende Infrastruktur selbst unter extrem komplizierten technologischen Bedingungen, in mehr als zwei Kilometer Tiefe und im aggressiven, schwefelwasserstoffhaltigen Schwarzen Meer verlegt werden kann.

    Ein überaus wichtiger Bereich des Zusammenwirkens zwischen Russland und der EU im Rahmen des Energiedialogs bleibt die Fortsetzung der Bemühungen um eine weitere gegenseitige Annäherung der Energiestrategien und -systeme. Begonnen wurde mit der Arbeit an einer technisch-ökonomischen Aufgabenstellung für einen synchronen Zusammenschluss der Stromenergienetze des Europäischen Verbundnetzes (UCTE), des Einheitlichen Energiesystems Russlands und der GUS und der parallel arbeitenden Stromsysteme der baltischen Länder. Dieses Projekt ist besonders jetzt, nach der Annahme des "Grünen Buches", besonders wichtig.

    Beim Russland-EU-Gipfel im Oktober wurde betont, dass Unternehmer Russlands und der EU endlich eine Motivation zur aktiven und substantiellen Beteiligung an der Bildung eines Wirtschaftsraums mit einem integrierten Markt bekommen haben und sich dieser Motivation bewusst wurden. Mit anderen Worten: Man kann feststellen, dass die von den offiziellen Behörden Russlands und der EU erklärten Ziele und die langfristigen Interessen der Geschäftskreise real identisch geworden sind. Das bedeutet, dass wir mit großen Ideen und Angeboten von Firmen und Geschäftsvereinigungen rechnen können.

    Gestaltung einer offenen Investitionspolitik

    In der jüngsten Sitzung des Rates für ausländische Investitionen wurde eine Umfrage westlicher Unternehmer vorgestellt, wonach 80 Prozent der in Russland aktiven ausländischen Unternehmen von der Notwendigkeit einer weiteren Entwicklung ihrer Geschäftsaktivitäten überzeugt sind. Bei denjenigen, die nicht in Russland vertreten sind, fielen die Meinungen 50:50 aus. Das zeugt davon, dass unsere Schwachstelle nicht im Bereich der realen Tätigkeit, sondern in deren kommunikativer Begleitung liegt.

    Heute arbeitet das Ministerium für Industrie und Energiewirtschaft an einem Gesetz, das Bedingungen für die Zulassung ausländischen Kapitals zu den strategischen Branchen der russischen Wirtschaft festlegen wird. Der Gesetzentwurf selbst wird demnächst in einer Regierungssitzung behandelt. Er basiert auf der Konzeption der Annahme von Beschlüssen zu konkreten jeweiligen Geschäftsabschlüssen. Dabei soll eine exakte Liste von Kriterien zusammengestellt werden, die die Zugehörigkeit der Unternehmen zu jeweiligen Branchen, in denen die Beteiligung ausländischer Investoren eingeschränkt wird, charakterisieren sowie die maximalen Limits für die ausländische Beteiligung (Sperrminorität, Kontrollpaket usw.) enthalten würde. Nur die Angebote, die den exakt beschriebenen und transparenten Bedingungen entsprechen, müssen den Staatsorganen, wenn sie ihre endgültige Entscheidung treffen sollen, zur Behandlung vorgelegt werden. Mit diesem Herangehen führen wir "Einschränkungen für Einschränkungen" ein. Als Folge werden die Investoren die Spielregeln exakt verstehen, während der Umfang von undurchschaubaren Operationen und Abstimmungen verringert wird.

    Hinsichtlich der Zusammenarbeit im Investitionsbereich sollten die erfolgreichen Erfahrungen der gemeinsamen Arbeit Russlands mit dem Unternehmen Total bei der Erschließung des Charjaginskoje-Vorkommens im Rahmen eines Product-Sharing-Abkommens hervorgehoben werden. Ein positiver Abschluss des Dialogs könnte ein Ausgangspunkt für eine neue Etappe in den Beziehungen Russlands mit ausländischen Unternehmen sein, die in der Brennstoff- und Energiewirtschaft tätig sind, unabhängig davon, in welchen Formen die Zusammenarbeit realisiert werden sollte bzw. realisiert wird. Bei der Arbeit von Experten des Ministeriums für Industrie und Energiewirtschaft im Laufe des vergangenen Jahres in dem Bereich, der mit Projekten auf der Product-Sharing-Grundlage verbunden ist, konnte nicht nur die Menge von Widersprüchen offenbart werden, die sich im Laufe von Jahren angestaut hatten. Es wurden auch Perspektiven für die weitere Suche nach gegenseitig annehmbaren Varianten in diesem Bereich konzipiert.

    Prozesse im russischen Brennstoff- und Energiekomplex entsprechen der globalen Tendenz

    Diese Instrumente sind genauso wichtig wie die eigene Inlandswirtschaft, die darin hergestellte Ordnung und die langfristigen Perspektiven. Was die transnationalen Gesellschaften bzw. den Charakter dieser Aktivitäten anbelangt, so ist dies natürlich kein russisches Know-how und kein spezielles Investmentprojekt. Was in unserem Brennstoff- und Energiekomplex vor sich geht, entspricht absolut der globalen Tendenz. Wenn wir uns all die letzten Umstrukturierungen größerer Öl- und Gasunternehmen ansehen, so ging es dabei in der Regel darum, dass Unternehmen mit bisher einem Namen zumindest Doppelnamen erhielten. In dieser Hinsicht folgen wir nicht einer Tradition, sondern erwidern eine Herausforderung, die heute mit Risiken bei der Realisierung von Großprojekten zusammenhängen. Alles wird teurer und schwieriger, die Risiken werden größer. Um an den neuen Projekten und unter den Bedingungen der neuen Risiken arbeiten zu können, ist sogar ein anderer Charakter der Gesellschaft selbst erforderlich. Dies ist ein objektiver Prozess, der die gesamte Globalisierung in der Welt begleitet. Das zeugt davon, dass wir uns diesem Prozess anpassen, soweit wir, also die Unternehmen, dazu bereit sind. Hier muss alles ausreichend stabil, ruhig und verständlich sein.

    Die russischen Unternehmen entsprechen durchaus dem internationalen Standard sowohl beim Niveau, als auch beim Status und bei den Möglichkeiten. Mit allen Partnern, welche Namen diese auch immer tragen mögen, können sie beliebige Verhandlungen führen und beliebige Projekte auf beliebiger Ebene umsetzen. Das ist der Stand, den wir bereits erreicht haben. Zugleich sollten unsere Unternehmen in vollem Sinne des Wortes transnational werden. Dazu ist mindestens ein verzweigtes Netz von Projekten in der ganzen Welt notwendig. Mit ihrer Beteiligung gemeinsam mit anderen Unternehmen an der Realisierung dieser Projekte könnten die russischen Unternehmen diesen oder anderen bedeutenden Risiken begegnen.

    Was andere Instrumente und Aspekte anbelangt: Es stimmt - wir gehören nicht zur OPEC und auch nicht zur Internationalen Energie-Agentur. Zugleich stehen wir in einem ständigen Arbeitsprozess mit Experten aus diesen internationalen Organisationen.

    Ich möchte noch einmal betonen: Es ist überaus wichtig, das die Form eines Energiedialogs entstanden ist und von uns aktiv genutzt wird. Schlüsse, die dabei gezogen werden, lösen danach eine gewisse Polemik bei Diskussionen auf politischer, wirtschaftlicher und jeder anderen Ebene aus. Hinter einer jeden Etappe dieses oder eines anderen Energiedialogs stehen bestimmte Entscheidungen. Ein ähnlicher Dialog wurde jetzt mit den größten wachsenden asiatischen Wirtschaften im Asiatisch-Pazifischen Raum aufgenommen.

    Unser weiteres Zusammenwirken, einschließlich des G8-Vorsitzes, wird in erster Linie auf die Realisierung der Initiative zur Herstellung eines einheitlichen Maßsystems für die Schlüsselaspekte der Energiepolitik bestehen. Die Durchsetzung allein schon dieses Resultats würde es ermöglichen, viele der von mir erwähnten Risiken zu beseitigen. Wir sind bereit, in diesem Prozess zwischen allen interessierten Seiten zu vermitteln.

    Unser Autor Viktor Christenko leitet das Ministerium für Industrie und Energiewirtschaft Russlands.

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