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    Sagten Nostradamus und Tarkowski die Tragödie von Tschernobyl voraus?

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    20 Jahre nach dem Tschernobyl-GAU (23)
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    "... Was war das? Der Fall eines Meteoriten? Ein Besuch aus dem kosmischen Abgrund? Wie dem auch sei, in unserem kleinen Lande entstand das Wunder der Wunder: die ZONE." Arkadi und Boris Strugazki, "Der Stalker"

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    MOSKAU, 27. April (RIA Novosti).

    Um 1.23 Uhr des 26. April 1986 kam es im Atomkraftwerk von Tschernobyl zu einer Katastrophe. In die Atmosphäre wurden 190 Tonnen radioaktive Stoffe emittiert, acht von den 140 Tonnen des nuklearen Brennstoffs zerstreuten sich in der Luft. Andere gefährliche Stoffe entstiegen dem Reaktor wegen des großen Brandes, der beinahe zwei Wochen lang dauerte. Die Menschen in Tschernobyl erhielten eine Strahlendosis, die 90mal so groß war wie beim Abwurf der Bombe auf Hiroshima.

    Zur Klärung der Gründe des Unfalls wurden drei offizielle staatliche Kommissionen gebildet, und jede davon lieferte ihre eigene Version der Ereignisse im KKW. Fügt man den offiziellen Rechenschaftsberichten und Forschungen die Zeugenaussagen, analytische Beiträge von Fachleuten oder einfach Vermutungen von einfachen Bürgern hinzu, so könnte die Zahl der Versionen des Vorkommnisses auf das Dutzendfache ansteigen. Als offiziell wurde dennoch die Lesart der ersten staatlichen Kommission von 1986 über ein im Kraftwerk angestelltes Experiment anerkannt.

    Das Experiment

    Für den 25. April 1986 war eine Abschaltung des Energieblocks für eine turnusmäßige Inspektion angesetzt. Am selben Tag beschlossen die Leiter der elektrotechnischen Tests, in einem Experiment die Charakteristika des Generators während des Auslaufs des Turbinenrotors festzustellen. Die Initiatoren des Experimentes waren G. P. Metlenko, ein Vertreter von Dontechenergo, und A. S. Djatlow, der stellvertretenden Chefingenieur des Betriebes. Das Programm des Experiments wurde vom Chefingenieur des KKW Tschernobyl N. Fomin bestätigt. Später gaben sowohl Metlenko als auch Fomin die eigene Inkompetenz auf dem Gebiet der Kernphysik zu. Gemäß dem Programm des Experiments schaltete das Kraftwerkspersonal alle Schutzsysteme des Reaktors ab. Somit verstieß das Personal von Bloks 4 des KKW laut Angaben der Kommission bei der Vorbereitung und Durchführung der elektrotechnischen Tests sechsmal grob gegen das Reglement, das heißt gegen die Regeln eines sicheren Betriebs des Reaktors. Beim sechsten Male war der Verstoß dermaßen grob, dass mindestens 204 der 211 bestehenden Steuerstäbe aus der aktiven Zone entfernt wurden. In der Folge wurde der Reaktor unsteuerbar, und in einem bestimmten Moment begann eine Kettenreaktion, die in einer Wärmeexplosion gipfelte. Verwiesen wurde außerdem auf die "Fahrlässigkeit bei der Steuerung der Reaktoranlage" sowie darauf, dass "das Personal die Besonderheiten des Verlaufs der technologischen Prozesse im Kernreaktor" ungenügend verstanden und das "Gefühl für Gefahr" verloren habe.

    Übrigens bestand ursprünglich der Plan, das Experiment entweder in dem Südukrainischen oder dem litauischen KKW Ignalina durchzuführen (beide Kraftwerke haben von der Konstruktion her analoge Reaktortypen).

    Am 7. Juli 1987 fand ein Prozess gegen sechs Amtspersonen statt, die für die Havarie im KKW Tschernobyl "die Verantwortung trugen". Am 29. Juli wurden drei von ihnen - der Direktor des KKW Viktor Brjuchanow, der Chefingenieur Nikolai Fomin und der stellvertretende Chefingenieur Anatoli Djatlow - zu je zehn Jahren Haft verurteilt. Ursprünglich wurde die Verhandlung für den 24. März angesetzt, dann aber vertagt, weil Fomin seine Brille zerschlagen und sich mit den Glasscherben die Venen geöffnet hatte; zum Glück wurde der Selbstmordversuch bemerkt und Fomin gerettet.

    Anatoli Djatlow kam vorfristig in Freiheit, und zwar nach Art. 220 wegen einer schweren Diagnose "akute Strahlungserkrankung". Djatlow schrieb das Buch "Tschernobyl. Wie es war", worin er seine Sicht auf jene Nacht im KKW Tschernobyl beschrieb. Seinen Worten zufolge "beweisen die Materialien des Prozesses überzeugend: Das operative Personal des Kraftwerkes trägt keine Schuld". Anatoli Djatlow starb 1995.

    Technische Betriebsstörungen

    Damit war die Suche nach den Ursachen der Havarie nicht zu Ende. Zwei spätere staatliche Kommissionen (von 1991 und 1996) lieferten eine etwas andere Erklärung der Katastrophe. Möglicherweise sei die Havarie in Block 4 durch "Konstruktionsmängel" des Reaktors provoziert worden. Die Schuld der an jenem Tag diensthabenden Schicht sei offensichtlich, aber wegen der technischen Störungen habe das Personal die Katastrophe nicht abwenden können. In diesem Fall seien neben den drei Verurteilten Brjuchanow, Fomin und Djatlow auch die Wissenschaftler und die Projektanten des Reaktors schuld.

    Später stellte sich heraus, dass es bereits beim Bau die Störungen und Mängel gegeben hatte. An einzelnen Stellen wurden Abweichungen vom Entwurf und Verstöße gegen die Technologie der Reihenfolge der Arbeiten zugelassen. "Die Hauptursachen der Katastrophe im KKW Tschernobyl waren die Konstruktionsmängel im Steuer- und Schutzsystem /.../ Als Beweis dafür mag die Tatsache dienen, dass nach der Havarie an allen RBMK-Reaktoren sehr schnell bedeutende Rekonstruktionsarbeiten geleistet wurden."

    Erdbeben

    Neben den offiziell anerkannten Versionen gibt es auch andere. Beispielsweise: 20 Sekunden vor der Explosion in Tschernobyl habe es ein Erdbeben gegeben. Die Wissenschaftler sind sich nicht einig darüber, ob das Erdbeben durch den Betrieb des Reaktors provoziert oder ob umgekehrt der Unfall vom Erdbeben hervorgerufen wurde.

    Igor Janizki, Leiter des Zentrums für Instrumentalbeobachtung der Umwelt und der geophysikalischen Prozesse, nahm bereits vor zehn Jahren an, das Erdbeben sei der Explosion im Kraftwerk um mehrere Wochen vorausgegangen: "Aus dem Faktenmaterial ergibt sich, dass am 12. April im Zentrum des Pripjat-Tals (etwa 200 Kilometer nordwestlich vom KKW Tschernobyl gelegen) ein universeller geodynamischer Prozess einsetzte. Bis zum 19. April erlangte die Zyklone ihren Gipfelpunkt, wonach eine schroffe Veränderung des Prozesses erfolgte, und die Zyklone begann, sich zu füllen. Im Ergebnis entstand zum 24. April eine Antizyklone mit dem Zentrum ungefähr über Tschernobyl und begann, sich ostwärts zu verschieben. In diesem Moment registrierten die Mitarbeiter eines Charkower Forschungsinstituts in der Ionosphäre über jenem Areal eine Durchbiegung der Protonenschicht, was von einer hohen Intensität des Prozesses zeugt. Schließlich spiegelte die Kurve des nachfolgenden atmosphärischen Druckabfalls, der von einer Wetterstation der Stadt Tschernigow (etwa 60 Kilometer östlich von Tschernobyl) registriert wurde, in der Nacht zum 26. April einen starken Auswurf in positiver Richtung wider, was als Erdbeben (seismischer Gravitationsstoß) gedeutet werden kann. Die Behauptung erscheint möglich, dass auch in Tschernobyl die atmosphärische Explosion die dort vor sich gehenden mächtigen Bewegungsprozesse der Erdkruste begleitete."

    Angaben der Seismographen von drei nahe gelegenen Stationen der Ukrainischen Komplexexpedition zeigen an, dass es einen Erdstoß in der KKW-Region gegeben hatte, jedoch lediglich mit der Stärke drei der Richterskala. Fachleute versichern, dass es solche Erdbeben fortwährend auf allen Abschnitten unseres Planeten gibt, die Menschen empfinden sie einfach nicht. Für die Stahlkonstruktionen des Gebäudes und das Fundament des KKW Tschernobyl war ein solcher Stoß um so harmloser, als sie Beben bis zur Stärke sieben auf der Richterskala (also 16mal so stark) aushalten konnten.

    Diversion

    Einige Skeptiker reden von einer Diversion. Es besteht die Meinung, dass die Havarie in Tschernobyl von ausländischen Agenten geplant worden sei. Wieder andere glauben, an der Katastrophe seien Staatsverräter schuld.

    Von einer Diversion sprach W. Podswirow, ehemaliger stellvertretender Chef der Truppen der Sonderzone, die unmittelbar im KKW Tschernobyl arbeiteten: "Die Atomreaktoren haben einen hohen Grad der Zuverlässigkeit. Diese Zuverlässigkeit wurde durch experimentelle Methoden bestätigt. Die Haupt- und Hilfs-Wasserkühlungspumpen des in Betrieb befindlichen Reaktors konnten nicht gleichzeitig aussetzen. Zudem wurde die Explosion in Block 4 des KKW von einem Raumsatelliten der USA, der sich gerade im rechten Moment über dem KKW Tschernobyl befand, eben allzu rechtzeitig fotografiert. Die logische Analyse von Fakten und Ereignissen des Kalten Krieges der Ex-UdSSR gegen den wahrscheinlichen Gegner seit den 50er Jahren zeigt bis heute, dass es sich nicht um eine Havarie handelte, sondern um die am größten angelegte Diversion des Jahrhunderts, die die Wirtschaftsmacht der UdSSR und - mit ,äußerer Hilfe' - das sozialistische System als Ganzes unterminierte."

    Weissagungen

    Es sind Legenden im Umlauf, die Katastrophe sei wiederholt vorhergesagt worden, und schuld an der Explosion in Block 4 von Tschernobyl sei niemand anders als nun einmal das Schicksal selbst.

    Die früheste Vorhersage wird aus den biblischen Zeiten zitiert. In der Offenbarung des Johannes, der Apokalypse, heißt es: "... da fiel ein großer Stern vom Himmel, der wie eine Fackel brannte, und fiel auf den dritten Teil der Flüsse und auf die Wasserquellen. Und der Name des Sternes heißt ,der Wermut'; und der dritte Teil der Wasser wurde zu Wermut, und viele Menschen starben von den Wassern, weil sie bitter geworden waren." (Offenb. 12; 10, 11). Es ist aber so, dass Tschernobyl auf Ukrainisch eben "Wermut" bedeutet.

    Als nächster verkündete Nostradamus in einer seiner Centurien die künftige Katastrophe; er sprach darin von einem Sphinx-Antlitz auf dem Roten Planeten und einem Kometen, der dreizehn Jahre später eintreffen werde und den Menschen viele Katastrophen und Nöte bringen werde.

    1973 entdeckte das amerikanische Raumschiff "Viking" ein "Sphinx-Anlitz" an der Oberfläche des Mars, und 13 Jahre später, 1986, näherte sich der Halley-Komet der Erde; zwei Wochen nach seiner maximalen Annäherung an die Erde geschah die Havarie in Block 4 in Tschernobyl. Das war wohl eine der von Nostradamus prophezeiten "fünf neuen Katastrophen", die viele Menschenopfer verlangen würden. Außerdem schrieb Nostradamus in seiner Weissagung für das Jahr 1986: "Viele werden die Ankunft von Engeln vom Himmel herab erwarten, doch was kommt, werden nicht Engel, sondern schwarze Gewitterwolken sein."

    Eine der Tschernobyler Legenden erzählt, die Katastrophe habe ein örtlicher Narr in Christo vorhergesagt. Einst standen im Gebiet der heutigen Sperrzone 18 Kirchen. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts behauptete dieser Mann, eine davon werde zerstört werden, eine andere in Flammen aufgehen, aber eine nach wie vor dastehen. In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden die meisten Kirchen zerstört, zwei verbrannten während der Havarie in Tschernobyl, geblieben ist nur die Elias-Kirche in der Siedlung Tschernobyl.

    Aber die erstaunlichste Prophetie ist Andrej Tarkowskis Film "Der Stalker", der nach einem Drehbuch der Brüder Arkadi und Boris Strugazki gedreht wurde. Einer der Gründe für die Entstehung der "Zone" ist gemäß dem Drehbuch eine Havarie in einem "vierten Bunker". Und das sechs Jahre vor der realen Explosion in Block 4 des Kernreaktors und der Entstehung einer 30 Kilometer breiten Sperrzone! Tschernobyl sollte nicht die einzige Prophetie des Filmes bleiben. Tarkowski organisierte selbst die äußerst komplizierten Panoramen von verschandelten Landschaften der "Zone". In einem Bild sieht man durchs Wasser ein abgerissenes Kalenderblatt mit dem Datum "28. Dezember". Dieser Tag sollte der letzte Lebenstag des Regisseurs werden: Er verstarb am 29. Dezember 1986.

    Es gibt eine weitere mit dem Film verbundene Tschernobyl-Legende. Wie einige Mitarbeiter des KKW sagen, hätten sie ein paar Tage vor der Havarie einen großen, dunklen Menschen ohne Kopf, aber mit gigantischen Flügeln und feuerroten Augen gesehen. Einige hatten entsetzliche Alpdrücke, andere erhielten anonyme Telefonate mit Drohungen. Über der Flamme des Brandes, der nach der Explosion in Block lohte, beobachteten sie ein Wesen, einen "Schmetterlingsmenschen". Diese Aussagen bildeten die Grundlage für Mark Pellingtons Film "Die Mothman Prophezeiungen". Glaubt man dem Streifen, so warnt so ein geflügeltes Wesen die Menschen vor einer drohenden Katastrophe.

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