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    Iran-Konflikt bedroht Baku und Jerewan

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    Mögliche militärische Aktionen der USA in Iran sind nicht nur für dieses Land und seine Bevölkerung eine Gefahr. Es könnten auch die alten, scheinbar "erloschenen" Konflikte sich zuspitzen und eine negative Kettenreaktion mit unvorhersehbaren Wirkungen auslösen.

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    MOSKAU, 02. Mai (Alexej Makarkin für die RIA Novosti). Die Eskalation des amerikanisch-iranischen Konfliktes tangiert unmittelbar die Interessen der Nachbarländer der Islamischen Republik. Es gibt mehrere solche Länder. Es steht außer Zweifel, dass sich bei einer "militärischen Option in Iran" neue ernste Probleme in Irak einstellen können, wo es den politischen Kräften erst nach mehreren Monaten Streitigkeiten gelungen ist, sich über die Verteilung der Posten im Staat zu einigen. Die wichtigsten davon sind hierbei wiederum den Schiiten zugefallen, die mit den iranischen Glaubensgenossen historische Verbindungen haben. Klar ist ferner, dass sich die politischen Risiken in Afghanistan und Pakistan drastisch erhöhen würden. Doch könnten auch die Staaten Transkaukasiens, die ebenfalls an Iran grenzen, mit nicht weniger komplizierten Problemen konfrontiert werden.

    In der Tat hoffen die USA laut Nachrichten von Massenmedien auf eine Zusammenarbeit mit Aserbaidschan, dessen Territorium sie als eventuelles Aufmarschgebiet für eine militärische Operation gegen Iran betrachten (die übrigens bei weitem nicht unbedingt stattfinden wird, doch immer noch auf der Tagesordnung steht). Es ist nicht ausgeschlossen, dass diese Frage bei Ilcham Alijews USA-Besuch in der letzten Woche erörtert wurde. Es könnte sich um die Nutzung des Luftraums und der Flugplätze Aserbaidschans sowie über die Stationierung amerikanischer Truppen auf seinem Gebiet handeln.

    Begreiflicherweise hält sich in Baku die Begeisterung dafür in Grenzen. Erstens deshalb, weil Aserbaidschan enge Beziehungen zu Iran unterhält. Beide Länder unterzeichneten 2002 einen Nichtangriffs- und Kooperationsvertrag. Im vergangenen Dezember wurde im Rahmen eines für 25 Jahre geschlossenen Abkommens feierlich eine Gaspipeline zwischen beiden Staaten eröffnet. Iran plant, 80,5 Millionen Kubikmeter Naturgas jährlich zu liefern.

    Kürzlich hat der iranische Verteidigungsminister Mustafa Mohammed Najar Baku besucht und dort erklärt: "Aserbaidschans Sicherheit ist auch Irans Sicherheit. Unsere Verteidigungsfähigkeit ist auch Ihre Verteidigungsfähigkeit." Es sieht so aus, als wollte er die Position der aserbaidschanischen Seite vor Alijews USA-Besuch klären. Begreiflich ist jedoch, dass Aserbaidschan im Falle der Partnerschaft mit den USA in einem Krieg gegen Iran auch selbst zu einem Ziel für die iranischen Raketen wird.

    Außerdem leben in Iran zumindest 35 Millionen Aserbaidschaner - mehr als in Aserbaidschan selbst. Und viele von ihnen haben Verwandte in diesem Land. Gerüchte gehen um, die Amerikaner könnten versuchen, den ethnischen Faktor auszunutzen und dazu auf die Widersprüche zwischen der aserbaidschanischen Diaspora und dem Teheraner Regime zu setzen (ungefähr so, wie es 1946 Stalin tat). Wenn dem so ist, können die USA ohne Unterstützung seitens Bakus ebenfalls nur schwer auskommen. Es sei jedoch daran erinnert, dass Stalin damals einen Misserfolg erlitt, und dies unter den Bedingungen, da Irans Zentralregierung weit schwächer war als gegenwärtig. Zudem könnte bei Eröffnung der Kampfhandlungen das Problem der Flüchtlinge auftauchen, die das aserbaidschanische Territorium überschwemmen und die Bakuer Behörden in große Schwierigkeiten stürzen würden. Schließlich könnten die islamischen Fundamentalisten in Aserbaidschan die Kriegshandlungen benutzen, um mit Hilfe antiamerikanischer Agitation die eigenen Positionen zu verstärken.

    Während man in Aserbaidschan über die eigene Position in der iranischen Krise nachdenkt, ist Armenien offensichtlich darüber besorgt, dass sich die iranische Krise auf die Lösung der Karabach-Frage, in der die USA immer eifriger zu vermitteln suchen, negativ auswirken kann. Vorläufig geht es bei den Meinungsverschiedenheiten hauptsächlich darum, ob Baku fähig ist, Karabach das Selbstbestimmungsrecht zu gewähren und ein Referendum zu erlauben, dessen Ergebnisse schon jetzt feststehen. Nur in diesem Fall ist Armenien bereit, Zugeständnisse zu machen und Baku die Kontrolle über die Gebiete des Landes (außerhalb Karabachs), die zurzeit von armenischen bewaffneten Formationen besetzt sind, wieder zu überlassen. Vorläufig ist Alijew grundsätzlich gegen ein Referendum: Wenn er ihm zustimmt, wird er seine Position innerhalb des Landes schwächen und der Opposition einen Vorwand zu harter Kritik an seine Adresse liefern.

    Gegenwärtig kehren die Amerikaner ihre Rolle eines "fairen Brokers" bei den Karabach-Verhandlungen hervor und versuchen, beide Seiten gleichmäßig zu beeinflussen. Es erhebt sich jedoch folgende Frage: Wenn für die USA Aserbaidschans Territorium als Aufmarschgebiet für eine militärische Operation in Iran so wichtig ist, womit könnten sie Baku die oben erwähnten riesigen politischen Risiken "vergelten"?

    Als Minimum könnte die Rede davon sein, dass die USA die für Armenien unannehmbare aserbaidschanische Variante der Überwindung der Karabach-Krise unterstützen; als Maximum davon, dass Washington bei einem möglichen Versuch aus Baku, die Krise auf militärischem Wege zu überwinden, ein Auge zudrücken würde. Nicht von ungefähr erklärte der Führer der armenischen Opposition Stepan Demirtschjan: "Die Folgen eines Krieges in Iran wären verderblich für die ganze Region." Er fügte noch hinzu, dass sich ein Krieg in Iran sowohl für Berg-Karabach als auch für Armenien zu einer Katastrophe auswachsen werde.

    Im Übrigen wird eine solche Variante zur Zeit für nicht sehr wahrscheinlich gehalten, aber allein der Gedanke daran ruft naturgemäß sowohl in Jerewan als auch in den anderen Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Länder (GUS) Unruhe hervor, denn sie sind an einer friedlichen Schlichtung von Konflikten auf dem GUS-Territorium interessiert.

    Somit könnten mögliche militärische Aktionen der USA in Iran nicht nur bedeutende Menschenopfer (darunter infolge von Teherans Gegenschlägen) nach sich ziehen, sondern auch die alten, scheinbar "erloschenen" Konflikte zuspitzen und eine negative Kettenreaktion mit unvorhersehbaren Wirkungen auslösen.

    Unser Autor Alexej Makarkin ist stellvertretender Generaldirektor des Zentrums für politische Technologien.

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