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    Die Erhöhung der Geburtenzahl als strategische Aufgabe Russlands

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    Putins Jahresbotschaft an die Föderalversammlung (26)
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    Eine der Hauptaufgaben, die in der Jahresbotschaft des russischen Präsidenten formuliert sind, besteht darin, die die Geburtenzahl zu steigern und so die demographische Krise im Lande zu überwinden.

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    MOSKAU, 11. Mai (Juri Filippow, RIA Novosti). "Für wen tun wir das alles?", fragte Wladimir Putin in seiner Jahresbotschaft an die Föderalversammlung. Obwohl die Antwort anscheinend auf der Hand liegt und lautet: Jede Generation arbeitet für die Nachkommenschaft, ist diese rhetorische Frage für Russland keineswegs einfach. Und Putin hat sie nicht von ungefähr als die Wichtigste bezeichnet.

    Seit schon reichlich zehn Jahren geht die Bevölkerung des Landes jedes Jahr um durchschnittlich 700 000 zurück. Die hohe Sterbeziffer und eine Geburtenzahl, die sie nicht überbieten kann, haben dazu geführt, dass der reine Verlust der russischen Bevölkerung im vergangenen Jahr beispielsweise 680 000 Menschen betrug. Wie der Föderale Dienst für staatliche Statistiken (Rosstat) behauptet, sind in Russland weniger als 143 Millionen ständige Einwohner verblieben.

    Angesichts der bestehenden Tendenzen fallen die Zukunftsprognosen pessimistisch aus: Die 100 Millionen im Jahr 2050, wovon in der Staatsduma gesprochen wird, sind das bei weitem nicht das schlechteste Szenario. Russland droht ein Bevölkerungsschwund mit völlig unvoraussagbaren politischen und sonstigen Folgen. "Die Bewahrung des Volkes", worüber der von Putin zitierte Nobelpreisträger Solschenizyn ständig spricht, ist wahrhaft eine gesamtnationale Priorität, vor deren Hintergrund alles andere verblasst.

    Kann der Staat aber die Krise überwinden? Offensichtlich wird von Putin in allem Ernst gerade dieses Ziel formuliert, und zwar in einer soliden langfristigen Perspektive. Worin besteht die vom Präsidenten konzipierte Strategie, die sich in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren in Tausenden von Gesetzgebungs-, Finanz-, Verwaltungs- und sonstigen staatlichen Beschlüssen manifestieren soll? Bemerkenswert ist, dass der Präsident, auf die Demographie eingehend, eine "durchdachte Immigrationspolitik" nur oberflächlich erwähnte. Russland, das ein Siebentel des Festlandes einnimmt, wird selbst seine neuen Generationen zur Welt bringen müssen - zwar hat sich Putin nicht genau so geäußert, aber der tiefere Sinn seiner Rede ist völlig klar.

    Die Senkung der Sterbeziffer hat bei all der Dringlichkeit dieser Aufgabe (die durchschnittliche Lebenserwartung bei den Männern in Russland liegt seit langem bei der grauenhaften Marke von 57 bis 58 Jahren) in der Jahresbotschaft des Präsidenten nur etwas mehr Platz eingenommen und ist ebenfalls nicht in den Vordergrund gerückt.

    Für die Lösung der demographischen Probleme Russlands kommt es laut Putin vor allem darauf an, die Geburtenzahl von Grund auf zu steigern. Ein zweites, ja ein drittes Kind bekommen - das wäre ein würdiges Ziel für Millionen russischer Familien. Der Staat ist seinerseits bereit, seine bisherige ultraliberale Tendenz zu korrigieren und die Kinderzeugung nicht mehr als eine rein private Angelegenheit der Bürger zu betrachten. Das "Erdölgeld", das seit mehreren Jahren die Staatskasse reichlich auffüllt, wird bald genutzt - es soll helfen, die Zahl der neuen russischen Bürger zu erhöhen.

    Putin steckte die Schlüsselrichtungen der materiellen Unterstützung der Mutterschaft, der Kindheit und der jungen Familie ab. Noch im kommenden Jahr werden die Beihilfen für die Geburt und die Kinderpflege sowie die Geldleistungen für die Vormundschaft und die Adoptiveltern um ein mehrfaches gesteigert. Besondere Aufmerksamkeit zieht Putins Vorschlag zur Schaffung "des anfänglichen Basis-Muttergeldes", wie er selbst äußerte, auf sich, eines seinem Wesen nach massenhaften Mutter-Investmentfonds, der vom Staat gesichert werden soll. Nach ersten und vorläufigen Berechnungen ist die Höhe dieses Kapitals mit den Mitteln vergleichbar, die Russland jährlich für die Bedienung seiner Staatsschuld verwendet.

    Das von Putin konzipierte Programm zur kardinalen Erhöhung der Geburtenzahl kann als integrales nationales Projekt für Russland bezeichnet werden - darin ist alles, was der Staat in der sozialen Sphäre schon getan hat und noch tun wird, zusammengefasst. Nun ist an der Zeit, dieses Programm detailliert auszugestalten und umzusetzen. Es wäre unbegründet optimistisch, schon in neun Monaten mit unmittelbaren Ergebnissen zu rechnen, aber es wäre durchaus angebracht, in zwei bis drei Jahren das erste Fazit zu ziehen.

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