02:07 26 September 2017
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    Russland bietet Staatsvermögen auf ausländischen Märkten an

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    Die staatliche russische Ölfirma Rosneft plant für diesen Sommer einen internationalen Börsengang. Westliche Medien starteten eine Kampagne, um den Preis der Rosneft-Aktien nach unten zu drücken.

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    MOSKAU, 12. Mai (Nina Kulikowa, RIA Novosti). Russland muss seit zwei Wochen heftige Kritik aus dem Ausland am staatlichen russischen Ölkonzern Rosneft hinnehmen, der für diesen Sommer die Erstplatzierung (IPO) seiner Aktien plant. Die von westlichen, hauptsächlich von britischen Massenmedien gestartete Kampagne ist ein typisches Spiel auf Baisse mit dem Ziel, die Aktiva von Rosneft abzuwerten. Indes ist das Potenzial des staatlichen Ölkonzerns derart groß und der Zeitpunkt der Erstplatzierung derart günstig, dass Experten eine starke Nachfrage nach Rosneft-Papieren vorhersagen.

    Rosneft-Aktien sollen im Juli dieses Jahres an der Moskauer und der Londoner Wertpapierbörse (LSE) zeitgleich platziert werden. Die genaue Zahl der unterzubringenden Aktien ist noch nicht bekannt gegeben. In nächster Zeit soll der Rosneft-Aufsichtsrat die Grundparameter der IPO bestimmen. Aber bereits jetzt schon gehen Analysten von zehn bis 20 Milliarden US-Dollar aus. Diese Erstplatzierung wird zum größten Börsengang eines russischen Unternehmens in der gesamten Geschichte der Zusammenarbeit des russischen Business mit der LSE wie auch zu einem beachtlichen Zufluss von Mitteln an die Börse selbst beitragen. Im vergangenen Jahr hatten russische Firmen in London Aktien für insgesamt knapp 5 Milliarden Dollar platziert, was etwa 14 Prozent aller von der LSE mobilisierten Mittel beträgt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass führende britische Medien wie die "Financial Times" oder "Economist" seit Wochen Beiträge über Rosneft und dessen bevorstehende IPO bringen. Aber unangenehm ist, dass die meisten Artikel kritisch sind. Man warnt vor dem Kauf russischer Aktien und schlägt sogar vor, die Rosneft-IPO an der Londoner Börse zu boykottieren.

    Die wichtigsten Vorwürfe der Kritiker können in zwei Gruppen unterteilt werden. Bei der ersten handelt es sich um Nachwirkungen des so genannten Falls Yukos, der mit einer "nicht transparenten Übernahme" von Juganskneftegas, des einst größten Förderbetriebes des angeschlagenen Ölkonzerns Yukos, durch Rosneft zusammenhängt. Die Autoren warnen die künftigen Investoren davor, dass das russische Unternehmen (Rosneft) nicht transparent genug ist. Es gehe auch um Probleme der Ethik und um das Risiko von Gerichtsverfahren. F&C Asset Management, eines der größten britischen Investitionsunternehmen, rief sogar zu einem Boykott der Rosneft-IPO auf, weil das russische juristische Regime undurchsichtig und schwer zu begreifen sei.

    Der zweite Aspekt, über den die potenziellen Investoren besorgt sind, ist die verstärkte Position des Staates in der Wirtschaft. Mit dem Angebot seiner Aktien auf ausländischen Märkten wolle Moskau sein Bestreben legitimieren, die Kontrolle über die Ölbranche wiederherzustellen, während ausländischen Unternehmen lediglich die Rolle von Minderheitspartnern zugedacht werde, die mit Geld und Technologien aufkommen würden, meinen westliche Fachleute. Der bekannte Wirtschaftsexperte George Soros zweifelt an der Notwendigkeit, diese IPO ausgerechnet in London durchzuführen, weil Rosneft ein Instrument des Staates sei und immer der Erlangung politischer Ziele Russlands, nicht aber den Interessen der Aktionäre dienen werde.

    Die Besorgnis der Investoren ist durchaus erklärbar. Der Börsengang eines großen russischen Ölunternehmens, das zugleich in staatlichem Besitz ist, wäre für die westliche Welt eine Neuheit, die im Hinblick auf den wachsenden Einfluss Russlands im Energiebereich in globalem Maßstab schwer zu akzeptieren ist. Das resultiert daraus, dass Russland und der Westen sich noch nicht darüber klar geworden sind, wie der globale Energiemarkt reguliert werden soll. So gibt es in der Energiecharta noch einige Gegensätze, die die Seiten nicht überwunden haben. Aber die derart hohe Welle öffentlicher negativer Stimmungen im Vorfeld der Rosneft-IPO erinnert eher an eine aggressive PR-Kampagne, die zum Ziel hat, die Aktiva des russischen Konzerns abzuwerten.

    Ein großer Teil der Befürchtungen hängt damit zusammen, dass Rosneft ein staatliches Unternehmen ist. Die Erstplatzierung von Aktien des privaten russischen Mischkonzerns AFK Sistema vor einem Jahr wurde von der britischen Investmengemeinschaft ziemlich wohlwollend aufgenommen. Hat denn ein Staatsunternehmen mit seinen daraus resultierenden Problemen kein Recht auf eine Erstplatzierung seiner Aktien? Zumal, wenn die Aktien mit transparenten marktwirtschaftlichen Methoden untergebracht werden? Seit Jahren sprechen westliche Wirtschaftsexperten viel von Mängeln der liberalen Wirtschaft in Russland. Nun versucht Moskau, einen Mechanismus dieser Marktwirtschaft in Gang zu setzen. Obwohl die Umstellung auf westliche Standards und die Erhöhung des Transparenzgrades mit erheblichen Problemen einhergeht, bietet Russland sein Staatsvermögen auf westlichen Märkten an. Was tut die westliche Welt? Sie ruft zu einem Boykott dieser Versuche auf!

    Natürlich wird Rosneft als staatliche Struktur immer ein Instrument der nationalen Politik bleiben. Staatliche Unternehmen sind gerade dazu da, um die Interessen ihres Landes auf internationalen Märkten durchzusetzen. Sind denn britische Firmen in dieser Hinsicht eine Ausnahme? Deshalb führen die Versuche potenzieller Investoren, Russland unter Druck zu setzen, ein weiteres Mal vor Augen, dass das Vermögen des russischen Ölriesen äußerst attraktiv ist.

    Was mit dem Fall Yukos verbundene mögliche juristische Diskussionen betrifft, so werden sie potenzielle Investoren kaum abschrecken können. Die geplante IPO gewährt die noch nie dagewesene Möglichkeit, einen Teil des russischen Ölreichtums zu erwerben. Rosneft kontrolliert riesige Felder. Nach eigenen Angaben verfügt der Konzern derzeit über mehr als 30 Milliarden Barrell Einheitsbrennstoff und liegt den Vorräten nach an erster Stelle weltweit. Die Vorräte von Rosneft sind für 28 Jahre ausreichend, während die weltweit durchschnittliche Zahl bei elf Jahren und in Russland insgesamt bei 21 Jahren liegt.

    Rosneft fördert 1,5 Millionen Barrel Öl pro Tag. Die Konzernleitung kündigte vor kurzem eine Steigerung an. Zudem stellt Rosneft westliche Manager an und plant, westliche Experten in den Aufsichtsrat zu berufen. Die finanzielle Lage des Unternehmens ist gut: Im vergangenen Jahr nahm Rosneft 23,9 Milliarden Dollar gegenüber 5,3 Milliarden Dollar 2004 ein. Vor kurzem wurde die Entscheidung des Rosneft-Aufsichtsrates bekannt gegeben, den Marktwert einer Stammaktie bei 151,45 Rubel festzulegen. Demnach dürfte die Marktkapitalisierung von Rosneft auf mehr als 50,5 Milliarden Dollar steigen.

    Selbst wenn die Investoren mit ethischen Problemen konfrontiert sein sollten, würden sich nur wenige finden, die auf das Anlegen ihrer Mittel in den russischen Ölriesen verzichten. Das um so weniger, als die asiatischen Partner Russlands ganz und gar nicht so kritisch gesinnt sind. Im März hatte der Chef der Chinesischen nationalen Öl- und Gasgesellschaft erklärt, sein Unternehmen werde die Rosneft-IPO aus "strategischen Erwägungen" unterstützen.

    Zudem wurde ein äußerst günstiger Zeitpunkt für die Erstplatzierung bestimmt. Die steigenden Ölpreise sind nicht aufzuhalten. Russland ist im Unterschied zum Nahen Osten eine stabile Region und weist ein sechsprozentiges Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) und ein hohes Wachstumstempo des Effektenmarktes auf.

    Der Erfolg der Rosneft-IPO hängt in vieler Hinsicht von der Organisation des Börsengangs ab. Aber in jedem Fall liegt es klar auf der Hand, dass internationale Märkte ein überaus großes Interesse an Papieren des russischen Unternehmens haben.

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