23:32 17 August 2017
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    Der Nahe Osten steht vor einem großen Krieg

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    Israel handelt genau wie das jähzornige Genie des französischen Fußballs. Der Staat ging in eine Falle, die ein Dritter gelegt hatte.

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    MOSKAU, 14. Juli (Wladimir Simonow, RIA Novosti). Israel muss sich jetzt buchstäblich zerreißen. Der Staat hat einen Zweifrontenkrieg vom Zaun gebrochen, um im Gazastreifen die Freiheit für den am 25. Juni gefangen genommenen Korporal Gilad Shalit bei der Hamas zu erkämpfen, und bombardiert außerdem Südlibanon, wo die Hisbollah zwei weitere, etwas später verschleppte israelische Soldaten versteckt hält.

    Plötzlich scheint sich im Nahen Osten ein großer Krieg zusammenzubrauen. An einem einzigen Tag, dem 12. Juli, einem Mittwoch, haben israelische Bomben das Gebäude des palästinensischen Außenministeriums in einen Trümmerhaufen verwandelt, und aus den gleichen Gründen hat Libanon seinen einzigen internationalen Flughafen verloren. Die nächtlichen Luftangriffe Israels kosteten 27 friedliche Libanesen das Leben. Aus Gaza wird über Dutzende Opfer berichtet, unter ihnen neun Kinder, denen es nicht mehr beschieden ist, erwachsen zu werden.

    Das an sich ist schon ungeheuerlich. Bei aller Bewunderung für Israel, das um der Rettung des Lebens von drei seiner Bürger bereit ist, Zerstörung zu säen, springt das Unverhältnismäßige der Vergeltung direkt ins Auge. Hierbei macht die Reaktion der internationalen Gemeinschaft dieser keine Ehre, weil absolut nicht ausbilanziert reagiert wird. Man denke sich, welcher Zorn den UNO-Wolkenkratzer packen würde, wenn neun israelische Kinder ums Leben kämen. Steht der Preis eines Menschenlebens etwa in seinem nationalen Ausweis geschrieben?

    Aber am furchtbarsten ist der Verdacht, dass wahrscheinlich ein gewisser kaum auffälliger Teufel existiert, der, wie es in einem chinesischen Sprichwort heißt, "auf einem Berg sitzt und dem Kampf zweier Tiger zusieht". In diesem Fall des israelischen und des arabischen Tigers. Der Eindruck entsteht, als würde jemand den neuen Krieg im Nahen Osten mehr brauchen als die Hisbollah-Kämpfer die Befreiung aller libanesischen und palästinensischen Häftlinge aus Israels Gefängnissen.

    In der Tat, diese Häftlinge sitzen dort bereits seit Jahren. Es ist nichts geschehen, was die Hisbollah zwingen würde, gerade jetzt sofortige Befreiung für sie im Austausch gegen die israelischen Gefangenen zu verlangen. Hinzu kommt, dass das große Schlachten, das Israel in Gaza veranstaltet hat, keinen Zweifel daran aufkommen lässt, wie das im Falle Libanon enden würde.

    Also wollte die Hisbollah nichts so sehr, als dass Israel ihr einen recht schweren Schlag versetze.

    Das war eine internationale Variante der Provokation von Materazzi gegen Zidane. Israel handelt genau wie das jähzornige Genie des französischen Fußballs. Der Staat ging in eine Falle, in der mit Hamas und Hisbollah gleich zwei Schneiden zugeschnappt sind, wobei die Falle selbst von einem Dritten gelegt wurde.

    In der Tat gab es für die Hisbollah keinerlei sichtbaren Gründe, ihre heutige Lage - eine mächtige Militärorganisation und zugleich eine autoritative politische Partei der libanesischen Schiiten - aufs Spiel zu setzen. Die Hisbollah hat eine solide Vertretung im libanesischen Parlament. Das ganze Volk weiß ihre Programme der sozialen Unterstützung und medizinischen Hilfe zu schätzen. Schließlich besitzt die Hisbollah den populären TV-Sender Al-Manar, der täglich für den Ruf der Partei sorgt. All diese Gunst des Schicksals kam über die Hisbollah, nachdem sie im Mai 2000 ihr Versprechen eingelöst hatte, die israelischen Truppen aus Libanon zu verdrängen.

    Warum musste Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasral in dieser rosigen Situation plötzlich keinen sehnlicheren Wunsch haben, als seine Partei und ihren paramilitärischen Flügel "Islamischer Widerstand" dem Hagel israelischer Bomben auszusetzen?

    Eine Antwort darauf gibt uns vielleicht ein Blick in die Geschichte. Der Keim der Hisbollah entstand 1982 auf Initiative einer Gruppe von schiitischen Geistlichen. Die Organisation erstarkte und erhöhte ihr Menschenpotential im Bekaa-Tal, Seite an Seite mit den 2000 "Wachen der iranischen Revolution", die Teheran nach Libanon entsandte, um diesem im Kampf gegen die israelische Okkupation zu helfen.

    Seitdem waren die Verbindungen der Hisbollah mit Iran beinahe ebenso eng wie die mit Syrien. Der Wunsch der iranischen Gönner und finanziellen Sponsoren mag bei dieser dermaßen provokatorischen und für die Hisbollah selbst so gefährlichen Aktion wie der Entführung der israelischen Soldaten die entscheidende Rolle gespielt haben.

    Teheran weiß sehr wohl: Sein Katz-und-Maus-Spiel um sein nukleares Programm kann nicht ewig dauern. Die einlullenden Erklärungen von Ali Laridschani, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates Irans, seine Versicherungen, dass "wir uns am Anfang eines langen Weges befinden", haben inzwischen ihre Frische und somit auch ihre Wirkung verloren. Die internationale Gemeinschaft ist müde, darauf zu warten, dass auf ihr Paket von Vorschlägen eine klare Antwort kommt. Am Mittwoch versammelten sich die sechs Staaten - Russland, die USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und China - in Paris und schickten das iranische Dossier an den UN-Sicherheitsrat.

    Das will keineswegs heißen, dass Russlands und Chinas Einstellung zu möglichen Sanktionen gegen Iran mit der Position der übrigen Mitglieder der Sechsergruppe zusammenfallen wird. Doch die heutige Gesinnungsgleichheit im Lager der "Giaurs" müsste die besten Köpfe in Teheran zur Suche nach einem behelfsmäßigen Ausweg motivieren.

    Was könnte aber in dieser Hinsicht besser zupass kommen als ein abermaliger großer Krieg im Nahen Osten?

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