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    Russland und Südafrika auf dem Weg zur allseitigen Zusammenarbeit

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    Präsident Wladimir Putin besucht die Republik Südafrika (13)
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    Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahre 1992 treiben Russland und Südafrika ihre Handels- und Wirtschaftskooperation energisch voran.

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    MOSKAU, 02. September (RIA Novosti). Seit Ende des 19. Jahrhunderts bemühte sich das Russische Reich um die Herstellung direkter Handels- und konsularischer Beziehungen zu Transvaal. Am 28. September 1898 nahmen beide Staaten diplomatische Beziehungen auf, die jedoch vier Jahre später abgebrochen wurden, nachdem Transvaal im Burenkrieg gegen Großbritannien (1899/1902) seine Unabhängigkeit verloren hatte.

    Von 1942 bis 1956 unterhielten die Sowjetunion und die Südafrikanische Union (damals noch britische Kronkolonie) konsularische Beziehungen, die von südafrikanischer Seite abgebrochen wurden.

    Diplomatische Beziehungen zwischen der Russischen Föderation und der Republik Südafrika wurden erst am 28. Februar 1992 während eines Besuchs des russischen Außenministers in Pretoria aufgenommen. Seitdem entfalten beide Staaten aktiv ihre Kontakte in Politik und Wirtschaft.

    Politische Kontakte. Im Juni 1992 besuchte der südafrikanische Präsident Frederik de Klerk Russland zu einem offiziellen Besuch. In einem gemeinsamen Kommuniqué bekräftigten beide Staaten ihr Interesse an einer engeren Zusammenarbeit und verpflichteten sich, Kontakte zwischen russischen und südafrikanischen gesellschaftlichen und privaten Organisationen zu fördern sowie die bilaterale Kooperation in Wirtschaft und Politik, Kultur und im humanitären Bereich voranzutreiben.

    Im Mai 1994 wohnte eine russische Regierungsdelegation der festlichen Amtseinführung des südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela bei. Vier Monate später weilte der südafrikanische Außenminister Alfred Nzo zu einem offiziellen Besuch in Russland.

    Im November 1995 reiste eine russische Regierungsdelegation mit Vizepremier Oleg Soskowez an der Spitze nach Südafrika. Kräftige Impulse erhielten die Beziehungen beider Staaten aus dem Besuch des südafrikanischen Vizepräsidenten Thabo Mbeki (November 1998) und des Präsidenten Nelson Mandela (April 1999). Mandela unterzeichnete mit der russischen Staatsführung am 29. April 1999 die Deklaration über die Grundsätze der Freundschaftsbeziehungen zwischen Russland und Südafrika.

    Im September 2000 trafen der russische Präsident Wladimir Putin und der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki beim Millenniumsgipfel in New York erstmals zusammen.

    Im Dezember 2001 wurde während eines offiziellen Besuchs des damaligen russischen Außenministers Igor Iwanow in Südafrika der auf der Deklaration von 1999 beruhende Vertrag über Freundschaft und Partnerschaft paraphiert. Im Juli 2002 stattete die südafrikanische Außenministerin Nkosazana Dlamini-Zuma Russland einen offiziellen Besuch ab. Zwei Monate darauf reiste der russische Regierungschef Michail Kasjanow an der Spitze einer russischen Delegation zum Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung nach Johannesburg und traf sich mit Präsident Thabo Mbeki.

    Im Juli 2006 nahm Thabo Mbeki auf Einladung seines russischen Amtskollegen Wladimir Putin am G8-Gipfel in Sankt Petersburg als Gast teil.

    Die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland (damals noch Sowjetunion) und Südafrika wurden nach dem Zweiten Weltkrieg aufgenommen. 1957 erreichte der bilaterale Handel mit 25 Millionen US-Dollar eine damals noch einmalige Spitze. Die wichtigsten sowjetischen Exportartikel waren Ölprodukte, Nutzholz und Diamanten. Aus Südafrika importierte die Sowjetunion Schwarz- und Buntmetalle, Wolle und Rohleder.

    Nachdem Südafrika 1958 die bilateralen konsularische Beziehungen abgebrochen hatte, sank der bilaterale Handel gegen 1961 fast auf Null. Die bilateralen Geschäftsaktivitäten wurden völlig eingestellt, nachdem die UN-Vollversammlung Ende 1962 zu einem weltweiten Handelsboykott des Apartheid-Regimes aufgefordert hatte. Die Kontakte mit der Korporation De Beers wurden jedoch weiter gepflegt, aber nicht öffentlich.

    Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Februar 1992 machte eine Belebung der Handels- und Wirtschaftskooperation möglich.

    Am 22. Oktober 1993 unterzeichneten beide Staaten ein Abkommen über Zusammenarbeit in Handel und Wirtschaft. Im Dezember 1994 bzw. im November 1998 folgten zwei weitere wichtige Vereinbarungen, und zwar ein Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung und ein Abkommen über gegenseitigen Schutz der Investitionen. Bis heute haben beide Staaten über 25 bilaterale Verträge abgeschlossen.

    Nach Angaben des russischen Zollamtes belief sich der bilaterale Handel 2005 auf 171,5 Millionen US-Dollar (2004 lag er bei 136,8 Millionen Dollar). Die südafrikanischen Exporte nach Russland betrugen dabei 146,2 Millionen Dollar, die Importe wurden mit 25,3 Millionen Dollar angegeben.

    Russland liefert nach Südafrika Mineralkraftstoff und Ölprodukte (30 Prozent des Warenumsatzes), Düngemittel (ca. 20 Prozent), Schwarzmetalle (ca. 30 Prozent), Ausrüstung und Optik, Verkehrsmittel, Druckerzeugnisse, Produkte der anorganischen Chemie sowie Maschinen und Anlagen für die Atomenergiewirtschaft. Südafrika liefert traditionell saisonale und Zitrusfrüchte (mehr als 40 Prozent des Warenumsatzes) nach Russland. Weitere Exportartikel sind Erzkonzentrat, Schlacken, Zucker, Erzeugnisse der Schwarzmetallurgie, Kleidung, Schuhe, Tabak, Edel- und Halbedelsteine sowie Maschinen und Anlagen.

    Die am 8. Februar 2005 von der südafrikanischen Regierung beschlossene Aufhebung der Schutzzölle gegen russisches Walzgut und Profilstahl soll die russischen Stahlexporte nach Südafrika und dadurch den bilateralen Handel anspornen.

    Russlands Unternehmen zeigen ein zunehmendes Interesse für Investitionen in Südafrika. In dem afrikanischen Land sind bereits die Riesen Norilsk Nickel, Renova, Alrosa und Rusal engagiert.

    Von besonderer Bedeutung ist das Gemeinschaftsprojekt der Renova Group im Bereich der Erkundung, Förderung und Verarbeitung von Manganerz in Kalahari. Das Projekt wird seit 2004 abgewickelt. Laut Plan soll die Jahresproduktion von Manganerz zwei Millionen Tonnen und die von Ferrolegierungen 500 000 Tonnen erreichen.

    Was andere russische Investitionen angeht, so erwarb der Bergbaukonzern Norilsk Nickel 20 Prozent am südafrikanischen Goldförderer Gold Fields, wobei die Industrieholding Basic Element eine gemeinsame Aluminiumproduktion in Südafrika aufbauen will.

    Auch die russische Wirtschaft erweckt bei den südafrikanischen Investoren zunehmendes Interesse. Die Korporation Bateman Engineering und der russische Diamantenproduzent Alrosa einigten sich auf die gemeinsame Einrichtung eines neuen Diamantenvorkommens in der Stadt Mirny (Jakutien, Russland). Außerdem bewirbt sich Bateman Engineering um die Einrichtung von Diamantengruben im nordrussischen Gebiet Archangelsk sowie um den Bau einer Gaspipeline sowie von Kompressorstationen und einer Gasverflüssigungsanlage. Russischerseits sind bei diesen Projekten Severalmas und Rosneft vertreten.

    Auch De Beers entscheidet über Investitionen in die Diamantenförderung in Archangelsk. Gold Fields will an der Erschließung des Golderzvorkommens Majski auf Tschukotka teilnehmen.

    Eine Reihe russischer Banken nahm die Korrespondenzverbindung mit südafrikanischen Banken auf, viele (unter anderem Vnesheconombank, Vneshtorgbank und Nomos-Bank) richteten in Afrika Vertretungen ein.

    Mit der Koordinierung der bilateralen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen wurde das Gemischte bilaterale Regierungskomitee beauftragt, das im April 1999 während des offiziellen Moskau-Besuchs des südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela gegründet wurde.

    Im Rahmen der 5. Sitzung des Gemischten Regierungskomitees für Handels- und Wirtschaftszusammenarbeit (04./05. Oktober 2005 in Moskau) unterzeichneten die Industrie- und Handelskammern beider Staaten ein Memorandum über Zusammenarbeit. Russische und südafrikanische Unternehmer einigten sich auf die Gründung eines bilateralen Geschäftsrates.

    Regionale Zusammenarbeit. Im August 1998 wurde in der russischen Hauptstadt ein Abkommen über Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen der Moskauer Stadtregierung und dem Magistrat von Großpretoria signiert. Im Juni 2001 schlossen Sankt Petersburg und Kapstadt eine Partnerschaft ab. Die russische Wolga-Stadt Samara arbeitet mit der Nordwestlichen Provinz Südafrikas zusammen. Eine Zusammenarbeit mit Südafrika streben weitere russische Regionen an, darunter die Gebiete Orenburg, Wolgograd, Kaluga, Archangelsk sowie die Republik Sacha.

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