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    Russland und Marokko: Beziehungen, die eine Zeitprobe bestanden haben

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    Putin besucht Marokko (8)
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    Seit der Aufnahme bilateraler Beziehungen im Jahre 1777 treiben Russland und Marokko ihre Zusammenarbeit voran.

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    MOSKAU, 04. September (RIA Novosti). Die Beziehungen zwischen Russland und Marokko haben eine Jahrhunderte lange Geschichte. Ende 1777 schlug der marokkanische Sultan Mohammed Ben Abdallah der russischen Zarin Katharina II. vor, politische und Handelskontakte zwischen den beiden Reichen aufzunehmen.

    Im November 1897 eröffnete das Russische Reich ein Generalkonsulat in Tanger. Diplomatische Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Marokko wurden am 01. September 1958 hergestellt. Am 30. Dezember 1991 übernahm die Russische Föderation die Rechtsnachfolge der Sowjetunion.

    Der politische Dialog zwischen beiden Staaten wird aktiv entfaltet. Vom 14. bis 18. Oktober 2002 weilte der marokkanische König Mohammed VI. zu einem offiziellen Besuch in Moskau. Beide Staaten unterzeichneten eine Deklaration über strategische Partnerschaft sowie die Regierungsabkommen über den visafreien Reiseverkehr für Inhaber von diplomatischen und Dienstpässen und über Zusammenarbeit in den Bereichen Post und elektrische Verbindung, Informationstechnologien und Fischfang. Außerdem wurden unterzeichnet: ein Kooperationsabkommen zwischen der Russischen Industrie- und Handelskammer und dem Verband der Industrie- und Handelskammern von Marokko, ein Memorandum über gegenseitiges Verständnis zwischen der russische Luft- und Raumfahrtbehörde und dem Königlichen Zentrum für Fernsondierung sowie dem Königlichen Zentrum für Weltraumforschung über Zusammenarbeit bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums zu friedlichen Zwecken.

    Russlands Präsident Wladimir Putin und König Mohammed VI. kamen am 16. Oktober 2003 am Rande des Gipfels der Organisation Islamische Konferenz in Putrajaya (Malaysia) zu einem kurzen Gespräch zusammen.

    Auch die Parlamentszusammenarbeit wird immer enger. Vom 19. bis 25. Oktober 2005 hielt sich der Vorsitzende der Beraterkammer des marokkanischen Parlaments, Mustafa Okasha, zu einem offiziellen Besuch in Russland auf. In diesem Rahmen wurde ein Protokoll über Zusammenarbeit zwischen den Oberhäusern der Parlamente beider Staaten unterzeichnet.

    Die Außenministerien von Russland und Marokko pflegen enge Kontakte. Im Rahmen einer Reise durch Nordafrika besuchte der russische Außenminister Sergej Lawrow am 22. und 23. November 2005 Marokko. Bei seinem Treffen mit König Mohammed VI. übermittelte Lawrow eine Botschaft des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

    Am 4. bis 5. April 2006 weilte der Delegierte Minister von Marokko für auswärtige Angelegenheiten und Zusammenarbeit, Taib Fassi Fihri, zu einem Arbeitsbesuch in Moskau. Vom 7. bis 9. Juni 2006 beehrte der marokkanische Minister für auswärtige Angelegenheiten und Zusammenarbeit, Mohammed Benaissa, Russland mit einem Arbeitsbesuch. Die Spitzendiplomaten beider Staaten treffen sich während der Tagungen der UN-Vollversammlung in New York.

    Die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen Russlands mit Marokko richten sich nach folgenden von den Regierungen beider Staaten angenommenen Dokumenten:

    - Handelsabkommen vom 15. April 1994 (seit 12. Januar 2000 in Kraft) über gegenseitige Behandlung als meistbegünstigte Nation und über Abrechnung in frei konvertierbarer Währung.

    - Abkommen über die Vermeidung der Doppelbesteuerung vom 04. September 1997 (seit 01. Januar 2000 in Kraft).

    Gemessen an den gesamten russischen Lieferungen (sowohl direkt als auch über Vermittler) ist Marokko Russlands größter Handelspartner in Afrika.

    Ihre Handelsbeziehungen nahmen beide Staaten 1956 auf. Bis Ende der 1980er Jahre bezog Marokko aus der Sowjetunion eine ganze Reihe lebenswichtiger Rohstoffe und Halbfabrikate, darunter Erdöl, Nutzholz, Ammoniak, Stickstoff- und Kalidünger, Stahlrohlinge, Kohle und Glas. In die Sowjetunion lieferte Marokko u.a. Superphosphat, Phosphorsäure, Zitrusfrüchte, Fischkonserven und Wein.

    Ende der 1980er Jahre stellte die Sowjetunion wegen finanzieller Schwierigkeiten die Importe von Phosphorprodukten und Zitrusfrüchten aus Marokko ein. Ab 1992 lieferte Russland kein Erdöl mehr nach Marokko, obwohl auf diese Lieferungen (700 000 Tonnen im Jahr) mehr als 60 Prozent des russischen Exportwertes entfielen. Deshalb sank der bilaterale Handel zwischen beiden Staaten in den frühen 1990er Jahren auf den Tiefpunkt.

    Seit 1994 weist der russisch-marokkanischen Handel eine steigende Tendenz auf. Laut marokkanischen Angaben war Russland 2004 der sechstgrößte Handelspartner Marokkos und stieg ein Jahr später auf Platz vier.

    2005 betrug der gegenseitige Handel nach Angaben des russischen Zollamtes 539,6 Millionen US-Dollar, nach marokkanischen Angaben sogar 1,3466 Milliarden Dollar. Der Unterschied erklärt sich damit, dass viele russische Waren über Vermittler aus dritten Staaten nach Marokko gelangen und daher von den russischen Statistiken nicht erfasst werden.

    Die wichtigsten russischen Exportartikel sind Erdöl, Walzgut, Ammoniak, Schwefel, Stickstoff- und Kalidünger sowie Nutzholz. Aus Marokko importiert Russland vor allem Zitrusfrüchte (75 Prozent der Einfuhren), Kaffeeextrakte und -Konzentrate, Tomaten.

    Russland ist der größte Importeur von Zitrusfrüchten (gemessen am Mengenumfang) - 36,09 Prozent (32,5 Prozent im Jahr 2004). Die marokkanischen Exporte von Zitrusfrüchten stiegen im ersten Halbjahr 2006 um neun Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum von 2004/2005 auf 534 000 Tonnen. Im laufenden Jahr werden die Ausfuhren von Zitrusfrüchten auf ca. 300 Millionen Euro geschätzt.

    Die Zusammenarbeit mit Marokko in Wirtschaft und Technik erfuhr insbesondere in der Energiewirtschaft und der Bergbauindustrie eine rapide Entwicklung. Das Wasserkraftwerk Al-Wahda, das größte in der arabischen Welt und in Afrika, (30 Prozent der gesamten Stromerzeugung in Marokko) wurde mit Hilfe des russischen Technologiekonzerns Technopromexport errichtet.

    Die Sowjetunion hatte Marokko beim Bau des Wärmekraftwerks Jerada (165 000 kW Leistung), der Wasserkraftzentrale Mansour Eddahbi (10 000 kW Leistung), einer 200 Kilometer langen Überlandleitung, des Wasserkraftwerkes Moulay Youssef (24 000 Kw) und zweier Industriekühlanlagen von jeweils 5 000 Tonnen Kapazität geholfen.

    Technopromexport will sich im Rahmen internationaler Ausschreibungen um den Wiederaufbau der Kraftwerkzentrale Talembot, des Wärmekraftwerkes Jerada und um den Bau von Überlandleitungen bewerben.

    Im Dezember 1999 unterzeichneten das russische Chemieunternehmen Interchimprom und die Königliche Verwaltung für Phosphate eine Absichtserklärung über gegenseitige Lieferungen von Komponenten für die Produktion von Düngemitteln. Die ersten russischen Ammoniaklieferungen erfolgten im Januar 2000.

    Seit 1998 bemüht sich die russische Firma Zarubezhvodstroy um eine Zusammenarbeit in Wasserbau und Bewässerung. Mit dem marokkanischen Landwirtschaftsministerium verständigte sich Russland auf die Ausarbeitung eines Generalschemas für die Entwicklung von Getreidekulturen, mit der Staatsfirma SODEA wurde eine Kooperation bei der Neulanderschließung vereinbart.

    Zur Zeit sind fünf russisch-marokkanische Gemeinschaftsunternehmen in Marokko tätig. Sie agieren auf den Gebieten Hafenbau, Gipsproduktion, Bohrarbeiten und Handel mit Landmaschinen. Geplant sind Projekte im Bereich der Geologie und der Gewinnung von Bodenschätzen.

    Seit 30 Jahren arbeiten beide Staaten im Fischgang zusammen. Russische Fischerboote betreiben Fischfang in der ausschließlichen Wirtschaftszone von Marokko. Von 1993 bis 2005 fischten dort russische Trawler 658 500 Tonnen Fisch ab. 2005 betrieben im marokkanischen Küstenbereich zwölf russische Trawler Fischfang. Ihr Fangertrag betrug 115 500 Tonnen. Die Fangquote für Russland ist auf 120 000 Tonnen begrenzt.

    Auch im Bereich der Raumfahrt haben Russland und Marokko bestimmte Kooperationserfahrungen gesammelt. Im Dezember 2001 brachte eine russische Trägerrakete den marokkanischen Satelliten Maroc-Tubsat ins All, der zur Fernsondierung der Erde bestimmt ist.

    Im April 1994 wurde ein Abkommen über die Bildung einer bilateralen Regierungskommission für Zusammenarbeit in Wirtschaft, Wissenschaft und Technik abgeschlossen. Die erste Tagung der Kommission fand vom 24. bis 27. Februar 2004 in Rabat statt, die zweite am 8. und 9. Juni 2006 in Moskau.

    Am 8. Juni 2006 einigten sich die russische Industrie- und Handelskammer sowie der Verband der Industrie- und Handelskammern von Marokko auf die Gründung eines bilateralen Geschäftsrates.

    Das Marokkanische Zentrum für Exportförderung startete am 15. Februar 2006 im Auftrag des nationalen Ministeriums für Außenhandel eine Werbekampagne für marokkanische Erzeugnisse in Russland. Die zweijährige Werbekampagne wird das Fernsehen und andere Medien erfassen.

    Der Tourismus gehört in Marokko zu den vorrangigen Wirtschaftssparten. Zur Belebung des Reiseverkehrs trug die am 13. Juni 2005 erfolgte einseitige Aufhebung der marokkanischen Visumspflicht für die Russen (für den Zeitraum von drei Monaten) bei. In Kürze soll ein Regierungsabkommen über Zusammenarbeit im Tourismus signiert werden. Marokko strebt eine engere Städtepartnerschaft zwischen beiden Staaten an. Unlängst wurden Moskau und Rabat sowie Sankt Petersburg und Casablanca zu Partnerstädten.

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