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    Massive Kabinettsumbildung in Russland erwartet/ Tschetschenien will eine ultraliberale Wirtschaft haben/ Alrosa und De Beers wollen Joint Ventures gründen/ PSA Citroen Peugeot plant ein Autowerk an der Wolga/ Bisherige Product-Sharing-Projekte in Russland wenig ergiebig

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    MOSKAU, 07. September (RIA Novosti).

    Nowyje Iswestija: Massiver Personalwechsel der russischen Regierung erwartet

    Im Oktober dieses Jahres könnten der russische Regierungschef Michail Fradkow und weitere Regierungsmitglieder entlassen werden, verrieten Quellen aus der Leitung der Staatsduma (Unterhaus des russischen Parlaments).

    Der wahrscheinlichste Kandidat für das Amt des Premierministers ist Experten zufolge der Erste Vize-Premier Dmitri Medwedew, schreibt die Zeitung "Nowyje Iswestija" am Donnerstag.

    Politologen sind von einer neuen Etappe der Operation "Präsidentennachfolger" überzeugt, sollte Medwedew Premier werden.

    Wladimir Ryschkow, unabhängiger Abgeordneter der Staatsduma: Es ist noch viel Zeit vor den Wahlen, und es wäre vernünftiger, solche Umstellungen frühestens ein Jahr oder sechs Monate vor den Wahlen vorzunehmen.

    Alexej Muchin, Generaldirektor des Zentrums für politische Information: Aus irgendeinem Grund halten alle Putins Werdegang für mustergültig. Das stimmt aber nicht, denn der Premierminister ist in Russland immer ein Sündenbock. Heute kommt Fradkow für Fehltritte der Regierung persönlich auf.

    Oleg Morosow, Erster Stellvertreter des Duma-Vorsitzenden (Einheitliches Russland): Der Staatspräsident hat laut Grundgesetz das Recht, die Regierung zu entlassen. Freilich sehe ich weder einen politischen noch einen wirtschaftlichen Grund für einen eiligen Regierungswechsel. Eine kollektive Entlassung ist kaum zu erwarten. Sehr wahrscheinlich werden nur einzelne Figuren in Ministerien ausgewechselt.

    Viktor Iljuchin, für die Sicherheit zuständiger Stellvertreter des Duma-Vorsitzenden (KPRF): In einem Jahr stehen Parlamentswahlen an. Fradkow wird zum Sündenbock gemacht und durch Dmitri Medwedew ersetzt.

    Gennadi Gudkow, Mitglied des Sicherheitsausschusses der Staatsduma (Einheitliches Russland): An die Stelle Fradkows kann jeder beliebige Gouverneur, Abgeordnete oder Minister treten. In Russland ist der Premierminister eine technische Figur, und es ist unwichtig, wer diesen Posten antritt.

    Sergej Markow, Direktor des Instituts für politische Studien: Die Ernennung Michail Fradkows hat gezeigt, dass Wladimir Putin unendlich viele Ersatzmänner in Reserve hat.

    "Kommersant": Ramsan Kadyrow hat Freiheit gewählt

    Tschetscheniens Premierminister Ramsan Kadyrow hat den letzten Schritt zur Bildung einer autonomen Republik im Bestand Russlands gemacht, schreibt heute die Zeitung "Kommersant".

    Das vom Premier vollständig kontrollierte Parlament der Republik brachte einen Gesetzentwurf in die Staatsduma ein, der die Delegierung eines Teils von Vollmachten an Tschetschenien für die Schaffung eines ultraliberalen Wirtschaftsregimes zum Wiederaufbau der Wirtschaft der Region vorsieht.

    Schon die Autoren des Gesetzentwurfes sehen die Fehler, mit denen die Normen der politischen Korrektheit im russischen Parlament verletzt werden.

    "Einige unserer Vorschläge, zum Beispiel über Besteuerung und Zollvergünstigungen sowie über Gewährung größerer Rechte an die Behörden der Republik bei der Verfügung über Naturressourcen, werden den russischen Gesetzgebern wahrscheinlich zu kühn erscheinen", erklärte gestern Abu-Raschid Sakajew, einer der Autoren des Gesetzentwurfes und Leiter des Haushaltsausschusses der Volksversammlung Tschetscheniens. "Aber wir sind sicher, dass eben unter solchen Bedingungen in die Republik investiert und sich die Wirtschaft aktiv entwickeln wird. Dies wird seinerseits es ermöglichen, Mittel des Staatshaushalts wesentlich zu kürzen, die für die Republik bereitgestellt werden." Abu-Raschid Sakajew erinnerte daran, dass vorläufig die Steuern von natürlichen Personen 65 Prozent der Haushaltseinnahmen ausmachen.

    Sogar liberale Politiker haben eine vorsichtige Einstellung zum Gesetzentwurf. Alexander Schochin, Leiter des Russischen Verbandes der Unternehmer und Industriellen, sprach sich gegen die Verabschiedung des Gesetzes aus. "Nichtstaatliche Investitionen werden nie überschüssig sein. Aber es ist nicht richtig, sie mit Exklusivmethoden zu stimulieren. Im Gesetzentwurf geht es um die Autonomisierung der Republik und deren Austritt aus dem bestehenden System der Haushaltsbeziehungen", erläuterte er.

    Es sieht danach aus, als ob Kadyrow diesmal zu viel von Russland gefordert hat. Bei der Staatsduma ist die Eingabe derart liberaler Gesetzentwürfe eher selten. Nur der stärkste politische Druck durch den Kreml kann den Entwurf zu einem Gesetz machen. Vorerst gibt es jedoch keine Gründe, auf eine Unterstützung des Entwurfs durch Wladimir Putin zu hoffen.

    Man könne außerdem einen rein "diplomatischen" Charakter des Entwurfs vermuten, der eine Erörterung unnötig machen würde.

    Da Kadyrow den Vertrag über eine Abgrenzung der Vollmachten zwischen der Russischen Föderation und Tschetschenien nicht durchsetzten konnte, will er jetzt zeigen, dass seine tatsächlichen Wünsche viel bescheidener sind als der Gesetzentwurf über einen Sonderstatus der tschetschenischen Unternehmen selbst.

    Dies betrifft zum Beispiel die Übergabe der Grosneftegas von Rosneft an die Regierung Tschetscheniens.

    "Gazeta.Ru": Alrosa und De Beers wollen Verbot für Rohdiamantenkauf umgehen

    Die Spitzenreiter des Rohdiamantenmarktes haben einen Weg zur Umgehung des Verbots gefunden, mit dem die Europäische Kommission den Rohdiamantenkauf des Unternehmens De Beers von der russischen Alrosa reglementieren wollte.

    Laut EU-Plänen soll Alrosa 2007 Rohdiamanten für 500 Millionen Dollar und 2008 für 400 Millionen Dollar an De Beers verkaufen. Alrosa fechtet diesen Beschluss in der ersten Instanz des EuGH an und wirft der Europäischen Kommission eine Verletzung des grundlegenden Prinzips der Freiheit der Vertragsabschlüsse vor.

    Am Mittwoch unterzeichneten Alrosa und De Beers ein Memorandum, demgemäß sie weltweit Joint Ventures für die Erkundung und Gewinnung von Rohdiamanten gründen können, schreibt die Internetzeitung "Gazeta.Ru".

    Sollte die Unterzeichnung des Memorandums zu einem Zusammenwirken führen, könnte das den Unternehmen ermöglichen, die Einmischung der Europäischen Kommission wettzumachen.

    Auf Alrosa entfallen 25 Prozent des Rohdiamanten-Weltmarktes. Im 1. Halbjahr 2006 belief sich der Reingewinn des Unternehmens auf 140 Millionen Euro. Auf De Beers entfallen drei Fünftel der weltweiten Rohdiamantenförderung. 2005 machte das Unternehmen einen Reingewinn von 554 Millionen Dollar. Anfang 2005 verkaufte das russische Rohdiamantenmonopol 19 Prozent seiner Förderung an De Beers.

    Die Unterzeichnung des Memorandums wird von Analysten positiv bewertet. "Ein solches Abkommen ist in die Zukunft gerichtet", stellt Alexej Pawlow, Leiter der Analytik-Abteilung des Investunternehmens VIKA, fest. "Derzeit ist zwar das Angebot auf dem internationalen Rohdiamantenmarkt um zehn Prozent höher als die Nachfrage, eine schrittweise Erneuerung der Ressourcenbasis ist dennoch notwendig."

    De Beers solle sich dabei mit dem Absatz der geförderten Rohdiamanten befassen, da es die größere Erfahrung auf diesem Gebiet besitzt, meint Igor Wassiljew von der Investgesellschaft Financial Bridge. "Nicht ausgeschlossen ist aber auch die Variante einer Produktaufteilung und des Steinabsatzes über zwei Absatznetze. Gut ist auch, dass jede der Gesellschaften nicht nur Erfahrungen des Partners übernehmen, sondern auch Risiken aufteilen kann, die bei der Erschließung neuer Vorkommen unvermeidlich sind."

    "Bisnes": PSA Peugeot Citroen plant ein Autowerk in Nischni Nowgorod

    Vertreter des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung und Handel haben Einzelheiten des Projekts für den Bau eines Autowerks des Konzerns PSA Peugeot Citroen veröffentlicht.

    Der Betrieb wird sich voraussichtlich in Nischni Nowgorod befinden und bis zu 25 000 Autos im Jahr herstellen, was ungefähr dem jetzigen Jahresabsatz beider Automarken in Russland entspricht. Wie die Wirtschaftszeitung "Bisnes" am Donnerstag schreibt, sollen sich die Investitionen auf 50 Millionen Dollar belaufen. Der Konzern will seine Autos aus zugelieferten Fertigteilen zusammenbauen.

    "Es ist nicht auszuschließen, dass PSA auch lokale Vergünstigungen bekommen wird", meint Natalja Kotscheschkowa, Analystin der Investmentgesellschaft Finam.

    "Dies ist eine in technischer und technologischer Hinsicht gut entwickelte Region, die eine gute Verbindung mit Rest-Russland hat", fügt Dmitri Baranow, Chef der analytischen Abteilung von PRADO Bankir i Konsultant, hinzu.

    Parallel soll in Nischni Nowgorod auch eine Produktion von Autoteilen aufgenommen werden. Am Mittwoch wurde die Gründung eines Joint Ventures zwischen der französischen Firma Faurecia und der Gesellschaft Technoplast Nischni Nowgorod bekanntgegeben, das Stoßstangen für die Renault-Werke in Moskau und in Kolumbien herstellen wird.

    Was das russische Autowerk GAZ anbelangt, das bereits seit Jahrzehnten in Nischni Nowgorod arbeitet, so wird angenommen, dass der Konzern PSA für die Produktion seiner Autos nicht die GAZ-Produktionskapazitäten nutzen wird. "GAZ hat es nicht nötig, einen Konkurrenten aufzupäppeln", meinte ein Marktexperte. Außerdem hatten Vertreter der GAZ-Gruppe zuvor ihr Interesse auf technologische Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern beschränkt und seien demnach nicht an einem Zusammenbau aus fertigen Zulieferteilen interessiert.

    Das Abkommen zwischen PSA und dem russischen Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Handel kann Ende September bzw. Anfang Oktober unterzeichnet werden, die Autoproduktion soll 2008 bzw. 2009 beginnen. "Der PSA-Konzern will seine Investitionen minimal halten und ohne besondere Modernisierung und Umstellung arbeiten", meint Baranow. "Wahrscheinlich will PSA zunächst den Markt und die Situation genauer studieren." Nach seiner Ansicht ist PSA in erster Linie an der Produktion von Lieferwagen Citroen Berlingo/Peugeot Partner in Russland interessiert.

    Die Analystin Natalja Kotscheschkowa schloss indessen nicht aus, dass in Russland auch Autos für weitere Lieferungen nach China zusammengebaut werden.

    "Wedomosti": Product-Sharing-Projekte unergiebig

    Die Teilnehmer der seit Anfang der 90er Jahre in Russland realisierten Product-Sharing-Projekte haben bereits rund 18 Milliarden Dollar in die Öl- und Gasförderung investiert.

    Der Staat konnte allerdings nur rund 686 Millionen Dollar daran verdienen, schreibt die Tageszeitung "Wedomosti" am Donnerstag.

    Wie die interbehördliche Kommission in einem Bericht für 2005 für Product-Sharing-Projekte bekanntgibt, ist Sachalin-2 (Operator Sakhalin Energy) mit den bisherigen Investitionen von 11,8 Milliarden Dollar das teuerste der drei Projekte. Sachalin-1 (Operator ExxonMobil) hat bereits 5,6 Milliarden Dollar verschlungen und das Ölvorkommen Charjaga (Operator Total) 781,8 Millionen Dollar.

    Dabei sei zugleich jedes der Projekte teurer als ursprünglich geplant. Allein 2005 beliefen sich die Ausgaben für Sachalin-1 auf 2,27 Milliarden Dollar, womit der Kostenvoranschlag um 24 Prozent übertroffen wurde.

    Bei Sachalin-2 wurden mit 4,05 Milliarden Dollar rund 61 Prozent und bei Charjaga mit 93,45 Millionen Dollar rund 26 Prozent mehr ausgegeben.

    Der Leiter des Zentrums SRP-Expertisa, Michail Subbotin, möchte aber auch die indirekten Einnahmen mitrechnen, die der Staat an einem Product-Sharing-Projekt verdient.

    Dies beziehe sich auf Steuern, die von den Auftragnehmern an den Staatshaushalt abgeführt werden. Nach den Worten von Igor Ignatjew, Vizepräsident von Sachalin Energy, seien im Rahmen der beiden Sachalin-Projekte Verträge mit russischen Unternehmen für insgesamt rund acht Milliarden Dollar geschlossen worden. Allein 2005 zahlte Sakhalin Energy 931,8 Millionen Dollar an die einheimischen Auftragnehmer, was 87 Prozent aller Aufträge ausmacht.

    Als die Product-Sharing-Projekte vor zehn bis zwölf Jahren gestartet wurden, gab es wegen fehlender Finanzmittel für russische Unternehmen keinen anderen Weg, die Erschließung komplizierter Vorkommen in Angriff zu nehmen, stellt Maxim Schejin, Chef der analytischen Abteilung von Brokerkreditservice, fest.

    Bei den jetzigen hohen Ölpreisen sind die Product-Sharing-Gesellschaften nicht mehr so notwendig, meint Denis Borissow, Analyst der Gesellschaft Solid. Wie er berechnet hat, betragen die Staatseinnahmen aus dem Sachalin-1-Projekt bei einem Barrelpreis von 65 Dollar und einer 50:50-Gewinnaufteilung etwa 37,8 Dollar pro Barrel und bei den jetzigen Steuerraten 45,6 Dollar. Insofern sollten neue Product-Sharing-Projekte nur bei besonders komplizierten Vorkommen geschlossen werden wie Schtokman, Priraslomnoje oder Zentralnoje.