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    Russland und Indien planen ein Joint Venture für Titan-Produktion/ Kommen weitere Rosneft-Anteile auf den Markt?/ Minsk sucht nach Alternativen zu russischen Energielieferungen/ Russland und Ukraine planen Wiederaufnahme der Serienproduktion des Großtransportflugzeugs Ruslan.

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    MOSKAU, 24. Januar (RIA Novosti).

    „Gazeta.Ru“: Russland und Indien planen ein Joint Venture für Titan-Produktion

    Russland und Indien planen die Gründung eines Joint Ventures für die Titan-Produktion. Formell geht es zwar um eine zivil ausgerichtete Kooperation, höchstwahrscheinlich wird das Unternehmen aber auch eine militärische Komponente haben, schreibt die Internetzeitung „Gazeta.Ru“ am Mittwoch.

    Da diese Pläne vom russischen Verteidigungsminister Sergej Iwanow angekündigt wurden, ist die Gemeinschaftsproduktion mit dem weltgrößten Titanproduzenten WSMPO Avisma nicht ausgeschlossen, dessen Kontrollaktienpaket vergangenes Jahr vom russischen Rüstungsexporteur Rosoboronexport erworben wurde.

    Indien braucht Technologien und Russland Rohstoffe, deren Mangel WSMPO Avisma bereits in den kommenden fünf Jahren zu spüren bekommen wird, meinen Experten. „In langfristiger Sicht muss der russische Titan-Gigant seine Rohstoffbasis ausbauen“, stellt Dmitri Parfjonow, Analyst der Investmentgesellschaft Prospekt, fest. Das Format eines Joint Ventures könnte in dieser Hinsicht die Verwirklichung neuer Projekte mit minimalen Ausgaben ermöglichen. Das Titan kann dabei sowohl für den Bau von Transportflugzeugen als auch für die Herstellung von Kampfflugzeugen der neuen Generation verwendet werden, über deren gemeinsame Entwicklung während des Indien-Besuchs von Sergej Iwanow ebenfalls die Rede war.

    „Eine Zusammenarbeit mit Indien in den Bereichen, in denen unser Land stark ist, etwa der militärisch-industrielle Komplex und die Atomenergiewirtschaft, war für unser Land noch in der Sowjetzeit charakteristisch“, stellt Alexej Makarkin, Vizegeneraldirektor des Zentrums für politische Technologien, fest. „Das Lobbyieren solcher Projekte vom Kreml ist insofern durchaus verständlich, insbesondere nachdem das Titan-Unternehmen praktisch unter staatliche Kontrolle geraten ist.“

    „Kommersant“: Möglicher Verkauf der staatlichen Rosneft-Aktien sorgt für Wirbel

    Der Chef der Behörde für die Verwaltung des Staatseigentums, Valeri Nasarow, hat am Dienstag angekündigt, weitere 25 Prozent der Aktien des staatlichen Ölunternehmens Rosneft könnten demnächst auf dem Markt angeboten werden. Der Minister für Wirtschaftsentwicklung und Handel, German Gref, dementierte allerdings sofort solche Pläne, berichtet die Tageszeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Branchenexperten sehen keine wirtschaftlichen Motive für einen Verkauf dieser Wertpapiere. Die Meinungsdifferenzen über das weitere Schicksal des staatlichen Aktienpakets können aber nach ihrer Ansicht vom Wunsch einer bestimmten Gruppe von Beamten zeugen, möglichst viele Rosneft-Aktien im Vorfeld der Präsidentenwahlen zu veräußern.

    Nach dem Aktienkurs vom Dienstag kosten 25 Prozent der Aktien von Rosneft mehr als 20 Milliarden US-Dollar.

    Andrej Gromadin aus der MDM-Bank ist der Ansicht, dass eine Verringerung der Staatsanteile erst in Erwartung eines radikalen Öl-Preisverfalls beziehungsweise bei einer pessimistischen Einschätzung der Perspektiven von Rosneft sinnvoll wäre. Auch Pawel Kuschnir von Deutsche UFG bezeichnet eine Verringerung des staatlichen Rosneft-Pakets als „unlogisch“.

    Im vergangenen Jahr hatten Präsidentenberater Igor Schuwalow und Vizewirtschaftsminister Kyrill Androssow, Mitglied des Rosneft-Direktorenrates, bereits unterschiedliche Erklärungen über einen zusätzlichen Verkauf von Aktien abgegeben, was die anhaltenden Meinungsdifferenzen der Beamten beweist.

    „In wirtschaftlicher Hinsicht besteht keine Notwendigkeit an einem zusätzlichen Aktienverkauf“, stellt Andrej Illarionow, ehemaliger Wirtschaftsberater des russischen Präsidenten, fest. „Es gibt kein Staatshaushaltsdefizit, aber auch die Ölpreise liegen bereits um ein Drittel unter ihrem Maximum vom vergangenen Jahr. Die wirklichen Rosneft-Besitzer brauchen das aber, und zwar dringend, um ihren Rosneft-Besitz juristisch zu gestalten. Ihre Eile lässt sich auch mit dem jüngsten Interview des russischen Präsidenten mit indischen Journalisten erklären, in dem er erneut seine Weigerung bestätigte, für eine dritte Amtszeit zu kandidieren. Eine Umwandlung der politischen Kontrolle über Rosneft in Privateigentum macht es für sie dringend notwendig, 100 Milliarden Dollar aus dem Staatseigentum auszuschließen und diesen Privatbesitz bis zum März 2008 zu legalisieren.“

    „Iswestija“: Weißrussland sucht nach Alternativen zu russischen Energieträgern

    Nach dem Öl- und Gaskonflikt mit Russland ist es Weißrussland gelungen, nach wie vor ermäßigte Preise in Anspruch nehmen zu können. Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko ist jedoch wieder unzufrieden, denn vom früheren Subventionsumfang kann er nur noch träumen, schreibt die „Iswestija“ am Mittwoch.

    Am Dienstag formulierte er eine neue anspruchsvolle Aufgabe für die Regierung: Es soll eine Alternative zum russischen Öl gefunden sowie eine höhere Bodenpacht für die Transitpipelines gefordert werden.

    „In diesem Jahr wird Weißrussland 2,5 Milliarden Dollar mehr für Gas und zusätzlich eine Milliarde Dollar für Öl zahlen müssen“, so Lukaschenko. „Diese 3,5 Milliarden Dollar dürfen wir aber nicht verlieren.“

    Experten bewerten Lukaschenkos Erklärungen als pure politische Erpressung. „Die Pachtgebühren sind alles andere als bedeutend, und ein Ölimport per Eisenbahn aus Lettland werde teurer zu stehen kommen als der Import aus Russland“, sagt Valeri Nesterow, Analyst der Investmentgesellschaft Troika Dialog. Außerdem handelt die Schweizer Firma Vitol, die das Ölterminal im lettischen Ventspils besitzt, ebenfalls mit russischem Öl. Damit würde die Ölraffinerie im weißrussischen Polozk wiederum russisches Öl bekommen, dann allerdings über einen Vermittler.

    Außerdem erwägt Lukaschenko einen Anschluss an das ukrainische Pipelinesystem Odessa-Brody. Dabei überlegt die ukrainische Regierung bereits seit mehreren Jahren, wie sie russische Ölfirmen für diese Pipeline gewinnen könnte, während der Umfang, der befördert wird, kontinuierlich sinkt, weil sie für die russischen Unternehmen ungünstig ist.

    Außerdem wurde in Weißrussland vor kurzem die Idee diskutiert, aserbaidschanisches Öl über den ukrainischen Hafen Odessa zu beziehen.

    „Lukaschenko mag Öl auch bei Hugo Chavez kaufen“, meint ein Troika-Dialog-Experte. „In wirtschaftlicher Hinsicht erscheint das aber zweifelhaft, die russischen Ölpreise sind weiterhin günstiger als die Weltpreise. Und über Vermittler wird es noch teurer werden.“

    „Bisnes“: Rückkehr des Großtransporters Ruslan: Russland und Ukraine planen Serienproduktion

    Die Firmengruppe Wolga-Dnepr und die ukrainische Gesellschaft Motor Sitsch haben ein Verwaltungsunternehmen gegründet, das die Serienproduktion des Transportflugzeugs Ruslan ermöglichen soll. Wie die Wirtschaftszeitung „Bisnes“ am Mittwoch berichtet, sollen 500 Millionen Dollar im Laufe von fünf Jahren in dieses Projekt investiert werden.

    Das neue Unternehmen soll sich mit der Entwicklung und Produktion einer neuen Version der Ruslan befassen: Die Tragfähigkeit der Maschine soll auf 150 Tonnen erhöht, die Betriebszeit auf 80 000 Flugstunden ansteigen. Das Flugzeug soll in den Betrieben des Unternehmens Aviastar-SP produziert werden.

    Die erste Maschine wird 2010 gebaut, insgesamt sollen bis 2015 zwölf Ruslans (die offizielle Typenbezeichnung: An-134-100M-150) hergestellt werden. Die Fluggesellschaft Wolga-Dnepr bestellte bereits zwei Maschinen dieses Typs.

    Marktteilnehmer meinen, dass für die Wiederaufnahme der Serienproduktion ein günstiger Zeitpunkt gewählt wurde. Der Transportmarkt für schwere Güter wächst rasant: von 200 Millionen Dollar 2004 auf 500 Millionen Dollar 2005. Der Bedarf an Ruslan-Flugzeugen wird nach ihrer Schätzung bis 2030 bei 50 Stück liegen.

    Ruslan „war das einzige russische zivile Flugzeug, das auf dem Weltmarkt gefragt war“, stellt Konstantin Makijenko, Vizedirektor des Zentrums für Strategien- und Technologienanalyse, fest. Ohne staatliche Beteiligung lasse sich aber das Projekt kaum umsetzen. Oleg Pantelejew, Leiter des analytischen Dienstes Aviaport, meint allerdings, dass es doch möglich wäre. Der Staat wäre also gut beraten, wenn er dieses Projekt unterstützen würde.

    (RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.)