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    Ein Satelliten-Killer aus dem Osten. Teil 1

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    Nach dem Satelliten-Abschuss mit einer chinesischen Rakete ist eine Splitter-Wolke entstanden, die andere Satelliten gefährdet.

    MOSKAU, 25. Januar (Andrej Kisljakow, RIA Novosti). Jeder weiß, dass Wort und Tat oft nicht übereinstimmen. In einem Familienstreit kann man beliebig lange schreien und mit den Fäusten fuchteln. Sobald jedoch ein Teller zerspringt, hören die beiden „Konfliktparteien“ auf: Die gefährliche Grenze ist überschritten.

    Etwas Ähnliches passierte nach dem Start der chinesischen Rakete in der Nacht zum 12. Januar, die den überholten Wettersatelliten "Feng Yun 1C" abschoss. In der Welt breitet sich die Meinung aus, dass China erstmals in seiner Geschichte eine Anti-Satelliten-Waffe getestet hat.

    Somit verletzte China das Prinzip der gegenseitigen Untätigkeit, an dem die führenden Weltraummächte trotz ihrer zahlreichen Drohungen, Waffen im All zu stationieren, bisher festhielten.

    Es ist wohl zweitrangig, inwieweit der chinesische Test erfolgreich war und ob mit ihm die gesetzten Ziele erreicht wurden. Die Daten, die von zahlreichen Überwachungsmitteln geliefert werden, werden den technischen Informationsbedarf decken. Damit beschäftigen sich schon alle Aufklärungsdienste der Welt.

    Aber schon heute kann man sowohl einzelne technische Details des neuen „chinesischen Wunders“ erörtern als auch die Folgen berechnen.

    Der Test entspricht nicht der chinesischen Mentalität

    Die amerikanische Aufklärung sieht den Raketenstart vom 11. Januar als erfolgreichen Test einer Anti-Satelliten-Waffe an. Die ballistische Rakete, die vom Raketenstartplatz Xichang abgefeuert wurde, trug eine kinetische Ladung, die in 860 Kilometer Höhe auf den seit 1999 im All fliegenden Wettersatelliten aufprallte und ihn zerstörte.

    Durch die Detonation entstand eine Wolke aus mehreren Tausend Splittern, die Experten zufolge 25 Jahre lang auf der Umlaufbahn bleiben und andere Satelliten gefährden kann. Es ergibt sich die Frage, wem all diese Splitter gehören.

    Nach Ansicht des angesehenen US-amerikanischen Raumfahrtspezialisten James Oberg ist der Begriff „Explosion eines getroffenen Satelliten“ eine Metapher. In der Tat hört der Satellit einfach auf, zu funktionieren. So etwas passierte mit einem amerikanischen Satelliten im Jahre 1985, als die USA ihre Anti-Satelliten-Waffe getestet haben.

    Damals beschoss auch die Sowjetunion bei einem ähnlichen Test einen ihrer Satelliten. Die dadurch entstandene Wolke machte den Amerikanern lange Zeit Sorgen. Endlich wurde festgestellt, dass die Abfangrakete, die wie ein Schrapnell funktionierte, selbst explodiert und in Splitter zerfallen war.

    Doch auch der Satellit kann explodieren, wenn ein Fremdkörper auf ihn aufprallt. Anhand der Menge der aufgetretenen Energie und der Flugweite der Splitter lässt sich genau ermitteln, ob der Satellit „von außen“ gesprengt wurde oder wegen eines Defektes selbst in die Luft ging.

    Ein alter Satellit, der Ende der 70er Jahre gebaut wurde, explodiert kaum von selbst. Denn er hat weder ein Triebwerk noch explosiven Treibstoff. Die Positionsbestimmung erfolgt mit Hilfe von Kleintriebwerken, die komprimierten Stickstoff als Treibstoff verwenden.

    Was die Rakete angeht, so war sie mit Sicherheit mit einem Selbstzerstörungssystem ausgestattet, das bei einem Fehlstart aktiviert wird. Mit anderen Worten: Darüber soll die Analyse der Aufklärungsdaten Aufschluss geben. Unterdessen schweigt die US-Luftwaffe darüber, was mit dem chinesischen Satelliten passiert ist. Wenn der Satellit nicht zerfallen ist, sondern lediglich funktionsuntüchtig wurde, dann muss er die Stabilität und die Orientierung im All verlieren.

    Es gibt einen weiteren Umstand, der mit den Splittern verbunden ist. Dieser hat jedoch nicht so sehr mit der Technik, sondern vielmehr mit Moral zu tun. Der Raketentest entspreche nicht der chinesischen Mentalität, äußerte Michael Krepon, Mitbegründer des amerikanischen Henry L. Stimson Center, das sich mit Problemen der nationalen Sicherheit beschäftigt.

    „Alles wurde sehr grob gemacht“, stellt Krepon fest. „Sie riefen eine Splitterwolke ins Leben, die 25 Jahre oder sogar länger im Orbit bleiben kann. Die Wolke liegt in einer höheren Umlaufbahn als die Splitter, die bei unseren Tests von 1985 entstanden waren. Der letzte von ihnen hörte erst nach 17 Jahren auf zu existieren.“

    Versuchen wir auf die Frage zu antworten, die sich immer erhebt, wenn man auf die Leistungen der chinesischen Raumfahrt zu sprechen kommt. Haben sie es wirklich ohne fremde Hilfe geschafft?

    (Fortsetzung folgt)

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