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    Ein Satelliten-Killer aus dem Osten. Schluss

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    Peking spielt ein eigenes Spiel im Weltraum und nimmt wenig Rücksicht darauf, was andere darüber denken.

    MOSKAU, 02. Februar (Andrej Kislajkow, RIA Novosti). Wer kann sagen, dass er in seinem Leben niemals Unfug angestellt hat, beispielsweise in seiner Kindheit? Offenbar niemand.

    Dennoch kann man dem russischen Militärexperten Wjascheslaw Fatejew kaum beipflichten, der den kürzlichen Test der chinesischen Anti-Satelliten-Waffe als „Flegelei“ bezeichnet hat.

    Die Raketentests wurden noch Anfang August in der chinesischen Presse angekündigt, wenn auch indirekt. Damals erklärten Experten aus der staatlichen Verteidigungsuniversität in der Zeitung „Renmin Ribao“, dass die chinesische Armee nicht nur die territoriale Integrität des Landes schützen müsse, sondern dass sie auch in der Lage sein müsse, eventuelle Gefahren aus dem Weltraum abzuwenden.

    Es ist schwer zu glauben, dass jemand in China, wo es eine totale Kontrolle durch den Staat gibt, gewagt hat, eigenwillig eine neue Tendenz in die nationale Verteidigungsdoktrin einzubringen, die bisher einen ausschließlich defensiven Charakter trug und keinen militärischen Einsatz im Ausland vorsah.

    Deshalb erscheint die Vermutung als begründet, dass der Raketenstart vom 11. Januar mit den jüngsten US-Weltraumdoktrinen („National Space Policy“ vom Oktober und „Space Operations“ vom Januar) nichts zu tun hat. Peking spielt ein eigenes Spiel im Weltraum und nimmt wenig Rücksicht darauf, was andere darüber denken.

    Als Flegelei lassen sich eher die erwähnten US-Doktrinen bezeichnen, insbesondere der Passus über die Alleinherrschaft im Weltraum sowie der, dass Washington unliebsamen Staaten den Zugang zum All verwehren kann. So eine Verfahrensweise ähnelt einer Verkehrssünde eines reichen Filmstars: Wenn es nicht zu einem schweren Unfall kommt, so braucht sich das Idol keine Sorgen zu machen.

    Doch der „Verkehrsunfall“ hat sich schon ereignet: China ging als erster von Worten zu Taten über. Schwere Opfer gibt es auf den ersten Blick keine, wenn man den Querschläger in Richtung Russland nicht mitrechnet.

    Es ist nicht auszuschließen, dass sowohl China als auch die USA Vorteile aus dieser Sache ziehen werden. China, das über ein beeindruckendes materielles Potential verfügt, hat nämlich unter Beweis gestellt, dass es modernste Weltraumtechnologien im Griff hat und komplizierte Militärprogramme einschließlich der Raketenabwehr umsetzen kann. Das berechtigt Peking dazu, noch wählerischer bei seinen Partnern zu sein.

    Die Amerikaner ihrerseits können von nun an beliebige Programme für Weltraumwaffen seelenruhig umsetzen und wenig Rücksicht auf andere nehmen.

    Es wäre falsch, zu behaupten, dass Russland gegenwärtig in der Lage ist, Weltraumaktivitäten in allen Richtungen im Alleingang voranzutreiben. Moskau muss jetzt sowohl nach Osten als auch nach Westen blicken. Ein solches Balancieren, bei dem sich das Schwergewicht in Richtung Osten verschiebt, verschafft Moskau mehr Freiheit in den Beziehungen zu den Amerikanern, seinen unentbehrlichen ISS-Partnern.

    Eine engere Zusammenarbeit mit China bei den bereits existierenden 38 und den künftigen 20 Projekten wird die russisch-amerikanischen Beziehungen im Bereich der Raumfahrt, die jetzt ohnehin nicht auf dem Höhepunkt sind, kaum verbessern. Angesichts dessen ist die Aussage des russischen Verteidigungsministers weitsichtig, der zum allgemeinen Erstaunen erklärt hat, dass der chinesische Test mit den Anti-Satelliten-Waffen wenig gemein habe.

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