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    Russland will neuen Vertrag über Mittelstreckenraketen/ Trotz Verstaatlichung in Bolivien: Gasprom will in dortige Energieprojekte einsteigen/ Kein Geld: Bau der Pazifik-Ölpipeline gerät ins Stocken.

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    MOSKAU, 26. Februar (RIA Novosti).

    „Nesawissimaja Gaseta“: Russland sollte neuen Vertrag über Mittelstreckenraketen anstreben

    Ein Austritt aus dem Vertrag über die Abschaffung der Mittel- und Kurzstreckenraketen und eine Antwort auf die Stationierung des US-Raketenabwehrsystems in Europa sind zwei unterschiedliche Fragen, die nicht in einen Zusammenhang miteinander gebracht werden sollten.

    Diese Meinung äußerte Iwan Safrantschuk, Direktor der russischen Vertretung im Institut für Weltsicherheit, am Montag in der Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta“. Russlands Wunsch, Mittelstreckenraketen wieder in seinem Arsenal zu haben, bewertete er zugleich als begründet.

    Wie er weiter ausführt, war es in den 80er Jahren eine überaus wichtige Aufgabe gewesen, die US-amerikanischen Mittelstreckenraketen, die innerhalb von sechs bis acht Minuten Moskau erreichen könnten, aus Europa zu verdrängen. Ein entsprechender Vertrag wurde bereits 1991 verwirklicht. In den 90er Jahren wurde sich Russland der Bedrohung aus dem Süden bewusst. 2000 gab ein ranghoher russischer Beamter die Erklärung ab, ein Raketenschlag gegen Afghanistan sei möglich. Er wurde zwar dafür heftig kritisiert, das Problem war jedoch durchaus real. In den Jahren 1999 und 2000 versuchten Taliban-Milizen, in Zentralasien einzudringen. Ein möglicher Raketenschlag hätte damals nicht geschadet. Für solche Zwecke gab es aber keine bodengestützten Raketen.

    Insofern hat Russland seine Gründe, die vor rund 20 Jahren verbotenen Raketen wieder in sein Arsenal aufzunehmen. Mit dem Raketenabwehrsystem hat das aber nichts zu tun.

    Wahrscheinlich wollten Russlands Vertreter mit ihren Erklärungen einfach Europa Angst einjagen. Dort hatte man nämlich immer die Ansicht vertreten, dass alle Mittelstreckenraketen gegen Europa bestimmt sind, und zwar höchstwahrscheinlich als eine Bestrafung amerikanischer Sünden. Nach diesen Erklärungen haben aber Frankreich, vor allem aber Deutschland allen Grund, sich in die Vereinbarungen der USA mit Tschechien und Polen über die Stationierung von Teilen des Raketenabwehrsystems mit folgendem Argument einzumischen: Warum werden Fragen, die Folgen für ganz Europa haben werden, bilateral geregelt, wo es doch die Nato dafür gibt?

    Es ist also sinnvoll, Europa zusätzliche Gründe zu geben, sich in die bilateralen Vereinbarungen Amerikas mit Polen und Tschechien einzumischen. Zugleich besteht kein Sinn, die Frage der Mittelstreckenraketen und des Raketenabwehrsystems in Europa unter einen Hut zu bringen.

    Russland braucht diese Raketen nicht wegen dieses Abwehrsystems, sondern auch aus anderen Gründen.

    Als diese Raketen verboten wurden, war es notwendig, sie mit nuklearen Gefechtsköpfen zu bestücken, heute braucht man sie mit einer nichtnuklearen Ausrüstung. Sobald sich die Situation um das Raketenabwehrsystem in Europa etwas beruhigt, sollte Russland unabhängig davon, ob es gelingt oder nicht, die US-Pläne zu vereiteln, die Initiative unterbreiten, den Vertrag über die Mittel- und Kurzstreckenraketen an die heutigen Verhältnisse anzupassen. Solche Raketen würden keine Gefahr für Europa und China darstellen, weil es keinen Sinn hat, diese gegen Partner zu richten. Insofern müsste ihre Reaktion darauf moderat sein.

    „Wedomosti“: Trotz Verstaatlichung in Bolivien: Gasprom steigt in Energieprojekte ein

    Der russische Konzern Gasprom plant, seine Aktivitäten nach Bolivien auszuweiten.

    Er will bei der Erschließung von Bodenschätzen in dem Land, dessen Regierung Kurs auf eine Verstaatlichung der Öl- und Gasbranche genommen hat, zusammen mit dem dortigen Staatsunternehmen Yacimientos Petroliferos Fiscales Bolivianos (YPFB) arbeiten, schreibt die Tageszeitung „Wedomosti“ am Montag.

    Das am 21. Februar unterzeichnete Memorandum über Einvernehmen sieht u. a. eine Erkundung und einen Abbau von Öl- und Gasvorkommen bzw. eine Beteiligung an Infrastrukturprojekten, einschließlich der Produktion von verflüssigtem Erdgas, vor.

    Zugleich erklärte eine YPFB-Sprecherin gegenüber der Zeitung, konkrete Projekte seien vorerst nicht behandelt worden.

    Boliviens Präsident Evo Morales unterzeichnete im vergangenen Jahr ein Dekret, laut dem YPFB 50 Prozent plus eine Aktie in sechs örtlichen Öl- und Gasunternehmen bekommen soll. Bisher wurden diese völlig beziehungsweise teilweise von British Petrol, Petrobras (Brasilien), Repsol (Spanien) sowie von lokalen Investoren und Rentenfonds kontrolliert, die seit Anfang der 90er Jahre rund vier Milliarden Dollar in den Öl- und Gassektor investiert hatten. Vor kurzem kündigte Morales auch die Verstaatlichung einer Zinnfabrik an, die der Schweizer Firma Glencore gehört.

    Wie Stanislaw Zygankow, Chef des Gasprom-Abteilung für wirtschaftliche Auslandsaktivitäten, erklärte, hat der russische Monopolist keine Angst vor diesen Aktivitäten in Bolivien. Gasprom unterstütze die Schritte von Morales zur Verstärkung der Kontrolle über die Naturressourcen des Landes, betonte er.

    Wie Valeri Nesterow vom Investmentunternehmen Troika Dialog feststellte, will Gasprom zum „Global Player“ auf dem Energiegebiet aufsteigen. Der Konzern zeigt Interesse für den Bau einer südamerikanischen Gaspipeline, die Venezuela, Brasilien und Argentinien verbinden würde. Diesem Pipeline-Projekt könnte sich auch Bolivien anschließen.

    Bolivien liegt mit zwei Billionen Kubikmetern an dritter Stelle in Lateinamerika hinter Venezuela sowie Trinidad und Tobago bei den Gasvorräten. Die Ölvorräte betragen rund 450 Millionen Barrel. 2005 wurden dort 39,64 Millionen Kubikmeter Gas und 50 000 Barrel Öl gefördert.

    „Wremja Nowostej“: Finanzierungsprobleme: Bau der Pazifik-Ölpipeline gerät in Stocken

    Der Bau des zweiten Strangs der Ölpipeline von Ostsibirien bis zur Pazifikküste wird voraussichtlich auf eine unbestimmte Zeit verschoben. Bei ihrem Japan-Besuch in dieser Woche sollen Premier Michail Fradkow und der Minister für Industrie und Energiewirtschaft, Viktor Christenko, versuchen, neue und einträglichere Quellen für die Finanzierung des Projekts zu finden, berichtet die Tageszeitung „Wremja Nowostej“ am Montag.

    In der Hoffnung, Zugang zum russischen Erdöl zu bekommen, bemüht sich Japan seit 2000, Moskau zum Bau einer Pipeline aus Ostsibirien bis zum Stillen Ozean zu bewegen. 2002 bot Tokio ein Kredit von fünf Milliarden Dollar an, um dieses Projekt umfassend zu finanzieren. Eine Antwort darauf blieb dennoch aus: Parallel wurde der Bau einer Rohrfernleitung nach China diskutiert. 2003 wurde dann von der Regierung eine Kompromisslösung gefunden: Die Pipeline sollte zwar bis zur Pazifikküste, aber mit einer Abzweigung nach Daqin in China gebaut werden.

    Wie Christenko mitteilte, wird eine Entscheidung über den Bau der zweiten Abschnitts der Ostsibirien-Pazifik-Pipeline erst nach einer Bestätigung von vorhandenen Rohstoffvorräten in Ostsibirien getroffen. Nach Angaben des Ministeriums für Naturnutzung könnten die notwendigen Vorräte frühestens 2011 oder 2012 bestätigt werden.

    Russlands Behörden stellen bereits seit geraumer Zeit fest, dass die ostsibirischen Vorräte beim jetzigen Tempo der Erkundungsarbeiten eine Pipeline-Auslastung von maximal 30 Millionen Tonnen im Jahr ermöglichen könnten.

    Außerdem ist bereits jetzt eine beachtliche Verteuerung des Projekts zu verzeichnen. Nach Angaben des staatlichen Unternehmens Transneft würde der Bau des ersten Pipeline-Abschnitts etwa 13,2 Milliarden Dollar kosten. Kalkulationen für den zweiten Bauabschnitt liegen vorerst nicht vor. Dabei war das gesamte Ostsibirien-Pazifik-Projekt erst vor zwei Jahren auf 11,5 Milliarden Dollar geschätzt worden, von denen 6,6 Milliarden auf den ersten Abschnitt entfielen.

    (RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.)

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