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    Tuberkulose. Neue Gefahren?

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    MOSKAU, 27. März (Olga Sobolewskaja, RIA Novosti). Tuberkulose ist heilbar, dennoch sterben in Russland täglich 88 Menschen daran.

    Der Krankenstand stabilisiert sich allmählich, dabei breitet sich die extrem resistente Tuberkulose (XDR-Tb) aus, die sich noch nicht behandeln lässt. Diese Situation haben Experten kurz vor dem Tuberkulose-Welttag, der am 24. März begangen wird, geschildert.

    Im Jahre 2006 wurden nach Angaben des Ministeriums für Gesundheitswesen und Sozialentwicklung Russlands 82,4 neue Erkrankungsfälle je 100 000 Einwohner registriert, gegenüber 83,8 Fällen im Jahre 2005 (die entsprechende Kennziffer in den USA beträgt fünf). Zwar geht diese Kennziffer in Russland zurück, aber die Gesamtzahl der Neuerkrankungen im vergangenen Jahr ist mit 118 000 noch sehr hoch gewesen. Tuberkulose ist weiterhin der "Mörder Nummer Eins" unter den Infektionskrankheiten, obwohl effektive Anti-Tbc-Medikamente seit vielen Jahrzehnten angewendet werden.

    In Russland wird täglich bei 327 Personen Tuberkulose registriert. Nachfolgend das Durchschnittsporträt eines russischen Tbc-Kranken: ein 43 Jahre alter Mann, in der Regel ohne Familie und wohnungslos, alkoholabhängig, in 70 Prozent der Fälle ein ehemaliger Strafgefangener. Die Tbc-Diagnose werde oft gerade in einem Untersuchungsgefängnis - nach obligatorischen Prozeduren, der Entnahme von Blutproben und einer fluorographischen Aufnahme - erstellt, betont der stellvertretende Direktor des Föderalen Dienstes für Strafvollzug Alexander Kononez. Im vergangenen Jahr wurden dort 8000 Kranke ermittelt. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis unterbrechen sie die Therapie oft vorfristig und weichen einer medizinischen Kontrolle aus.

    In Russland nimmt die Zahl der Menschen zu, die gleichzeitig an Tbc und am Virus der Immunschwächekrankheit - HIV leiden. Im Jahre 2005 wurden 6700 Fälle von dieser komplexen Krankheit registriert. "In einem solchen Fall verläuft die Krankheit sehr schwer und schnell", erläutert Alexander Kononez.

    Mittel für die Bekämpfung der Krankheit sind im Rahmen des nationalen Projektes für Gesundheitswesen bereitgestellt worden. Es gibt auch Grants der Weltbank und des Globalen Fonds für die Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria (der Fonds stellte 2,288 Milliarden Rubel bzw. 88 Millionen US-Dollar für fünf Jahre bereit). "Im Jahre 2007 können die Bedürfnisse von 40 000 Patienten aus Mitteln des Fonds gedeckt werden", bemerkt der stellvertretende Direktor des Projektes des Globalen Fonds Michail Bionyschew. Gegen die Ausbreitung der Tuberkulose kämpfen auch die Vertretung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Russische Rote Kreuz (RKK). Die russische Rot-Kreuz-Organisation leistet beispielsweise ihren Beitrag dazu, indem sie Krankenschwestern, Psychologen und Juristen für die Betreuung der Kranken ausbildet.

    Fragen der Anti-Tbc-Therapie in Russland liegen im Zuständigkeitsbereich von fünf föderalen Instituten. Wie Wladisalw Jerochin, Direktor des Zentralen Forschungsinstitutes für Tuberkulose der Russischen Akademie der medizinischen Wissenschaften, sagte, werden Phthisiater und Bakteriologen intensiv ausgebildet. Es werde der Mechanismus der Herausbildung der Beständigkeit der Tuberkulosemykobakterie - des Kochstäbchens - gegen Arzneimittel untersucht. "Die Ansteckung mit Stämmen der extrem resistenten Tuberkulose stellt eine große Gefahr dar. Hierbei sind Präparate einer neuen Generation notwendig", kommentiert Prof. Jerochin. Russische Wissenschaftler arbeiten an der Entwicklung solcher Impfstoffe.

    Laut Wladislaw Jerochin hat Russland Vorteile bei der Behandlung der Tuberkulose. Es handelt sich beispielsweise um die Leistungen in der Phthisiochirurgie, um besondere Kinder- und Jugenddienste zur Verhütung der Krankheit. Das Impfen mit dem Tbc-Vakzin BSG ist für alle Neugeborenen vorgesehen.

    Wie im russischen Ministerium für Gesundheitswesen und Sozialentwicklung hervorgehoben wird, muss die Diagnostik weiter vervollkommnet werden. Es müssen neue medizinische Einrichtungen gebaut und die bestehenden modernisiert sowie neue Ausrüstungen gekauft werden. Laut dem Ministerium "darf man sich nicht mit den positiven Tendenzen beruhigen". Es gilt durchzusetzen, dass Tbc-Erkrankungen auf wenige Einzelfälle beschränkt werden.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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