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    Russisches Erdöl legt neuen Weg nach Europa

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    MOSKAU, 27. März (Michail Chmeljow, RIA Novosti). Bulgarien, Griechenland und Russland haben sich auf den Bau einer neuen Transitölpipeline geeinigt, die den bulgarischen Schwarzmeerhafen Burgas und den griechischen Mittelmeerhafen Alexandroupolis verbinden soll.

    51 Prozent der Aktien der Projektierungsfirma, die die Rohrleitung bauen wird, werden Russland gehören.

    Der Rest wird je zur Hälfte unter den Partnern aufgeteilt, über deren Territorium die Pipeline verlaufen wird. Ihnen wird auch das Transitgeld zustehen.

    Russland wird die wirtschaftlichen Hauptvorteile aus dem Projekt ziehen. Auch die Endverbraucher der russischen Energieträger in Europa werden nicht im Nachteil sein. Mit dem Bau dieses weiteren Transportweges werden sie weniger von einer unberechenbaren Politik der Transitstaaten abhängen.

    Die Geographie des neuen Weges für den Erdöltransport nach Europa ist wie folgt. Das Erdöl von den Kaspivorkommen Russlands und Kasachstans gelangt durch die Pipelines des Kaspi-Rohrleitungskonsortiums in den Hafen Noworossijsk. Von dort wird es mit Tankern in den bulgarischen Hafen Burgas gebracht. Weiter strömt es durch die neue Ölpipeline, die unter Umgehung der Türkei und der von ihr kontrollierten Bosporus- und Dardanellenstraße verläuft, in den griechischen Mittelmeerhafen Alexandroupolis. Danach kann das Kaspiöl auf dem Seewege direkt, ohne irgendwelche territorialen Vermittler, zu den westeuropäischen Verbrauchern transportiert werden.

    Von keiner geringen Bedeutung ist auch der ökologische Aspekt des Baus der neuen Rohrleitung. Wie Andris Piebalgs, EU-Energiekommissar, sagte, wird der Bau der Ölpipeline es ermöglichen, die Zahl der Erdöltransporte per Tankschiff über den Bosporus und die Dardanellen zu verringern. Somit wird das Risiko einer ökologischen Verschmutzung infolge des Ausfließens von Erdöl aus Tankern zurückgehen. Ausgehend von diesen Erwägungen, erkannte die Europäische Kommission die neue Ölpipeline als Projekt von gesamteuropäischem Interesse an.

    Die neue Erdölleitung wird über das Territorium Bulgariens und Griechenlands verlaufen. Ihre Gesamtlänge wird 285 Kilometer und die projektierte Durchlassfähigkeit - 35 Millionen Tonnen im Jahr betragen. Die Baukosten werden auf 700 Millionen bis eine Milliarde Euro geschätzt. Entlang der Ölpipeline werden auch drei Pumpstationen und eine Erdölraffinerie gebaut. Im Ergebnis wird das Erdöl den ganzen Weg innerhalb von zwei Tagen überwinden.

    Die russischen Beamten erwarten, dass die Rohrleitung in kürzester Frist gebaut wird. „Wir hoffen, dass bereits im ersten Halbjahr 2007 eine juristische internationale Projektierungsfirma gegründet wird. Wir rechnen auch damit, dass es ihr gelingen wird, in der nächsten Zeit die Arbeit an der technisch-ökonomischen Aufgabenstellung des Projektes abzuschließen und ein Abkommen mit Bulgarien und Griechenland über den Erdöltransit zu unterzeichnen“, sagte Viktor Christenko, Minister für Industrie und Energiewirtschaft der Russischen Föderation, bei der Unterzeichnung des Abkommens über den Bau der Rohrleitung.

    Laut dem Vizepräsidenten der russischen Erdölgesellschaft Transneft, Sergej Grigorjew, kann die Ölpipeline schon Mitte 2009 ihre Arbeit aufnehmen.

    Am Aktienkapital des Konsortiums, das die Rohrleitung verwalten wird, werden die russischen Unternehmen Rosneft, Gasprom Neft, TNK-BP und Transneft den größten Anteil haben. Die russische Seite wird auch die Hauptinvestitionen in das Projekt vornehmen. Wie die russischen Beamten zugeben, wird die Ölpipeline Burgas-Alexandroupolis faktisch zu einem Teil des russischen Rohrleitungssystems werden, über welches russisches Erdöl und Erdöl der Kaspivorkommen auf die westeuropäischen Märkte geliefert wird.

    Bis zur Inbetriebnahme der neuen Erdölleitung sind es noch zwei Jahre. Aber die Experten betrachten sie schon heute als reale und besonders anziehende Alternative der bestehenden und potentiellen Wege des mittelasiatischen Erdöls nach Europa.

    Nach Worten Sabit Bagirows, Leiter des Fonds für die Förderung des Unternehmertums und der Marktwirtschaft Aserbeidschans (früher Präsident der aserbaidschanischen staatlichen Erdölgesellschaft), ist die Ölpipeline Burgas-Alexadroupolis ein unverkennbarer Konkurrent für die Rohrleitung Baku-Tiflis-Ceyhan. Obwohl in der Praxis alles von den Bedingungen abhängen wird, die die Unternehmen, die die Rohrleitungen besitzen, und die Regierungen der Transitländer vorschlagen.

    „Es ist über jeden Zweifel erhaben, dass die Exporteure es vorziehen werden, Erdöl auf den europäischen Markt über diejenige Rohrleitung zu liefern, die die besseren Tarife anbieten, Transportsicherheit garantieren sowie einen guten Betrieb und die rechtzeitige Lieferung sichern wird“, sagte der Experte.

    Die Tarife hängen ihrerseits von der Länge der Erdölleitung, deren Kapazität sowie von den Bau- und Bedienungskosten ab.

    Zum Vergleich: Die Länge der Erdölleitung Baku-Tiflis-Ceyhan, die im Mai 2005 ihrer Bestimmung übergeben wurde, beträgt 1774 Kilometer. Das Erdöl überwindet diese Entfernung mit Hilfe von acht Pumpstationen im Laufe von zehn Tagen. Die Durchlassfähigkeit dieser Pipeline liegt bei 50 Millionen Tonnen Erdöl im Jahr. Die Baukosten beliefen sich auf drei Milliarden Euro.

    Schon nach der Unterzeichnung des Vertrages über den Bau der Ölpipeline sagte der russische Präsident Wladimir Putin, dass Griechenland und Bulgarien bereit seien, einen Teil ihrer Aktiva an der Erdölleitung an andere Teilnehmer abzutreten. Zu einem der Bewerber für die Beteiligung am Projekt kann das kasachische staatliche Unternehmen KasMunaiGas werden.

    „Kasachstan verspricht, durch die Ausbeutung der Kaspivorkommen gegen das Jahr 2015 die Erdölförderung im Land im Vergleich zu den heutigen 65 Millionen Tonnen im Jahr mehr als zu verdoppeln“, sagte Andrej Grosin, Leiter der Abteilung Mittelasien und Kasachstan des russischen Instituts für die GUS-Länder. „Natürlich ist Russland daran interessiert, dass das kasachische Erdöl weiter durch Rohre strömt, die von der russischen Seite kontrolliert werden.“

    Man sollte meinen, dass die Konkurrenzvorteile des neuen Transportweges für das kaspische Öl klar sind. Warum hat dann die Erörterung des Projekts 13 Jahre gedauert?

    Die Ursache besteht darin, dass die Investoren und die interessierten Seiten bis in die jüngste Zeit hinein daran zweifelten, dass das Erdöl von den Kaspivorkommen die neue Pipeline voll auslasten kann. Aber diese Zweifel wurden zerstreut, nachdem Russland und Kasachstan einen umfassenden Transitvertrag über die Lieferung von Ressourcen von den kasachischen Erdölvorkommen über Russland nach Europa unterzeichnet hatten.

    Zu einem weiteren Argument zu Gunsten des möglichst schnellen Baus der Ölpipeline Burgas-Alexandroupolis wurde die Inbetriebnahme der Rohrleitung Baku-Ceyhan. Die Türkei, die an diesem Projekt teilnimmt und gleichzeitig die Straßen aus dem Schwarzen Meer ins Mittelmeer kontrolliert, fing an, russischen Tankern Hindernisse in den Weg zu legen, die von Noworossijsk aus westeuropäische Häfen anlaufen. Seit 1995 führte dieses Land unter Verletzung internationaler Konventionen eigene Regeln für den Transit durch die Bosporus- und die Dardanellen-Straße ein.

    In den letzten Jahren wurde die Diskriminierung der russischen Tanker besonders spürbar. Nicht selten musstendie Ölschiffe aus Noworossijsk wochenlang auf die Fahrt durch den Bosporus warten.

    Der Bau der neuen Ölpipeline unter Umgehung der Türkei wird es ermöglichen, einen neuen Transportweg für russisches und kasachisches Erdöl nach Europa zu organisieren, der nicht von der unfreundlichen Transitpolitik der Türkei abhängt.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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