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    Rostropowitsch: Meine beste Leistung war der Brief an die „Prawda“

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    MOSKAU, 27. März (RIA Novosti). Mstislaw Rostropowitsch, der weltberühmte Cellist, Ehrenbürger vieler Städte und Goodwill-Botschafter der UNESCO, begeht am heutigen Dienstag seinen 80. Geburtstag.

    Dieser Mensch hat in seinem Leben viel Gutes getan, ohne eine Belohnung dafür zu erwarten. Seine Belohnung sind die dankbaren Zuhörer in aller Welt.

    Er wurde als Sohn eines Cellisten und einer Pianistin geboren, insofern war sein Schicksal in vieler Hinsicht vorausbestimmt. Wissarion Schebalin, der damalige Rektor des Moskauer Konservatoriums, kannte ihn von klein an.

    Zum ersten Mal trat Mstislaw mit zwölf Jahren öffentlich auf: Er spielte als Solist ein Konzert von Saent-Sa?ns. Danach kam das Studium an der Gnessin-Musikhochschule. Nach Kriegsausbruch wurde die Familie evakuiert.

    Als sein Vater Mitte 1942 an einem Herzinfarkt starb, wurde der 15-jährige Junge faktisch Familienoberhaupt. Er trat in die Fußtapfen seines Vaters: wurde Musiklehrer und gab Konzerte mit Künstlerbrigaden.

    Mit Unterstützung des Konservatoriumsrektors kam Rostropowitsch 1943 nach Moskau und wurde gleich an der Komposition- und an der Cellisten-Fakultät immatrikuliert. Mit viel Glück kam er in die Gruppe, in der Dmitri Schostakowitsch unterrichtete.

    Dank dieser Bekanntschaft verzichtete der junge Virtuose allerdings auf seine Karriere als Komponist. Dies geschah, nachdem er die erste Orchesterprobe von Schostakowitschs 8. Sinfonie miterlebt hatte. „Zu diesem Zeitpunkt versuchte ich ebenfalls, eine Sinfonie zu komponieren“, erinnerte er sich später. „Als ich mir aber nach dieser Probe mein Manuskript angeschaut habe, begriff ich, dass ich nicht weitermachen kann. Mit seiner 8. Sinfonie hat mich Schostakowitsch gestoppt. Ich hörte auf, zu komponieren. Schluss. Von der Zeit an habe ich, Gott sei Dank, keine einzige Note mehr komponiert.“

    1955 lernte er die Opernsängerin Galina Wischnewskaja kennen. Vier Tage später machte er ihr einen Heiratsantrag. Von der Zeit an sind sie nun schon 52 Jahre lang zusammen. „Stimmt es, dass sie Ihre Frau vier Tage nach der Bekanntschaft geheiratet haben?“, wurde er einmal in einem „Reader’s-Digest“-Interview gefragt. „Das stimmt“, lautete die Antwort. „Und was denken Sie heute darüber?“ „Ich denke, dass ich vier Tage verloren habe!“ Diese Äußerung wurde später als die beste Interview-Antwort gekürt, wofür der Cellist einen Scheck über 40 US-Dollar bekam.

    Vieles in seinem Leben ist mit dem berühmten Schriftsteller Alexander Solschenizyn verbunden. Als dieser Ende der 60er Jahre aus der Heimat ausgewiesen werden sollte, schrieb der Musiker einen offenen Brief an die „Prawda“, in dem er sich für seinen Freund einsetzte. Dafür drohte Rostropowitsch die Verhaftung. Statt dessen wurden er und seine Ehefrau „lediglich“ ausgebürgert. Jahrzehnte später, nach seiner Rückkehr in die Heimat, stellte er in einem Interview fest: „Das Beste, was ich in meinem Leben getan habe, war wohl gar nicht die Musik, sondern der Brief an die ‚Prawda’. Von dem Zeitpunkt an lebte ich mit reinem Gewissen.“

    In seinen 1996 herausgegebenen Memoiren erinnerte sich Solschenizyn dankbar daran, wie Rostropowitsch ihm Zuflucht in seiner Datscha gewährt hatte. „In jenem Herbst schützte er mich so, dass ich nicht ahnen konnte, dass sich die Erde auftat und eine Gewitterwolke heraufzog. Es lag bereits die Anweisung vor, ein Polizeiaufgebot zu entsenden und mich auszusiedeln - ich wusste aber von nichts und ging ruhig die kleinen Alleen entlang spazieren.“

    Trotz der nicht gerade sanften Behandlung durch die eigene Heimat stellte Rostropowitsch später fest: „Kein anderes Land der Welt liebe ich so wie Russland. Deshalb existieren all die Beleidigungen, selbst die Feinde für mich nicht. Ich habe allen vergeben und bin allen dankbar… Als ich 1990 mit dem Washingtoner Nationalorchester zurückkehrte, dessen Chefdirigent ich 17 Jahre lang gewesen bin, traten wir sogar auf dem Roten Platz auf. Ich war glücklich, dass alles so hervorragend endete.“

    Bemerkenswerterweise zieht er bewusst die Aufmerksamkeit auf sich, weil er weiß, dass die Aufmerksamkeit damit auch auf das Problem gelenkt wird. So war es auch mit einem Kinderfonds und mit seiner Teilnahme am Widerstand gegen den Putsch 1991. „Ich dachte schon, dass man mich töten konnte - dafür hätte aber die ganze Welt erfahren, was in Russland geschehen ist“, sagte er später.

    Im Gebiet Nischni Nowgorod gibt es ein Dorf namens Watscha, in dessen Schicksal Rostropowitsch und Wischnewskaja eine große Rolle gespielt haben. Der in Washington gegründete Fonds machte seine russische Vertretung ausgerechnet in diesem Dorf auf. Es brauchte ein Krankenhaus und entsprechende Ausrüstungen. Laut dem amerikanischen Recht durfte Rostropowitsch das aber nicht finanzieren. So mobilisierte er für die Spendenkampagne namhafte Mäzene (Jimmy Carter, Ronald Reagan, Bill Gates’ Vater usw.) Dank den für diese Gelder gekauften Ausrüstungen konnte schon vielen Menschen das Leben gerettet werden.

    Für diesen Beitrag wurden Informationen der Webseite www.peoples.ru verwendet.

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